Unser Bild: Auf der Suche nach dem Ausweg – drei Männer wollen das havarierte Borussen-Schiff wieder in sichere Gewässer lenken: Rainer Lauffer, Professor Dr. Jens Kelm und Herbert Grundmann. (Fotos: -jf-)
Die Römer kannten diese Form von politischem Bündnis: Ein Triumvirat war in der späten Republik ein Zweckbündnis, bestehend aus drei Männern (lat. tres viri), um gemeinsame Ziele zu erreichen. Mal inoffiziell, wie beim ersten zwischen Caesar, Pompeius und Crassus, mal gesetzlich legitimiert bei Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, Marcus Antonius und Lepidus. Laut Information der Internet-Enzyklopädie wikipedia lebte diese Form eines politischen Zusammenschlusses in späteren Jahrhunderten in Frankreich, den Vereinigten Niederlanden, der Repubblica Romana in Italien, im osmanischen Reich, in der ehemaligen Sowjetunion und in Brasilien noch einmal auf. Kommt es nun auch bei der Borussia zu einem Triumvirat, das das schlingernde Vereinsschiff in stürmischer See vor einer Havarie bewahren kann?
Jedenfalls haben sich drei Männer bereit erklärt, als designierter (Not)Vorstand den nach dem Rücktritt des bisherigen Vorstandes vakanten Vorsitz im Ellenfeld zu übernehmen: Rainer Lauffer, Professor Dr. Jens Kelm und Herbert Grundmann. Alle drei sind im Umfeld der Borussia nicht unbekannt, engagieren sie sich doch bereits jahrelang in Sachen Ellenfeld-Stadion. Mit Erfolg: Nicht nur die stattliche Summe von 2 Millionen Euro zur Sanierung der Arena, sondern auch die Denkmal-Stellung des Stadions dürfen die drei auf die Fahnen ihrer unermüdlichen Bemühungen schreiben. Rainer Lauffer (68), der nun nach lebenslanger Tätigkeit bei der Firma Bosch seinen wohl verdienten Vorruhestand genießt, kann er auf jahrelange Tätigkeit als erfolgreicher Vereinsmanager, Trainer und Jugendtrainer verweisen. Bis vor kurzem war erVorstandsmitglied des Saarländischen Fußballverbandes (SFV), als Verbandsjugendleiter vertrat er den SFV auch beim DFB. Zudem war der Träger des Egidius-Braun-Preises des DFB bei Palatia Limbach in verschiedenen Funktionen (Spielausschuss-Vorsitzender, Jugendleiter) aktiv und amtierte 2018 bereits als Finanzvorstand im Ellenfeld. Rainer Lauffer verfügt über gute Vernetzung und enormes Erfahrungspotential in der Vereinsarbeit, das er mit aller Tatkraft und als Teamplayer in der neuen Vorstandsmannschaft zugunsten der Borussia zur Geltung bringen will. Professor Dr. Jens Kelm näher vorzustellen, hieße Eulen nach Athen tragen. Der 67jährige Orthopäde und Diplom-Sportlehrer ist seit 1987 Mitglied der Borussia und gründete ein Jahr später (1988) das mittlerweile sehr umfangreiche Vereinsarchiv. Geprägt durch die Erzählungen seines Großvaters Heinrich Honecker sowie die beiden Onkel Friedel Buchmann und Manfred Weber ist Jens Kelm, der selbst kein aktiver Fußballer, sondern erfolgreicher Fechter war, seit frühester Kindheit Fan der Borussia. Zu seinem Schlüsselspiel wurde das Bundesliga-Aufstiegsspiel gegen den 1. FC Nürnberg im Mai 1971 vor über 30.000 Zuschauern im Ellenfeld, für das er – sehr zum Verdruss des Vaters – sein Fechttraining sausen ließ. Als fachkundiger Stadionexperte führt Jens Kelm bei nahezu jedem Heimspiel Fußballnostalgiker und Groundhopper durch das Ellenfeld. Herbert Grundmann bringt als ausgebildeter Wirtschaftsinformatiker jede Menge Erfahrung aus der Geschäftsführung von Handwerksbetrieben mit und ist seit zehn Jahren in der Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Datenschutz tätig. Zudem ist er Gründungsmitglied der Stadiongesellschaft (SGE).
