„Blaue Pokalreise“ macht Station im Ellenfeld (1)

Der Pokalfinalist von 1987, die Stuttgarter Kickers, zu Gast im Ellenfeld / Teil 1: Rückblick auf die DFB-Pokalpartie zwischen der Borussia und den Kickers vor 40 Jahren am 25. Oktober 1986

Unser Bild: Borussias Torwart Roland Kuppig pariert in dr Schlussphase Dieter Finkes Elfmeter und hält das Spiel spannend. (Foto: Ellenfeld-Verein e.V. / Archiv Borussia Neunkirchen)

Wenn die Borussia am kommenden Sonntag (Anstoß: 15.00 Uhr) im Ellenfeld-Stadion den SV Kirrberg empfängt, werden ganz besondere Gäste aus Stuttgart dabei sein: Etwa 40 Teilnehmer des Projekts „Blaue Pokalreise 1986/87“ erinnern damit an einen der größten Erfolge in der Vereinshistorie der Stuttgarter Kickers: Die Teilnahme am DFB-Pokalfinale in Berlin 1987, in dem der damalige Zweitligist dem Hamburger SV nach hartem Kampf mit 1:3 unterlag. Auf der „blauen Pokalreise“ werden alle Stationen der aufregenden Pokalsaison 1986/87 noch einmal angesteuert. Mit dabei: Das Ellenfeld-Stadion in Neunkirchen, wo die Kickers vor genau 40 Jahren am 25. Oktober 1986 mit 3:2 siegten und ins Achtelfinale einzogen. Wir blicken auf die Partie zurück.

Beide Clubs hatten die erste Runde recht souverän absolviert. Während die Kickers beim ehemaligen Bundesligisten Tennis Borussia Berlin klar mit 5:0 dominierten, hatten sich die Anhänger der Borussia zunächst gefragt, wo denn Mörfelden liegt. Denn zur Sport- und Kulturvereinigung (SKV) in die südhessische Doppelstadt Mörfelden-Walldorf mit ihren etwa 32.000 Einwohnern hatte das Los die Borussen geführt. Mörfelden hatte als Verbandsligist überraschend im Hessenpokalfinale dem traditionsreichen FSV Frankfurt mit 2:1 das Nachsehen gegeben und stellte auch die zu dieser Zeit in der Oberliga Südwest (damals 3. Liga) spielende Borussia zunächst vor arge Probleme. Dem 0:1-Pausenrückstand (Mörfeldens Torschütze nach 42 Minuten: Heinrich Müller) lief die Truppe aus dem Ellenfeld lange Zeit vergeblich hinterher. Erst Rudi Kappés leitete mit seinem Ausgleichstor 20 Minuten vor dem Ende die Wende ein, ehe Armin Wilhelm (81.) und Thomas Schäfer (88.) die Borussia in die zweite Runde schossen.

Das Aufgebot der Kickers für die Pokalpartie im Ellenfeld. Oven v. li.: Peter Hobday, Hans Hein, Christian Streich, Erwin Waldner, Heribert Stadler, Ralf Forster, Niels Schlotterbeck. Mitte v. li.: Trainer Dieter Renner, Dirk Kurtenbach, Andreas Kleinhansl, Bernd Schindler, Dieter Finke, Detlef Olaidotter, Kazimierz Kmiecik, Masseur Redemann. Vorne v.li.: Ralf Vollmer, Ali-Riza Yilmaz, Armin Jäger, Waldemar Cimander, Arthur Jeske, Frank Elser. (Foto: Kickers-Archiv)

Hier wartete nun mit den Stuttgarter Kickers eine renommierte und etablierte 2.Liga-Mannschaft auf die Borussen. Spieler wie Ralf Vollmer, der Engländer Peter Hobday, Hans Hein, Erwin Waldner, Dirk Kurtenbach, Dieter Finkler sowie Niels Schlotterbeck, Onkel der beiden derzeitigen Bundesliga-Spieler Keven und Nico Schlotterbeck, waren klangvolle Namen, die – angeleitet von Trainer Dieter Renner, einem ehemaligen Kickers-Profi – für fußballerische Qualitäten standen und am Ende der Saison auf einem respektablen 7. Tabellenplatz landeten. Mit dabei auch ein gewisser Christian Streich, der nicht nur in der Pokalpartie im Ellenfeld eine entscheidende Rolle spielen, sondern später auch beim SC Freiburg bekanntlich einer der besten und mit zahlreichen Ehren ausgezeichneten Trainer im deutschen Profifußball werden sollte. Auch auf Borussias Seite lief ein Mann auf, dessen Stern gerade im Aufgehen begriffen war und der in den Jahren danach noch für Furore sorgen sollte: Der junge Stefan Kuntz lief für den grippekranken Kohler auf, wurde nach 64 Minuten gegen Finkler ausgewechselt.

