Borussia hat einen neuen Trainer. Nach dem insolvenzbedingten Abstieg in die Verbandsliga Nordost wird Senat Memedovski die Aufgabe übernehmen, eine neue Mannschaft zu formen und in eine gute Zukunft zu führen. Der 42jährige dreifache Familienvater, der in Waldmohr zuhause ist, kommt vom FC Homburg, wo er bisher im Trainerstab der U17-Regionalliga wirkte und zeigen konnte, dass er mit jungen Talenten gut umgehen kann. Zuvor hatte er vielfache Trainererfahrungen bei Vereinen im saarpfälzischen Raum (u.a. FSV Jägersburg, SV Morlautern, SV Wiesenthalerhof) gesammelt. Auch als Spieler war Senat Memedovski seit jungen Jahren aktiv: Mit den B- und A-Junioren der SG Blaubach-Diedelkopf, dem Heimatklub von Miroslav Klose, spielte er in der Regionalliga, dort war Klose-Vater Josef sein Trainer. Im Seniorenbereich war er anschließend in der Verbandsliga unterwegs, kickte u.a. für den VfB Waldmohr, den SV Bexbach und den FSV Jägersburg, ehe er nach drei Knieverletzungen und OP´s die Karriere beenden musste.
„Gerade seine Erfahrung bei kleineren Vereinen, die so wie wir jetzt kein großes Budget zur Verfügung haben, war für uns ausschlaggebend für seine Verpflichtung. Senat ist sehr engagiert, übernimmt Verantwortung und hat bei der Zusammenstellung des Kaders sein Netzwerk spielen lassen. Die bisherige Zusammenarbeit verlief sehr gut. Für uns ist er der geeignete Trainer für den Neuaufbau“, so die Einschätzung von Boris Schellenberg. Borussias sportlicher Leiter spricht von einem Aufgebot, „das derzeit mehr als 20 Spieler umfasst, die allerdings verschiedene Fußballansätze haben, da sie zum großen Teil aus der saarländischen Landesliga und der pfälzischen Verbandsliga kommen. Die gilt es zunächst einmal zusammenzubringen und zu einer echten Mannschaft zu machen“.
Genau darin erkennt auch Senat Memedovski seine vordringliche Aufgabe in den etwa sechs Wochen der Vorbereitung. Der neue Borussen-Coach absolviert derzeit in der Sportschule Edenkoben einen Lehrgang, der ihn für die B-Lizenz qualifiziert. Im Alter von acht Jahren kam Senat Memedovski aus der nordmazedonischen Heimat mit seinen Eltern nach Deutschland, wo sein Vater Arbeit fand und dem aufflammenden Jugoslawien-Krieg entkam. Im pfälzischen Schönenberg-Kübelberg fand die Familie eine neue Heimat und der kleine Senat neue Kumpels, mit denen er dem runden Leder nachjagen konnte. Dabei wurde ihm die Borussia aus Neunkirchen aufgrund ihrer Tradition schon früh ein Begriff: „Wir Menschen vom Balkan sind noch eher konservativ und für Tradition empfänglich. Und so hat mich die Historie der Borussia irgendwie angezogen. Dabei spielt auch das Ellenfeld-Stadion eine Rolle, das ja auch zu den ältesten Stadien im Saarland gehört und dazu das größte ist“, erzählt der neue Borussen-Trainer.
Senat Memedovski ist davon überzeugt, für die Ende Juli beginnende neue Spielzeit einen Kader zu haben, „der für die Verbandsliga eine gute Qualität hat und den Klassenerhalt realisieren kann.“ Ein höheres Ziel will der Trainer derzeit noch nicht vorgeben, „da wir uns als Mannschaft erst finden müssen. Da haben wir viel Arbeit vor uns.“ Senat Memedovski bittet deshalb den Borussen-Anhang auch um Geduld: „Der Prozess der Mannschaftsfindung wird dauern. Das geht nicht von heute auf morgen. Ein Umbruch erfordert auch bei Profi-Vereinen Zeit. Und die Jungs, die wir haben, sind keine Profis, sie gehen alle arbeiten“, so der Maschinenanlagen-Führer, der – ähnlich wie im Beruf – seine Hauptaufgabe in der Menschenführung sieht, „nur dass ich es im Fußball mit Menschen und keinen Maschinen zu tun habe“, betont er.
