Borussia bleibt trotz ordentlicher Leistung auch im letzten Saisonspiel gegen Saar 05 ein Erfolgserlebnis verwehrt / Saar 05 siegt im Kellerduell am Ende mit 3:0 / Tränen bei Coach Kevin Lüder / Borussen-Fans sorgen für würdiges Ambiente / Kann aus Rost wieder Stahl werden?
„Jungs, wir haben es gepackt!“ Kevin Lüders Ansprache im Mannschaftskreis auf dem Rasen des Ellenfelds nach dem Spiel gegen Saar 05 am gestrigen Pfingstsonntag war knapp, aber herzlich. Der Borussen-Trainer konnte in diesem emotionalen Moment seine Tränen nicht verbergen, als er seinen Schützlingen noch einmal dankte „dafür, dass Ihr das zusammen mit mir durchgestanden und durchgezogen habt.“ Dass Mannschaft, Trainer und Staff anschließend von den Borussen-Fans auf der Tribüne und in Block 5, die optisch und akustisch – ebenso wie die Jungs auf dem grünen Rasen – noch einmal alles gegeben hatten, minutenlang mit viel Applaus und einem kleinen Feuerwerk gefeiert und verabschiedet wurde, war Balsam auf die zuvor oft geschundene Borussen-Seele.
In Halbzeit eins nur wenig zugelassen
Wie erwartet übernahmen die Gäste vom Kieselhumes im Kellerduell zweier Traditionsvereine, deren Abstieg schon vor dieser Partie besiegelt war, das Kommando, doch die kompakte und diszipliniert agierende Borussen-Defensive ließ nicht viel zu. Lediglich bei Luca Sesars Chance nach knapp 10 Minuten drohte ein Rückstand. So musste nach gut einer halben Stunde ein Foulelfmeter herhalten, als Julian Leiser nach uncleverem Einsteigen eines Borussen im Strafraum zu Fall kam und Schiedsrichter Tim Großmann sofort auf den Punkt zeigte. Luca Sesar platzierte das Leder hart und scharf rechts im Tor, so dass Borussen-Keeper Müller keine Abwehrchance hatte, obwohl er die Ecke des Schützen „gerochen“ hatte (31.). Kurz darauf hatte Borussia allerdings Glück, dass Julian Leiser nur die Latte anvisierte (32.) und Torwart Müller auch gegen Leiser und Luc Rösler gleich zweimal reaktionsschnell das 0:2 verhinderte (37.). Auf der Gegenseite bot sich dann auf einmal nach einem langen Ball aus der Abwehr heraus die Chance auf den Ausgleich: Hamza Alobaidaat marschierte, seine Gegner Nico Dorst und Jan Stoll hinter sich lassend, auf der rechten Seite auf und davon, fand aber in Torwart Joshua Martin seinen Meister (38.). Saar-Coach Alexander Stamm schien mit seiner Elf nicht zufrieden zu sein: „Lauf mal tiefer auf diesem gigantischen Platz“, forderte er seine Truppe auf und appellierte dabei auch „an den eigenen Stolz“. Insgesamt hatten die etwa 600 Zuschauer bei hochsommerlichen Temperaturen sicher kein hochklassiges Spiel gesehen, in dem sich die Borussen jedoch deutlich wacher präsentierten als zuletzt in Köllerbach. „Viel läuft über Kampf und Einsatz, spielerischer Glanz ist eher selten. Man merkt beiden Mannschaften die schwierige Saison an.“ Diesem Fazit von fupa.net-Liveticker Axel Bastians ist nichts hinzuzufügen.

Chancen auf das Ehrentor: Hamza Alobaidaat (oben) und kurz vor dem Abpfiff auch Borussias Torhüter Müller (unten) hatten einen Treffer auf dem Fuß, doch es sollte nicht sein! (Fotos: -jf-)

