Die neue Spielzeit in der Verbandsliga Nord-Ost wirft ihre Schatten voraus
Stille ist kein Zeichen von Untätigkeit. Im Gegenteil: Je ruhiger es ist, desto mehr passiert im Hintergrund. So sind auch die Verantwortlichen der Borussia derzeit nahezu rund um die Uhr dabei, den neuen Kader für die Saison in der Verbandsliga Nord-Ost zusammenzustellen. Vollzugsmeldungen wird es erst dann geben, wenn die Ergebnisse der Gespräche und Verhandlungen fix sind. Der Spielplan wird in den nächsten Tagen feststehen.
Eines aber steht jetzt schon fest: Die Spielzeit in der Verbandsliga wird alles andere als ein Selbstläufer! Erstes Ziel wird die sportliche und wirtschaftliche Konsolidierung sein. In einer Liga, in der genau wie in der Saarlandliga von den Clubs „auf der Basis guter Strukturen sehr ordentlich gearbeitet wird. Da werden wir auf starke Gegner treffen“, so Boris Schellenberg, der vor den neuen Herausforderungen keine Angst, aber Respekt hat. VfL Primstal, SG Lebach-Landsweiler, SV Schwarzenbach, die U23 des FC Homburg, der SV Furpach, VfB Theley oder der nach der Auflösung der FSG mit dem SV Ottweiler ab sofort wieder „solo“ aufspielende TuS Steinbach – sie alle landeten in den letzten Jahren auf den vorderen Plätzen und dürften auch in der Saison 2026/27 wieder als die üblichen Verdächtigen genannt werden, wenn es um die Spitzenpositionen geht. Dass auch Borussias Mitabsteiger SV Bliesmengen-Bolchen die direkte Rückkehr in die Saarlandliga anstrebt, dürfte ebenfalls außer Frage stehen. Was wird die Borussen also in der kommenden Spielzeit erwarten?

Im Allerwald-Stadion hingen die Trauben für Borussia oft hoch: Hier freuen sich die Spieler des VfL Primstal über ihren 2:1-Sieg im April 2023 (Foto links). Zweifacher Torschütze: Steffen Haupenthal (Foto rechts, Nr. 7), heute spielender Co-Trainer beim VfL. (Archivfotos: -jf-)
Mit dem VfL Primstal hat Borussia schon seit dem Abstieg aus der Oberliga 2017 schön häufiger die sportlichen Klingen gekreuzt und sich oft schwergetan. Der VfL, der sich 2024 aus der Saarlandliga verabschiedet hat, wird sich auch in der kommenden Spielzeit unter dem erfahrenen Trainerteam Yannick Schneider und Steffen Haupenthal und einem eingespielten Team, das nahezu komplett zusammengeblieben ist, um einen der begehrten Plätze bewerben. Der SV Schwarzenbach – seit 2019 fester Bestandteil der Verbandsliga Nord-Ost und 2024 erst in der Aufstiegsrelegation am SC Halberg-Brebach gescheitert, gehört ebenfalls zum Favoritenkreis. Neu-Trainer Lars Kaula, der 2023/24 in 18 Spielen auch das Trikot der Borussia trug, kann sich dabei auf einige Spieler mit höherer Klassenerfahrung stützen: Edin Makelic, Steven Kuntz oder Sascha Fess – die Ü30-Fraktion im Schwarzenbacher Dress hat jede Menge Oberliga-Spiele „auf dem Buckel“ und verleiht dem Spiel die nötige Struktur. Und vorne drin hat der SVS mit Murat Adigüzel einen Stürmer stehen, der mit der SV Elversberg sogar schon dritte Liga gespielt hat und bei seinen Auftritten in Völklingen, Jägersburg, Salmrohr und Eppelborn mit Nachdruck gezeigt hat, dass er weiß, wo das Tor steht!
Der SV Furpach darf zur neuen Saison mit Osman Akyol eine Führungspersönlichkeit begrüßen, der auch schon im Ellenfeld aktiv war. Der 34jährige beweist Präsenz auf dem Platz und verkörpert eine große Portion Mentalität und Siegeswillen, wie es auf der Furpacher facebook-Seite heißt: Insgesamt 244 Saarlandligaspiele (20 Tore) für Herrensohr und die FSG Ottweiler-Steinbach sprechen eine klare Sprache! Weitere Routiniers im Kader der Roten: Max Wettmann (frühet Herrensohr und Jägersburg), Christopher Dahl (zuvor Palatia Limbach, Herrensohr und Jägersburg) sowie Angreifer Sven Sellentin, der auch als spielender Co-Trainer fungiert – Sellentin war vor seiner Oberliga-Zeit in Jägersburg und Wiesbach für Pirmasens und Elversberg in der Regionalliga am Ball!
