In den ersten Jahren seit ihrer Gründung am 24. Juli 1905 hatten die Borussen noch keine sportliche Heimat gefunden. In ihren Anfängen kickten sie auf dem Schlackenplatz an der Königstraße. Das erste Wettspiel wird am 12. November 1905 (0:10 gegen den Sport-Club Saar 05) auf der Drexler´schen Wiese am Lämmerhof ausgetragen. 1907 wandern die Borussen dann ins Landertal: Auf einem Waldgelände hat Förster Theodor Künzer, dessen Söhne Ernst, Felix und Emil bei der Borussia spielen, den Jungs die Sedanswiese zugeteilt. Die Pacht beträgt zehn Mark pro Jahr. Doch aufgrund des hohen Zuwachses erweist sich die Spielstätte im Laufe der Zeit als unzureichend. Auf der Suche nach einem neuen Platz werfen die Borussen ein Auge auf den früheren Heusnersweiher.
Das Gelände wird der Borussia von Otto Schmidt, dem Direktor der Schloss-Brauerei, überlassen. Die Brache des sogenannten Friedrichparks wird bespielbar gemacht. Doch es droht Ungemach: Die Neunkircher Turngemeinschaft will den Platz ebenfalls nutzen – für die aufstrebenden Fußballer ist der geteilte Friedrichspark eine Katastrophe. Der Vorstand legt den Vereinsmitgliedern Pläne für einen Sportplatz in nächster Nähe des Friedrichsparks vor.
Dort wird mit dem Bau eines eigenen Sportplatzes 1911 begonnen. Doch auf dem vorgesehenen Gelände am Heusnersweiher (heute Mantes-La-Ville-Platz) ist viel zu tun, bevor die Borussia dort einziehen kann. Denn das Tal hinter dem Weiher ist ein Sumpfgebiet: Es muss zugeschüttet, mit Erdmassen aus den umliegenden Hängen überzogen und ein ebener Platz angelegt werden. Das können die Vereinsmitglieder nicht alleine bewerkstelligen. Fuhrunternehmer Christian Müller jun. und Bauunternehmer Cronau sind in den Akten dokumentierte Auftragsnehmer, die mal 100 Kubikmeter Kesselasche, mal fünf Kubikmeter Hochofenschlacke transportieren.
Auf einem rechteckigen Grundstück entsteht in den Ellenfeldern ein sich in die Landschaft einpassendes Erdstadion mit Rasenplatz, Zuschauerrängen an den Längsseiten und einer umlaufenden Mauer. Die meisten Plätze finden sich am terrassierten Hang unterhalb der Schloss-Brauerei (heute: Gegengerade), dort gibt es auch Sitzbänke. Gegenüber (heute: Haupttribüne) erhebt sich eine künstliche Böschung mit weiteren Rängen. Die Kosten können aufgrund der Kassenberichte im Nachrichtenblatt der Borussia eruiert werden: „Im Geschäftsjahr 1911/12 schlägt die Sportstätte mit 23.209 Mark zu Buche. Mehr als ein Viertel des Betrags macht die verzinste Anleihe über 6.000 Mark aus. Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und Wettspielen belaufen sich auf 5.661 Mark. Zum Vergleich: Ein Bergarbeiter im Saarrevier bringt 1.122 Mark nach Hause – im Jahr“, heißt es in „100 Jahre Ellenfeld“, dem Jubiläumsbuch von Jens Kelm und Tobias Fuchs. Das erste Spiel auf dem neuen Borussia-Sportplatz findet am 7. April 1912 statt. Es sind die Kicker des 6. Königlich-Sächsischen Infanterie-Regiments Nr. 105 König Wilhelm II. von Württemberg aus Straßburg, gegen die Borussia an diesem Ostersonntag vor etwa 2000 Zuschauern mit 6:3 siegreich bleibt. Im Nachrichtenblatt der Borussia heißt es: „Es war ein schönes Spiel, recht geeignet, für unseren Sport Propaganda zu machen.“

Offiziell eingeweiht wurde die Anlage aber erst später – und das nicht mit einem Fußballspiel: Heute, vor 114 Jahren, am 14. Juli 1912 werden, in Anbetracht der Tatsache, dass in dieser Zeit in Stockholm die Olympiade stattfindet, nationale olympische Spiele (Fotos oben) ausgetragen, an denen sich 22 Vereine beteiligen, u.a. der SV Trier 05, der FV Kaiserslautern, der FK Pirmasens, der Karlsruher FV, der VfR Mannheim und die Sportvereinigung aus Metz. Eine weitere Anreise hatten der VfB Breslau, Pfeil Kassel, der Akademische Sport-Club aus Münster und der Kölner Ballspiel-Club, aus dem nach dem zweiten Weltkrieg der 1. FC Köln hervorgehen sollte. Auf dem Programm stehen Lauf- und Sprungwettbewerbe, Diskus- und Speerwerfen, Kugel- und Steinstoßen sowie ein Dreikampf. Die Grubenkapelle Heinitz begleitet die Wettbewerbe musikalisch. Das Ellenfeld-Stadion ist jetzt auch offiziell aus der Taufe gehoben – und darf heute seinen 114. Geburtstag feiern!

Im Übrigen sind für den 14. Juli weitere Jubiläen zu vermelden: Vor exakt 106 Jahren verzeichnete das Ellenfeld zum Spiel der Borussia gegen den MTK Budapest (Foto oben mit den beiden Mannschaften) mit 10.000 Besuchern erstmals eine fünfstellige Zuschauerzahl – und das, obwohl das Freundschaftsspiel gegen den ungarischen Meister an einem Mittwochabend stattfindet. Die Borussen gehen durch den Österreicher Adolf Fischera sogar mit 1:0 in Führung, unterliegen aber am Ende knapp mit 2:3. „Dieses Ergebnis ist eine Sensation“, so das Urteil der Autoren Tobias Fuchs und Jens Kelm, dessen Großvater Augenzeuge der Partie war, in „100 Jahre Ellenfeld“. Ebenfalls vor 106 Jahren (am 14. Juli 1920) erschien die allererste Ausgabe des Fachmagazins „Kicker“, in der ausführlich über die Europa-Tournee des MTK Budapest berichtet und das Hohe Lied der Qualität der Ungarn gesungen wird: „All diejenigen, welche den MTK auf seiner Tournee haben spielen sehen, werden begriffen haben, dass es zurzeit keinen kontinentalen Verein gibt, der der Spielstärke der englischen Ligavereine so nahekommt“, schreibt das Blatt. Für die Klubs des europäischen Festlandes sind die Mannschaften aus England, dem Mutterland des Fußballs, in dieser Zeit das Maß aller Dinge. (-jf-)
Toller Bericht Jo
Ja, ein wirklich toller Beitrag,
so kann Eisen hoch leben!
JK🖤🤍