Borussia bleibt sieg- und torlos

Beim Aufsteiger FC Kutzhof gab es am gestrigen Sonntag eine 0:2-Niederlage / Trainer Senat Memedovski: „Erste Halbzeit nahezu ein kompletter Systemausfall!“ / Ein Königreich für einen treffsicheren Stürmer!

Unser Bild: Musste mach schwacher erster Halbzeit in der Kabine bei der Pausenansprache laut werden – Borussen-Coach Senat Memedovski. (Foto: -jf-)

Boris Schellenberg musste tief durchschnaufen. Borussias sportlicher Leiter hatte schon im Vorfeld des Gastspiels beim FC Kutzhof darauf hingewiesen, „dass die Aufgabe schwerer wird als vor vierzehn Tagen beim SV Reiskirchen.“ Beim ersten Neuling hatten die Borussen bekanntlich mit 0:0 ihren ersten Punkt erkämpft. Beim zweiten Neuling in Kutzhof dagegen gab es für die Schützlinge von Senat Memedovski nichts zu erben. „Die Partie haben wir vor allem in der ersten Halbzeit verloren, in der wir gar nicht im Spiel waren“, spricht der Coach von einem Totalausfall. Deshalb wurde es in der Kabine dann auch etwas lauter als sonst. Doch eine Wende konnten die Borussen dem Spiel trotz einer Leistungssteigerung nicht mehr geben. Die Gastgeber, die in der 27. Minute durch Eric Fuachie-Schramms Kopfball mit 1:0 in Führung gegangen waren, machten kurz vor Schluss wieder per Kopf – diesmal war es Selim Tomzik – den Deckel endgültig drauf.

„Die Zuordnung und vor allem die Verzahnung der Mannschaftsteile passte vor dem Seitenwechsel überhaupt nicht“, so die erste Analyse von Boris Schellenberg, der keinen Hehl aus seiner Enttäuschung machte und mitansehen musste, „dass einige Spieler, die weitaus mehr können, eine schwache Tagesform hatten. Nach dem guten Auftritt vor einer Woche gegen Primstal war das diesmal leider ein Rückschritt in der Entwicklung.“ Senat Memedovski bescheinigte seinen Jungs zwar „nach der Pause einen deutlich besseren Auftritt“, war aber insgesamt mit der taktischen Disziplin überhaupt nicht zufrieden. „Wenn die Jungs sich an die Vorgaben halten, funktioniert es besser.“ Beispiel: Der Borussen-Coach hatte ausdrücklich vor den Standards des Gegners gewarnt: „Da sind sie gefährlich! Und was passiert: Prompt geraten wir nach einem Standard in Rückstand“, bemängelte Senat Memedovski. Überhaupt hatten die Gastgeber, die ihren Spielertrainer Jannik Bella schon früh gegen Besnik Zeka austauschen mussten, vor allem vor der Pause ein klares Chancenplus, so dass die Führung beim Gang in die Kabinen in Ordnung ging. Denn schon bis dahin hatte Borussen-Keeper Langoun Ibrahim seine Extraklasse unter Beweis gestellt und seine Mannschaft im Spiel gehalten. Die beste und nahezu einzige Gelegenheit für Borussia vergab Ben Meinen, der kurz vor dem Pausengang links am Tor vorbeizielte.

Lichtblicke im Borussen-Team: Torhüter Ibrahim Langoun hielt seine Kameraden mit guten Paraden und Reaktionen lange im Spiel (oben), Führungsspieler Ferhat Kizmaz war allzu oft auf sich alleine gestellt (unten). (Fotos: -jf-)

Borussia kam dann etwas couragierter auf den Platz zurück und hatte dann unmittelbar nach Wiederanpfiff die große Chance auf den Ausgleich, doch Dhiyaudlin Fouzi Souysi vergab überhastet über den Kasten. Ein Treffer in diesem Moment hätte die Partie vielleicht noch in eine andere Richtung lenken können, doch offenbarte sich wieder einmal das große Problem der jungen Mannschaft: „Die Chancenverwertung ist einfach schlecht. Wenn du schon nicht viele Gelegenheiten bekommst, musst du die Dinger auch machen. Aber uns fehlt halt ein entschlossener kaltschnäuziger Stümer, der im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen trifft“, klagt Senat Memedovski, der dann in der Schlussphase das System auf Viererkette zugunsten der Offensive umstellte, um doch noch den Ausgleich und damit das erste Saisontor zu erzwingen. Das Bemühen konnte man den Borussen sicher nicht absprechen, doch das war leider am Ende zu wenig, zumal sich Borussia nach 83 Minuten auch noch selbst schwächte, als Leonard Odesho nach einem Gerangel vom Platz flog. „Diese rote Karte hat uns endgültig den Zahn gezogen“, so ein frustrierter Boris Schellenberg.

