„Die Borussia ist meine Heimat!“

„Ur-Borusse“ Tim Cullmann im Porträt / Seit der D-Jugend bis auf zwei Jahre Betzenberg immer im Ellenfeld / Größter Wunsch: Verletzungsfrei bleiben!

Mit Fug und Recht kann man ihn als Borussias „Urgestein“ bezeichnen. Obwohl er erst 27 Jahre alt ist. Doch so lange wie kein anderer des aktuellen Kaders trägt er das Borussen-Trikot. Ab der E-Jugend ist das Ellenfeld seine Fußballheimat, sieht man einmal von den zwei Jahren ab, die er in der U17 des 1. FC Kaiserslautern und im Fußball-Internat des Heinrich-Heine-Gymnasiums verbracht hat. Trotz einiger Verletzungen in seiner Karriere hat er sich immer wieder herangekämpft, hat von jedem Trainer, den er hat kommen und gehen sehen, seine Einsatzzeiten bekommen – eine Wertschätzung besonderer Art. Dennoch gehört er eher zu den Spielertypen, deren Wert man erst dann erkennt, wenn sie mal nicht spielen können. Dass er trotz seiner Vielseitigkeit und Mannschaftsdienlichkeit nicht so im Fokus steht wie manch anderer, hängt sicher mit seiner eher ruhigen, besonnenen und bescheidenen Persönlichkeit zusammen.

Tim Cullmann war in seinem Wesen schon immer so. Der gebürtige St. Wendeler hat in der Nachbarschaft beim FC Niederkirchen mit dem Kicken angefangen. Als am Ende der E-Jugendzeit noch nicht feststand, ob es dort mit einer D-Jugend weitergeht, entschloss sich die Familie zum Wechsel. „Wenn wir weggehen, dann zu einem Top-Club“, so lautete die Devise bei Cullmanns. Die Entscheidung fiel auf die Borussia, der kleine Tim konnte bei einem Probetraining gefallen. „Mit Jens Kiefer habe ich damals auch Einzeltraining gemacht. `Den do Blinden kenne mer gebrauche´, muss er wohl gedacht haben, als er mir mitteilte, dass ich bleiben könne“, erzählt Tim Cullmann lachend, der heute noch froh ist, dass seine Eltern viel Zeit opferten, um die Fahrdienste zu Training und Spiel zu übernehmen: „Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen, ihnen habe ich alles zu verdanken.“ Tim Cullmanns Vater hat selbst Fußball gespielt – offenbar nicht schlecht, wie der Sohn weiß: „Er hatte sogar ein Probetraining beim VfL Bochum. Leider hat ein Knorpelschaden im Knie eine schon früh durchaus mögliche Profikarriere verhindert. Deshalb habe ich selbst ihn auch nicht mehr als Spieler auf dem Platz erleben können.“

Gruppenbild mit Cullmann: Der C-Jugendliche Tim (untere Reihe, 4. von rechts) im Jubiläumsjahr der Borussia 2005. (Foto: Mythos Ellenfeld)

Als Tim Cullmann mit der Saarland-Auswahl beim U17-Länderpokal in Duisburg-Wedau aufspielte, wurde der 1. FC Kaiserslautern auf den talentierten Mittelfeldspieler aufmerksam. Auch hier: Probetraining absolviert, für tauglich befunden! Im FCK-Internat untergebracht büffelte Tim Cullmann neben dem Fußball zwei Jahre lang am Heinrich-Heine-Gymnasium für die schulische Bildung. Großes Verletzungspech brachte ihn zum Nachdenken: „Da habe ich mich dann entschieden, nicht alles auf die Karte Fußball zu setzen, sondern mein Leben auch auf eine berufliche Basis zu stellen“, nennt er den Grund für die Rückkehr zur Borussia in die A-Jugend. Im Ellenfeld war er dann schnell rastlos im Einsatz: „Samstags 1. Mannschaft, sonntags zuerst A-Jugend und dann oft noch 2. Mannschaft“, erzählt Tim Cullmann von seinem Pensum. Weil ihm die Borussia und das Ellenfeld viel bedeuten („Meine Heimat, hier kenne ich jeden Stein!“), stand ein Wechsel bis heute nie mehr ernsthaft zur Debatte.

