Werner Mörsdorf – mit diesem Namen ist der bislang letzte Titelgewinn der Borussia, 2005 in der Oberliga Südwest, verbunden. Doch aufsteigen durfte der Trainer mit seiner tüchtigen Truppe damals nicht. Denn der Borussen-Vorstand hatte aus wirtschaftlichen Gründen von einer Beantragung der Lizenz für die kommende Regionalliga-Saison 2005/06 Abstand genommen hatte. Man war der Meinung, dass die Regionalliga nach dem gerade überstandenen Insolvenzverfahren einem Amoklauf gleichkomme. Dass die Mannschaft sich damals trotz dieses schon früh durchgesickerten Beschlusses in der Rückrunde nicht hängen ließ, sondern ihren Stiefel durchzog und am Ende Meister wurde, ist sicherlich auch ein Verdienst von Werner Mörsdorf, der zu seinen Jungs einen sehr guten Draht hatte. Heute wird Werner Mörsdorf 70 Jahre alt – alle Borussen gratulieren ganz herzlich und wünschen für das neue Lebensjahrzehnt alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit! Wir blicken kurz auf die Karriere des „Geburtstagskindes“ zurück und lassen den erfolgreichen Borussen-Coach in einem Interview noch einmal auf seine Meistersaison zurückblicken.

Die Meistermannschaft der Borussia aus der Saison 2004/2005 mit Coach Werner Mörsdorf (Mitte, 2. v. re. / Foto: Susi Welter)
Werner Mörsdorf hatte seine Spielerkarriere beim SV Weiersbach im Kreis Birkenfeld begonnen. Das Talent des Mittelfeldspielers blieb nicht lange verborgen. Werner Mörsdorf folgte dem Ruf des 1. FC Kaiserslautern an den Betzenberg. Für die Roten (Teufel war er einmal sogar international unterwegs (im damaligen UEFA-Cup gegen den FC Zürich), war allerdings hauptsächlich bei den Amateuren eingesetzt. Seine erfolgreichste Zeit hatte Werner Mörsdorf beim FC Homburg, für den er 184 Spiele (u.a. Bundesliga und 2. Liga) bestritt und dabei 29 Tore erzielte. Der Fußball ließ den Polizeibeamten, der – gemeinsam mit dem Borussen Heinz Histing – auch in die Polizei-Nationalmannschaft berufen wurde, nach der aktiven Laufbahn nicht los. So arbeitete er erfolgreich als Trainer bei seinem Heimatverein SV Weiersbach, beim VfB Theley, den er 2000 in die Oberliga Südwest führte, beim SC- Idar-Oberstein, beim FK Pirmasens und gleich zweimal bei der Borussia im Ellenfeld (2003-2005 und 2016/17), ehe er seine Trainerkarriere bei der SG Blaubach und beim FC Freisen ausklingen ließ.

Werner Mörsdorf und seine Jungs: Eine verschworene Gemeinschaft – auf dem Platz und bei der Meisterfeier! (Fotos: Susi Welter)

Herr Mörsdorf, welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Titelgewinn mit der Borussia in der Oberliga Südwest 2005?
WM: Es war ein ganz außergewöhnliches Jahr. Zwei Jahre zuvor, 2003, war der Verein aus der Regionalliga abgestiegen. Eine schwierige Situation, denn das Insolvenzverfahren ließ personell keine großen Sprünge zu. Mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 21,5 Jahren schickten wir die jüngste Mannschaft ins Rennen, die jemals für die Borussia auf dem Platz stand. Am Ende der Saison 2003/04 landeten wir trotz schlechtem Start noch auf dem 10. Tabellenplatz. Für die Jubiläumssaison – Borussia wurde 2005 ja 100 Jahre alt! – hatten wir uns natürlich etwas vorgenommen. Da der finanzielle Rahmen eng gesteckt war, haben wir Spieler aus der eigenen Jugend und aus unteren Klassen verpflichtet und das junge Team weiterentwickelt. Als Ziel war eigentlich ein einstelliger Tabellenplatz ausgerufen. Doch die Spielzeit erwies sich als absoluter Renner. Am Ende wurden wir mit einem Punkt Vorsprung vor den Amateuren des 1. FC Kaiserslautern Meister. Leider konnte die Borussia das für die Regionalliga erforderliche finanzielle Testat nicht vorweisen, so dass wir den Aufstieg nicht wahrnehmen konnten. Das hatte natürlich zur Konsequenz, dass einige Spieler abgewandert sind. Sehr schade!
Was war für Sie das Highlight in dieser Zeit?
WM: Auf jeden Fall das Pokalspiel gegen Bayern München im August 2003, bei dem das Ellenfeld mit fast 25.000 Zuschauern das letzte Mal ausverkauft war. Zudem hatten wir eine ganz junge Mannschaft. Zu ihr gehörte auch Mike Frantz, der bei uns im aktiven Bereich seine erfolgreiche Karriere gestartet hat.

Highlight in Werners Mörsdorfs Zeit im Ellenfeld: Das Pokalspiel gegen Bayern München im proppenvollen Ellenfeld-Stadion. (Foto: Susi Welter)
2016/17 sind Sie für ein paar Monate dann nochmal zur Borussia zurückgekehrt, leider unter weniger schönen Umständen.
WM: Ja, dabei wollte ich das Traineramt eigentlich gar nicht mehr übernehmen, war auch gesundheitlich angeschlagen. Aber der damalige Präsident Martin Bach hat mich letztlich „weich geklopft“. Ich habe dann schnell gemerkt, dass in der Mannschaft nicht nur die nötige Qualität fehlte, sondern auch schwierige Charaktere vorhanden waren. So gerieten wir in Abstiegsgefahr, und nach der 1:2-Niederlage bei Arminia Ludwigshafen habe ich dann mein Amt niedergelegt, um einem neuen Trainer die Gelegenheit zu geben, die Mannschaft noch mal mit neuen Impulsen zu pushen. Doch leider ist die Borussia dann am Ende der Saison 2017 in die Saarlandliga abgestiegen…
… und mittlerweile insolvenzgefährdet und in der Verbandsliga angekommen. Wie nehmen Sie den Verein wahr?
WM: Natürlich verfolge ich den Weg der Borussia immer noch, habe den Verein nach wie vor im Herzen, denn auch für mich gilt: Einmal Borusse, immer Borusse! Borussia Neunkirchen ist im Saarland immer noch ein großer Name, eine Zugnummer. Allerdings haben sich die Verhältnisse geändert. Dennoch glaube ich, dass die Borussia hinter Elversberg, Saarbrücken und Homburg immer noch die Nummer vier ist. Es wird viel von früher erzählt und die große Tradition bemüht. Aber die Borussia ist jetzt in einer anderen Wirklichkeit angekommen, und die heißt Verbandsliga. Da noch einmal herauszukommen ist eine große Herausforderung und braucht einen langen Atem. Denn der Verein ist finanziell in extrem schwieriger Lage, da kann man dann den Bogen zu 2005 ganz gut zurückschlagen!
Werner Mörsdorf, herzlichen Glückwunsch und alles Gute zum Geburtstag und vielen Dank für das Gespräch! (-jf-)
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