So stehen die Borussen nach vier Spieltagen noch ohne Tor und ohne Sieg am Tabellenende. Angesichts des schweren Auftaktprogramms, in dessen Verlauf am kommenden Samstag (Anstoß: 18.00 Uhr) mit dem TuS Steinbach gleich der nächste Titelanwärter ins Ellenfeld kommt, mahnt Senat Memedovski aber nach wie vor Geduld an: „Auch die beiden Aufsteiger Reiskirchen und jetzt Kutzhof waren alles andere als leichte Gegner. Sie haben die Euphorie aus dem Vorjahr mit in die neue Saison genommen und sich dazu in einer Weise personell qualitativ verstärkt, wie wir es nicht konnten.“ Der Coach unterstreicht die recht stabile Defensive („In vier Spielen, darunter gegen die Favoriten aus Lebach-Landsweiler und Primstal, haben wir nur sechs Gegentore hinnehmen müssen, nur vier Mannschaften haben weniger Gegentreffer kassiert!“), weiß aber auf der anderen Seite: „Wenn du kein Tor schießt, kannst du auch nicht gewinnen.“ Ein Königreich für einen guten Stürmer, lautet also die Devise im Ellenfeld, wo man zudem den Einsatz von Marco Eggert sehr vermisst: Der Neuzugang aus Hangard musste wegen einer Knochenabsplitterung im Fuß operiert werden. Ob er noch vor der Winterpause ins Team zurückkehrt und im offensiven Mittelfeld die erhofften lenkenden Impulse geben kann, steht derzeit in den Sternen und ist vom Heilungsverlauf abhängig.

Für Borussia und Kutzhof engagiert: In Physiotherapeut Horst Martins Brust schlugen am gestrigen Sonntag zwei Herzen – eines in rot-weiß, das andere in schwarz-weiß. (Fotos: -jf/fupa.net)

Dass es in der Form von Kutzhof für die Borussen sehr schwer wird, glaubt Horst Martin. Borussias Physiotherapeut aus Illingen ist zu Saisonbeginn nach siebenjähriger Abstinenz ins Ellenfeld zurückgekehrt und steht der Mannschaft zweimal pro Woche sowie bei den Spielen zur Verfügung – aus Vertrauen in die neue Vereinsführung der Borussia um Jens Kelm, Rainer Lauffer und Herbert Grundmann. „Ich weiß, dass mit denen gut zu arbeiten ist und dass sie saubere Arbeit abliefern.“ Da der 72jährige in Personalunion auch den Gegner aus Kutzhof betreut, wohnten am Sonntag zwei Seelen in seiner Brust: „Ich habe mich deshalb in der Mitte zwischen den beiden Trainerbänken positioniert und bin emotional neutral geblieben.“ Borussia brauche, so der Physio, noch zwei, drei erfahrene Leute, „die die jungen, zweifellos talentierten Burschen in dieser starken Liga unterstützen und führen. In Kutzhof war einer, der das kann und versucht hat, die Fäden zu ziehen, nämlich Ferhat Kizmaz, zu sehr auf sich alleine gestellt. Aber leider sind dem Verein ja zur Zeit die Hände gebunden“, so Horst Martin, der in seinen Borussen-Zeiten stets die finanziellen Sorgen des Vereins miterlebte und jetzt doch vielleicht auf ein gutes Ende hofft: Denn Ende August 2026 entscheidet die Gläubigerversammlung, ob es weitergehen kann. Kommt es so wie von Horst Martin erhofft, wäre die Borussia „zum ersten Mal, seit ich im Verein bin, schuldenfrei“, sagt er in einem Beitrag der „Saarbrücker Zeitung“. Wenn die Mannschaft sich dann noch in der Verbandsliga etabliert und mittelfristig die Rückkehr in die Saarlandliga möglich wird, ist Horst Martin glücklich. Bis jetzt allerdings wartet Borussia immer noch auf das erste Tor und den ersten Sieg. Kleiner Hoffnungsschimmer Nach vier Spieltagen ist noch keiner abgestiegen und keiner Meister geworden! (-jf-)

Statistik: FC Kutzhof – Borussia 2:0 (1:0)

Borussia: Tera Ibrahim Langoun – Omega Karparwoth (ab 70. Leonard Odesho), Brooklyn Mac Phee (ab 70. Yaman Alakoud), Marvin Müller (C), Tobias Haag, Ferhat Kizmaz, Ben Meinen, Davin Presser, Loic Wanmeni (ab 46. Hamza Alobaidaad), Aktan Yücel (ab 56. Tjorven Joel Gehre), Dhiyauldin Fouzy Souysi (ab 81. Sinan Memedovski). – Trainer: Senat Memedovski.

Tore: 1:0 (27.) Eric Fuachie-Schramm, 2:0 (87.) Selim Tomzik. – Schiedsrichter: Marcel Benard (SSC Schaffhausen). – Zuschauer: 200. – Gelbe Karten Borussia: Marvin Müller (57.), Tjorven Joel Gehre (90.+1). – Rote Karte Borussia: Leonard Odesho (83.)

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