„Ein helles Licht bei der Nacht angezünd´t“

Rainer Lauffer, Professor Dr. Jens Kelm und Herbert Grundmann von der Mitgliederversammlung zum neuen gemeinsam und gleichberechtigt tätigen Vorstand gewählt / Wettbewerbsfähige Mannschaft und Ellenfeld-Stadion sind Themen auf der Agenda

Unser Bild: Rainer Lauffer will mit seinen Vorstandskollegen Jens Kelm und Herbert Grundmann das goldene „B“ im Ellenfeld wieder aufpolieren und die Borussia in eine sichere Zukunft führen. (Fotos: -jf-)

Licht ist für den Bergmann ein unverzichtbares Gut. „Ein Bergmann ohne Licht ist ein armer Wicht“, heißt es in einem Sprichwort, das – im übertragenen Sinn – sicherlich auch für die Borussia aus der Hüttenstadt Geltung beanspruchen kann. Denn der Traditionsverein steckt seit einiger Zeit im dunklen Schacht fest. Seit gestern aber ist, wie es auch im berühmten „Steigerlied“ heißt, „ein helles Licht bei der Nacht angezünd´t.“ Denn um 19.55 Uhr war es so weit: Einstimmig hatten die 87 anwesenden Mitglieder in einer reibungslos verlaufenen und von dem Mitglied des Ältestenrats, Claus Hoppstädter, souverän moderierten Versammlung den neuen Vorstand der Borussia gewählt. Die Geschicke des Vereins werden in den kommenden Wochen und Monaten von Rainer Lauffer, Professor Dr. Jens Kelm und Herbert Grundmann geleitet – nach der ebenso einstimmig erfolgten Satzungsänderung gemeinsam und gleichberechtigt bis zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung im Herbst. Damit ist die Borussia nach dem Rücktritt des alten Vorstands Ende März in schwierigen Zeiten wieder handlungsfähig und vertretungsbefugt.

Zu Beginn der Versammlung äußerte Claus Hoppstädter seine Freude darüber, „dass die Mitglieder der Einladung so zahlreich gefolgt sind. Das zeigt mir, dass der Zusammenhalt nach wie vor funktioniert“, so der Versammlungsleiter, der vor dem Einstieg in die Tagesordnung noch einmal Dank und Respekt aussprach „an alle, die den Spielbetrieb und das ganze Drumherum unter unsäglich schwierigen Bedingungen bis heute aufrecht erhalten haben. Das macht mich stolz!“ Claus Hoppstädter appellierte an die Versammelten, „dass wir gemeinsam diszipliniert und dem Anlass angemessen den heutigen Abend absolvieren.“ Der Antrag auf Satzungsänderung sei fristgerecht ein- und allen Mitgliedern im Vorfeld im Wortlaut zugegangen. Weitere Anträge seien nicht eingereicht worden, so dass die vorgesehene Tagesordnung uneingeschränkt die Geschäftsgrundlage der Versammlung bilden könne. Claus Hoppstädters Vorworten folgte das Totengedenken, wobei stellvertretend für alle im letzten Zeitraum verstorbenen Mitglieder des früheren Ellenfeld-Platzwartes Felix Marx gedacht wurde: „Wir behalten Euch alle in bleibender Erinnerung“, versprach der Versammlungsleiter.

Begrüßt wurde von Claus Hoppstädter (oben, re.) auch Insolvenzverwalter Thomas Becker (li.), der die Mitglieder über den derzeitigen Stand der Dinge und mögliche Verfahrensverläufe informierte. (unten/Fotos: -jf-)

Der Einladung zur Versammlung nachgekommen war auch Thomas Becker. Der Rechtsanwalt aus der Dillinger Kanzlei Thimmel & Partner war im Januar vom Insolvenzgericht als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt worden und schloss sich zu Beginn seiner Ausführungen dem Dank an alle Ehrenamtlichen, die sich der Aufgabe gestellt hätten, die Rückrunde in der Saarlandliga zu Ende zu spielen, an. Er hob dabei auch die „tolle Jugendarbeit hervor. Da steck ganz viel an Sozialarbeit dahinter!“ Thomas Becker hielt der Versammlung aber vor Augen, „dass das alles organisiert und am Laufen gehalten werden muss.“ Für den erfolgreichen Abschluss des Verfahrens sei deshalb das Vorhandensein eines funktionierenden Vorstandes ein unabdingbares Kriterium. Interna wollte der Insolvenzverwalter nicht preisgeben: „Welche Forderung durch welchen Gläubiger erhoben werden kann – das gehört nicht hierhin. Denn das Insolvenzverfahren ist ein nicht öffentliches Verfahren“, so der Rechtsanwalt, der nur so viel zu den vorliegenden Zahlen verriet: „Das Gesamtvolumen der Verbindlichkeiten beläuft sich auf etwas mehr als 330.000 Euro.“ Nach den ihm vorliegenden Informationen sei genug Masse vorhanden, um das Insolvenzverfahren zu eröffnen. Damit beginne lediglich ein anderer Verfahrensstand, das Problem sei jedoch noch nicht gelöst. Denn jetzt könnten die Gläubiger ihre Ansprüche vorbringen, die dann geprüft und den ermittelten Vermögenswerten des Vereins gegenübergestellt würden, um im Falle einer Planinsolvenz eine Einigung zu erzielen. Einen konkreten zeitlichen Ablauf gebe es dabei nicht, so Thomas Becker auf Nachfrage. Was die bislang noch nicht eingezogenen Mitgliedsbeiträge angehe, sei festzuhalten, dass hier kein Verfallsdatum bestehe: „Die Beiträge sind, solange der Verein besteht, dem Verein geschuldet und können einkassiert werden.“ Thomas Becker betonte, dass er angesichts der beeindruckend demonstrierten Ehrenamtlichkeit der Borussia seine volle Unterstützung zugesagt habe, er sei allerdings kein Spieler oder Trainer, so dass letztlich der Verein selbst die Rettung zu bewerkstelligen habe.

