Unser Bild: Kleiner Mann ganz groß – Borussias Mittelfeldspieler Ferhat Kizmaz (hier gegen Primstals Tim Theobald) ließ auch am Freitagabend wieder sein riesiges Kämpferherz auf dem Platz. (Foto: -jf-)
0:3. In Worten: Null zu drei. Gegen den VfL Primstal. „Diese Niederlage tut richtig weh“, machte Senat Memedovski am Freitagabend im Spielerkreis nach den 90 Minuten aus seinem Herzen keine Mördergrube, um aber gleichzeitig seinen ebenso abgekämpften und wie enttäuschten Schützlingen Mut zu machen: „Ihr könnt trotzdem stolz sein auf das, was Ihr auf den Platz gebracht habt. Ihr habt alles gegeben. Denkt daran: Wir habenhier etwas aufzubauen, was Geduld braucht. Bleibt weiter dran, verliert nicht die Geduld, arbeitet konsequent, fokussiert und konzentriert im Training, und dann werden wir unsere Punkte holen“, appellierte der Borussen-Coach an seine Jungs. Angesichts der ersten drei Spiele ohne einen eigenen Torerfolg kommt die sportliche Leitung um eine Erkenntnis freilich nicht herum: „Was uns fehlt: Ein Stürmer, der vorne die Dinger wegmacht. Mit so einem gehen wir nach guter erster Halbzeit mit einer Führung in die Kabinen“, ist Boris Schellenberg überzeugt, der genau so wie sein Coach glaubt, „dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die letzten 10 Prozent, ein bisschen Cleverness und ein paar Nuancen fehlen noch zum Erfolg, aber die werden wir uns holen.“ Die Zuschauer waren jedenfalls durchaus einverstanden mit dem, was sie im Ellenfeld gesehen hatten, und verabschiedeten die Mannschaft mit viel Beifall. Und Uli Glup, dem Vorsitzenden des Ältestenrates und aus seinem Wohnort in Rheinhessen angereist, hat „das Spiel trotz der Niederlage Mut gemacht.“
Auch wenn es das (zu hohe) Ergebnis nicht ausdrückt: Gegenüber dem ersten Heimspiel gegen die SG Lebach-Landsweiler war ein Entwicklungsschritt deutlich zu sehen. „Die Abwehr steht stabil und kann sich auf einen starken Torwart verlassen, auch das Umschaltspiel hat besser funktioniert“, so Boris Schellenberg. Wie gegen Lebach waren die Borussen auch gegen einen weiteren Titelfavoriten nahe dran am Punktgewinn. Ausgerechnet in einer Phase, in der der Ausgleich in der Luft lag, in der Borussia sich gleich mehrere Eckbälle erarbeitete, sorgte der Favorit mit einem eiskalt ausgespielten Konter durch Felix Erbel zehn Minuten vor dem Ende mit dem 0:2 für die brutale Entscheidung. Das dritte Gegentor kurz vor Schluss, als Jannik Schulz das Leder von links aus spitzem Winkel mit Brachialgewalt ins rechte Kreuzeck jagte, war nur noch Ergebniskosmetik. In der Nachspielzeit drohte gar das 0:4, das Tera Langun Ibrahim bei einem gut gezirkelten Freistoß von Matteo Lanfranco mit einem starken Faustreflex (über die Latte) verhinderte. Für die Führung des VfL hatte ein Strafstoß herhalten müssen: Schiedsrichter Marc Putzer vom FV Schwalbach wollte gegen Primstals Maurice Wollmer ein Einsteigen mit der Sohle gesehen haben, wie er Boris Schellenberg später erklärte – eine Entscheidung, mit der allerdings nicht alle im weiten Rund einverstanden waren. Jannik Schulz war es egal, er schickte den ansonsten bärenstarken Tera Langoun Ibrahim im Borussen-Tor in die falsche Ecke und verwandelte sicher.

Starker Rückhalt: Borussias Keeper Tera Langoun Ibrahim mutig in einer Eins-zu-eins-Situation gegen Primstals Matteo Lanfrac (oben) und in der Schlussphase sogar mit Offensivdrang (unten). (Fotos: -jf-)

