Die Stuttgarter Kickers erinnerten im Rahmen ihrer „Blauen Pokalreise“ mit dem Besuch in Neunkirchen an das Pokalspiel 1986 auf dem Weg zum Finale in Berlin und feierten gegen den SV Kirrberg das erste Saisontor mit
In der Historie der Neunkircher Borussia gibt es die absoluten Highlight-Spiele. Wie gegen die Bayern in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga 1964 beim 2:0 an der Grünwalder Straße oder 1992 und 2003 im DFB-Pokal im Ellenfeld-Stadion. Aber es gibt auch sportliche Begegnungen, die dagegen auf den ersten Blick zu verblassen und nahezu vergessen scheinen und dann doch wieder lebendig werden, weil sie selbst 40 Jahre danach zwei Clubs und die Anhänger noch einmal zusammenbringen. Das Pokalduell gegen die Stuttgarter Kickers war so ein Spiel. Am 26. Oktober 1986 waren die blauen Schwaben im Ellenfeld zu Gast, im Rahmen der „Blauen Pokalreise“ ließen Borussen und eine große Fan-Delegation aus Degerloch am vergangenen Sonntag die 90 Minuten von damals noch einmal Revue passieren und feierten anschließend gegen den SV Kirrberg gemeinsam den ersten Saisontreffer der Borussen.

Mit dem Projekt „Blaue Pokalreise“ erinnern die Fans der Stuttgarter an einen der größten Erfolge in der Vereinshistorie ihres Vereins: Die Teilnahme am DFB-Pokalfinale in Berlin 1987, in dem der damalige Zweitligist dem Hamburger SV nach hartem Kampf mit 1:3 unterlag. Auf der „blauen Pokalreise“ werden alle Stationen der aufregenden Pokalsaison 1986/87 noch einmal angesteuert. Mit dabei: Das Ellenfeld-Stadion in Neunkirchen, wo die Kickers vor ziemlich genau 40 Jahren mit 3:2 siegten und ins Achtelfinale einzogen.
Pünktlich um 12.00 Uhr fuhr er vor: Der Reisebus im blauen Kickers-Design. Mit dabei: Reporter und Fotograf des Magazins 11FREUNDE, die die Kickers auf ihrer Kult-Tour durch die Pokalsaison 1986/87 begleiten. Auch einige Schlachtenbummler, die am Vortag im Trierer Moselstadion eine 0:2-Niederlage ihrer Kickers miterleben mussten, waren von der Mosel ins Saarland gekommen. Nach der Begrüßung im VIP-Raum des Ellenfeld-Stadions mit Kickers-Delegationsleiter Dieter Beck, dem Leiter des Projekts „Blaue Pokalwerkstatt“, Benny Ulmer, und Borussias Vorstandsmitglied Jens Kelm (Ellenfeld-Verein e.V.) stärkten sich die Gäste zunächst einmal mit einem zünftigen Bergmannsfrühstück (bestehend aus Lyoner mit Senf, einem Weck und einem Kaltgetränk), erste Kontakte wurden geknüpft, man kam ins Gespräch. Anschließend erinnerten sich drei Protagonisten des Pokalfights in einer Talkrunde bei Nicky Kassner an die spannenden 90 Minuten. Alle drei waren „begeistert, dass eine solche Veranstaltung stattfinden kann. Deshalb großen Respekt den Verantwortlichen beider Clubs für die Organisation.“

Talkrunde mit Protagonisten: Für Borussia waren Uwe Grub und Trainer Rainer Reuter mit Nick Kassner im Gespräch (oben/v. li.), Kickers-Delegationsleiter Dieter Beck ließ Vorstandsmitglied Steffen Müller und Torwart Waldemar Cimander (unten/v. re.) zu Wort kommen. (Fotos: -jf-)