Borussia vor dem Ausgleichstreffer
Auch nach dem Seitenwechsel hielten die Borussen, die mit Ba Duc Vo (für Ali Aladdi) und Amah Dimitri Anenou (für den erschöpften Yamen Al Janadi) zwei frische Kräfte gebracht hatten, ordentlich dagegen. Wer unter den Zuschauern einen (körperlichen) Einbruch befürchtet hatte, sah sich getäuscht, denn Borussia durfte nach der roten Karte für Saar-Spieler Nico Ganster (nach Notbremse) zeitweise sogar erneut auf den Ausgleich hoffen. Den hatte wieder der schnelle Hamza Alobaidaat auf dem Fuß, als er nach einem Vorstoß über die rechte Flanke seinem Gegner davonlief, aber zum wiederholten Male am starken Torhüter Joshua Martin scheiterte (57.). So dauerte es bis in die Schlussphase, ehe einer der auffälligsten Spieler im Saar-Team, der dribbelstarke Taiki Ishikawa die Entscheidung herbeiführte, indem er reichlich blank stehend eine Hereingabe links unten unhaltbar für Keeper Müller im Netz versenkte (78.). Auch danach steckten die Borussen nicht auf, waren um den Ehrentreffer bemüht, „den wir uns auch verdient gehabt hätten“, so Boris Schellenberg. Der sportliche Leiter war nach 85 Minuten selbst noch einmal für den laufstarken Hamza Alobaidaat, der sich zuvor verausgabt hatte, ins Spiel gekommen. Ralph Günther wäre in der Tat fast das Anschlusstor geglückt, doch der Oldie zielte nur ganz knapp über das Tor (81.). Den Deckel für Saar endgültig drauf machte Jan Stoll, als er nach 90 Minuten aus 20 Metern einen Freistoß gekonnt an der Abwehrmauer vorbei ins Tor zirkelte. Joshua Martin verhinderte in der Nachspielzeit dann noch gleich zweimal einen Treffer der Borussen: Zunächst gegen Moritz Schneider (90.+4) und eine Minute später bei der letzten Aktion des Spiels gegen Keeper Müller, der bei einem Eckball mit nach vorne gegangen war, aber seinen Torwart-Kollegen nicht überwinden konnte, denn der tauchte ab, begrub den Flachschuss unter sich und vereitelte die allerletzten Hoffnungen der Borussia auf das Ehrentor.

Den Borussen durfte man bei der vorläufig letzten Vorstellung in der Saarlandliga viel Einsatz und zahlreiche gute Ansätze bescheinigen. Wenn fupa.net-Liveticker Axel Bastian deshalb davon spricht, dass das trotz des ausgebliebenen sportlichen Erfolgs „heute kein trostloser Abschied“, sondern ein durchaus „würdiger Saisonabschluss“ vor einer nochmal ordentlichen Kulisse war, so kann man ihm nur zustimmen.
Kann aus Rost wieder Stahl werden?
Wie geht es weiter? Vieles bleibt nach wie vor im Ungewissen, allerdings laufen hinter den Kulissen bereits seit Tagen intensive Gespräche in der Trainerfrage und Kaderzusammenstellung. Manche Frage wird möglicherweise anlässlich der außerordentlichen Mitgliederversammlung am kommenden Mittwoch (19.05 Uhr im VIP-Raum des Ellenfeld-Stadions) beantwortet werden. „Wir haben unser Wort gehalten und dadurch, dass wir die Saison durchgezogen haben, der Borussia sportlich eine bessere Perspektive für die neue Saison ermöglicht“, notiert Kevin Lüder auf seiner Facebook-Seite und spricht auch seitens der Mannschaft den Fans ein großes Kompliment aus: „Ihr habt uns als echte Borussen seit Januar den Rücken gestärkt! Ich hoffe, dass Ihr das als Verein irgendwie schaffen werdet, denn Ihr steckt soviel Herz in die Sache. Wenn Ihr Eure Kraft zusammenbringt, kann vielleicht was Großes neu entstehen.“ Ganz ähnlich klingt das im Borussen-Song der Satanic Voices: „Auch wenn der Schuss nach hinten geht, ist es lange nicht zu spät. (…) Wenn wir alle zusammenhalten in dieser Stadt mit Tradition, dann wird es uns gelingen: Aus Rost wird wieder Stahl, wir kämpfen uns nach oben.“ (-jf-)
Unsere Fotos zeigen Impressionen vom Saarlandliga-Abschied der Borussia gegen Saar 05. (Fotos: -jf-)























Hinterlasse jetzt einen Kommentar