Vom beschaulichen Plätzchen im Grünen zur Bundesliga-Arena (1)

In diesen Tagen vor 62 Jahren: Der Umbau des Ellenfeld-Stadions beginnt / Teil 1: Die Planungen

Unser Bild: Das Ellenfeld mit Tribüne und Borussia-Heim in den 50er Jahren, wie es der Neunkircher Künstler Karl Hock in dieser Stadionansicht dargestellt hat. Die Schlossbrauerei schenkte der Borussia das Gemälde zum 50jährigen Jubiläum.

Der Ausbau war notwendig geworden, weil sich die Borussen in der Aufstiegsrunde als Südwestmeister sensationell gegen die favorisierten Teams vom FC Bayern München und FC St. Pauli durchgesetzt hatten. Nach dem finalen 1:0 im Saarbrücker Ludwigspark gegen Tasmania Berlin stand fest: Borussia Neunkirchen ist Bundesligist! Das setzt jetzt die Verantwortlichen im Vorstand unter Druck. Die Aufstiegsspiele sind in Saarbrücken ausgetragen worden, wo die Zuschauerresonanz beeindruckend war. Das gesamte Saarland stand hinter den Borussen – fast 42.000 waren im Glutofen Ludwigspark dabei, als Elmar May mit seinem Treffer gegen Tasmania Berlin das Tor zur ersten Liga weit aufstieß. Doch jetzt drängt die Zeit – am 29. August soll der Namensvetter aus Dortmund zum ersten Heimspiel und Borussen-Duell ins Saarland kommen. Wieder nach Saarbrücken? Oder doch nach Neunkirchen?

Beschauliches in die Landschaft eingefügtes Plätzchen, wie es der über Jahrzehnte lang gültigen Ästhetik des Sportstättenbaus entsprach: Das Ellenfeld-Stadion vor dem Umbau 1964. (Foto: Ellenfeld-Verein e.V.)

„Eines steht felsenfest: Borussia wird vom ersten Spiel an in der Bundesliga seine Heimspiele in Neunkirchen und nirgendwo sonst austragen“, ruft Präsident Norbert Engel den etwa 500 zurecht stolzen Mitgliedern bei der außerordentlichen Versammlung in der Sporthalle des Ellenfelds zu. Euphorischer Beifall brandet auf. Das Problem: Der DFB schreibt für seine Eliteliga ein Fassungsvermögen von 35.000 Zuschauern und eine Flutlichtanlage vor. Die Borussen, die 1963 bei Gründung der Bundesliga – wohl aus logistischen Gründen – außen vor geblieben waren, haben schon lange vor Titelgewinn und Aufstieg erste Entwürfe für eine Stadionerweiterung auf bis zu 25.000 Plätze anfertigen lassen. Die Pläne des Saarbrücker Ingenieurbüros Hans Karwart sehen damals vor, die Gegengerade und die heutige Spieser Kurve mit Fertigteilen aus Stahlbeton deutlich zu erhöhen. Ein Umbau der Haupttribüne ist dabei offensichtlich zunächst nicht vorgesehen. Bereits im Juni 1958 hat die Spezialfirma Richard Ott aus Wiesbaden der Borussia ein Angebot über eine Flutlichtanlage vorgelegt: 40 Meter hohe Masten, bestückt mit 1500 Watt-Lampen, sollten das Ellenfeld in gleißendes Licht tauchen und Abendspiele zu einem ganz besonderen Erlebnis werden lassen. Kostenpunkt: 177.920 DM. „Für die Bundesliga verzichtet der Verein offensichtlich auf eine neue Offerte“, berichten Tobias Fuchs und Jens Kelm in ihrem Jubiläumsbuch „100 Jahre Ellenfeld-Stadion“.

