„Jeder hat sein eigenes Büchlein mit den entsprechenden Aufgaben“, sagt Jens Kelm (Foto oben li.) und zeigt auf sein Ringbuch. Ohne einen Blick hinein zu werfen sieht man: Das ist gut gefüllt. „Wenn du zur Sitzung kommst, hast du 8 Aufträge, wenn du gehst sind es auf einmal 20“, ergänzt Borussias Stadionexperte. „Oft heißt es: Rainer, nur ganz kurz … und dann wird daraus ein langes Gespräch“, weiß auch Rainer Lauffer (Foto oben re.) zu berichten. Der langjährige Werkzeugtechnologe und Toolmanager der Firma Bosch fügt hinzu: „Gut, dass ich im Ruhestand bin, sonst würde ich das nicht schaffen.“ In der Tat: Sie haben alle Hände voll zu tun, die Mitglieder des derzeitigen Borussen-Vorstandes. 24/7, rund um die Uhr kreisen die Gedanken um die Borussia und das Ellenfeld. Anlässlich des Trainingsauftaktes gaben Rainer Lauffer (RL), Jens Kelm (JK) und Herbert Grundmann (HG) im Gespräch einen ersten kleinen Einblick in das, was sich seit der Mitgliederversammlung getan hat.
Wie ist der augenblickliche Stand im Insolvenzverfahren?
RL: Zum Stichtag 15. Juni ist das Insolvenzverfahren offiziell vom Amtsgericht Saarbrücken in der Außenstelle Sulzbach eröffnet worden. Die Gläubiger sind gehalten, bis spätestens 3. August ihre Forderungen geltend zu machen. Am 26. August um 9.30 Uhr erfolgt im Amtsgericht Sulzbach dann die erste richterliche Entscheidung. Das sind die formalen Bedingungen. Es ist nun unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, einen Wirtschaftsplan aufzustellen, Ein- und Ausgaben aufzuweisen und überzeugende Argumente dafür zu liefern, dass die Borussia die weitere Existenzberechtigung und eine Perspektive hat.
Was sind die weiteren Ziele?
RL: Es gilt, eine echte Führung im Verein zu implementieren, um mit der bestehenden Infratruktur gemeinsam erfolgreich zu sein. Mit welchen Soldaten können wir in die Schlacht ziehen? So lautet für uns, metaphorisch gesprochen, die entscheidende Frage. Dem Hauptverein Borussia zuzuarbeiten – darin sehen wir unsere Hauptpflicht. Dabei haben alle, die sich bisher in den verschiedenen Bereichen top engagiert haben, ihre Daseinsberechtigung. Über allem aber muss das Große und Ganze stehen. Ich vergleiche das am besten mit einem Orchester: Jeder, der dort mitspielt, kann sein Instrument noch so gut beherrschen – wenn es dem Dirigenten nicht gelingt, dass alle zum gleichen Zeitpunkt anfangen und dasselbe Lied spielen, dann kann ein Auftritt nicht gelingen! Und in einem Orchester muss auch jemanden geben, der die erste Geige spielt!