So sieht Senat Memedovski neben den sportlichen und taktischen Qualitäten eines Trainers vor allem in den menschlichen und pädagogischen Elementen unabdingbare Voraussetzungen für ein erfolgreiches Coaching: „Die Spieler, mit denen ich umgehe, sind nicht alle gleich. Jeder braucht in seiner Individualität eine eigene Ansprache. Deshalb muss ein Trainer die Charaktere seiner Schützlinge kennen und verstehen. Unsere neuen Akteure werden auch Fehler machen, und da ist es wichtig, sie wieder aufzubauen, ihnen Motivation und Selbstvertrauen zu vermitteln, damit sie befreit spielen können“, gibt Senat Memedovski einen kleinen Einblick in seine Trainerphilosophie. Einer, der ihn geprägt hat, ist Ex-Borussen-Trainer Werner Mörsdorf: „Die Kombination aus einerseits temperamentvollem Auftreten und andererseits fachlicher Top-Qualität habe ich sehr geschätzt.“ Beeindruckend findet er auch Trainertypen wie Jürgen Klopp („Er ist authentisch, hat sich nie verstellt!“) und Christian Streich („Er hat in Freiburg aus wenigen Mitteln viel gemacht!“).
Aus wenigen Mitteln viel machen – das soll jetzt auch das Motto im Ellenfeld sein. Senad Memedovski ist klar, dass er bei der klammen Borussia finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen kann, im Gegenteil. Doch genau darin sieht er auch eine Herausforderung. Warum er sich das antut? Eine etwas provokative Frage, auf die der neue Verantwortliche auf der Borussen-Bank eine klare Antwort hat: „Ich will diesem so traditionsreichen Verein helfen, sich aus der schwierigen Situation zu befreien und wieder bessere Tage zu erleben.“ Dabei verleiht Senat Memedovski seiner Hoffnung Ausdruck, „dass die Fans uns in unserer Entwicklung den Rücken stärken und viele Borussen zurück ins Ellenfeld kommen, da in der neuen Truppe wieder zahlreiche einheimische Neunkircher Jungs das Trikot der Borussia tragen werden.“
Womöglich ist hier und heute sein Vorname symptomatisch, der – glaubt man den zahlreichen Einträgen in diversen Internetquellen – seine Ursprünge im südslawischen Raum hat und sich vom arabischen „sened“ ableitet. „Senat“ (alternativ auch „Senad“ geschrieben) bedeutet demnach so viel wie „der Unterstützende, der Verlässliche“, im arabischen Ursprung ist der Name“ gar ein Ausdruck des Glaubens und der Hoffnung. Nomen est omen, der Name ist Programm – meinten die alten Römer. In der Tat: Was für einen besseren und passenderen Namen könnte für den neuen Borussen-Coach geben?
Borussia begrüßt Senat Memedovski ganz herzlich im Ellenfeld und wünscht ihm für seine Aufgabe im Ellenfeld viel Erfolg, das notwendige Quäntchen Glück und viel Freude – herzlich willkommen, Senat! (-jf-)
TERMINHINWEIS: Achtung, Borussen-Fans – am kommenden Sonntag, dem 21. Juni, beginnt im Rahmen des Stadionfestes im Ellenfeld (siehe Grafik unten) die Vorbereitung auf die neue Saison mit dem Auftakttraining der neuen ersten Mannschaft um 13.00 Uhr. Erste Gelegenheit die neue Mannschaft und ihren Trainer kennenzulernen! Herzliche Einladung, für das leibliche Wohl ist gesorgt!

Viel Glück
Herzlich willkommen bei unserer Borussia. Ich wünsche viel Erfolg bei dieser schwierigen Aufgabe und ein glückliches Händchen bei der Zusammenstellung der neuen Mannschaft. Die Fans der Borussia stehen hinter Ihnen.
Respekt!Viel Erfolg