Eine außergewöhnliche Ausstellung …

… wartet auf die Besucher des „Tages des offenen Denkmals“ im Ellenfeld-Stadion am kommenden Sonntag: Fußball-Historiker und Sammler Paul Schmidt präsentiert Exponate aus seinem riesigen Archiv

Die Zeiten, da der Mensch Flora und Fauna der alten Welt als Jäger und Sammler auf der Suche nach Essbarem durchstreifte, sind längst vorbei. Doch ist dieses Kapitel der Menschheitsgeschichte wirklich abgeschlossen? Sind Jagdtrieb und Sammelleidenschaft nicht immer noch Motoren menschlichen Handelns? Auf die Frage, wieviel Jäger und Sammler noch heute in uns steckt, ist Paul Schmidt die personifizierte Antwort. Der 63jährige Friseurmeister aus Illingen sammelt mit Leidenschaft alles, was mit Fußball zu tun hat, könnte mit dem, was er im Laufe der Jahre zusammengetragen hat, ganze Hallen füllen, hat schon zahlreiche Ausstellungen und Benefizveranstaltungen durchgeführt und ist am Sonntag anlässlich des Tages des offenen Denkmals im Ellenfeld-Stadion mit sehenswerten Objekten zum Thema „Fußball-Weltmeisterschaften“ zu Gast. Wie alles angefangen hat, was ihn antreibt, welche besonderen Stücke zu seiner Sammlung gehören und welchen Bezug er zur Borussia hat, erläutert der gebürtige Saarbrücker im Gespräch.

Paul Schmidt, wie kommt man zur Sammelleidenschaft in Sachen Fußball?

PS: Erstmals bewusst miterlebt habe ich als 11jähriger die Weltmeisterschaft 1974. Die WM 1970 habe ich zwar auf dem Schoß meines Vaters mitverfolgt, aber die Begeisterung hatte mich noch nicht so gepackt. Dann wollte ich selbst Fußball spielen, durfte aber nicht. Dann habe ich eben angefangen, mit der Theorie und der Geschichte des Fußballs zu befassen. Ein ausschlaggebendes Erlebnis war dabei das sogenannte Wunder von Bern, das die Saarbrücker Zeitung im März 1977 anlässlich des 80. Geburtstages von Sepp Herberger noch einmal aufgelegt hat. Sepp Herberger ist ja nur einen Monat später verstorben. Ich habe dann angefangen, die Zeitungsausschnitte zu sammeln und zu dokumentieren.

„Ein Herz für Kinder“ – auch für die Hilfsaktion der BILD hat Paul Schmidt mit seiner Frau Sabine schon eine Benefiz-Ausstellung organisiert (li.). Auslöser für sein leidenschaftliches Hobby: Die WM 1974, von der viele Exponate (re.) an die Anfänge erinnern. (Fotos: -ps-/privat)

Sie waren in Sachen Fußball viel unterwegs. Von dort hat man dann sicher das eine oder andere Stück mitgebracht, oder?

PS: Als gebürtiger Saarbrücker ist man ja eigentlich automatisch FCS-Fan. Das war bei mir nicht anders. Ich war mit dem Verein viel in ganz Deutschland unterwegs, habe im April 1977 unter anderem auch das legendäre 6:1 gegen Bayern München im Ludwigspark miterlebt. Darüber hinaus habe ich auch viele internationale Spiele gesehen, unter anderem im ehemaligen Europapokal der Landesmeister. Da bringt man dann natürlich manches mit nach Hause. Über das Internet kaufe ich nichts dazu. Auf Flohmärkten ist manches zu entdecken oder man kauft andere Sammlungen auf. Aus Nachlässen von Verstorbenen konnte ich ebenfalls einiges erwerben. Als Sammler muss man, so makaber das vielleicht klingt, schneller sein als der Tod. Will heißen: Man muss da sein, bevor die Angehörigen Dinge entsorgen, von deren Wert sie weder ahnen noch wissen!

Wie umfangreich muss man sich denn Ihr Archiv vorstellen?

PS: Um nur mal ein paar Zahlen zu nennen: Zu meiner Sammlung gehören etwa 2500 Wimpel, ca. 20.000 Anstecknadeln, mehrere hundert Fußbälle mit Originalautogrammen, Trikots, Spielplakate, die meisten davon original signiert, historische Bücher und vieles mehr. Dazu gehören auch Dinge, die auf den ersten Blick nichts mit Fußball zu tun haben, wie zum Beispiel Fotoapparate und die ersten Handys, alte Münzen oder Geldscheine. Mir geht es nämlich auch darum, den Fußball im Wandel der gesamten Zeit darzustellen, um ein Gefühl für die jeweiligen gesellschaftlichen Umstände zu erzeugen und sich zurückzuerinnern. Die Menschen von heute interessieren sich meiner Meinung nach viel zu wenig für Geschichte. Dabei wäre das so wichtig. Denn wer die Vergangenheit nicht kennt und die Gegenwart nicht lehrt, kann die Zukunft nicht mitgestalten!