Unterwegs ins Tor ist der Schuss von Stefan Recktenwald (oben li.) zum 1:2-Anschlusstreffer, während Armin Wilhelm (unten re.) sich im Zweikampf behauptet. (Fotos: Ellenfeld-Verein e.V. / Archiv Borussia Neunkirchen)

„Neunkirchens Pech mit dem Schwaben Streich“, so titelte nicht umsonst die „Saarbrücker Zeitung“ (SZ) ihren Spielbericht über die spannenden 90 Minuten im Ellenfeld. Borussias Coach Rainer Reuter meinte, eine Überraschung sei möglich gewesen, und auch sein Stuttgarter Kollege Dieter Renner zollte dem Gegner viel Lob: „Neunkirchen hat gut mitgehalten und in der ersten Halbzeit sogar mehr vom Spiel gehabt.“ Doch von all den Komplimenten konnten sich die Borussen letztlich nichts kaufen: Sie standen mit leeren Händen da. „Der bravouröse Kampf des David gegen Goliath blieb unbelohnt“, so das Fazit der „SZ“. Doch das Ausscheiden hatten sich Borussia auch selbst zuzuschreiben, denn größte Möglichkeiten durch Stefan Recktenwald und Dirk Buchborn blieben in der Anfangsphase ungenutzt, den Aktionen der Borussen fehlte damit das Tüpfelchen auf dem i! Die Gäste dagegen strahlten nur selten Gefahr aus: „Zu unüberlegt waren die Angriffe der Profis, außerdem waren Kurtenbach und Vollmer bei Käufling und Fischer gut aufgehoben. Überdies zeigte Döpp gegen den Spielgestalter der Kickers, Peter Hobday, in der Defensive ein starkes Spiel“, konstatierte Berichterstatter Michael Klein von der „SZ“. So schmeichelte das torlose Remis beim Pausenpfiff des tüchtigen Schiedsrichter Birlenbach (Borussias damaliger Präsident Hans Bauer: „Ich habe selten in den letzten Jahren im Ellenfeld einen derart guten Unparteiischen erlebt!“) den Kickers.

Kopfballkampf in luftiger Höhe im Borussen-Strafraum (oben), starker Roland Kuppig (unten) um Eins-zu-Eins-Duell. (Fotos: Ellenfeld-Verein e.V. / Archiv Borussia Neunkirchen)

Doch die wollten nach Wiederanpfiff unbedingt die Weichen auf Sieg stellen. Und das gelang. Binnen fünf Minuten profitierten Christian Streich (47.) und Dirk Kurtenbach (52.), der später mit 8 Treffern zum Torschützenkönig des Pokalwettbewerbs 86/87 avancieren sollte, gleich zweimal von Unsicherheiten in Borussias Abwehr und schossen den Zweitligisten mit 2:0 in Front. Doch nach dem Motto „Jetzt haben wir nichts mehr zu verlieren“ nahmen die Borussen ihr Herz in beide Hände und zeigten Biss. Der Lohn: Schon drei Minuten nach dem 0:2 war Borussia, jetzt auch leidenschaftlich unterstützt von den 1000 Fans, wieder dran: Ein Freistoß von Dirk Buchborn wurde von Armin Wilhelm per Kopf weitergeleitet und Kapitän Stefan Recktenwald ließ mit Volleyschuss Kickers-Keeper Jäger keine Chance. Borussia blieb am Drücker, ließ nicht locker und viele Fans im Ellenfeld dachten an da Vorjahr, als die Borussen den Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen regelrecht niedergerungen hatten – erst recht, als Armin Wilhelm nach 74 Minuten die Abwehr der Blauen düpierte und das 2.2 markierte. Die kalte Dusche folgte allerdings prompt: Wohl noch im Überschwang des Jubels befindlich kassierten die Borussen im Gegenzug Gegentreffer Nummer 3, wieder hieß der Torschütze Christian Streich (75.). Nur eine Minute später hätte Dieter Finke alles klar machen können, doch der Stuttgarter scheiterte in der Wiederholung eines Strafstoßes (einer der Kickers war zu früh in den Strafraum gestartet) an Borussias Torwart Roland Kuppig. „In der Schlussphase“, so die „SZ“, „stürmte dann nur noch eine Mannschaft: Die Neunkircher Borussia. Am Resultat aber änderte sich nichts mehr, denn der für Uwe Grub eingewechselte Scherer ließ drei gute Möglichkeiten aus. Schade, Borussia!“ (Fortsetzung folgt / -jf-)

Statistik: Borussia – Stuttgarter Kickers 2:3 (0:0)

Borussia: Kuppig – Wilhelm, Fischer, Käufling, Braun, Grub (ab 80. Scherer), Buchborn, Kuntz (ab 64. Finkler), Döpp, Recktenwald, Schäfer. – Trainer: Reuter.

Stuttgarter Kickers: Jäger – Elser, Schlotterbeck, Finke, Kleinhansl, Streich, Hobday, Kmiecik, Jeske, Vollmer, Kurtenbach. – Trainer: Renner.

Tore: 0:1 (47.) Streich, 0:2 (52.) Kurtenbach, 1:2 (55.) Recktenwald, 2:2 (74.) Wilhelm, 2:3 (75.) Streich. – Schiedsrichter: Birlenbach (Hattenheim). – Zuschauer: 1.000.

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