Der mächtige Schnauzer war sein Markenzeichen. Sowohl als Spieler im Borussen-Trikot als auch als Trainer auf der Borussen-Bank war er im Ellenfeld daran sofort auszumachen. Am gestrigen Sonntag wurde er 75 Jahre alt: Heinz Eisengrein. Der Jubilar kann auf eine bewegte und erfüllte sportliche Laufbahn zurückblicken – mit Höhen und Tiefen, erfolgreichen und weniger erfolgreichen Tagen. Borussia gratuliert ganz herzlich und blickt auf einige Abschnitt seiner Karriere zurück.
Als Schüler glänzte Heinz Eisengrein nicht nur als Fußballer, sondern auch als ausgezeichneter Leichtathlet. In seiner Heimat, der Vierburgenstadt Neckarsteinach (15 Kilometer östlich von Heidelberg), war der damals 15jährige beim Turnerbund von 1904 ein guter Läufer und kraftvoller Kugelstoßer, lief beispielsweise bei einem Sportfest in Neckarelz die 1000 Meter in guten 3 Minuten und 8 Sekunden. Im Kugelstoßen übertraf er die Weite von 9 Metern bei weitem. So ist es bis heute in den Berichten der Neckarsteinacher Leichtathletik-Abteilung dokumentiert.
Ins Ellenfeld kam der Fußballer Heinz Eisengrein Mitte der 70er-Jahre. Ein großer Erfolg: Der Gewinn des Saarlandpokals 1978. Im Eppelborner Illtal-Stadion steuerte er Anfang Juni beim 5:1-Finalsieg gegen Saar 05 sogar einen Treffer bei. Da konnte er noch nicht ahnen, dass er knapp zehn Jahre später als Trainer ins Ellenfeld zurückkehren sollte. Borussia war in Not, Rainer Reuter hatte als Coach seinen Hut genommen, Hennes Schreier interimsmäßig übernommen, bis Heinz Eisengrein kam. 472 Tage war er bis zum Ende der Spielzeit 1987/88 im Amt. In 44 Spielen betrug sein Punkteschnitt (bei der Zwei-Punkte-Siegregelung) 0,95, wahrlich keine schlechte Bilanz für eine problematische Situation, die in „Alla Wormatia“, dem Stadionmagazin in Worms, vor dem Gastspiel der Borussia in der Nibelungenstadt im März 1988 wie folgt skizziert wurde: „Borussia war in den letzten Jahren recht geplagt. (…) Große Sprünge waren es denn auch nicht, die den derzeitigen Mannschaftskader bestimmten. (…) Trainer Heinz Eisengrein, ein Neckarsteinacher Junge, hat trotz all der Widrigkeiten Maximales erzielt.“ Die Wormser Prognose: „Die Mannschaft wird sich etablieren, wenn Eingespieltsein und Routine hinzukommen.“ So sollte es dann auch kommen: Die Borussen konnten sich unter Heinz Eisengreins Übungsleitung in der Tat aus der abstiegsgefährdeten Zone befreien und landeten am Ende auf Rang 14, ohne noch einmal in ernsthafte Gefahr geraten zu sein.

Erst (unter Coach Dietmar Schwager und Co Günther Kuntz) Spieler bei Borussia (Foto oben, 4. von re.), dann Trainer (Foto unten, obere Reihe ganz li.), unterstützt vom Borussen-Leo: Heinz Eisengrein. (Fotos: Archiv Borussia Neunkirchen Hartung / Thomas Burgardt – herzlichen Dank!)

Für Heinz Eisengrein ging es vom Saarland ins Erzgebirge. Ende November 1990 wurde er einer der Co-Trainer von Klaus Toppmöller, der damals als Feuerwehrmann beim FC Wismut angeheuert hatte. Beim „Schalke des Ostens“ wurde Eisengrein ab 1. Juli 1991 dann als Cheftrainer Toppmöllers Nachfolger. In der damals drittklassigen Oberliga Nordost/Staffel Süd kämpfte er mit den „Veilchen“ um die Qualifikation für die nach dem Mauerfall eingerichtete neue 2. Liga. 20 Spiele lang blieben die Eisengrein-Männer ab August 1991 in Liga und Pokal ungeschlagen und durften vom Aufstieg träumen. Doch nach schwachen Auftritten in Nordhausen (0:1) und einem 1:2 im heimischen Stadion gegen den 1. FC Markkleeberg sahen Aues Verantwortliche die Felle davonschwimmen: Nervös geworden, entließen sie am Abend des 23. Februar 1992 ihren Chefcoach, der sich nichts vorzuwerfen hatte: „Ich habe hier in den letzten 15 Monaten gute Arbeit geleistet. Wir gehen im Guten auseinander. Für Aue geht es um eine rechtzeitige Planung für die Zukunft. Das akzeptiere ich“, so Heinz Eisengrein, der in 24 Spielen 16 Siege eingefahren und nur drei Niederlagen kassiert hatte. 37 Zähler (von 48 möglichen Punkten) waren erneut eine respektable Punkausbeute! Als Nachfolger wurde der 21fache DDR-Auswahlspieler Lutz Lindemann. Aber auch der verpasste das angestrebte Ziel 2. Liga.
Für Heinz Eisengrein ging die Reise weiter: Nach einer Co-Trainer-Tätigkeit beim VfL Bochum (1994/95) übernahm er im Sommer 1995 in Österreich die sportliche Verantwortung beim DSV Leoben in der 2. Liga, doch auch in der steirischen Bezirkshauptstadt war ihm kein langes Arbeiten gegönnt. Von nun an wechselte Heinz Eisengrein in die Rolle des Scouts und ging für Borussia Mönchengladbach (2000-2005), den SC Paderborn (2007-2009) und anschließend (bis 2014) für RB Leipzig auf Talentsuche. Als solcher war er dann auch wieder öfters im Ellenfeld zu Gast. Beim TSV Marktoberdorf im Allgäu schließlich kehrte er dann doch noch einmal für ein Jahr (2014/15) auf die Trainerbank zurück.
Nach 75 Lebensjahren kann der Mann mit dem beeindruckenden Oberlippenbart in der Tat auf eine bewegte sportliche Karriere zurückblicken, in der er zudem noch (zumindest in Neunkirchen) handwerkliche Fähigkeiten unter Beweis stellte: „Ich erinnere mich noch gut daran, dass er in der Winterpause einmal die orangefarbenen Fliesen in den heutigen musealen Räumen unter der Sporthalle verlegt hat“, weiß Borussias Stadionexperte Wolfgang Rausch zu erzählen.
Borussia gratuliert Heinz Eisengrein mit Dank für sein Engagement nachträglich, aber deshalb nicht weniger herzlich zum 75. Geburtstag und wünscht alles Liebe und Gute, vor allem Gesundheit. Ad multos annos, Heinz Eisengrein! (-jf-)
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