Auch in diesem Jahr ist das Ellenfeld-Stadion am 13.September anlässlich des „Tages des offenen Denkmals“ für die Besucher geöffnet / Mit Blick auf das Motto des Tages – „Netzwerke bilden“ – zeigt Borussen-Fan Thomas Janssen eine ganz besondere Ausstellung in der Ellenfeld-Sporthalle
Unser Bild: Thomas Janssen bei der Arbeit – nach dem Spiel sammelt er eifrig Unterschriften auf Fotos und Plakaten, hier nach einem 4:0 gegen Bliesmengen-Bolchen im Mai 2024 mit Dominik Cullmann. (Foto: -jf-)
Seine Initiation als leidenschaftlicher Anhänger der Borussia fand nicht im Stadion statt, sondern auf im großelterlichen Haus im Neunkircher Möwenweg. Weil er noch zu klein war, durfte er noch nicht mit ins Ellenfeld. Stattdessen fieberte er bei den Spielen der Borussen auf dem Balkon mit, lauschte der Geräuschkulisse und jubelte jedesmal mit, wenn unüberhörbar ein Tor für Borussia gefallen war. Und als der 9jährige Bub den Keller des Elternhauses erkundete, fand er dort Unglaubliches: Alte Artikel der „Saarbrücker Zeitung“ über Bundesliga-Spiele der Borussia waren dort tatsächlich an die Wand geklebt! Mühsam kratzte er sie ab, klebte sie sorgfältig in ein Album. Die Sehnsucht, jetzt doch endlich mal live im Ellenfeld dabei zu sein, wuchs von Tag zu Tag. Am 24. August 1974 war es endlich soweit: Im Heimspiel der zweiten Liga Süd gegen die Spvgg Bayreuth feierte er sein Ellenfeld-Debüt. Und erlebte dabei einen 1:0-Sieg seiner Borussia. „Jupp Johann hat das goldene Tor erzielt, Willi Ertz hat kurz vor Schluss noch einen Elfmeter gehalten“, erinnert er sich, als sei alles erst gestern geschehen.

Zeitzeugnisse: Thomas Janssen zeigt das Album mit den historischen Zeitungsausschnitten (li.). Darin enthalten auch noch die Eintrittskarte vom Spiel gegen die Spvgg Bayreuth, die ihn bis heute an seine Ellenfeld-Premiere erinnert. (Fotos: -jf-)
Wenn Architekt Thomas Janssen aus Kinderzeiten erzählt, liegt immer noch ein glänzender Schimmer in seinen Augen. Das Album mit den alten Zeitungsartikeln hat er selbst weitergeführt, bis es voll war, hütet es wie einen Schatz. Dass der heutige 77jährige Gerd Schley, der beim ersten Besuch im Ellenfeld in der Borussen-Defensive seinen Mann stand, jetzt sogar im Kohlhofer Hirschweg sein Nachbar ist, passt da ins Bild. Thomas Janssen war seitdem Stammgast im altehrwürdigen Stadion, musste lediglich während des Studiums in Mainz und der Eröffnung eines Architekturbüros in Brandenburg des Öfteren auf seine Borussia verzichten. 1999 wurde der gebürtige Neunkircher Vereinsmitglied, baute sein Haus und kehrte wieder regelmäßig im Ellenfeld ein. Durch die Vereinsmitgliedschaft und gute Kontakte rückte er näher an die Borussia heran. Bei einem Besuch in einer Antiquitätenhandlung in der Wellesweilerer Straße hoffte er sehnlichst, dass sich da vielleicht noch die eine oder andere Rarität aus alten Zeiten der Borussia in der Schublade fände – leider Fehlanzeige! „Wenn einer da wirklich noch was hätte, wäre das von unschätzbarem Wert!“ Dieser Kommentar des Ladeninhabers ließ Thomas Janssen nicht mehr los und nun sein eigenes Projekt entdecken.

„Work in progress“: Alles hat vor mehr als 25 Jahren mit dem ersten Kaderfoto (noch in schwarz-weiß) angefangen (oben), mittlerweile hat Thomas Janssen die Borussen-Porträts eines Vierteljahrhunderts für die Ausstellung in 27 Bilderrahmen verewigt (unten). (Fotos: -jf-)

