Die Borussia startet heute in die finale Phase der Saisonvorbereitung / Zwei Testspiele stehen noch auf dem Programm: Am kommenden Freitag in Bexbach, am kommendne Sonntag gegen TuS Schönenberg
Während die Borussen derzeit gerade ein Sonntagstraining auf dem Kunstrasen neben dem Ellenfeld-Stadion absolvieren, werden Erinnerungen an alte Zeiten wach. Sommervorbereitung – mochten die Trainer auch noch so verschieden gewesen sein, so war diese Zeit doch stets mit „blood, sweat and tears“ verbunden. So ist es auch diesmal. Allerdings steht den Borussen eine ganz besondere Herausforderung bevor, gilt es doch in den nun noch verbleibenden zwei Wochen unter der Leitung von Cheftrainer Senat Memedovski und seinem Co Leonard Odesho (Foto oben/-jf-), weiter an einer geschlossenen Mannschaftsformation und am Teamspirit zu arbeiten, ehe am Samstag, dem 1. August, um Punkt 16.30 Uhr gegen die SG Lebach-Landsweiler der Start in die Verbandsliga Nord-Ost erfolgt. Eine geschlossene Mannschaft, 100 Prozent Einsatz und dazu ein guter Teamspirit wird – getreu dem Motto: „Einer für alle, alle für einen“ – entscheidend sein, um nach dem letzten Heimspiel gegen den SV Furpach am 23. Mai 2027 das Saisonziel „Klassenerhalt“ erreicht zu haben.
100 Prozent Einsatz – eine Einstellung, die ein ganz besonderer Coach der Borussia vor mehr als 50 Jahren vorgelebt hat. Vor ein paar Tagen (am 15. Juli) jährte sich der Tag seines Abschieds von dieser Erde zum 23. Mal. Der Fußballwelt hat er acht prägende Worte hinterlassen: „Grau ist alle Theorie – entscheidend is auf´m Platz!“ Er lebte den Fußball, war charakterstark, konnte – glaubt man den Zeitzeugen – zuweilen auch sehr kritisch, ja geradezu bissig sein, doch niemals falsch und unehrlich. Ein Mann der klaren Worte. Die Fans liebten ihn. Zweimal (1960 – 1962 und 1971 – 1973) trug er für die Borussia im Ellenfeld als Trainer die sportliche Verantwortung, wo er zu einem der erfolgreichsten Trainer in der 116jährigen Historie der Borussia avancierte: Adi Preißler.

Wie Adi Preißler (Foto oben/Ellenfeld-Verein e.V.) verlangt auch der neue Borussen-Coach Senat Memedovski 100 Prozent Engagement von seinen Schützlingen (Foto unten/-jf-)

100 Prozent Einsatz! Das forderte er von seinen Schützlingen auch beim Training. Tag für Tag, ob im Ellenfeld oder auf dem damaligen Trainingsplatz, der Lakaien-Schäferei. Dort wollte die Borussia schon 1911 einen Fußballplatz errichten, dazu jedoch kam es nicht, weil der Verein das Gelände am Friedrichspark zum Stadion, dem heutigen Ellenfeld, umbauen durfte. Erst 1927/28 wurde auf der „Lakai“, wo seit 1740 eine Schäferei zuhause war, ein Sportplatz und in den 30er-Jahren das Freibad „Volkssonnengarten“ (mit Camping-Platz) errichtet. 1959 kam ein weiterer Platz für die damals florierende Hockey-Abteilung der Borussia dazu, 1980 auch Tennisplätze. Im Mai 2009 eröffnete das Kombibad „Die Lakai“.
Dort absolvierte Adi Preißler mehrfach mit seinen Borussen-Jungs die Sommer-Vorbereitung. Gleich zweimal trug er die sportliche Verantwortung auf der Bank im Ellenfeld, holte 1962 mit seiner Truppe erstmals die Südwest-Meisterschaft nach Neunkirchen. Die Borussia setzt auch in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft Akzente, führte gleich zweimal gegen die Altmeister aus Nürnberg und Schalke mit 2:0, um am Ende noch unglücklich mit 2:3 den Kürzeren zu ziehen. Dennoch: „Borussia hat den Südwesten würdig vertreten“ – da ist sich die Fachpresse einig. 1971 kehrte Adi Preißler aus Oberhausen, wo er mit den Rot-Weißen 1969 den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hatte, ins Ellenfeld zurück. Der Sprung in die erste Liga bleibt ihm aber verwehrt: Der Südwestmeister scheitert 1972 in der Relegationsrunde am bärenstarken Wuppertaler SV. Nach Platz 5 in der Folgesaison ist für Preißler Schluss in Neunkirchen, sein Weg führt ihn in den Ruhrpott zurück.

