Borussia verliert gegen Jägersburg zweistellig, hält aber in der ersten Halbzeit gegen den Aufstiegskandidaten gut dagegen / Zu schnelle Gegentore nach der Pause brechen der Mannschaft dann das (sportliche) Genick / Zum Schluss geht die Puste aus
Der FSV Jägersburg war schon lange vor dem Spiel sein Angstgegner: „Schon als ich die Aufgabenhier bei der Borussia übernommen habe! Denn das ist eine Mannschaft mit hoher Qualität, die kann mit Ball, die kann ohne Ball. Sie lassen richtig geil den Ball laufen. Ich habe sie im Hinspiel beim 2:1 gegen die Borussia gesehen: Da haben sie mit für mich den schönsten Fußball der Saarlandliga gespielt“, zollte Kevin Lüder dem FSV Jägersburg großen Respekt. Und so war es für den Borussen-Trainer auch keine Schande, gegen den Relegationsanwärter verloren zu haben. Dass es am Ende dann doch zweistellig wurde, schmerzt schon ein bisschen: „An der ersten Halbzeit gemessen, war es sicher zu hoch. Aber manchmal sind es fünf oder zehn Minuten, in denen man sich quasi selbst alles kaputt macht und dann geht so ein Ergebnis halt in die Höhe“, gesteht Kevin Lüder.
Was der Borussen-Coach dabei konkret im Auge hatte: „Die ersten 45 Minuten waren ordentlich, auch wenn wir uns die beiden Gegentore selbst reingelegt haben. Dann kommst du aus der Pause raus – was soll ich sagen? Das sind halt die Buwe, die Jungen! Da fehlt es an vielem, vor allem auch an Erfahrung und die Fehler werden eiskalt bestraft“, so der Borussen-Coach. Und Boris Schellenberg ergänzt: „Da wollten wir ein bisschen offensiver agieren – das ist voll in die Hose gegangen. Jägersburg hat die entstandenen Löcher knallhart ausgenutzt und uns dann regelrecht abgeschossen“, gibt Borussias sportlicher Leiter entwaffnend ehrlich zu. In der Tat: Die Tore von Dylan Downey und Mika Louis Gilcher (jeweils im Strafraum mit flachen Abschlüssen) und Anestis Tyriakidis (reichlich unbehindert per Kopf nach Eckball), mit denen die Gäste aus Jägersburg binnen fünf Minuten (47. / 50. /52.) das Resultat von einem bis dahin respektablen 0:2 auf 0:5 hochschraubten, waren das Ergebnis wenig konsequenter Defensivarbeit und zogen den Borussen den Stecker. „Männer, wo sind wir denn auf einmal?“, schnaubte Borussen-Keeper Müller frustriert und zornig zugleich.
Bis dahin hatte es gar nicht so schlecht für die Borussia ausgesehen. Zwar hatte der Gast von Beginn an den Taktstock in der Hand, tat sich aber trotz des frühen Führungstreffers von Matthias Manderscheid (11.) schwer, in der kompakten Borussen-Abwehr eine Lücke zu finden. So dauerte es bis kurz vor den Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Lucas Rohn, bis Sven Schreiber eine Vorlage von Mika Louis Gilcher im Strafraum gegen die Laufrichtung von Torhüter Müller ins Netz verlängerte. „Borussia kämpferisch und defensiv stabil, sogar mit einigen Vorstößen bis in den Strafraum der Gäste. Auch wenn di große Torchance noch fehlt: Man bleibt im Spiel und macht es dem Aufstiegskandidat nicht leicht.“ Die Analyse von fupa-Liveticker Axel Bastian beschrieb die Situation ziemlich gut, auch wenn bereits am Ende der ersten Halbzeit zu merken war, dass der FSV durch die Qualität seiner Akteure das Spiel zusehends in den Griff bekam.

Borussias Abwehrmauer stemmte sich vor dem Seitenwechsel mit allem Kampfgeist auch diesem Freistoß von Sven Schreiber entgegen. (Foto: -jf-)
Spätestens nach dem fünften Gegentreffer war die Luft rausgelassen. Die Partie hatte jetzt fast Trainingsspiel-Charakter. Den Borussen ging jetzt langsam die Puste aus – „wie in fast allen Spielen“, stellte Boris Schellenberg fest: „Wir halten 50, 60 Minuten gut dagegen, aber hinten raus ist das dann ein Kampf gegen Windmühlen, zumal wir – anders als der Gegner – von der Bank aus nicht mit entsprechender Qualität reagieren können.“ Der sportliche Leiter bemüht einen Vergleich: „Das ist wie bei einem Autorennen: Wenn du mit einem Mini Cooper gegen einen Ferrari fährst, dann kannst du im Endeffekt das Rennen nicht gewinnen!“ So erhöhten Jannis Gabler (mit Distanzschuss, 59.) und Paul Manderscheid (per Kopfball, 64.) auf 0:7, ehe Hamza Alobaidaat ein unglückliches Eigentor unterlief, als er in einen Flankenball hineinging und das Leder ins eigene Netz lenkte (75.). Insofern besonders schade, als „Hamza heute nach seiner Verletzung ein bärenstarkes Spiel gemacht hat. Er war überall zu finden, hat vor der Pause nahezu alles weggeräumt“, lobte Boris Schellenberg seine Nummer 27. Nachdem Ahmad Al Ibrahim nach 82 Minuten eine Zeitstrafe kassierte, mussten die Borussen die restliche Spielzeit in Unterzahl bestreiten, was die Gäste, bei denen sich auch Spielertrainer Christian Frank eine knappe halbe Stunde Spielzeit gönnte, effizient ausnutzten und durch Anestis Tyriakidis (87.) und Paul Manderscheid (89.) das Resultat dann doch noch auf zweistellig schraubten.
Dennoch wollten weder Kevin Lüder noch Boris Schellenberg den Stab über ihr Team brechen: „Die Jungs haben sich an die Absprachen gehalten, das war im Großen und Ganzen in Ordnung gegen eine Gegner, der uns nicht nur durch Körperlichkeit, sondern auch mit seiner läuferischen und spielerischen Qualität die Grenzen deutlich aufgezeigt hat“, zeigten sich die beiden sportlich Verantwortlichen der Borussia auch als respektvolle und faire Verlierer und dürfen mit ihrer Mannschaft erhobenen Hauptes in die beiden letzten Spiele in Köllerbach und im Ellenfeld gegen Saar 05 gehen. Sie wollten die Runde zu Ende spielen – und das werden sie auch schaffen. Auch hier trifft fupa-Liveticker Axel Bastian den Nagel so ziemlich auf den Kopf: „Die Mannschaft zieht weiter durch und versucht Woche für Woche, sich dieser Situation zu stellen.“ Nicht mehr und nicht weniger und angesichts der Lage in der Winterpause alles andere als selbstverständlich! (-jf-)
Unsere Bilder zeigen Eindrücke vom gestrigen Spiel der Borussia gegen den FSV Jägersburg. (Fotos: -jf-)





















