Ein torreicher Abend in der Saarlandliga

Unser Bild: 30 Minuten lang hielt das vielbeinige Abwehrbollwerk der Borussen gegen Quierschied. (Foto: -jf-)

24 Tore in zwei Spielen – einen solch torreichen Abend wie gestern hat es wohl in der Saarlandliga noch nicht gegeben. Während die Sportfreunde Köllerbach nach drei Siegen in Serie (darunter ein 3:2 gegen den bereits feststehenden Meister SV Elversberg II) mit einem 2:9 in Herrensohr äußerst unsanft auf den Boden der Realität zurückgeholt wurde, sorgten gleich vier Ex-Borussen sorgten für die 1:12-Niederlage der Borussia in der Ferraro-Sportarena gegen die Spvgg Quierschied. Nico Christmann (4) und Niklas Backes (2), die sich in der Winterpause der „Wambe“ angeschlossen hatten, sowie Tiziano Pompa (in der Saison 2022/23 17 Spiele und 5 Tore für Borussia) und Noureddine El Khadem (in der Saison 2023724 20 Spiele und 1 Treffer für Borussia) zeichneten für drei Viertel der 12 Tore verantwortlich. Die jungen Borussen wehrten sich nach Kräften und machten in der ersten halben Stunde den Gästen das Leben äußerst schwer. „Das haben sie in der Defensive gut gemacht, immer war ein Bein dazwischen“, befand auch Quierschieds Coach Thomas Bettinger, der von seinem Team auf eine Geduldsprobe gestellt wurde.

Denn die Borussen standen 30 Minuten lang sehr diszipliniert und kompakt in der Abwehr. Die Gäste spielten – ähnlich wie Handballer um den Kreis – um den Strafraum herum auf der Suche nach einer Lücke, die sie allerdings nicht fanden. Und wenn mal ein Ball durchkam, war noch ein Borussen-Bein dazwischen, ehe Quierschied zum Abschluss kam. Auch einige Versuche aus der Distanz brachten keinen Erfolg. So musste schon ein Elfmeter (Foul an Niklas Backes) herhalten, den Nico Christmann links unten zum 0:1 verwandelte (32.) – Tjorven Joel Gehre im Borussen-Tor hatte zwar die Ecke geahnt und war mit den Fingerspitzen dran, konnte aber den hart geschossenen Ball nicht abwehren. Apropos Christmann und Backes: Die beiden Ex-Borussen erwiesen sich als äußerst lauffreudige Aktivposten im Team der ganz in Schwarz gekleideten Quierschieder, stets anspielbar, mit guter Spielübersicht und die Positionen wechselnd waren die beiden schwer in den Griff zu bekommen und zudem an vielen direkt oder per Vorlage beteiligt.

Gedenkminute: Vor Spielbeginn erwiesen beide Mannschaften Tamara Mendler, der Ehefrau des Homburger Spielers Markus Mendler, die am vergangenen Wochenende im Alter von nur 32 Jahren verstorben war, ihren Respekt.

So schnürte Nico Christmann nach seinem Dosenöffner binnen fünf Minuten einen Dreierpack und echten Hatttrick – mit den Toren zum 0:2 (36.) und 0:3 (37.) war der Borussen-Riegel geknackt. „Da erlahmten auch die ersten Kräfte, die Köpfe gingen runter, alles ist wie ein Kartenhaus plötzlich zusammengefallen“, mussten Borussias sportlicher Leiter Boris Schellenberg und Trainer Kevin Lüder unisono feststellen und vor der Pause mit ansehen, wie Philipp Marco Wunn (41.) und Niklas Backes (42.) das Resultat auf 0:5 erhöhten. „Könnt ihr mal aufhören nur zuzuschauen“, versuchte Tomas Schlegel seine Kameraden aufzurütteln, ehe Schiedsrichter Miquel Paco Desenz anlässlich der längeren Verletzungspause von Hamza Alobaiddat, der wohl in einem Zweikampf umgeknickt war und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden krümmte, die erste Halbzeit vorzeitig beendete. „Sieht nach einem Bänderriss aus, er wird wohl demnächst fehlen“, befürchtet Boris Schellenberg.