Mitmach- und Vormachtrainer: Wie Adi Preißler (Foto oben/Ellenfeld-Verein e.V.) ist auch Senat Memedovski (Foto unten/-jf-) ein Coach, für den „alle Theorie grau ist“ und das Mit- und Vormachen auf dem Platz ein wichtiges Trainingselement ist.

Im Ruhrgebiet hatte seine sportliche Laufbahn in seinem Stammverein Duisburg 1900 begonnen. Seine exzellente Technik, seine strategischen Fähigkeiten und vor allem seine Treffsicherheit ließen schnell die großen Clubs auf ihn aufmerksam werden. Am 1. August 1946 schlüpft er ins schwarz-gelbe Trikot der Dortmunder Borussia – sie sollte seine große Liebe werden! Denn mit lediglich zweijähriger Unterbrechung (1950 – 1952 lief Preißler, zusammen mit Jupp Lammers und „Fiffi“ Gerritzen im sogenannten „100.000-Mark-Sturm“ für Preußen Münster auf) blieb er Dortmund treu, bestritt für den BVB in zehn Spielzeiten insgesamt annähernd 300 Spiele, erzielte dabei 168 Tore. Nachdem er 1949 noch im Finale mit 2:3 am VfR Mannheim gescheitert war, führte Adi Preißler seine Borussen 1956 und 1957 zweimal zum deutschen Meistertitel. Hinzu kommen sechs westdeutsche Meisterschaften. Dass er bei seinen Qualitäten nur zwei Länderspiele (1951 gegen Österreich und Irland) bestritt, lag nicht nur daran, dass Bundestrainer Sepp Herberger meist Fritz Walter als Spielgestalter vorzog und der Nürnberger Max Morlock seine Stammposition als Halbstürmer besetzte. Ein weiterer Grund ist sicher auch, dass er die besten Jahre seiner Laufbahn im Krieg verbrachte. „Die Nazis haben mir ganz bestimmt 50 Länderspiele geklaut“, hat er einmal in einem Interview gesagt. Und: „Herberger konnte mit mir nie was anfangen, weil ich immer sagte, was ich dachte.“ Da spricht der Ruhrpottler!

Andere Zeiten, aber immer klare Kommunikation: Adi Preißler (Foto oben: Ellenfeld-Verein e.V./Archiv Borussia Neunkirchen Hartung) und Senat Memedovski (Foto unten/-jf-) im Gespräch mit ihren Schützlingen.

Was bleibt im Ellenfeld von dem Mann, der noch bis zu seinem Tode im Juli 2003 täglich zahlreiche Autogrammwünsche bekam? Adi Preißlers Bilanz bei der Borussia ist beeindruckend. In 131 Spielen 77 Siege und nur 26 Niederlagen. 28mal trennte man sich vom Gegner Unentschieden. Preißlers Jungs erzielten dabei 304 Tore, verhalfen ihrem Trainer damit zu einem Schnitt von zwei Punkten pro Spiel! „Er war ein Trainer, der uns viel vormachen konnte“, hat Karl Ringel einmal über Adi Preißler gesagt. Freundschaft und Zusammengehörigkeit waren ihm wichtige Werte: „Wir hatten eine Menge Spaß miteinander, es wurde viel gelacht!“ Dazu Mentalität und Leidenschaft! „Vor´m Spiel haben wir früher immer quasi ´nen Liter Blut getrunken, so motiviert sind wir auf den Platz gegangen. Versteht ihr, wie ich das meine“, hat er einmal in einem Gespräch mit dem BVB-online-Fanzine „schwatz-gelb.de“ seine Einstellung beschrieben. Sie ist die Quelle für jenes legendäre, geradezu Kult gewordene „Entscheidend is´ auf´m Platz!“ Kein Zweifel: „Auf´m Platz“ war er sehr erfolgreich. Als Spieler bei der Borussia in Dortmund, als Trainer bei der Borussia im Ellenfeld. Und deshalb hat Adi Preißler einen Ehrenplatz in der traditionsreichen Borussen-Historie verdient. Sicher hätte keiner im Borussen-Lager etwas dagegen, wenn auch Senat Memedovski ein solcher Platz zukäme! (-jf-)
Toller Bericht Jo