Borussias Vorstand Rainer Lauffer gibt im Interview Informationen zum Stand der Dinge in Sachen Insolvenz, Mitgliederbeiträge und zum Fall Loic Wanmeni
Es ist eine echte Herkules-Arbeit, was Rainer Lauffer (Foto oben: -jf-), Jens Kelm und Herbert Grundmann im Ellenfeld zu bewältigen haben. Sie müssen sich zuweilen vorkommen wie der viel besungene griechische Held, der an vielen Fronten kämpfte und insgesamt zwölf Aufgaben erledigen musste, bis er seinen Frieden fand. Wie Hercules der Schlange Hydra die Köpfe abschlagen musste, gilt es für den Borussen-Vorstand, die drei Phasen der Insolvenz erfolgreich abzuwickeln. Und wie der mythische Halbgott den Stall des Königs Augias auszumisten hatte, wollen die drei leidenschaftlichen Borussen mit einem durchdachten Wirtschaftsplan den Verein wieder auf eine saubere, gesunde Basis stellen. Wie Herkules haben sie sich dabei mit Widerständen auseinanderzusetzen. Der Vorfall beim letzten Heimspiel gegen den TuS Steinbach hat die Arbeit sicherlich nicht erleichtert. Noch bis weit nach Mitternacht saß der erweiterte Vorstand am Samstag in der Geschäftsstelle zur Beratung zusammen. Und am gestrigen Donnerstag verbrachte Rainer Lauffer (RL) von 9.00 Uhr an den ganzen Tag im Ellenfeld, ehe er gegen 22.00 Uhr nach Hause zurückkehrte. „Es ist eine enorme Fleißarbeit, aber ich bin mir sicher: Sie wird sich lohnen“, gibt der Borussias Chef zuversichtlich und erläutert im Interview den augenblicklichen Stand der Dinge.
Rainer Lauffer, wieweit ist das Insolvenzverfahren mittlerweile fortgeschritten?
RL: Für alle, die sich mit dem Thema nicht so gut auskennen, in Kürze nochmal zum Verfahren: Wir unterscheiden ein vorläufiges Insolvenzverfahren, ein eingeleitetes Verfahren und als letzten Schritt schließlich die Planinsolvenz. Den ersten Schritt haben wir gemeistert. In der vorherigen Woche wurde aus dem vorläufigen Insolvenzverfahren heraus das Insolvenzverfahren eingeleitet. Das bedeutet: Wir konnten mit Unterstützung der uns zugeteilten Insolvenzverwalter, Frau Schröder und Herrn Becker, für deren Unterstützung wir sehr dankbar sind, den Insolvenzrichter davon überzeugen, dass wir über einen ausgearbeiteten Wirtschaftsplan und damit über das Weiterleben der Borussia verfügen. Er hat deshalb dem Gläubigerverfahren zugestimmt.
Wie läuft das Gläubigerverfahren jetzt ab?
RL: Unsere Gläubiger haben nun ihre Ansprüche angemeldet, wieviel Geld sie von der Borussia, aus welcher Zeit auch immer, zugute haben. Die Summe bewegt sich in der von uns nach Sichtung aller vorhandenen Unterlagen erwarteten Größenordnung. Aufgabe der drei Vorstände und des Insolvenzverwalters ist es jetzt, die angegebenen Forderungen, für die die Gläubiger natürlich Nachweise erbringen müssen, zu prüfen und zuzustimmen. Danach werden die Gläubiger zu einer Versammlung eingeladen. Dort müssen wir 50 Prozent von ihnen überzeugen, dass der aufgestellte Wirtschaftsplan für die Zukunft der Borussia solide ist und den Verein in eine sichere Bahn lenkt, sprich: Der Verein kann bestehen bleiben. Dann müssen 50 Prozent der Gläubiger diesem Wirtschaftsplan zustimmen, aber auch 50 Prozent der Gesamtsumme müssen zustimmen. Da sind wir aber ziemlich zuversichtlich, da wir bisher fruchtbare Arbeit geleistet haben und dafür sorgen, dass in der Gläubigerkasse auch der entsprechende Betrag X vorhanden ist.
Einen wichtigen Teil stellen auch die Mitgliederbeiträge dar. Wie stellt sich die Situation auf diesem Feld dar?
RL: Wir haben ja erst Anfang August buchungstechnisch die Mitgliederbeiträge des ersten Halbjahres (Januar bis Juni) einziehen können. Dass dabei annähernd 70 unserer 620 Mitglieder die Sepa-Abbuchungen zurückgegeben haben, hat uns – da bin ich ehrlich – schon sehr enttäuscht, damit hatten wir nicht gerechnet. Bei den allermeisten liegt allerdings keine Kündigung der Mitgliedschaft vor. Keine Kündigung bedeutet auch keine Freistellung vom Beitrag! Es ist also eigentlich nicht rechtens, die Abbuchung des Beitrages zurückzuweisen. Es ist allerdings in der jetzigen Situation auch nicht einfach, jeden einzelnen zu kontaktieren und aufzufordern, den Beitrag zu entrichten. Deshalb würden wir es uns sehr wünschen, dass es, wenn wir in der kommenden Woche die nächsten Beiträge für das dritte Quartal (Juli, August, September) abbuchen, nicht mehr zu so zahlreichen Rückstellungen kommt. Ich appelliere an die große Borussen-Familie, zusammenzuhalten und uns jeden rechtmäßigen Euro dann auch zukommen zu lassen. Dafür sage ich im Voraus unseren herzlichen Dank!
Wie ist der Vorstand mit den Geschehnissen um den Spieler Loic Vanmeni am vergangenen Samstag beim Spiel gegen Steinbach umgegangen?
RL: Am gestrigen Donnerstag habe ich noch einmal in einem Gespräch der Mannschaft in aller Deutlichkeit deutlich gemacht, dass wir solche Zustände nicht zulassen. Der Spieler Loic Wanmeni ist vom Schiedsgericht des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) mittlerweile für sechs Monate gesperrt worden. Ich habe mit dem jungen Mann ein langes Telefonat geführt: Das Ganze ging ihm sehr nahe, er hat ja schon in der Kabine das Ganze bereut und Tränen vergossen und sich auch jetzt nochmal in aller Form entschuldigt. Trotzdem mussten wir letztendlich die Entscheidung so treffen, wie wir sie getroffen haben, und ihn sofort freistellen. Der Verband hat uns übrigens dafür gelobt. Am Wochenende gab es insgesamt zehn (!) solcher Vorfälle, Borussia hat dabei als einziger Verein so stringent gehandelt – „Hut ab vor eurer Entscheidung“, hat mir der Spielausschussvorsitzende des Verbandes, Josef Kreis, persönlich mitgeteilt. Aber ich will auch nicht ganz den Stab über Loic Wanmeni brechen und habe ihm gesagt, er möge sich Ende des Jahres nochmal melden. Dann setzen wir uns zusammen und überlegen, wie wir als Vorstand, Trainerteam und Mannschaft im weiteren Verlauf der Runde mit dieser Personalie weiter umgehen.
Rainer Lauffer, viele Dank für das Gespräch und die Informationen zum Stand der Dinge! (-jf-)
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