Ein Neinkerjer Bub führt die Borussia an

Marvin Müller will mit dazu beitragen, dass die Borussia wieder in sichere Gewässer steuert

Einem Kapitän kommt auf hoher See eine zentrale Bedeutung zu. Er trägt die Verantwortung an Bord eines Schiffes für Besatzung, Passagiere und Ladung, überwacht Routen, Wetterbedingungen und die sichere Führung des Fahrzeugs. In stürmischer See ist der Kapitän besonders gefordert. Das gilt im übertragenen Sinne auch für den neuen Kapitän der Borussia: Marvin Müller will seine ganze Kraft dafür einsetzen, das schlingernde Schiff Borussia wieder in sicheres Fahrwasser zu navigieren. Als 27jähriger gebürtiger Neunkircher, ehemaliger Jugendspieler und langjähriger Fan der Borussia sowie erfahrener Akteur bei seinem vorherigen Verein SVGG Hangard ist er dazu prädestiniert wie kaum ein anderer. Das hat auch Trainer Senat Memedovski erkannt, der den Mann mit der Rückennummer 11 zum Mannschaftskapitän ernannt hat.

„Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Vorstand sein, als verlängerter Arm des Trainers auf dem Spielfeld fungieren, das Team als geschlossene Mannschaft zusammenhalten, die Kameraden lautstark unterstützen, aufmuntern und motivieren“: So beschreibt Marvin Müller sein Verständnis von einem „Leader“ – ein Anspruch, den er in Training und Spiel mit ganzem Herzen vorleben möchte. Kein leichtes Unterfangen in einer neu zusammengestellten Mannschaft mit den unterschiedlichsten Charakteren!

Borussias Kapitän, der beruflich als Bankkaufmann bzw. Bankfachwirt bei der Sparkasse tätig ist, weiß, „dass die Saison keine einfache wird. Wir müssen alle alles geben, müssen das, was uns fußballerisch vielleicht noch fehlt, über Teamgeist, Kampf- und Laufbereitschaft wettmachen“, gibt Marvin Müller die Richtung vor. Die Vorbereitung sei leider „etwas schleppend verlaufen, da wir urlaubsbedingt nicht immer komplett waren und auch einige verletzte und angeschlagene Spieler hatten. Zwei oder drei Wochen zusätzlich hätten uns sicherlich gutgetan“, sagt Marvin Müller offen. Gleichzeitig appelliert er, ganz im Sinne von Vorstand und Trainer, an Fans um Umfeld, die traditionell hohen Erwartungen im Ellenfeld etwas zu dämpfen: „Wir stehen vor einer großen Herausforderung. Das oberste Ziel kann nur heißen, die Klasse zu halten. Es wird Rückschläge geben, aber genau dann müssen wir als Mannschaft, Verein und Fans zusammenstehen, die Ruhe bewahren und gemeinsam den eingeschlagenen Weg weitergehen.“

Für Marvin Müller kann der Weg zurück zu einer erfolgreichen Borussia nur nachhaltig sein: „Wir müssen wieder verstärkt auf junge Spieler aus der Region setzen und den Verein mit einer klaren Strategie weiterentwickeln.“ Ein erster Schritt ist mit der Verpflichtung mehrerer Neunkircher Jungs (wir berichteten) bereits gemacht. Ein solcher ist auch Marvin Müller selbst. Bis zur D-Jugend spielte er beim TuS Wiebelskirchen), ehe er von der C- bis zur A-Jugend das Trikot der Borussia trug. Seitdem ist er Borusse durch und durch. „Durch meinen Vater und meinen Onkel wurde ich schon als kleiner Junge mit ins Ellenfeld genommen. Mein erstes Spiel mit Borussia war das Spiel im DFB-Pokal 2003 gegen Bayern München. Daran kann ich mich heute noch dunkel erinnern“, erzählt er. Über viele Jahre verfolgte er die Borussia als Fan in Ober- und Saarlandliga, lernte viele Spieler persönlich kennen und litt mit dem Verein, als es sportlich und wirtschaftlich schwieriger wurde.

Dass er jetzt das Borussen-Trikot trägt, empfindet Marvin Müller als Heimkehr. Er bringt nicht nur Erfahrung, sondern auch starke Zahlen mit: Für die DJK St. Ingbert, den TuS Wiebelskirchen und zuletzt die SVGG Hangard in der Landesliga, wo er seit Januar in die sportlichen Leitung eingebunden war, absolvierte er in 174 Spielen und sammelte 103 Torbeteiligungen – eine Bilanz, die er nun auch bei der Borussia weiter ausbauen möchte. Denn mit 27 Jahren ist Marvin Müller, der in Abwehr und Mittelfeld flexibel einsetzbar ist, im besten Fußballer-Alter. Dass er (gemeinsam mit mehreren Spielern) Hangard verlassen hat, nehmen ihm manche Menschen übel: „Doch das, was da stellenweise in den sozialen Netzwerken kommuniziert wird, hat mit der Realität wenig zu tun. Viele, die sich dazu äußern, kennen die Hintergründe nicht. Wir verlassen Hangard mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Die Zeit bei der SVGG war für uns etwas Besonderes und wir blicken auf viele schöne Momente zurück, für die wir dankbar sind. Leider haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten Entwicklungen ergeben, die ich als Mitglied im Sportvorstand so weder mittragen noch verantworten konnte. Doch das ist Vergangenheit und wir müssen jetzt alle nach vorne blicken.“

Marvin Müllers voller Fokus liegt jetzt auf der Borussia: „Ich freue mich auf die neue Herausforderung und werde gemeinsam mit der Mannschaft alles dafür geben, den Verein Schritt für Schritt wieder auf ein gesundes und erfolgreiches Fundament zu stellen.“ Dass gleich zum Auftakt (am Samstag um 16.30 Uhr) mit der SG Lebach-Landsweiler eine gestandene, eingespielte und starke Verbandsliga-Mannschaft auf die Borussen wartet, ist Marvin Müller bewusst: „Das wird direkt eine schwierige Aufgabe, denn für mich zählt diese Truppe gemeinsam mit der U23 des FC Homburg und dem VfL Primstal zu den Aufstiegsfavoriten.“ Für die Borussia dagegen gelte zunächst ein anderes Ziel: „Wir haben ein Übergangsjahr vor uns. Jetzt geht es darum, mit Vernunft und einem klaren Plan eine schlagkräftige Mannshaft zu entwickeln, die sich kontinuierlich verbessert und mittelfristig wieder angreifen kann.“ Dazu will der neue „Leader“ sein Scherflein beitragen und als Vorbild vorangehen.

Herzlich willkommen im Ellenfeld, Marvin! Alle Borussen wünschen Dir viel Erfolg, Gesundheit und eine erfolgreiche Zeit im Trikot der Borussia! (-jf-)

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