Die neue Borussia verkaufte sich zum Saisonstart bei der 0:1-Niederlage gegen die SG Lebach-Landsweiler ordentlich / Der favorisierte Gast brauchte eine Standard-Situation für das goldene Tor
Unser Bild: Mit eingeklemmtem Ball behauptet sich Borussias Außenspieler Francisco Alves Victorino in diesem Dreikampf. (Foto: -jf-)
Über das Thema Neubeginn ist schon viel nachgedacht worden. „Aller Anfang ist schwer“, sagt ein deutsches Sprichwort. Hermann Hesse spricht vom „Zauber jeden Anfangs“, dem man vertrauen soll. Und für den chinesischen Philosophen Laotse „beginnt auch der weiteste Weg mit dem ersten Schritt.“ Der Neubeginn der Borussen gestern Nachmittag gegen die SG Lebach-Landsweiler in der Verbandsliga Nord-Ost hat von allem ein bisschen gehabt. Dass die Aufgabe gegen einen Aufstiegsaspiranten für die völlig neuformierte Truppe von Trainer Senat Memedovski schwer würde, war von vorneherein klar. Zaubern konnten die Borussen dabei sicher nicht, doch auf die Leistung vor allem der zweiten Halbzeit, als man den Gegner ärgerte und stellenweise sogar am Ausgleich schnupperte, kann man vertrauensvoll aufbauen. „Wir haben gegen eine Mannschaft, die aufsteigen will, schon ein Statement gesetzt. Deshalb bin ich stolz auf Euch, Jungs“, sparte Senat Memedovski nach den 90 Minuten im Mannschaftskreis nicht mit Lob, auch wenn ihm sicher nicht alles, was er zuvor auf dem Rasen des Ellenfeld-Stadions gesehen hatte, gefallen hat. Und der erste Schritt ist getan! „Für den Anfang konnte sich das sehen lassen. Wir sind auf dem richtigen Weg. Step by step wird sich diese Mannschaft weiterentwickeln“, sind auch die Vorstände Rainer Lauffer und Dr. Jens Kelm nach dem Spiel zuversichtlich und durften sich dabei über eine große Publikumsresonanz freuen.
Mario Valtchev hatte sich die neuen Borussen beim Testspiel vor Wochenfrist in Schönenberg angeschaut und war an der alten Wirkungsstätte seines Vaters Valentin am Ende erleichtert, dass das, was in solchen Spielen oft genug passiert, diesmal nicht passiert ist: „Da führst du 1:0 und machst den Sack nicht zu, und dann fällt hinten noch so ein Ding rein“, sagte der Gäste-Coach, dessen Mannschaft erwartet viel Spielkontrolle hatte. „Darauf hatten wir in der Vorbereitung auch den Fokus gelegt. Denn ich habe es nicht so gerne, wenn die Spiele so wild werden.“ Ein bisschen wild wurde es aber doch, und in dieser Phase hatten die Borussen, die im Mittelfeld auf Marco Eggert (im polizeilichen Dienst unabkömmlich) und in der Abwehr Omega Karpaworth verzichten mussten, durchaus die eine oder andere Möglichkeit, zum Ausgleich zu kommen. Die größte davon: Nach 87 Minuten verpasste Tobias Haag am langen linken Toreck eine ganz weit gezogene Flanke des wie immer wieselflinken Dhiyauldin Fouzi Souysi nur um Haaresbreite und hätte das Lebacher Versäumnis, bei einigen klaren Torchancen früher für Klarheit zu sorgen, beinahe bitter bestraft.

