Die vier Musketiere aus dem Ellenfeld

Stellvertretend für alle Helferinnen und Helfer der Borussia: Großer Dank und große Anerkennung für Markus Presser, Carina Krieg, Boris Schellenberg und Kevin Lüder

Unser Bild: Seite an Seite durch die schwere Zeit – Boris Schellenberg und Kevin Lüder waren um ihre Aufgabe am Spielfeldrand nicht zu beneiden. Für Kevin Lüder läuft die Uhr im Ellenfeld jetzt ab, der übernimmt ab Sommer den FC Kleinblittersdorf. (Foto: -jf-)

Viel größer könnte der Kontrast nicht sein! Mit großen Hoffnungen war Borussia an jenem Freitag, dem 25. Juli 2025, in die Saison gestartet. Sogar das offizielle Eröffnungsspiel der Saarlandligamit umfangreichem Rahmenprogramm fand im Ellenfeld statt und verfehlte seine Anziehungskraft nicht: Mehr als 1200 Zuschauer hatten den Weg in die historische Arena gefunden – eine wahrhaft würdige Kulisse! Jetzt, fast auf den Tag genau zehn Monate und (bis jetzt) 138 Gegentore später müssen die Borussen – und mit ihnen mit Saar 05 gleich ein zweiter Traditionsclub! – die Saarlandliga verlassen. Aber nicht wie erhofft nach oben, sondern durch den Hintereingang nach unten. Dennoch: Dass die Mannschaft trotz aller Turbulenzen in der Winterpause, des Abgangs der kompletten ersten Mannschaft und der damit verbundenen personellen Not bis zum letzten Spieltag immer angetreten ist, verdient Respekt und Anerkennung und ist nicht selbstverständlich! Verantwortlich dafür sind vier Protagonisten: Wie die Musketiere Athos, Portos, Aramis und Dartagnon in Alexandre Dumas´ Roman Les Trois Musquetaires haben sie in beinahe aussichtsloser Lage nicht klein beigegeben!

Die Liebe zum FCS und zur Borussia geht bei Kevin Lüder (re.) im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut – der Beweis: Sein Tattoo (li.). (Fotos: -jf-)

Nahezu rund um die Uhr im 24/7-Rhythmus für Borussia unterwegs waren Trainer Kevin Lüder und der sportliche Leiter Boris Schellenberg. Lüder, der in seiner Spielerkarriere für den SV Schafbrücke, TuS Jägersfreude und auch für Borussia II und III (in der Spielzeit 2017/18) aktiv war, übernahm nach der Winterpause eine aus U19, verbliebener U23 und AH zusammengewürfelte Truppe, die er für die Saarlandliga fit zu machen versuchte. Der dreifache Familienvater wurde zurecht vom Saarländischen Fußballverbands (SFV) für den Ehrenamtspreis nominiert und in diesem Rahmen zum Finale des Sparkassen-Pokals Saar an diesem Samstag in den Saarbrücker Ludwigspark eingeladen. Warum hat er sich diese Mission angetan? „Ich liebe einfach den Verein und bin stolz, dass wir das jetzt sechs Monate trotz aller Widrigkeiten durchgezogen haben. Ich bereue kein einziges Spiel, auch wenn es oft auf die Ohren gab“, so das Fazit des Übungsleiters, der von Seiten der Familie stets Verständnis, Unterstützung und Rückendeckung bekam: „Sie wissen, dass der Fußball mein großes Hobby ist.“ Dass sein Arbeitsvertrag im ZF-Werk in Saarbrücken Ende des Jahres ausgelaufen war, spielte dem gelernten Anlagemechaniker, der auch noch eine Malerlehre absolviert hat, in die Karten, was sein Zeitbudget angeht. Dass Kevin Lüder jetzt das Ellenfeld verlässt und zum FC Kleinblittersdorf wechselt, hat seinen Angaben zufolge überhaupt nichts mit finanziellen Aspekten zu tun: „Geld hat bei mir im Fußball noch nie eine Rolle gespielt“, betont er, „ich will einfach nur in Ruhe Fußball spielen.“ Kleinblittersdorf war sein Plan B, die ungewisse Situation im Ellenfeld hat dazu geführt, dass er dort für die kommende Saison zugesagt hat. Kevin Lüder macht kein Hehl daraus, „dass die Borussia aber immer in meinem Herzen und ein Teil meines Lebens sein.“ Nicht umsonst hat er sich das Borussen-Logo als Tattoo stechen lassen: „Ich bin dankbar, hier die Chance als Trainer bekommen zu haben und diese Erfahrungen in der Saarlandliga, die eine geile Liga ist, machen zu dürfen.“