Erzählen Sie uns doch bitte von ein paar besonderen Exponaten Ihrer Sammlung?

PS: Ein Originaldruck der ersten Fußballregeln von Konrad Koch aus dem Jahre 1892 ist ein ganz besonderes Stück. Konrad Koch war ja derjenige, der den Fußball 1875 überhaupt erst nach Deutschland gebracht hat. Das Spielplakat und die Eintrittskarte vom letzten Länderspiel Franz Beckenbauers am 23. Februar 1977 gehört ebenfalls zu meiner Sammlung. Dazu konnte ich auch noch den Originalball dieses Spiels bekommen: Er wurde im Fernsehen verlost, ein Architekt aus Saarbrücken war der Glückliche und hat ihn mir dann für die Sammlung zukommen lassen. Auch ein Spielball aus dem Jahr 1976, als die Bayern zum dritten Mal in Folge den Europacup der Landesmeister gewannen, mit allen Originalautogrammen ist Teil der Sammlung. Die Eintrittskarte vom letzten Endspiel um die deutsche Meisterschaft vor Einführung der Bundesliga ist speziell für mich auch etwas unschätzbar Wertvolles: An jenem 29. Juni 1963, als Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln mit 3:1 gewann, erblickte ich nämlich das Licht der Welt!

Gibt es auch Teile aus der Historie der Borussia?

PS: Ja, zum Beispiel die Original-Stadionzeitung vom Pokalendspiel 1959 in Kassel gegen Schwarz-Weiß Essen oder die Meisterschaftsmedaille, die die Spieler der Borussia anlässlich des Gewinns der Südwestmeisterschaft 1972 erhalten haben. Für 100-Jahr-Feier der Borussia im Jahr 2005 hatte ich manche Stücke zur Verfügung gestellt und mich auch an der Gestaltung der Feier ebenso beteiligt wie am 100jährigen Jubiläum des 1. FC Saarbrücken im Jahr 2003.

Sie haben auch bereits zahlreiche Ausstellungen organisiert …

PS: Ja, so richtig losgegangen ist das 2004 mit einer Benefiz-Ausstellung zugunsten der Opfer der Tsunami-Katastrophe in Indonesien. Die Erlöse der Ausstellungen sind immer komplett einem guten Zweck zugute gekommen.

Haben Sie für ein so umfangreiches Archiv überhaupt Platz?

PS: Das ist in der Tat ein Problem. Ich habe derzeit eine Halle mit 400 Quadratmetern angemietet. Vieles befindet sich in Kisten verstaut und gestapelt, so dass ich gar nicht an alle Exponate herankomme.
Als Sammler kommt man, das hört man aus Ihren Äußerungen heraus, automatisch auch mit der Historie des Fußballs in Berührung.

PS: Auf jeden Fall! Bei mehreren Besuchen im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund sind mir deshalb auch einige Unrichtigkeiten aufgefallen. Zu Beispiel hieß die Borussia aus Mönchengladbach bei ihrem Bundesliga-Aufstieg noch „Borussia München-Gladbach“. Auch die Bedeutung mancher Memorabilien ist wird nicht richtig eingeordnet.

Apropos Deutsches Fußballmuseum. Weckt Ihre Sammlung nicht auch anderswo Begehrlichkeiten?

PS: In der Tat hatte ich schon mehrere Anfragen zum Verkauf, darunter auch sehr lukrative. Auch das Deutsche Fußballmuseum hat schon angeklopft. Sogar aus China kam mal ein Angebot. Aber das war und ist für mich keine Option. Mir geht es nicht ums Geld, sondern um Werte und Wertschätzung. Heutzutage zählt leider nur das Finanzielle, die Wertschätzung wird auf das Monetäre reduziert. Ich möchte dagegen mit meiner Sammlung den Menschen zeigen, was war, und die Gesellschaft sich wieder zurückerinnern lassen. Mein Plan war es ja auch einmal, hier im Saarland ein internationales Fußballmuseum mit saarländischer Prägung aufzubauen, aber leider wollte niemand die Finanzierung mittragen.

Paul Schmidt, vielen herzlichen Dank für die Einblicke in Ihre wirklich außergewöhnliche Sammlung. Wir freuen uns, dass Sie uns anlässlich des Tages des offenen Denkmals daraus einiges zeigen – was würde in einem altehrwürdigen und denkmalgeschützten Stadion besser passen? Die Besucher dürfe gespannt sein! Herzlich willkommen im Ellenfeld! (-jf-)

Auch der Saarländische Rundfunk hat bereits über Paul Schmidt berichtet:

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