„Jetzt zeig, was du drauf hast!“

Stefan Kuntz in der SR-Sportarena über seine Motivation in der Borussen-Jugend, sein Gefühl beim ersten 2.Liga-Einsatz im Ellenfeld und seine Triebfedern für die weitere steile Karriere

Das Bild hat womöglich Symbolcharakter: Beim Betreten des altehrwürdigen Stadions empfängt ihn strahlender Sonnenschein. Gemeinsam mit SR-Sportarena-Moderator Thomas Braml ist er wieder zuhause, in seinem Stadion. Da, wo alles begann. Stefan Kuntz gebürtiger Neunkirchener und Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft, darf sich derzeit im Erfolg sonnen: Qualifikation für die Europameisterschaft, Qualifikation für das olympische Turnier in Tokio – zwei Highlights, auf die der 58jährige sich in 2021 freuen darf. Das tut er auch, wie er in der gestrigen SR-Sportarena-Sendung zeigte.

Doch heute empfängt ihn das Ellenfeld, die alte Heimat. Welche Rolle spielt dieses Stadion in seinem Fußballer-Leben? „Am Anfang stand ein Traum“, erinnert sich der frühere Torschützenkönig der Bundesliga, „denn als Jugendspieler hast du drüben hinter der Tribüne gespielt. Da war natürlich klar: Irgendwann möchtest du in die erste Mannschaft kommen, um auch mal hier im Stadion zu spielen. Damals war ja drüben noch ein Hartplatz. Das Ziel war also auch, auf diesem Rasen hier stehen zu dürfen.“ Am 13. März 1980 ist der Moment gekommen. In der 76. Spielminute wirft Borussias Trainer Günter Noel den 17jährigen Stürmer rein in die 2. Bundesliga. „Die Aufregung war groß – ein Gefühl, was ich danach noch in circa 450 Bundesligaspielen haben durfte. Immer wenn es um Fußball ging, war die Emotionalität extrem hoch. Diese Spannung, diese Vorfreude habe ich heute noch, wenn ich ab und zu mal in der AH spiele. Dieses kleine Kind, das in einem drin ist, jubelt dann und freut sich“, versucht Stefan Kuntz zu beschreiben, was in ihm vorging in diesem Moment. Eines weiß er aber noch ganz genau: „Ich habe zu mir selbst gesagt: Jetzt zeig, was du drauf hast!“

Und er hatte was drauf! In der Oberliga schoss er für die Borussia Tore am Fließband. Sein erster Borussen-Coach, Günter Noel, war sich sicher: Wenn Stefan Kuntz sich noch ein wenig steigert, „dann könnte es reichen für höhere Aufgaben. Vom Prinzip her, ja!“ Warum so vorsichtig, Günter Noel? Die 36 Kuntz-Treffer in der Spielzeit 1982/83 ließen auch die großen Clubs hellhörig werden. Vom Ellenfeld ging´s rein in die Bundesliga, später auch rein in die Nationalmannschaft. Gleich drei Tore für den VfL Bochum gegen die Bayern mit Jean Marie Pfaff im Tor zeigten sofort: Da weiß einer genau, wo das Tor steht! Immer dabei: Vater Günter Kuntz, selbst ein gefürchteter Torjäger im Borussen-Dress. Der Junior hat das Talent vom Senior geerbt. 1991 wechselt Stefan Kuntz in die Geburtsstadt des Vaters. Zu seinem Herzensclub 1. FC Kaiserslautern, wird mit ihm erst Pokalsieger, dann Deutscher Meister, 1991 auch Fußballer des Jahres, später (2008) auch für acht Jahre Vorstandsvorsitzender. 1993 das Debüt im Deutschland-Trikot gegen die USA. 25 Länderspiele (mit 6 Toren) stehen zu Buche, keines davon ging verloren.