Die Entscheidung durch Standard nach 32 Minuten: Zwischen Ben Meinen (li.) und Marvi Müller senkt sich der Freistoß Richtung Tor – ob Nico Büch (dazwischen) dem Ball noch einen Touch mitgibt, ist fraglich. (Foto: -jf-)
Das Tor des Tages, das den favorisierten Gästen zur Saisonpremiere unter dem Strich drei verdiente Punkte bescherte, fiel nach etwas mehr als einer halben Stunde. Nach einem ebenso ungeschickten wie unnötigen Einsteigen von Francisco Alves Victorino im rechten Halbfeld senkte sich der von Johannes Buchheit getretene Freistoß über die Köpfe von Ben Meinen und Kapitän Marvin Müller ins Netz. Mario Valtchev war sich nicht sicher, „ob da überhaupt noch einer dran war.“ Stadionsprecher Michael Rosar gab über den Lautsprecher Nico Büch als Torschützen an, der – in Sandwich-Stellung zwischen Ben Meinen und Marvin Müller – dem Leder womöglich noch den entscheidenden Drive gegeben hat.
Schon zuvor hätte Lebach gegen stark defensive orientierte Borussen (Boris Schellenberg: „Wir hatten schon gehörigen Respekt vor dem Gegner, deshalb auch die abwehrbetonte Taktik!“) in Führung gehen können, doch zweimal Anton Gretz, der nach zehn Minuten mit einem abgefälschten Schuss den Kasten ebenso verfehlte wie nach einem abgewehrten Eckball mit dem zweiten Ball aus der Distanz (23.), als auch Jan Alexander Mende (ans Außennetz, 18.) hatten wenig Fortune im Abschluss. Darüber hinaus erwies sich Borussen-Keeper Tera Langoun Ibrahim (Mario Valtchev: „Ein richtig Guter!“) als absolut verlässlicher Rückhalt, der immer wieder entschlossen zupackte. Lebach suchte immer wieder durch Querspielen die Lücke mit dem Ziel, die Borussen aus der kompakten Abwehr herauszulocken, um dann in die Freiräume vorstoßen zu können, doch Borussias Defensive stand konzentriert und aufmerksam. Offensiv dagegen brachten die Schützlinge von Senat Memedovski dagegen in Halbzeit eins wenig zustande, was auch daran lag, dass das Leder nach Balleroberung in der eigenen Hälfte zu schnell wieder verloren ging. So verpufften durchaus aussichtsreiche Kontersituationen wirkungslos. Was fehlte: Ein Spieler, der mal in der Lage war, den Ball zu klemmen, abzuschirmen, festzumachen. „Die Jungs waren sehr nervös. Man muss sich im Klaren sein: Die sind alle noch blutjung und spielen zum ersten Mal vor einer solchen Kulisse in einem solchen Stadion, waren mit allem Möglichen beschäftigt“, hatte Coach Senat Memedovski eine Erklärung dafür. Erst kurz vor dem Pausenpfiff von Schiedsrichter Julian Lehmann kamen die Borussen in die gefährlichen Zonen. Nach 37 Minuten rauschte eine Hereingabe von Dhiyualdin Fouzi Souysi von rechts quer durch den Strafraum, ohne einen Abnehmer zu finden, bis zu Ferhat Kizmaz auf der linken Seite, dessen Flanke dann aber eine sichere Beute von Julian Wamsbach wurde. Der SG-Keeper hatte bis dahin einen ziemlich ruhigen Nachmittag verbracht und musste kurz vor dem Seitenwechsel nochmal gegen Tobias Haag parieren.

