Gebrauchter Tag für Borussia

Beim 0:1 gegen den TuS Steinbach gingen nicht nur die Punkte, sondern auch zwei Spieler mit Gelb-Rot und Rot verloren / Problem Disziplin: Vorstand wird sich zu den Ereignissen äußern

Unser Bild: Duell der 17er – zu schnell für Steinbachs Erfan Nasari (rotes Trikot) ist hier der Borusse Dhiyauldin Fouzi Souzy, der Tempo aufgenommen hat. (Foto: -jf-)

Das Warten geht weiter! Auch im dritten Heimspiel gegen den dritten Titelaspiranten bleibt Borussia ohne Sieg und ohne Tor. Dabei lag auch diesmal beim 0:1 gegen den TuS Steinbach ein Punktgewinn durchaus im Bereich des Möglichen, schnupperten die Borussen nach Steinbachs früher Führung durch den Ex-Neunkircher Vincenzo Accursio (13.) vor allem in einer starken Phase kurz vor der Pause bei drei Eckbällen in Folge am Ausgleich. Doch nach dem Seitenwechsel schwächten sich die Schützlinge von Trainer Senat Memedovski durch Undiszipliniertheiten, die eine rote und eine gelb-rote Karte zur Folge hatten, selbst. Nach unschönen Szenen am Ende (eigene Stellungnahme des Vorstands folgt separat!) musste Borussias sportlicher Leiter Boris Schellenberg feststellen: „Einfach ein gebrauchter Tag!“

Die Borussen traten ersatzgeschwächt an. Mit Omega Karparwoth, Francisco Alves Victorino, dem wegen roter Karte in Kutzhof für drei Spiele gesperrten Leonard Odesho und Marco Eggert, der nach Fuß-OP mit Gehstützen auf der Bank saß, fehlten Trainer Senat Memedovski wichtige Spieler. Die spielstarken Gäste, für Boris Schellenberg „die bislang beste Mannschaft, auf die wir getroffen sind“, übernahmen erwartungsgemäß nach dem Anpfiff die Spielkontrolle, ließen den Ball gut laufen, ohne jedoch die gesuchte Lücke in der kompakten Defensive der Borussia zu finden. Die tat sich erst nach 13 Minuten auf, als Vincenzo Accursio nach einem flinken Angriff über die linke Seite einen zunächst abgewehrten Ball im zweiten Versuch links unten trocken einnetzte. Da konnte noch keiner ahnen, dass dies der einzige Treffer der Partie bleiben sollte. Steinbach hatte weiter mehr vom Spiel und einen größeren Anteil am Ballbesitz – auch deshalb, weil die Borussen ihre Angriffe nicht sauber genug ausspielten, so dass sich keine großen Torgelegenheiten ergaben. TuS-Keeper Justin Pink musste lediglich nach 18 Minute auf der Hut sein und war gegen den auf ihn zustürmenden Dhiyauldin Fouzi Souysi einen Schritt schneller, um die Gefahr zu bannen. Auf der anderen Seite landeten Abschlüsse von Nicklas Träm (31.), Vincenzo Accursio (31.) und Alessio Runco (abgefälscht, 35.) neben oder über dem Tor. Borussia bekam, nachdem Senat Memedovski nach etwa 35 Minuten die Flügel getauscht hatte (Aktan Yücel jetzt rechts, Dhiyauldin Fouzi Souysi auf links), kurz vor dem Seitenwechsel Oberwasser, erkämpfte sich drei Eckstöße hintereinander, wobei sich Ben Meinen die beste Chance bot: Der junge laufstarke Mittelfeldspieler hatte sich gegen mehrere Gegner gut durchgesetzt, doch Routinier Ivan Sachanenko konnte klären, bevor der Ball die Torlinie überschritt (45.).

Hatte kurz vor der Pause Borussias ersten Saisontreffer auf dem Fuß: Ben Meinen. (Foto: -jf-)

Nach dem Wiederanpfiff durch Schiedsrichter Lukas Jungfleisch dauerte es gut zehn Minuten bis zum ersten Höhepunkt, doch der hatte es in sich. Bei einer Grätsche sprang das Leder Loic Wanmeni an die Hand und der Unparteiische zeigte auf den öminösen Punkt. „Eine Entscheidung, die sicher nicht jeder Schiedsrichter so getroffen hätte“, so der Kommentar im Liveticker auf fupa.net. Jedenfalls veranlasste sie den zornigen „Übeltäter“ zu einem nicht nur verbal harten Angehen des Schiedsrichters, der prompt die rote Karte zückte. „Das geht gar nicht! Jetzt sind wir schon wieder eine halbe Stunde in Unterzahl“, übte Teammanager Dirk Dollmann Kritik an Borussias Mittelfeldakteur, der bis dahin eine gute Leistung abgeliefert hatte. Vincenco Accursio, eigentlich ein sicherer Elfmeterschütze, legte sich die Kugel parat und visierte die rechte untere Ecke an, die Tera Langoun Ibrahim aber „gerochen“ hatte: Der Borussen-Keeper war trotz der aufgekommenen Hektik cool geblieben, wehrte blitzschnell abtauchend den Strafstoß ab und bewies damit erneut seine Extraklasse.