Nach der Auflösung der Fußball-Spielgemeinschaft in Ottweiler ist der TuS Steinbach nach zehn Jahren erstmals wieder selbstständig unterwegs. Die Entscheidung, sich zu trennen, ist nach Angaben der beteiligten Vereinsvertreter „nach reiflicher Überlegung, in allerseitigem Einvernehmen und ohne Groll“ erfolgt. „Wie es jedoch manchmal auch in langjährigen Partnerschaften geschieht, haben sich die Wege zuletzt etwas auseinanderentwickelt. Unterschiedliche infrastrukturelle Voraussetzungen sowie verschiedene strategische Ausrichtungen in den jeweiligen Stammvereinen führten dazu, dass man sich nun entschlossen hat, wieder in die Eigenständigkeit zurückzukehren und die jeweils eigene Vereinsidentität zu stärken“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Ein recht prominenter Ex-Profi wird dabei in wenigen Tagen die Nachfolge von Trainer-Legende Kai Decker, der im Frühjahr noch einmal (für den freigestellten Özal Acar) eingesprungen war antreten: Frank Weber! Der 57jährige A-Lizenzinhaber bringt reichlich Erfahrungen aus seiner Spielerkarriere mit Auf die Trift. In seiner aktiven Zeit schaffte Frank von der FK Pirmasens den Sprung in den Profifußball beim TSV Alemannia Aachen. Für den damaligen Stürmer ging es von Aachen über Borussia Neunkirchen und den 1. FC Kaiserslautern zu Bayer Uerdingen, mit denen er 1994 auch den Sprung in die Bundesliga schaffte. Nach seiner Zeit beim Werksclub spielte Frank noch für den SC Paderborn in der zweiten Liga, ehe er nach weiteren Stationen in Kaiserslautern und Pirmasens seine Karriere beendete. Als Trainer startete Frank seine Karriere als Co-Trainer unter Horst Steffen beim SC Kapellen-Erft. In seiner folgenden Zeit in München trainierte er den FC Starnberg sowie den TSV Oberalting. Weitere Stationen folgten dann in der Pfalz beim SV Hermersberg, dem VfB Reichenbach sowie dem VfR Grünstadt. Im Saarland sammelte Frank erstmals beim SV Altstadt Erfahrung an der Seitenlinie. Zur vergangenen Saison verschlug es den ehemaligen Stürmer dann zur SG Oberkirchen/Grügelborn in die Landesliga Nord. Mit Vincenzo Accursio hat der neue Coach dabei auch einen Akteur in seine Reihen, der bereits drei Jahre (2019-2022) für die Borussia aktiv war und dabei in 48 Spielen 14 Tore erzielte. Abwehrrecke Invam Sachanenko (28) bringt sogar Regionalliga-Erfahrung vom SC Freiburg und FC Homburg mit.

Rückkehr nach Neunkirchen: Yannick Bach bestritt im Borussen-Trikot in fünf Jahren (2014-2019) 104 Spiele, die meisten davon als Kapitän, erzielte 12 Tore. Jetzt kommt er mit de SV Reiskirchen als Trainer ins Ellenfeld zurück. (Fotos: fupa.et/-jf-)
Mit dem SV Reiskirchen, der SG Scheuern/Dörsdorf und dem FC Kutzhof begrüßt die Verbandsliga drei Neulinge, die sich in der neuen Umgebung behaupten wollen. Reiskirchen schaffte den Sprung als Meister der Landesliga-Ost. Der langjährige Borussen-Kapitän Yannick Bach führte die Reiskircher zum Titelgewinn und hat mit Sergio Domizio einen Co-Trainer an seiner Seite, der – wenn auch schon lange her – ebenfalls schon mal (2002/03 in der Regionalliga) für die Borussia spielte. Die SG Scheuern/Dörsdorf steigt gar als Double-Sieger auf: Neben der Meisterschaft in der Landesliga schnappte man sich gegen den FC Kutzhof auch den Kreispokal. Die Bilanz der vergangenen Saison ist beeindruckend: Nur zweimal musste sich die SG in 30 Spielen geschlagen geben, war sowohl auf fremden Plätzen wie auswärts das beste Team. Die 121 erzielten Treffer sind ligaübergreifend mit Abstand der Bestwert aller vier Landesligen. Sascha Krauß zeichnete sich mit 27 „Buden“ als treffsicherster Stürmer aus, die meisten Assists kamen von Ricardo Hamann: Der 35jährige, der mit dem SV Auersmacher und den Köllerbacher Sportfreuden reichlich Saarlandliga-Erfahrung besitzt und dazu mit Eppelborn Oberliga gespielt hat, lieferte gleich 24 Torvorlagen! SG-Konkurrent FC Kutzhof schaffte den Aufstieg über den Umweg Relegation, wo man die SVGG Hangard mit 2:0 besiegte. Auch im Kutzhofer Kader sind einige ehemalige Saarlandliga-Spieler versammelt: Steven Vogl (früher Schwalbach und Bous) Besnik Zeka (FC Homburg und Saar 05), Onur Dede (SC Friedrichsthal und Spvgg Quierschied) und Gianluca Simonetta (Rastpfuhl und Bischmisheim) konnten ihr Können schon in der höchsten Spielklasse des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) beweisen. Mit Fabrizio Simonetta kommt jetzt fürs defensive Mittelfeld ein weiterer Akteur mit Saarlandliga-Praxis hinzu. Für die Physis der Akteure zeichnet ein Ex-Borusse verantwortlich: Horst Martin.
Das sind nur einige Namen, die zeigen, was auf die völlig neuformierte Borussen-Mannschaft in der Spielzeit 2026/27 zukommt. Man darf gespannt sein, sich freuen – aber auch Respekt und eine Portion Demut und das Bewusstsein für die Schwere der Aufgabe sind angesagt, will die Borussia den sportlichen Neustart erfolgreich gestalten! (-jf-)
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