Rainer Reuter, damals Borussen-Trainer, hob dabei vor allem „die geschlossene Leistung seiner intakten und charakterstarken Mannschaft“ hervor. Borussias Uwe Grub wusste noch, „dass es zum Schluss richtig spannend wurde. Uns war schon vorher klar, dass wir wahrscheinlich von zehn Spielen gegen die Kickers neun verlieren würden, dass wir aber in dem einen Spiel im Pokal auch gegen sie gewinnen können.“ Der Mittelfeldspieler verwies dabei auf die ausgesprochene Pokalmentalität, die die Borussen stets an den Tag legten, wenn es gegen höherklassige Kontrahenten ging: „Hier wurde erst aufgegeben, wenn der Schiedsrichter abgepfiffen hat! Gegen die Kickers war es unser Ziel, die Borussia wieder ein wenig ins Rampenlicht zu rücken. Und das ist uns mit der Art und Weise, wie wir uns präsentiert haben, auch gut gelungen.“ Kickers-Torwartlegende Waldemar Cimander, der in der ersten Pokalrunde beim 5:0 bei Tennis Borussia Berlin ohne Gegentor geblieben war, war vor dem Anpfiff im Ellenfeld davon überrascht worden, seinem Kollegen Armin Jäger den Vortritt lassen zu müssen („Damit hatte ich nicht gerechnet, ich wollte immer die Nummer eins sein!“), hob aber hervor, „dass wir trotz der sportlichen Rivalität immer ein gutes Verhältnis zu einander hatten“, auch wenn die damalige Schlagzeile in der BILD-Zeitung („Jäger erschießt Cimander!“) anderes habe vermuten lassen. Bei der anschließenden Stadionführung durch die denkmalgeschützte Arena hatte der gebürtige Pole, der 1981 in den Westen geflüchtet war und in Degerloch zum Stammtorwart wurde, Gelegenheit, sich 40 Jahre später dann doch noch zwischen den Pfosten zu zeigen.


Grüße aus dem Schwabenland: Der Kickers-Anhang entrollte zum Start in die zweite Halbzeit ein Spruchband und motivierte die Borussen-Mannschaft damit sichtlich (oben). Kickers-Fan Richy hatte derweil mit einer Kreidezeichnung im Marathontor an das Pokalduell von einst erinnert (Mitte), während zahlreiche Zaunfahnen der Blauen aus Degerloch die Spieser Kurve zierten (unten). (Fotos: -jf-)

Besonders gefreut hat es den heute 71jährigen Keeper, dass ausgerechnet sein Kollege im Borussen-Tor, Tera Langoun Ibrahim, der kurz vor Schluss angesichts eines 0:1-Rückstandes bei einem Eckball mit nach vorne gestürmt war und tatsächlich mit einem Kopfballaufsetzer nicht nur den Ausgleich, sondern auch endlich im Spiel Nummer 13 den lang ersehnten ersten Treffer der Spielzeit für die Borussen erzielte. Der vor dem Spiel von Dieter Beck an die Stuttgarter Fan-Delegation geäußerten Wunsch, „Borussia lautstark zu unterstützen, damit wir heute alle gemeinsam das erste Saisontor bejubeln dürfen“, ging damit in Erfüllung. Borussen-Trainer Senat Memedovski wollte dem Kickers-Anhang sogar einen Beitrag zum Teilerfolg zuschreiben: „Dass sie uns vor allem in der zweiten Halbzeit und in der Schlussphase so angefeuert haben, haben 20 Prozent des Tores ausgemacht!“ Ein schöneres Kompliment konnte man den Gästen wohl kaum mit auf die „blaue Pokalheimreise“ geben. Doch auch die Kickers wollten sich nicht ohne Gegengabe verabschieden: Dieter Beck war mit dem Hut herumgegangen und übergab Dr. Jens Kelm zum Abschied eine Spende für den Ellenfeld-Verein e.V., der hauptverantwortlich für diesen gelungenen Tag zeichnete. Ein Tag, der bei allen Beteiligten sehr gut ankam: „Danke an alle, die das möglich gemacht haben, und an alle, die dabei waren.Es war fantastisch“, kommentiert „markusmaiermm80“ auf Instagram und fügt hinzu: „Und dann das Spiel! Unglaublich! Was für ein geiler Torwart! Ich habe heute noch Gänsehaut.“ Und „steffenrun50711“ meint: „Es war ein wunderbarer Tag mit einem magischen Tor.“ Zweifellos: Ein Tag, der dank des Engagements der Stuttgarter Pokalwerkstatt und des Neunkircher Ellenfeld-Vereins wieder einmal die verbindende Kraft des Fußballs unter Beweis stellen konnte
Borussia dankt den Kickers aus Stuttgartganz herzlich für den Besuch und die Unterstützung und wünscht für den weitere Saisonverlauf in der Regionalliga Südwest ganz viel Glück und Erfolg. Ein ebenso herzlicher Dank geht aber auch an alle Borussen, die durch tatkräftige Mithilfe dieses schöne gemeinsame Fußballerlebnis möglich gemacht haben.(jf-)
Untenstehend weitere Impressionen vom Besuch der Stuttgarter Kickers am vergangenen Sonntag im Ellenfeld. (Fotos: -jf-)




















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