Wie steht es um das Ellenfeld-Stadion?
JK: Wir hatten eine sehr gute und freundschaftliche Begehung mit dem Grünflächenamt und haben unser Anliegen zum Thema Beregnung und Abwasser zwecks Reduzierung der Wasserkosten vorgebracht. Mit der Firma Brunk und der Stadt wird zeitnah auch das Thema Heizung angegangen, denn auch hier gibt es erhebliches Einsparpotential. Bei der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Sporthalle gibt es noch Möglichkeiten, die Einnahmen zu erhöhen. Die häufig zu hörende Behauptung, das Ellenfeld koste die Borussia zu viel Geld, stimmt so nicht. Wir werden alle möglichen Anstrengungen unternehmen, die Nebenkosten der Sportanlage Ellenfeld zu reduzieren, um weiter in diesem Stadion zu spielen. Unser Ziel liegt bei 50 Prozent Kostenersparnis.
Wie seht Ihr die Situation der ersten Mannschaft vor der neuen Saison?
RL: Trainer Senat Memedovski hat einen etwa 22 Mann starken Kader mit einigen Spielern aus der vergangenen Saison und zahlreichen Neuzugängen aus verschiedenen Clubs aus dem Umkreis zusammengestellt, die sich mit der Borussia identifizieren. Für einige – das war heute gut zu beobachten – war der Gang durchs Marathontor auf den Rasen ins Stadion hinein ein regelrecht emotionales Erlebnis! Unsere Aufgabe wird es jetzt sein, die Voraussetzungen für ein erfolgreiches sportliches Auftreten zu schaffen, indem wir die Ablösesummen für die neuen Spieler generieren. Senat Memedovski ist für die sportliche Entwicklung verantwortlich. Dabei war es uns ganz wichtig, einen Trainer mit Lizenz zu bekommen. Senat Memedovski hat viel Erfahrung beim FC Homburg gesammelt, hat uns in den Gesprächen auch dadurch überzeugt, dass er eine Konzeption vorgelegt hat und von seiner neuen Aufgabe begeistert ist. Er hat ausdrücklich betont, dass es ihm überhaupt nicht um Geld geht. Das wäre ja auch gar nicht möglich, da wir derzeit „kein Fleisch am Knochen“ haben. Als wir ihm das Stadion gezeigt und von der Tradition berichtet haben, hat er sofort gesagt: „Das mache ich!“ Wir hoffen natürlich, dass sich unsere Situation bis zum Ende des Jahres etwas entschärft. Dann muss Borussia neue Wege gehen. Für die neue Mannschaft gilt es jetzt, sich zu finden und Erfolg zu haben.

Wie ist die Trainingssituation?
JK: Da wir in der Verbandsliga wesentlich häufiger auf Naturrasenplätzen spielen werden, ist es ein Anliegen von Trainer Senat Memedovic, mindestens eine Trainingseinheit pro Woche auch auf Naturrasen zu absolvieren. Dazu haben wir dem 20. Juli neben dem Ellenfeld-Stadion verschiedene Optionen. Wir können eine Trainingseinheit (dienstags) im Wagwiesental und zwei Übungseinheiten in der Lakai (montags und freitags) durchführen.
Was positiv stimmt, ist die Jugendarbeit.
RL: In der Tat! Die Zusammenarbeit mit der Jugendabteilung, vor allem in Person von Marco Reiser, ist sehr harmonisch. Mehr als 200 Kinder tragen das Borussen-Trikot, 15 Trainer und alle Jahrgänge sind am Start, die auch alle Lehrgänge beim Saarländischen Fußballverband (SFV) absolvieren sollen. Darauf legen wir großen Wert. Bedeutsam ist es auch, dass wir in der neuen Spielzeit eine breit aufgestellte und qualitativ gute A-Jugend haben werden, die imBedarfsfall auch einige Spieler für die Aktiven bereitstellen könnten.

Für die Mitglieder interessant: Wie steht es um den Einzug der Mitgliedsbeiträge?
HG: Die Sparkasse Neunkirchen hat das Konto der Borussia gekündigt und gelöscht. Daher steht dem Verein derzeit nur das Insolvenz-Sonderkonto zur Verfügung. Für einen Verein in Insolvenz ist es nicht einfach, bei einer anderen Bank ein weiteres Konto zu eröffnen, um die Mitgliedsbeiträge einzuziehen. Hier sind wir mit Hochdruck dabei, das Problem zu lösen. Sobald eine praktikable Lösung vorliegt, werden die ausstehenden Beiträge eingezogen. Nebenbei eine erfreuliche Nachricht: Trotz (oder soll ich sagen: wegen?) der Insolvenz haben wir zuletzt 18 Mitglieder dazu gewonnen. Das schlägt sich dann hoffentlich auch in den Zuschauerzahlen nieder.
Vielen Dank, Rainer Lauffer, Jens Kelm und Herbert Grundmann, für die Informationen in diesem Interview. Alle Borussen danken für Euer großes Engagement und wünschen Euch auf dem Weg der Konsolidierung ganz viel Glück und Erfolg! (-jf-)
Hervorragend
Hallo leute,kann man vieleicht auf dieser seite hier die spieler genauer vorstellen?
Das wird in den kommenden Wochen geschehen!
Ich finde es absolut unsolidarisch, dass die Sparkasse das Konto gelöscht hat. Was sind die genauen Hintergründe?
@joe: danke für die info