Gutes Miteinander zwischen sportlichem Leiter und Coach: Boris Schellenberg (im Vordergrund) und Kevin Lüder. (Foto: -jf-)

Große Unterstützung erhielt Kevin Lüder in seiner Arbeit durch Boris Schellenberg. „Jeder hat versucht, seine Stärken einzubringen: Kevin seine Expertise im Fußballerischen, ich mit meinem Netzwerk“, berichtet der sportliche Leiter, der auch von „einem Wechselbad der Gefühle in den vergangenen Monaten“ spricht: „Es gab Tage, da hast du Kraft geschöpft und gedacht: Es geht vorwärts. Aber mit der gleichen Regelmäßigkeit hat es dich dann auch wieder runtergezogen. Es war sehr mühsam: Einen Schritt vorwärts, dann wieder zwei zurück. Das Gefüge der Truppe hat nicht hundertprozentig funktioniert, was aber angesichts der Tatsache des auf die Schnelle und aus der Not heraus geborenen Projektes nicht verwundern muss.“ Boris Schellenberg ist froh, dass sich mit Rainer Lauffer, Dr. Jens Kelm und Herbert Grundmann „Menschen gefunden haben, die versuchen, dem Verein wieder eine Perspektive zu bieten.“ Bei der Zusammenstellung eines Kaders für die Verbandsliga wird Boris Schellenberg tatkräftig mithelfen, hat auch schon manche Idee eingebracht und Gespräche geführt, warnt aber auch davor, die Saison in der Verbandsliga, sollten die Borussen dort antreten können, als Selbstläufer zu betrachten: „Da wird wie in der Saarlandliga in den Vereinen wie zum Beispiel Theley, Lebach-Landsweiler, Schiffweiler, Furpach oder Homburg II sehr ordentlich und mit Struktur gearbeitet.“ Auch für Boris Schellenberg war es wichtig, „dass wir das Ding auf jeden Fall durchziehen. Wie wir Weihnachten da standen, habe ich nicht geglaubt, dass wir das schaffen.“

Starke Frau: Carina Krieg packt da an, wo Hilfe gebraucht wird. „Ich habe ein Helfersyndrom“, sagt sie. (Foto: -jf-)

Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau. Diese Redewendung trifft ganz besonders auf Boris Schellenberg zu. Denn die starke Frau in seinem Rücken heißt Carina Krieg. Durch den Fußball und fußballbegeisterte Freunde haben sich die beiden vor mehr als 15 Jahren kennengelernt, sind oft beim 1. FC Saarbrücken, aber auch in Frankreich in Nancy und Rouen unterwegs. Carina Krieg erwies sich im Ellenfeld geradezu als „Mädchen für alles“, packt da an, wo gerade Hilfe gebraucht wird: Sie wäscht die Trikots, macht an Spieltagen Kassendienst, gehörte zu den Organisatoren des Weihnachtsmarktes und engagiert sich im Förderverein, um nur die wichtigsten Aufgaben zu nennen. „Die Borussia ist mir im Laufe der Jahre einfach ans Herz gewachsen“, sagt die Mitarbeiterin in einer Werkstatt für Behinderte und hofft sehr, „dass die Borussia eine Zukunft hat, egal in welcher Liga – allein schon wegen der vielen Jugendlichen, die im Ellenfeld eine Heimat haben. Denn was hier nicht nur unter sportlichen, sondern auch sozialen Aspekten geleistet wird an Inklusion und Integrationsarbeit, ist mit Geld nicht zu bezahlen“, so Carina Krieg, die im Übrigen auch für einen Verbleib im Ellenfeld plädiert: „Das Stadion und der Verein gehören zusammen. Man sollte unbedingt darauf hinarbeiten, das Ellenfeld zu einer Begegnungs- und Veranstaltungsstätte über den Fußball hinaus zu machen.“

