Der “FCS-Killer” von 1966 wird 85!

Der Pfälzer Bub Hans Linsenmaier kam vom ASV Landau und hatte maßgeblichen Anteil am Gewinn der Südwestmeisterschaft und dem Bundesligaaufstieg der Borussia 1967

Unser Bild: Sternstunde – beim 2:0 gegen den 1. FC Saarbrücken traf Hans Linsenmaier (re.) gleich doppelt! (Foto: Ellenfeld-Verein e.V/Archiv Borussia Neunkirchen Hartung)

As time goes by: Seit dem 28. April 1941, einem Montag, sind bis heute genau 31.046 Tage bzw. 4.435 Wochen und ein Tag vergangen. Ein beeindruckend langer Zeitraum, der über acht Jahrzehnte umfasst. Seit diesem Tag wären die Haare eines Menschen, hätte man sie nie geschnitten, bis heute um etwa 9,3 Meter gewachsen. Den Rhein sind zwischenzeitlich rund 6.200 Billionen Liter Wasser hinabgeflossen und unser blauer Planet Erde wurde über 1.130 Mal vom Mond umrundet. Für die Musikszene war jene 28. April 1941 in bedeutender Tag, wurden doch die US-amerikanische Folksängerin Joan Baez, Neil Diamond, Bob Dylan sowie Simon und Art Garfunkel geboren. In Fußball-Deutschland erblickten Eintracht Braunschweigs Verteidiger Peter Kaack und Frankfurts Torhüter Peter Kunter das Licht der Welt – genau wie Borussias Bundesligaspieler Hans Linsenmaier, der heute mit all den Genannten zusammen seinen 85. Geburtstag feiert: Borussia gratuliert ganz herzlich!

Seine ersten fußballerischen Schritte machte der Jubilar bei seinem pfälzischen Heimatverein FV Queichheim. Über den ASV Landau kam Hans Linsenmaier 1966 nach dem Bundesliga-Abstieg der Borussia ins Ellenfeld. Bereits bei seinem Debüt gegen die Spvgg Weisenau traf der Rechtsaußen das erste Mal ins Schwarze, leistete mit starken Leistungen in der Offensive einen entscheidenden Beitrag dazu, dass die Borussen im Sommer 1967 nach dem Gewinn der Südwestmeisterschaft und einer spannenden Aufstiegsrunde gegen Hertha BSC, Schwarz-Weiß Essen, Bayern Hof und Arminia Hannover postwendend in die `bel etage´ des deutschen Fußballs zurückkehrten. Beim 4:0 vor 33.000 Fans im hitzigen Hexenkessel Ellenfeld gegen Bayern Hof gelang dem Stürmer dabei ein Tor. Insgesamt stehen für ihn 70 Spiele und 32 Tore (Daten: transfermarkt.de) im Borussen-Trikot zu Buche.

Südwestmeister mit Borussia 1967: Hans Linsenmaier im Kreis seiner Mannschaftskameraden (oben, kniend Mitte mit Blumenstrauß) und beim Aufstiegsjubel nach dem 1:1 bei Schwarz-Weiß Essen in der Aufstiegsrunde am Uhlenkrug (unten). (Fotos: Ellenfeld-Verein e.V/Archiv Borussia Neunkirchen Hartung)

Sternstunden erlebte Hans Linsenmaier einige. Zwei Beispiele seien hier in Erinnerung gerufen: In der Regionalliga war das Ellenfeld am 13. November 1966 anlässlich des Derbys gegen den alten Rivalen 1. FC Saarbrücken mit 25.000 Fans üppig gefüllt, sie feierten am Ende einen hochverdienten 2:0-Sieg ihrer Borussia. Doppeltorschütze Hans Linsenmaier erwies sich dabei als „FCS-Killer“ und erinnerte damit den Boss des 1. FC Köln, Franz Kremer, schmerzlich daran, dass die ehemalige Landauer Schusskanone im Sommer 1966 eigentlich in Köln-Müngersdorf aufgestellt werden sollte. Doch durch einen Trainerwechsel beim „Effzeh“ platzte der Plan, und der unorthodoxe Außenstürmer, der sich am Ende der Spielzeit mit 17 Treffern als bester Borussen-Schütze erweisen sollte, wechselte ins Ellenfeld. Ein Jahr später gastierte Hans Linsenmaier mit seinen Borussen im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Werder Bremen. Borussia war Außenseiter – und siegte dennoch mit 2:1!  „Gute Momente“ attestierte der Reporter des „Sport-Magazins“ den Borussen, „allein durch die resoluten Flügelstürmer Pontes und Linsenmaier und den patenten Hermesdorf.“ Letzterer setzte vor allem den Doppel-Torschützen Hans Linsenmaier gekonnt in Szene, der die 1:0-Pausenführung (15.) nach gut einer Stunde (66.) auf 2:0 ausbaute.

Akrobatisch gegen Schalke 04 (oben) und kopfballstark gegen Hannover 96 (unten): Borussias Stürmer Hans Linsenmaier. (Fotos: Ellenfeld-Verein e.V./Archiv Borussia Neunkirchen Hartung)

Doch 1968 konnte auch Hans Linsenmaier den erneuten Abstieg der Borussia nicht verhindern und folgte dem Ruf nach München, wo er ein Löwe wurde und weiter erstklassig blieb. 16 Spiele absolvierte er im Trikot der Blauen auf Giesings Höhen. Wieder war Bremen ein gutes Pflaster: Dort, wo er bereits mit der Borussia brilliert hatte, erzielte er beim 4:1-Sieg seiner 60er das einzige Tor für die Löwen. So richtig legendär allerdings war Hans Linsenmaiers Auftritt im Messepokal: In der 1. Runde trafen die Münchener dabei auf Legia Warschau. Nachdem sich Torwart Petar Radenkovic beim 2:0 der Polen in der 22. Minute verletzte, musste Feldspieler Linsenmaier ab diesem Zeitpunkt für den Radi ins Tor – Auswechslungen gab es zu der Zeit noch nicht. Am Ende stand eine 0:6-Niederlage des TSV in der polnischen Hauptstadt. Auch im Rückspiel, diesmal mit Schweers im Tor und ohne Linsenmaier, gab es nicht zu holen. 1860 unterlag Legia vor 3.000 Zuschauern mit 2:3 und schied aus.

Anschließend zog es Hans Linsenmaier zum Regionalligisten Freiburger FC, für den er bis 1974 am Ball war (129 Spiele, 20 Tore). Beim FFC war er ab 1982 auch als Trainer tätig, später auch bei den Sportfreunden Grießheim und in der Saison 1996/97 erneut beim Freiburger FC im Mösle-Stadion.

Wenn Hans Linsenmaier, der unseren Informationen nach in der Nähe von Freiburg in einem Wohnheim beheimatet ist, heute seinen Ehrentag feiert, denken alle Borussen – vor allem diejenigen, die ihn im Ellenfeld noch live in Aktion erlebt haben – mit Freude, aber auch mit einer Portion Wehmut im Herzen an ihren großartigen und treffsicheren Torschützen zurück, gratulieren ihm ganz herzlich und wünschen alles Liebe und Gute, vor allem Gesundheit und ein schönes Fest im Kreis seiner Lieben! (-jf-)

Mit weiteren Fotos aus dem Borussen-Archiv wir Hans Linsenmaiers Auftritte im Borussen-Trikot noch einmal lebendig werden. (Fotos: Ellenfeld-Verein e.V./Archiv Borussia Neunkirchen Hartung)