Dass die Tradition der Borussia auch Druck aufbaut, den man so in anderen Vereinen nicht hat, ist ihm bewusst. „Die Leute hängen an den alten, erfolgreichen Zeiten, erwarten, dass man – egal, in welcher Liga – immer zumindest in Schlagdistanz zur Spitze spielt.“ Die hohe Erwartungshaltung führt dann bei manchen auch zu einer ambivalenten Haltung, die Tim Cullmann mit „himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt“ bezeichnen würde: „Gewinnst du drei Spiele, wirst du gefeiert, als seist du aufgestiegen; verlierst du drei Spiele, dann verschennen sie dich“, sagt er mit unüberhörbar dialektaler Einfärbung. Dabei hat der 27jährige viel Respekt vor der großen Zeit der Borussia: „Die hat man sich ja hart erarbeitet, darauf darf man stolz sein. Aber die Realität ist derzeit die Saarlandliga, 6. Liga. Das muss man wahrnehmen und annehmen und realistisch sehen, welche Brötchen der Verein im Moment backen kann.“

Ein persönliches Vorbild hat Borussias Nummer 23 nicht, auch wenn sein zweiter Vorname „Diego“ lautet. „Den habe ich von meinem Papa, der ein großer Maradonna-Fan war, verpasst bekommen. Das war mein erster Bezug zum großen Fußball. Natürlich habe ich mir die argentinische Legende auch mal im Internet angeschaut und auch Spieler wie Zidane, Pirlo oder den Brasilianer Ronaldo bestaunt, aber auf ein spezielles Idol habe ich mich nie versteift“, erzählt er. Was er für seine Stärken hält? „Einsatz, Laufbereitschaft und meine Vielseitigkeit! Im Borussen-Trikot habe ich bis auf den Torwart schon alle Positionen gespielt. Außerdem glaube ich, dass ich ein gutes Spielverständnis habe, auch technisch nicht der schlechteste bin und mich gut in das Team einbringen kann.“ Was ihm weniger gefällt? „Meine Anfälligkeit für Verletzungen, die oft genug einen optimalen Fitness-Stand verhindert haben.“

In dieser Hinsicht sieht es derzeit ein bisschen besser aus. Denn nachdem die Nachwehen der Adduktoren-OP (Abriss) sich in der Vorrunde noch lange bemerkbar gemacht haben, fühlt sich Tim Cullmann momentan „gut im Saft“. Beweisen konnte er das im letzten Heimspiel gegen den SV Auersmacher, in dem er nicht von ungefähr Schütze des goldenen Tores war. „Da haben wir auch endlich mal wieder die Siegermentalität gezeigt, die uns letztes Jahr bei unserer Aufholjagd so ausgezeichnet hat. Jeder hat sich reingehauen und für den anderen gekämpft.“ Warum das gerade in der Rückrunde nicht immer so war, vermag er nicht zu sagen. „Verletzungspech, kleiner Kader, dadurch kaum Konkurrenzkampf“ – so lauten für ihn einige Ursachen für die sicher nicht zufriedenstellende Saison. „Aber auch fehlender letzter Biss und Wille. Dafür können weder der Vorstand noch der Trainer was, da müssen wir Spieler uns an die eigene Nase fassen“, lautet seine kritische Selbsterkenntnis.

Sein persönlicher Wunsch für die neue Spielzeit: „Von Verletzungen verschont bleiben und seit langem endlich mal die Sommervorbereitung komplett absolvieren können.“ Zudem hofft Tim Cullmann, „dass es gelingt, eine Mannschaft zusammenzustellen, die das Ziel Aufstieg in die Oberliga demnächst wieder in Angriff nehmen kann.“ Da will Borussias „Urgestein“ nur zu gerne wieder hin, weiß aber auch, dass Geduld gefordert ist. Doch zunächst räumt ihm die Sommerpause mehr Zeit ein für Familie und Hobbys. Vor allem sein kleiner Sohn Lenn, der vor einigen Wochen (am 8. April) geboren wurde, bereichert das Leben ungemein. Aber auch beim Spielen mit dem Computer und beim Angeln in freier Natur gewinnt Tim Cullmann Abstand vom Alltag und der Arbeit. Nach dualem Studium ist der Diplom-Verwaltungswirt seit 2012 beim Landkreis Neunkirchen tätig. Arbeit, Familie, Fußball – damit ist sein Tag gut gefüllt. Umso mehr freut sich der „Ur-Borusse“ jetzt nach einer strapaziösen Saison auf ein paar fußballfreie Wochen: Akku aufladen und zum Trainingsbeginn am 21. Juni wieder mit neuer Motivation ran ans runde Leder! (-jf-)

Hinweis: In der neuen Ausgabe des Borussen-Stadionmagazins „Blick ins Ellenfeld“ zum Spiel am Freitagabend (18.00 Uhr) gegen TuS Herrensoh gibt es ein Interview mit Tim Cullmann.

2 Kommentare

  1. SOLCHE SPIELER SIND DER RÜCKHALT VON EINEM VEREIN ,
    DER ES VERDIENT HAT , DIE REGION UND DAS UMLAND WIEDER
    INS ELLENFELD ZU LOCKEN , UM SIEGE WIEDER WIE FRÜHER ZU FEIERN UND SICH AUF DIE NÄCHSTEN SPIELE ZU FREUEN‼️‼️‼️
    ???????????? #GOBORUSSIANKGO_WEITER_SO ⚽⚽⚽

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