Jetzt bleiben nach dem Aufstieg gerade einmal zwei Monate, das bis dahin eher beschauliche, in die Landschaft eingebettete Erdstadion, wie es der über Jahrzehnte gültigen Ästhetik des Sportstättenbaus entsprach, in eine bundesligataugliche Arena umzuwandeln. Es wird ein Umbau im laufenden Spielbetrieb! „Die Verhandlungen mit den zuständigen Stellen und auch die Planung forderten mehr Zeit, als man ursprünglich angenommen hatte, so dass der eigentliche Arbeitsbeginn erst am 20. Juli dieses Jahres erfolgen konnte“, ist in den Vereinsnachrichten, den „Schwarz-Weißen Blättern“, nachzulesen. Die „Saarbrücker Zeitung“ (SZ) begleitete aufmerksam und ausführlich im Sommerloch die Bauarbeiten und rechnete das künftige Fassungsvermöge schon mal hoch: „Rechnerisch wird das Ellenfeld einmal 28.000 Zuschauer fassen. Bisher waren es rechnerisch 12.000 bis 14.000. Praktisch waren bei einzelnen Spielen 18.000 bis 20.000 Zuschauer im Ellenfeld. Wenn das Stadion also für 28.000 Menschen geplant ist, werden aufgrund der Erfahrungen etwa ein Drittel mehr Zuschauer Platz haben, so dass es bei Spitzenspielen 37.000 Besucher fassen wird.“ Im Bauantrag von 1964 sind die Planer in ihren Berechnungen für die Kapazität von einem Faktor von 2,5 Zuschauer je laufenden Meter Stehrang ausgegangen.

Der Macher vom Ellenfeld: Präsident Norbert Engel (oben/Mitte), hier mit Vorstandskollegen und Architekten bei der Inspizierung der Baupläne, war maßgeblich für „goldenen Ära“ der Borussia und die damit verbundene Erweiterung des Ellenfeldes verantwortlich. Ein bereits 1963 erarbeiteter Plan (unten) sahen vor, Spieser Kurve (li.) und Gegengerade gleichmäßig zu erhöhen. An einen Umbau der Tribüne war zunächst nicht gedacht. (Fotos: Ellenfeld-Verein e.V.)

Der Ausbau des vereinseigenen Stadions wird, so ist es im Jubiläumsbuch nachzulesen, mit 1,5 Millionen DM veranschlagt. Eine detaillierte Kostenaufstellung aus dem Oktober 1966 beläuft sich auf 1,9 Millionen DM. Etwa zwei Drittel des Gesamtbetrages stellt das Land bzw. die mit Toto-Mitteln ausgestattete Sportplanungskommission zur Verfügung. Die Borussia hat zwar ein wirtschaftlich außerordentlich erfolgreiches Geschäftsjahr hinter sich, ist aber dennoch auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Die bekommt der Verein auch. Borussenboss Norbert Engel erreicht mit Hilfe seines souzoaldemokatischen Parteigenossen Friedrich Regitz und Neunkirchens Oberbürgermeister Josef Frank (SPD), dass die Kommune den Kapitaldienst für ein von der Borussia aufzunehmendes Darlehen in Höhe von 450.000 DM übernimmt.

Zwei Dinge stehen jetzt in diesem Frühsommer 1964 fest. Erstens: Im Ellenfeld wird wohl kein Stein auf dem anderen bleiben. Zweitens: Die Linienführung des Stadions wird beibehalten. Ein abgerundetes Rechteck soll auch in Zukunft die Rasenfläche umschließen. Dadurch sind die Zuschauer in Neunkirchen – bis heute! – ganz nah dran am Geschehen. Die Atmosphäre in diesem reinen Fußballstadion ohne Laufbahn wird durch hoch aufragende Tribünen und steile Ränge sehr dicht und laut werden, ein echtes Fußballerlebnis, bis heute! (-jf-)

Fortsetzung folgt morgen!

1 Kommentar

  1. Schöner Beitrag, vielen Dank Jo!
    Hoch lebe Eisen und Unser denkmalgeschütztes Ellenfeld, viel mehr als nur ein Stadion ⚒️🏟⚒
    Prof. Dr. Jens Kelm
    Vorstand Borussia Neunkirchen

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