Organisationschef im Ellenfeld: Ohne Markus Presser wären die Saarlandliga-Spiele im Stadion und in der Ferraro-Sportarena nicht zu stemmen gewesen. (Fotos: -jf-/Gabi Karioth)

Mit dieser Einstellung rennt Carina Krieg bei Markus Presse offene Türen ein. Der 55jährige langjährige Fan ist ein weiterer Eckpfeiler der Borussen. An sich erstes Spiel im Ellenfeld kann er sich zwar nicht mehr erinnern, doch als die Not am Größten war, zögerte er, der ohnehin schon als Übungsleiter der AH und Vorsitzender des Fördervereins engagiert ist, keine Sekunde, tatkräftig mitanzupacken. Ab Januar zeichnete Markus Presser für die komplette Stadionorganisation an den Spieltagen verantwortlich – ohne seine Arbeit hätte keine Partie im Stadion und in der Ferraro-Sportarena durchgeführt werden können. Doch Markus Presser ist bescheiden genug, die Lorbeeren nicht allein für sich einzuheimsen: „Ich habe viele Helfer im Hintergrund, die den Betrieb am Laufen halten und ganz viel Freizeit im Ellenfeld verbringen. Ihnen gebührt großer Dank!“  Zu seiner „Mannschaft“ gehört auch seine Ehefrau, die im Verkaufsteam mitarbeitet, „darüber hinaus spielt mein Jüngster in Borussias C-Jugend und mein Ältester ist Borussen-Fans. Wir sind eine Borussen-Familie.“ Das ist für ihn ebenso Motivation wie die Tatsache, „dass es mich einfach ungemein triggert, dass Borussia so nah am Abgrund steht. Ich möchte mit allen Mitteln verhindern, dass der Verein über die Klinge springt“, sagt er und ist – wie Carina Krieg – überzeugter Anhänger des Ellenfeld-Stadions: „Wir dürfen nicht das Heil in der Flucht aus dem Ellenfeld suchen. Denn wenn wir das Stadion verlieren, werden wir unsere Heimat verlieren. Ich würde mich wie ein heimatloser Flüchtling fühlen.“ Das Ellenfeld möchte Markus Presser denn auch nicht als Fluch für Borussia bezeichnen und prüft derzeit die Kostenlage im Stadion: „Wenn man das optimiert, kostet das Stadion nicht mehr als das Vereinsheim in Wiebelskirchen“, ist er sich sicher.

Kevin Lüder, Boris Schellenberg, Carina Krieg und Markus Presser – die vier Personen sind beileibe nicht die einzigen, die sich in den letzten Wochen und Monaten in herausragender Weise für die Borussia eingesetzt haben, sollen an dieser Stelle aber stellvertretend für alle Mithelferinnen und Mithelfer gewürdigt werden. Es ist sicher nicht übertrieben zu sagen: Ohne sie und all ihre Mitstreiter würde die morgige Partie gegen Saar 05 im Ellenfeld sicher gar nicht stattfinden. Deshalb ein herzliches „Danke schön!“ an alle, die nicht aufgegeben, sondern mit ihrem (schwarz-weißen) Herzblut zum Saisonabschluss im Stadion beigetragen haben. (-jf-) 

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