Beim Heimspiel gegen Saar 05 waren mehr als 100 Fußballfreunde aus nah und fern Gast in der altehrwürdigen Spielstätte der Borussia und von den Stadionführungen sehr angetan
Das Ellenfeld, mehr als nur ein Stadion, hat auch am vergangenen Wochenende seine nahezu magische Anziehungskraft an Fußballenthusiasten aus aller Herren Länder nicht verfehlt. Anlässlich des Heimspiels der Borussia gegen Saar 05 waren wohl mehr als 100 Groundhopper und Traditionalisten in der denkmalgeschützten Arena zu Gast, die sich auch während des Saarlandliga-Spiels auf den Rängen tummelten und tolle Eindrücke mit nach Hause nehmen konnten (Foto oben/-jf-).
Sie kamen sowohl aus dem Saarland (Schmelz, Ottweiler, Kleinblittersdorf, Saarbrücken und Ensheim) als auch von der Mosel (Trier), einige aber hatten, wohl in der Befürchtung, es könne womöglich der letzte Fußballakt im Ellenfeld sein, selbst weite Anreisen nicht gescheut, um hautnah die Atmosphäre der Bundesliga-Gründerzeit zu schnuppern: So konnte Borussia Fans aus Düsseldorf (Fortuna), Karlsruhe (KSC), Nürnberg (1. FCN) und Erlangen (Hertha BSC) begrüßen. Aus Papenburg waren zwei Anhänger des Drittliga-Aufsteigers SV Meppen gekommen, ein Fan von Hannover 96 aus Bremen war ebenso vor Ort wie sechs Supporter des SC Paderborn (aus Münster), die nur zwei Tage später am Pfingstmontagabend nach dem Relegationsspiel gegen den VfL Wolfsburg den Aufstieg ihrer „Blau-Schwarzen“ in die Bundesliga feiern durften. Insolvenz-Erfahrung brachte ein Anhänger von Rot-Weiß Erfurt mit ins Ellenfeld, aus Eschringhausen war ein Fan des 1. FC Köln gekommen. Die größte Entfernung hatte Rob Convay aus dem Vereinigten Königreich zurückgelegt. Schon am Morgen um 5.00 Uhr in der Schweiz losgefahren waren Johanna und Kilian, deren Herz dem Schweizer Drittligisten FC Schaffhausen gehört. Die größte Gruppe stellte der Michelbacher Fanclub der deutschen Nationalmannschaft (Foto unten/-jf-), die tags zuvor noch in Berlin das DFB-Pokalfinale zwischen den Bayern und dem VfB Stuttgart (3:0) besucht und eine lange Nachtfahrt im Bus hinter sich hatten. Zur Erfrischung standen im VIP-Raum des Ellenfelds dank der Unterstützung von Gabi Karioth (vielen Dank!) Kaffee und Kuchen bereit.



Die meisten Gäste kamen dabei auch in den Genuss einer Führung durch das historische Stadion. Aufgrund der Vielzahl der bereits im Vorfeld angemeldeten Interessenten hatten die Borussen Wolfgang Rausch, Thomas Janssen und Jo Frisch drei Führungsgruppen gebildet. Nach ein paar einführenden Worten des ausgewiesenen Ellenfeld-Experten Wolfgang Rausch (Fotos oben/-jf-), traditionell an der eisernen Fußballerfigur im Schatten von Block 5, ging es dann „auf Tour“. In rund zwei Stunden lernten die Gäste das Ellenfeld von außen und innen ausführlich kennen. Angereichert wurden die Informationen mit zahlreichen Anekdoten, die auch schon länger zurückliegende Ereignisse aus der Geschichte der Arena so richtig lebendig werden ließen. Am beeindruckendsten, wie fast immer, der Ausblick von der 45 Meter über Erdniveau liegenden Spieser Kurve, die mit 48 steilen Stufen erklommen werden musste. „Das sieht von unten gar nicht so mächtig aus“, war ein oft gehörte Stimme. Im Innern der Tribüne konnten die alte Geschäftsstelle mit dem Holzboden und die einzige Toilette für die beiden Mannschaften, die wohl auch der 54er-Weltmeister Fritz Walter aus Nervositätsgründen vor Spielbeginn häufig aufgesucht hat, besichtigt werden. Für Aufmerksamkeit sorgten dabei die beengten Kabinenverhältnisse mit nur einer (Gästekabine) bzw. zwei Duschen (Heimkabine) – dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass damals Spielerwechsel nicht gestattet waren. Die Kader bestanden also lediglich aus 11 Akteuren. Erstmals 1967 durfte ein Spieler verletzungsbedingt ausgewechselt werden, seit 1995 sind es deren drei (unabhängig von Verletzungen). Besonderes Interesse im Keller des 1960 errichteten Funktionsgebäudes fanden Entmüdungsbecken und das medizinische Stanger-Bad – Einrichtungen, die das Ellenfeld-Stadion seinerzeit auf durchaus internationales Niveau hoben!

Neben den Wortbeiträgen im Gästebuch des Ellenfeld-Stadions haben sich die Gäste auch mit eingeklebten Logos ihrer Vereine verewigt. (Fotos: -jf-)
Die im Anschluss an die wie immer kostenlosen Rundgänge vorgenommenen Einträge ins Gästebuch zeugen von der Begeisterung, die bei den Fußballfans ausgelöst worden war. Von allen Seiten gab es nicht nur Komplimente und Spenden, sondern auch viel Zuspruch in der für Borussia schwierigen Situation. „Der DFB-Fanclub Michelbach steht hinter Euch – kämpft weiter für Euren Verein“, ist da zu lesen. Für Cello aus Erfurt „ist es eine Ehre, hier im Ellenfeld-Stadion zu sein. Die unsichere Zukunft des Vereins können wir Erfurter nachvollziehen. Aber ich hoffe für die Borussia, dass Euer Insolvenzverfahren nicht wie bei uns 8 Jahre dauern wird und ein gutes Ende findet“, notiert der Rot-Weiße „mit solidarischen Grüßen“. Kilian und Johanna aus der Schweiz sagen „vielen Dank für die lehrreiche und interessante Stadionführung“ und hoffen, „dass die Borussia noch lange im Ellenfeld-Stadion spielen kann.“ Rob aus Great Britain hat zwar nicht viel verstanden („I do not understand a word that was said“), „but is was excellent to see inside this wonderful stadium”, so der Anhänger von Winchester City. Der Engländer sammelt Fan-Schals aus aller Welt und bedauerte es zunächst sehr, am Fan-Artikel-Stand vor dem Stadion keinen Borussen-Schal (derzeit ausverkauft!) erwerben zu können. Doch ein Borussen-Anhänger hatte, im Bewusstsein der verbindenden Kraft des Fußballs, Mitleid mit dem Gast und schenkte ihm seinen eigenen. Die Belohnung: Eine dicke Umarmung und (auf deutsch!) „Ich liebe Dich!“ Wenn das im Sinne der internationalen Völkerverständigung kein schöner Ausklang einer gelungenen Stadionführung war! (-jf-)
„Fanprimus Stadionvlogs“ hat in Folge 50 seiner Serie den Besuch im Ellenfeld am vergangenen Sonntag auf youtube filmisch dokumentiert:
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