Erwies sich nach der Pause als belebendes Element im Borussen-Spiel und war nicht von ungefähr auch Schütze des Ehrentreffers: Jean-Charles Mananga Monthe. (Foto: -jf-)

Die versäumten Minuten wurden erst nach der Pause nachgeholt – deshalb erfolgte bei der Rückkehr beider Teams auf den Platz zunächst kein Seitenwechsel. Nachdem Nico Christmann mit seinem vierten Treffer auf 0:6 gestellt hatte, gelang es den Borussen, wenigstens für eine Viertelstunde wieder hinten dicht zu machen. Keine Chance hatte die Abwehr allerdings nach 64 Minuten, als der baumlange Tiziano Pompa seine komplette Körpergröße in den sonnigen Abendhimmel schraubte und eine Ecke von Philipp Marco Wunn per Kopf zum 0:7 ins Netz setzte. „Eine solche Wucht, eine solche Qualität konnten unsere Jungs nicht verteidigen“, so Kevin Lüder. Nur eine Minute später ließ Noureddine El Khadem das achte Gäste-Tor folgen, ehe Yamen Al Janadi eine Hereingabe von der rechten Seite unglücklich ins eigene Netz lenkte und Niklas Backes wenig später das Ergebnis zweistellig gestaltete (74.).

Konnte einem ein bisschen leid tun: Borussen-Keeper Tjorven Joel Gehre zeichnete sich auch gestern Abend wieder mehrfach aus (oben) und wirkte trotzdem am Ende ein wenig „lost in the goal net“. (unten/Fotos: -jf-)

Das Flutlicht war gerade eingeschaltet, als den Borussen dank einer Einzelleistung von Jean-Charles Managa Monthe endlich ein Erfolgserlebnis und das verdiente Ehrentor gelang (86.). „Hättet ihr mal das Licht früher angemacht“, lautete ein Kommentar aus den Zuschauerreihen. Doch damit war der Torreigen noch nicht beendet: Noureddine El Khadem nutzte eine Vorlage von Lukas Mittermüller zum 1:11 und war auch am letzten Treffer beteiligt, als der Unparteiische Miquel Paco Desenz vom FV Schwalbach bei einem Zweikampf zwischen Jean-Charles Mananga Monthe und Quierschieds Nummer 29 ein Foulspiel des Borussen gesehen haben wollte (Fotos legen nahe, dass es eher umgekehrt war!) und auf den ominösen Punkt zeigte. Keeper Tjorven Joel Gehre, der mit einigen reaktionsschnellen Abwehraktionen erneut eine herausragende Leistung geboten hatte, echauffierte sich derart, dass er den gelben Karton kassierte und darüber hinaus gegen den harten Schuss des eingewechselten Fabio Klyk chancenlos war – Quierschied hatte das Dutzend voll gemacht.

Gäste-Coach Thomas Bettinger zollte trotz des mehr als deutlichen Resultats der Borussen-Truppe Respekt. Das war auch schon in der Spielvorschau auf der Website der Sportvereinigung angeklungen, wo es heißt: „Menschen, die nicht groß im Rampenlicht stehen, blutet das Borussen-Herz, sie bleiben ihrem Verein trotz allergrößter Sorgen um den ehemaligen Bundesligisten treu. Zudem verfügt man über eine große Jugendabteilung, viele Kinder haben im Ellenfeld ihr fußballerisches Zuhause. (…) Konkurrenzfähig ist man in Saarlands höchster Liga nicht wirklich. Deshalb kann man zwar darüber streiten und diskutieren, ob es sinnvoll war, die Runde in der Schröder-Liga Saar zu Ende zu spielen. Aber Respekt gehört den kämpfenden Akteuren und den Spielern aber alle mal. Ohne sie wäre das Licht eines Vereins mit großer Strahlkraft – weit über die saarländische Landesgrenze hinaus – vielleicht schon endgültig ausgegangen.“ Notiz am Rande: Immerhin 17.118 Mal wurde der Liveticker der Borussen-Partie gegen Quierschied auf fupa.net gestern Abend aufgerufen. Ein bisschen Interesse an der Borussia scheint allzu immer noch zu bestehen.

Unsere Bilder zeigen Eindrücke vom gestrigen Spiel der Borussia gegen die „Wambe“ aus Quierschied. (Fotos: -jf-)