Schon seit geraumer Zeit treibt das Dreigestirn die Frage um, wie es mit der Borussia weitergehen kann. In intensiver Arbeit konnten Zahlen und Fakten zu den bestehenden Verbindlichkeiten zusammengetragen werden. Zum Insolvenzverwalter Becker in Dillingen besteht ein guter Kontakt. Am vergangenen Samstag fand ein mehrstündiger Workshop, zu dem auch das gesamte Organisationsteam der Heimspiele geladen war, statt: Auf der Basis der vorliegenden Informationen wurden die nächsten Maßnahmen besprochen und initiiert. Gespräche mit den Gläubigern wurden anberaumt, auch hinsichtlich des Spielbetriebs in der kommenden Saison (Trainer- und Kaderfrage) ist man bereits tätig geworden. „Alle vor Ort engagierten Borussen sind mehr als aktiv. Aufbruchstimmung ist angesagt und eine Erholung aus der bisherigen Misere ist in Sicht. Dafür wird in höchster Priorität und höchstem Engagement gearbeitet“, so Rainer Lauffer, der die Hoffnung hegt, dass der Verein Ende Mai in die planmäßige Insolvenz gehen kann.
Die Vorstandslast muss allerdings auf mehrere Schultern verteilt werden, zudem will das Triumvirat, anders als die Vorgänger in römischer Zeit, die ihre Position zum Ausbau eigener Macht nutzten, nur vorübergehend amtieren, bis nach Abschluss der Insolvenz im Rahmen einer ordentlichen Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand gewählt werden kann. „Es geht uns lediglich darum, den Verein zu stabilisieren und das Vereinsschiff wieder in sichere Gewässer zu navigieren“, sagt Dr. Jens Kelm. Damit dies möglich ist, ist anlässlich der außerordentlichen Mitgliederversammlung an eine Satzungsänderung gedacht, die eine von der derzeit laut § 9 vorgesehenen dreijährigen Amtszeit abweichende Regelung vorsieht: „Die Mitgliederversammlung kann in Ausnahmefällen, insbesondere im Zusammenhang mit Sanierungs-, Restaurierungs- oder Insolvenzverfahren eine abweichende Amtszeit bestimmen. Die Amtszeit kann hierbei insbesondere befristet bis zum Eintritt eines bestimmten Ereignisses (z. B. Ende der Insolvenz, Neuwahl bei einer ordentlichen Mitgliederversammlung) festgelegt werden“, lautet der Änderungsvorschlag. Ebenfalls abgewandelt werden soll der Absatz zur Verteilung der Aufgaben: Die Mitglieder des in der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 27. Mai zu wählenden und aus mindestens drei, maximal fünf Personen bestehenden Führungsgremiums „sind gleichberechtigt handlungsfähig und vertreten den Verein im Innen- und Außenverhältnis“, so die neue Fassung.
Eine Maßnahme wurde bereits vor dem vergangenen Heimspiel gegen den FSV Jägersburg umgesetzt: „Die zur Erhaltung des Spielbetriebs dringend notwendige Reparatur des Kunstrasen ist erfolgt, der Platz befindet sich jetzt wieder in einem guten spielbaren Zustand“, berichtet Rainer Lauffer, der auch persönlich die für die Borussia nach der Zuteilung des Investitionszuschusses durch die Stadt verbleibenden Restkosten von 750,- Euro in Form einer Spende übernommen hat. Borussia dankt Rainer Lauffer nicht nur hierfür, sondern allen an den Rettungsversuchen beteiligten Personen ganz herzlich für Ihr Engagement und hofft auf ein gutes Ende der derzeit schwierigen Situation! (-jf-)
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