Den Grund des Erfolgs beschreibt der Stürmer wie folgt: „Meine hohe intrinsische Motivation, eine gewisse Sucht nach Anerkennung. Von Anfang an wollte ich vor der Kurve stehen und Tore bejubeln. Das war meine Triebfeder.“ Im Ranking seiner Vereine steht die Borussia, „was die Jugend anbelangt, natürlich absolut vorne, aber auch dem VfL Bochum habe ich viel zu verdanken, und zum 1. FCK bestand durch die Herkunft meiner Eltern eine hohe emotionale Bindung.“ Viele Trainer hat er erlebt, von denen er einiges mit auf den Weg bekommen hat: „Von Rolf Schafstall zum Beispiel die Disziplin, von Kalli Feldkamp den Teamgeist, von Friedel Rausch ein neues Selbstbewusstsein – er hat mich vom Kopf her stark gemacht, als es fast ein ganzes Jahr nicht rund lief.“ So arbeitete sich Stefan Kuntz aus Tälern wieder heraus. Auch dank der Unterstützung der sportbegeisterten Familie. „Entweder du hörst auf, oder spielst wieder Stefan Kuntz, und nicht nur den Schatten davon“, munterte ihn Ehefrau Sabine in schwierigen Zeiten auf. Ein weiteres Plus: Sein Charakter, seine Persönlichkeit: „Ein sehr reflektierter Mensch, lustig, aufgeschlossen, ein Teamplayer mit hoher sozialer Kompetenz“, sagt sein früherer Mannschaftskamerad zu Ellenfeld-Zeiten, Dietmar Conrad. Kein Wunder, dass Stefan Kuntz mit all seinen Eigenschaften bei den Jungs in der deutschen U21 gut ankommt. Arne Maier und Amos Pieper loben jedenfalls die tolle sportliche und menschliche Atmosphäre bei den deutschen Junioren.

Zu dem Job kam der Ex-Borusse durch ein Gespräch an der Bar mit Hansi Flick, der bei einem Treffen der ehemaligen Europameister von 1996 beiläufig äußerte, der DFB suche noch einen Nachfolger für Horst Hrubesch. Am nächsten Tag beim Jogging schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf: „Horst Hrubesch hört auf. Die U21 – das wäre doch Weltklasse!“ Gedacht, gehandelt. Ein Anruf noch am selben Tag bei Hansi Flick schuf Klarheit: Auch der heutige Bayern-Trainer hatte schon eine Idee gehabt – „Gott sei Dank war es die gleiche, wie ich“, schmunzelt Stefan Kuntz noch heute, wenn er an diese Szene zurückdenkt. U21-Nationaltrainer – mehr als ein Job, ein Traum, „aber einen, den du wertschätzen musst“, weiß Stefan Kuntz. Seinen bisherigen Erfolgen mit den deutschen Junioren möchte er gerne weitere hinzufügen. Allein, dass er die Chance dazu hat, schätzt er wert. Bei der EM, bei Olympia: „Teil von Olympia zu sein – einfach überragend!“

Die Borussia wünscht Stefan Kuntz für die bevorstehenden Aufgaben viel Glück und Erfolg! (-jf-)

2 Kommentare

  1. Ich kam durch Zufall auf die Webseite der Borussia. Sofort kamen alte Kindheitserinnerungen hoch, als mein Heimatverein (FV Speyer) noch in der Regionalliga Südwest gegen den VFB spielte. Einige Namen sind mir in Erinnerung geblieben: Willi Ertz, Erich Hermersdorf und Gerd Zewe.
    Auch das Stadion Ellenfeld ist mir in sehr guter Erinnerung, da ich als 1860-Fan mal in der Aufstiegsrunde gegen die Borussia im Stadion war. Ich fand das Stadion immer als Kultstätte. Ja so ändern sich die Zeiten, die Borussia ist mittlerweile 6-klassig und den FV Speyer und das Stadion am Roßsprung gibt es auch nicht mehr.
    Ich wünsche der Borussia alles erdenklich Gute, auf dass sie irgendwann mal wieder zumindest die Nummer 1 im Saarland werden.

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