Wer nun geglaubt hätte, Steinbach hätte mit den personell dezimierten Borussen leichtes Spiel, sah sich getäuscht. Zwar hätte Stefan Kämmerling, der, von Nicklas Träm gut freigespielt, nach 64 Minuten den Ball aus nächster Nähe hoch in die Spieser Kurve drosch, eigentlich das 2:0 machen müssen, aber Borussia hielt, auch wenn offensiv nicht mehr viel ging, tapfer dagegen. So wurde man trotz der Möglichkeiten, die sich den Gästen in der Schlussphase Giuliano Nardi (81.), Alessio Runco (85.) und dem eingewechselten Fabian Beringer (87.) boten, das Gefühl nicht los, als könnte sich für Steinbach nach einer Binsenweisheit des Fußballs das Auslassen guter Gelegenheiten doch noch rächen! Wer es mit der Borussia hielt, hoffte jedenfalls immer noch auf den einen Glücksmoment …

Borussen-Abwehrmauer mit (v.l.) Brooklyn Mac Phee, Ben Meinen und Hamza Alobaiddat gegen Steinbachs Alessio Runco. (Foto: -jf-)

Doch stattdessen endete die Partie maximal hektisch und unschön. Was war passiert? Nachdem Schiedsrichter Jungfleisch ein Foul des nach 67 Minuten für Aktan Yücel eingewechselten Yaman Alakoud, der anschließend auch noch das Leder wegschoss, mit der Ampelkarte geahndet hatte, brannten dem zuvor des Feldes verwiesenen Loic Wanmeni offenbar die Sicherungen durch: Der auf den Platz stürmende Mittelfeldakteur konnte nur von mehreren Mitspielern und Gegnern unter Kontrolle gebracht werden, ehe der Unparteiische die Partie (vielleicht sogar ein bisschen verfrüht) abpfiff.

Borussias Coach Senat Memedovski war zwar mit einigen Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns nicht einverstanden und hatte selbst die gelbe Karte gesehen, wollte dies aber weder als Entschuldigung für die Niederlage noch für die zum Schluss entstandene Hektik gelten lassen: „Da müssen wir trotz des entstandenen Frusts einfach cool bleiben.“ Insgesamt sah der Trainer dennoch gerade im offensiven Bereich eine Leistungssteigerung, es fehlten noch „die letzte Konsequenz und die letzten zehn Prozent Durchschlagskraft.“ Senat Memedovski würde sich bessere Impulse erwarten, wenn er Marvin Müller und Davin Presser weiter nach vorne schieben könnte: „Doch die beiden fehlen mir dann in der Defensive!“ Die arbeitete nämlich auch gegen Steinbach sehr konzentriert und kampfstark, zählt – fast schon kurios! – mit nur 7 Gegentreffern zu den fünf besten Abwehrreihen der Liga! Boris Schellenberg bescheinigte der Mannschaft „eine ansprechende Leistung gegen eine echte Spitzenmannschaft“ und erkannte den Sieg der Gäste als verdient an. Der sportliche Leiter entschuldigte sich im Namen der Mannschaft darüber hinaus in aller Form für das wenig erfreuliche Auftreten am Ende des Spiels und gab die Losung für die Trainingswoche vor dem schweren Auswärtsgang zum verlustpunktfreien Spitzenreiter SV Bliesmengen-Bolchen (am kommenden Samstag um 16.30 Uhr) aus: „Es gilt, sich nun zu schütteln und weiter am Ball zu bleiben.“ (-jf-)

Statistik: Borussia – TuS Steinbach 0:1 (0:1)

Borussia: Tera Langoun Ibrahim – Tobias Haag, Brooklyn Mac Phee, Marvin Müller, Ferhat Kizmaz, Ben Meinen, Davin Presser, Loic Wanmeni, Aktan Yücel (ab 67. Yaman Alakoud), Hamza Alobaidaat (ab 79. Sinan Memedovski), Dhiyauldin Fouzi Souysi. – Trainer: Senat Memedovski.

Tor: 0:1 (13.) Vincenzo Accursio. – Schiedsrichter: Lukas Jungfleisch (FV Fischbach). – Zuschauer: 300. – Besondere Vorkommnisse: Tera Langoun Ibrahim hält Handelfmeter von Vincenzo Accursio (59.). – Karten Borussia: Gelb für Senat Memedovski (75.), Sinan Memedovski (88.). – Gelb-Rot für Yaman Alakoud (89.). – Rot für: Loic Wanmeni (58.).

Unsere Bilder zeigen Eindrücke vom Spiel der Borussia gegen den TuS Steinbach. (Fotos: -jf-)

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