„Dann mache ich das ab jetzt“, sagte er zu sich selbst. Gesagt, getan. Ganz ambitioniert ausgerüstet mit seiner Kamera, ein paar Filmen („Noch in Schwarz-Weiß!“) und einem Stativ lichtete er zu Beginn der 2000er-Jahre im Ellenfeld erstmals einzelne Spieler und die Mannschaft der Borussia ab. Im ersten Jahr schaffte er nur sechs Porträts. „Bis ich nach den Spielen alles aufgebaut hatte, waren die meisten schon in der Kabine verschwunden“, nennt er den Grund. Ganz bewusst hatte er sich entschieden, die Aufnahmen direkt nach den Partien zu machen: „Da sind die Gesichter noch vom Spiel gezeichnet und voller Emotionen.“ Seine Fotos will er auch nicht einfach als Bilder verstanden haben: „Es sind Zeitdokumente, weil original signiert und damit nicht reproduzierbar!“ Dabei war Thomas Janssen nicht unbedingt klar, wie lange er das machen wollte. Nach dem Abstieg 2017 in die Saarlandliga war sein erster Gedanke: „Jetzt höre ich auf!“ Die Weiterentwicklung der Technik ließ ihn das dann doch weiter fortführen: „Man fotografiert jetzt mit dem Handy, und das habe ich ja immer dabei.“ So reihten sich auch in der Sechstklassigkeit Bilder an Bilder. Mittlerweile 27 Jahrgänge des Borussen-Kaders hat Thomas Janssen auf diese Weise dokumentiert, wobei die Saison 2025/26 eine Kuriosität darstellt: „Aufgrund der insolvenzbedingten Auflösung des Teams im Winter und der kompletten Neuausrichtung habe ich erstmals in einer Saison zwei völlig verschiedene Mannschaften vor mir gehabt.“ Das erzwungene Verlassen der Saarlandliga animierte ihn jetzt, im Rahmen des Tages des offenen Denkmals seine Exponate, die er in großen Rahmen komponiert hat, einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Plakatgestalter (oben) und Stadionführer (unten): Thomas Janssen ist Borusse aus Leidenschaft! Zu den Schwerpunkten seines Architekturbüros gehört auch die Denkmalpflege – insofern ist er geradezu dafür prädestiniert, interessierten Besucher (wie hier beim letztjährigen Tag des offenen Denkmals) die Historie der altehrwürdigen Ellenfeld-Arena nahezubringen. (Fotos: -jf-)

Doch nicht nur der Kader-Dokumentation hat sich Thomas Jannsen verschrieben. Von 2002 bis 2011 gestaltete er auch die damals noch üblichen Plakate zur Ankündigung der Heimspiele. „Lothar Schwehm hat sie immer rausgefahren und aufgehängt, sogar bis ins St. Wendeler Land hinein“, weiß Thomas Jannsen, der einen Teil der Plakate bereits beim letzten Denkmaltag präsentiert hat. Auch sie ließ er größtenteils original unterschreiben. Und hat dabei ein ganz besonderes Erlebnis ins Gedächtnis eingebrannt: „Anlässlich des DFB-Pokalspiels gegen Bayern München habe ich auch die Spieler des deutschen Meisters das entsprechende Plakat signieren lassen. Alle haben bereitwillig mitgemacht. Dabei zeigte sich junger Mann im Bayern-Trikot, gerade mal 19 Jahre alt, ganz schüchtern, konnte es kaum fassen, um ein Autogramm gebeten zu werden. `Ich soll hier unterschreiben?´ hat er voller Zurückhaltung gefragt. Sein Name: Bastian Schweinsteiger“, erzählt Thomas Janssen. Der spätere Mittelfeldstar des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft hatte ein knappes Jahr zuvor, im November 2002, seinen ersten Pflichtspieleinsatz absolviert und erst im Dezember einen Profivertrag erhalten. Die Partie im Ellenfeld war eines seiner ersten DFB-Pokalspiele.
Dass Borussia einen wichtiger Teil in Thomas Janssens Leben darstellt, spürt man nicht nur im Gespräch, sondern sieht man auch, wenn man das Arbeitszimmer im Keller seines Hauses betritt. Überall ist die Borussia präsent, gerade jetzt in den Zeiten der Vorbereitung der Ausstellung wirkt der große Raum als „work in progress“. Die großformatigen Kader-Bilder sollen, so der Plan, am Denkmaltag an der Hallenwand zum Stadion hin aneinander gereiht werden. Thomas Janssen ist davon überzeugt, „dass das eine richtige Wucht bekommt.“ Mit seinem bunten Bilder-Kaleidoskop über 25 Jahre hinweg verknüpft der Architekt aber auch ein weiteres, wichtiges Anliegen: „Mit dem Betrachten der Bilder kommt automatisch die Erinnerung. Das Motto des Tages `Netzwerke knüpfen´ ruft förmlich danach, zu den ehemaligen Spielern der Borussia wieder Verbindung aufzunehmen und Kontakte wiederzubeleben“, hofft Thomas Janssen, der im Namen des Vereins an alle ehemaligen Akteure eine herzliche Einladung ausspricht: „Kommt am 13. September ins Ellenfeld an Eure ehemalige Wirkungsstätte und lasst alte Erinnerungen wieder wach werden. Die Borussia freut sich auf Euch!“
Die Borussia dankt Thomas Janssen für sein großes Engagement, chapeau! Genau solche Menschen braucht die Borussia, gerade jetzt in einer Phase der Vereinsgeschichte, die dem Anhang in der Tat viel Leiden schafft. Umso mehr Leidenschaft ist nötig! (-jf-)
Wie Jo in seinem Bericht schon ganz richtig schreibt: Genau solche Menschen sind so wichtig -gerade in dieser Phase- für unsere Borussia!
Chapeau und vielen Dank Thomas Janssen! Ein Grund mehr, den „Tag des offenen Denkmals“ zu besuchen.
Ich freue mich schon sehr auf die Ausstellung!
GO BORUSSIA!!