Hoch das Bein – Fußball-Ballett mit dem eingewechselten Jens Meyer (li.) und Borussen-Kapitän Marvin Müller. (Foto: -jf-)
Nach Wiederanpfiff sorgte der immer gefährliche Jan Alexander Mende nach einem abgewehrten Eckball aus dem Hinterhalt mit einem krachenden Pfostenschuss für eine Schrecksekunde beim Borussen-Anhang (49.). „Es hätte uns sicher die Aufgabe leichter gemacht, wenn wir da auf 2:0 stellen“, bedauerte Mario Valtchev das Schusspech seines agilen Stürmers. Mit zunehmender Spieldauer wurden die Borussen jetzt – vor allem über die rechte Seite – mutiger und gewannen an Sicherheit. Erneut fand eine Flanke von Dhiyauldin Fouzi Souysi keinen Abnehmer (55.), während auf der anderen Seite wieder Jan Alexander Mende bei einer scharfen Hereingabe freistehend mit dem Kopf am Ball vorbeisegelte. Nach etwa 70 Minuten verflachte die Partie, die Pässe ins Leere häuften sich „Wir müssen im Spiel bleiben“, mahnte Lebachs Kapitän Nico Büch seine Kameraden lautstark. Dass die Borussen sich jetzt besser in Szene setzen konnte, hatte sicher auch mit der taktisch bedingten Hereinnahme von Hamza Alobaidaat zu tun, der die zuvor vakante Mittelstümer-Position ausfüllte. Der eingewechselte Torjäger Jens Meyer, den Mario Valtchev urlaubsbedingt („Er ist erst am Donnerstag zurückgekommen.“) zunächst auf der Bank gelassen hatte, hatte zahlreiche Ballkontakte und sorgte noch einmal für ein bisschen Gas in Lebachs Schlussoffensive, doch das erlösende 2:0 gelang auch ihm nicht. So mussten die Gäste bis zum Schlusspfiff um den Sieg bangen, der aufgrund der Spiel- und Ballbesitzanteile und der größeren Zahl an Torchancen zweifellos verdient war.

Und die Borussen? Müssen sich weder grämen noch schämen. Denn sie konnten den zahlreichen Zuschauern mit großem Engagement und Kampfgeist zeigen, dass sie sich in der Verbandsliga nicht verstecken müssen. „Mit ein bisschen Spielglück wäre was drin gewesen“, resümierte Senat Memedovski. Rainer Lauffer war durchaus angetan von der jungen Mannschaft: „Da sind talentierte Burschen dabei, das sieht man! Dem einen oder anderen fehlt noch die Reife, um sich für den großen Aufwand am Ende dann auch zu belohnen“, zeigte sich der Borussen-Vorstand mit Blick auf die mittelfristige Zukunft keineswegs bange. „Enttäuschung, Schmerz, Hoffnung und Mut sind die Zutaten für einen Neuanfang.“ Von wem diese Aussage stammt, lässt sich nicht mehr eruieren. Zwar saßen Marvin Müller und seine Kameraden, die alles gegeben hatten, nach dem Abpfiff ausgepumpt, leer und enttäuscht auf dem Rasen (Foto oben / -jf-), der Schmerz über die erste Niederlage war unübersehbar, doch dürfen die Jungs durchaus mit Hoffnung und Mut in die nächsten Spiele gehen – frei nach dem Kahn´schen Motto: „Weiter, immer weiter!“ Denn auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. (-jf-)
Statistik: Borussia – SG Lebach-Landsweiler 0:1 (0:1)
Borussia: Tera Langoun Ibrahim – Brooklyn Mac Phee (ab 82. Sinan Memedovski), Marvin Müller (C), Francisco Alves Victorino (ab 89. Tjorven Joel Gehre), Tobias Haag, Ferhat Kizmaz, Ben Meinen, Leonard Odesho (ab 46. Hamza Alobaidaat), Davin Presser, Aktan Yücel (ab 72. Yaman Alakoud), Dhiyualdin Fouzi Souysi. – Trainer: Senat Memedovski.
Tor: 0:1 (32.) Johannes Buchheit. – Schiedsrichter: Julian Lehmann (SC Wemmatia Wemmetsweiler). – Zuschauer: 401. – Gelbe Karten Borussia: Francisco Alves Victorino (31.), Yaman Alakoud (75.), Tjorven Joel Gehre (90.+3).
Untenstehend Impressionen vom Saisonauftakt der Borussia im Ellenfeld gegen die SG Lebach-Landsweiler. (Fotos: -jf-)


















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