Eine nicht unwesentliche Rolle im Gesamtpaket der Partie spielte auch die gelb-rote Karte, die der flinke Dhiyauldin Fouzi Souysi kurz vor dem Seitenwechsel unter die Nase gehalten bekam. Nachdem er schon früh den gelben Karton gesehen hatte (21.), hatte der junge Borusse offenbar den Abseitspfiff des Unparteiischen überhört (42.) und den Ball weitergespielt. Eine zwar vielleicht regelkonforme Entscheidung, die den bis dahin sehr auffälligen Stürmer der Borussia aber hart traf. Denn gleich mehrfach hatte die Nummer 14 offensive Akzente gesetzt: Erstmals nach 15 Minuten prüfte er mit einem Schuss aus spitzem Winkel Primstals Keeper Eike Hamm, fünf Minuten später konnte nach einer Hereingabe von der rechten Seite VfL-Akteur Luca Climaco den quirligen Angreifer im Strafraum im letzten Moment am Einschuss hindern. Nach 39 Minuten verpasste „Dhia“, wie er von Senat Memedovski gerufen wird, ein Zuspiel in der gefährlichen Zone nur haarscharf, ehe Marvin Müller den Nachschuss übers Tor setzte. Und kurz vor seinem Feldverweis versuchte der agile Borusse, VfL-Torwart Eike Hamm mit einem Heber aus 40 Metern zu überlisten – knapp am Ziel vorbei. Borussias Defensive blieb überwiegend Herr der Lage, ließ wenig zu. Primstals Angriffe liefen meist über die starke rechte Seite, wo sich der wuselige Matteo Lanfranco mit Tobias Haag, Ben Meinen und Ferhat Kizmaz in regelmäßigen Abständen regelrecht „beharkte“. Apropos Ferhat Kizmaz: Der nur 1 Meter 70 messende Borusse bewies einmal mehr sein großes Kämpferherz, warf sich in jeden Zweikampf – Chapeau!
Keine Frage: Die personelle Dezimierung minderte Borussias Siegchancen schon sehr. Dennoch bleibt hervorzuheben, dass sich die Männer von Senat Memedovski auch in den zweiten 45 Minuten trotz Unterzahl nicht kampflos geschlagen gaben, bis zum Umfallen kämpften und, immer wieder angetrieben von dem laufstarken Davin Presser und Kapitän Marvin Müller, über weite Phasen auch nach dem Seitenwechsel dem Titelaspiranten Paroli bieten konnten. Die beste Aktion der Borussen hatte Ben Meinen, der sich nach 75 Minuten gleich gegen mehrere Gegner energisch durchsetzte und mit seinem wuchtigen Schuss einen Eckball herausholte. Ibrahim Langoun hielt es in der Schlussphase nicht mehr im eigenen Strafraum: Der auch körperlich robuste Borussen-Keeper stürmte bei einigen Eckstößen jetzt mit nach vorne und versuchte, einen Treffer zu erzwingen – leider vergeblich. Dabei hätte Borussia zumindest einen Ehrentreffer verdient gehabt!

Kein Grund für Marvin Müller und Dhiyauldin Fouzi Souysi, die Köpfe hängen zu lassen: Auf dieser Leistung kann man aufbauen! (Foto: -jf-)
Senat Memedovski will unter dem Strich aber auf jeden Fall das Positive mit in die Trainingswoche vor dem Auswärtsspiel beim FC Kutzhof (am kommenden Sonntag um 15.30 Uhr) nehmen: „die ersten Spiele haben gezeigt: Wir sind in der Verbandsliga angekommen, müssen vor keinem Gegner Angst haben und uns auch nicht verstecken“, so der Borussen-Trainer, der ganz realistisch auf dem Saisonziel „Klassenerhalt“ beharrt, aber mit weiteren Prognosen vorsichtig ist: „Warten wir mal die ersten zehn Spieltage ab, dann weiß man schon eher, wohin die Reise geht.“ Boris Schellenberg gibt bei seiner Einschätzung der Lage zurecht zu bedenken, „dass wir auch ein brutal schweres Auftaktprogramm haben: „Mit Lebach, Primstal und demnächst dem TuS Steinbach gleich drei Meisterschaftsanwärter in den Heimspielen, dazu auswärts mit Reiskirchen und Kutzhof zwei Neulinge, die die Aufstiegseuphorie noch in sich spüren. Und im dritten Auswärtsspiel fahren wir dann gleich zu einem der Topfavoriten nach Bliesmengen-Bolchen.“ Im September warten anschließend gleich zwei weitere Partien auf fremden Plätzen bei zwei Zweitgarnituren: Zunächst bei Palatia Limbach, dann beim FC Homburg. Es hätte auch leichter kommen können. Vielleicht kann den Borussen eine Botschaft des amerikanischen Psychologen und Philosophen William James (1842-1910) helfen: „Es ist unsere Einstellung zu Beginn schwieriger Aufgaben, die mehr als alles andere den Erfolg bestimmt.“ (-jf-)
Statistik: Borussia – VfL Primstal 0:3 (0:0)
Borussia: Tera Langoun Ibrahim – Omega Karpaworth, Brooklyn Mac Phee (ab 22. Leonard Odesho, ab 59. Yaman Alakoud), Marvin Müller, Francisco Alves Victorino (ab 50. Hamza Alobaidaat), Tobias Haag, Ferhat Kizmaz, Ben Meinen, Davin Presser, Aktan Yücel, Dhiyauldin Fouzi Souysi. – Trainer: Senat Memedovski. – Tore: 0:1 (53.) Jannik Schulz, 0:2 (80.) Felix Erbel, 0:3 (85.) Jannik Schulz. – Schiedsrichter: Marc Putzer (FV Schwalbach). – Zuschauer: 200. – Gelbe Karten Borussia: Omega Karpaworth (13.), Dhiyauldin Fouzi Souysi (21.), Tobias Haag (89.). – Gelb-rote Karte Borussia: Dhiyauldin Fouzi Souysi (42.).
Unsere Bilder zeigen ein paar Eindrücke vom Heimspiel der Borussia gegen den VfL Primstal. (Fotos: -jf-)






















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