Interessierter Beobachter: Der frühere Borussen-Vorsitzende Gerhard Alsfasser – er bewältigte vor mehr als 20 Jahren bereits ein Insolvenzverfahren. (Foto: -jf-)

Claus Hoppstädter dankte dem Insolvenzverwalter „für die umfangreiche Darstellung des vorläufigen Stands im Verfahren“ und leitete über zu der beantragten Änderung der Satzung, mit der der Weg für die neue, bis zur nächsten ordentlichen Versammlung gemeinsam und gleichberechtigt agierende neue Vorstandsmannschaft frei gemacht werden sollte. Bei der vereinbarten offenen Abstimmung wurde die dafür notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht, ja sogar übertroffen: Einstimmig (Claus Hoppstädter: „Ich habe nur erhobene Hände gesehen!“) nahmen die 87 anwesenden Borussen die Änderung ebenso an wie das Triumvirat, das – bestehend aus Rainer Lauffer, Professor Dr. Jens Kelm und Herbert Grundmann – folglich ab sofort das Heft des Handelns in die Hand nehmen kann. Letzterer hatte, da er urlaubsbedingt nicht vor Ort sein konnte, seine Bereitschaft zur Kandidatur und Amtsübernahme schriftlich hinterlegt.

Ab 19.55 Uhr neu im Amt: Professor Dr. Jens Kelm, Rainer Lauffer und Herbert Grundmann (v.li./Fotos: -jf-/privat)

An den Anfang seiner „Antrittsansprache“ stellte Rainer Lauffer die Bedeutung des Ehrenamtes mit einem Zitat heraus: „Das Ehrenamt ist keine Arbeit, die nicht bezahlt wird. Es ist Arbeit, die unbezahlbar ist!“ Gemäß dieser 2023 von Franziska Scharpf, der Vizepräsidentin der Bayrischen Apothekenkammer, getätigten Aussage brachte Rainer Lauffer im Namen seines Teams noch einmal seinen Respekt für die seit Weihnachten geleistete Arbeit im Ellenfeld zum Ausdruck und nannte (stellvertretend für viele) namentlich Orga-Leiter Markus Presser, Jugendleiter Marco Reiser, Trainer Kevin Lüder und den sportlichen Leiter Boris Schellenberg. Rainer Lauffer informierte die Borussen darüber, dass bereits im Vorfeld der Versammlung Gespräche geführt worden seien, um für die neue Spielzeit in der Verbandsliga einen wettbewerbsfähigen Kader, „der nicht zum Abschuss freigegeben ist“, auf die Beine zu stellen: „Wir haben uns mit vielen getroffen, Maßnahmen erörtert und Pläne aufgestellt und diskutiert. Ich habe dabei mein Netzwerk genutzt und aktiviert“, so Rainer Lauffer, der den Borussen Mitte Juni („Der Juni ist der Wechselmonat!“) eine deutliche Nachricht in Aussicht stellt, „wie der Stand der Dinge in sportlicher Hinsicht ist.“ Es gelte natürlich ebenfalls, Sponsoren zu finden: „Denn Vereine, die Spieler an uns abgeben, wollen dafür Geld, und das brauchen wir!“ Wenn die Borussia dabei das Signal aussenden könne, dass es weiter gehe und es sich lohne, wieder in den Verein zu investieren, werde die Sponsorenfindung natürlich erheblich leichter.

Blumen für das Ehrenamt: Der neue Vorstand bedankte sich bei Gabi Karioth mit einem großen Strauß für ihr großes Engagement rund um die Borussia. Gabi Karioth betreut u.a. seit geraumer Zeit den Fan-Artikel-Stand im Ellenfeld. (Foto: -sw-)

Auch in Sachen Ellenfeld will der neue Vorstand aktiv werden und die Nutzung des Stadions auf den finanziellen Prüfstand stellen will: „Es muss unsere Aufgabe sein, das Ellenfeld-Stadion so günstig zu machen, dass wir auch weiterhin dort, wo seit 1912 unsere Heimat ist, Fußball spielen können. Da müssen wir dringend reden“, erklärte Rainer Lauffer unter Nennung einiger konkreter Beispiele, „die so im eigenen Heim keiner von uns akzeptieren würde!“ Die dafür notwendigen Kontakte mit der Politik scheue er dabei nicht: „Egal, welche Partei mir gegenüber sitzt: Der Ball ist immer noch genau so rund!“ Gegen 20.30 Uhr schloss der neue Vorstand die Sitzung mit der Bitte um Unterstützung aller Mitglieder: „Diejenigen, die glauben, es sei nicht möglich, werden gebeten, diejenigen nicht zu stören, die es versuchen.“ Rainer Lauffer sprach´s unter viel Beifall und begab sich nach draußen, wo SR-Reporter Frank Grundheber mit Kamera und Mikrofon schon auf den neuen Borussen-Vorstand wartete. Zurück im VIP-Raum blieben Mitglieder, für die nach bangen Zeiten endlich wieder ein „helles Licht in der Nacht angezünd´t“ ist. (-jf-)

Untenstehend weitere Bildeindrücke von der gestrigen außerordentlichen Mitgliederversammlung im VIP-Raum des Ellenfeld-Stadions. (Fotos: -sw-/-rh-/-jf-)

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