Von Generalproben und Premieren

Unser Bild: Dylan Sodji war auch an ehemaliger Wirkungsstätte in Hermersberg ein Aktivposten im Borussen-Spiel. (Foto: -jf-)

„Eine missglückte Generalprobe ist ein gutes Omen für eine gelungene Premiere.“ Ob Aberglaube oder Theaterweisheit – das sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall lässt der Auftritt der Borussia am gestrigen Samstag auf der eisigen Sickingerhöhe beim SV Hermersberg an jene Erfahrung denken, die Regisseure und Schauspieler auf der Bühne schon oft gemacht haben. Denn das Abschlusstraining am Freitagabend vor dem Spiel war alles andere als wunschgemäß verlaufen: Stockfehler, wenig Präzision, Unkonzentriertheiten, misslungene Ballannahme und -mitnahme – von all den Mängeln in der Übungseinheit war beim Gastspiel gegen den pfälzischen Verbandsligisten so gut wie nichts mehr zu sehen. Mit einem auch in der Höhe verdienten 4:0-Erfolg, den Michael Müller (2), Tim Klein und Nico Christmann sicherstellten (wir berichteten gestern bereits im Bild), kehrten die Borussen, die in Hermersberg auf den verletzten Tim Cullmann (Muskelfasserriss im Training) verzichten mussten, ins Ellenfeld zurück und durften mit den gezeigten Leistungen zufrieden sein.

Erstmals nach langer Verletzungspause im Team und mit einer Top-Premiere: Sebastian Cullmann, dem man in nahezu jeder Szene die Lust am Spielen förmlich ansehen konnte. An allen drei Toren in Halbzeit eins war der emsige Mittelfeldspieler beteiligt, schickte vor dem 1:0 Nico Christmann auf der rechten Außenbahn auf die Reise. Dessen scharfe Hereingabe lenkte der in der Mitte eingelaufene Michael Müller aus kurzer Distanz über die Linie. Beim 2:0 erspürte Sebastian Cullmann die Unsicherheit im Aufbauspiel der Gastgeber, luchste Tim Dudek den Ball ab, schaute sich den Torwart aus und bediente den mitgelaufenen Tim Klein, der aus 6 Metern keine Mühe hatte, das Leder locker einzuschieben. Aller guten Dinge sind drei: Den Eckball zum 3:0, den – von Niklas Allenfort präzise hereingegeben – der sträflich ungedeckte Nico Christmann per Kopf im Netz unterbrachte – hatte Borussias Nummer 29 durch seinen Einsatz herausgeholt. Doch das Verletzungspech schien den Ex-Primstaler kurz vor der Pause wieder einmal einzuholen: Nach einem Luftduell mit Hermersbergs Jonas Simon zierte seine rechte Wange unterhalb des Auges ein „dickes Ei“, doch der Verdacht auf eine Jochbeinverletzung, gar einen Bruch, bestätigte sich nicht: „War beim Röntgen, nix kaputt, am Montag geht’s weiter“, gab Sebastian Cullmann, der mit dieser Leistung nach langer Zwangspause eine gute Portion Selbstvertrauen tanken konnte, noch am Abend Entwarnung.

Bange Momente: Nico Christmann prüft Sebastian Cullmanns Jochbein-Verletzung. Noch am selben Abend Durchpusten und Entwarnung: Nichts gebrochen! (Foto: -jf-)

Eine bärenstarke Leistung lieferte auch Nico Christmann ab. Der Sommerneuzugang aus Steinwenden kommt immer besser in Fahrt, lieferte nicht nur zum 1:0 die Vorlage, sondern war selbst per Kopf zum 2:0 erfolgreich. Gleich zweimal eingenetzt hat Michael Müller. Der wie immer äußerst kampfstarke defensive Mittelfeldspieler war nicht nur beim Führungstreffer zur Stelle, sondern beendete nach 76 Minuten mit einem strammen Direktschuss aus halbrechter Position ins lange Eck den Torreigen. Dabei veredelte er die Vorarbeit von Christoph Stemmler, der an früherer Wirkungsstätte auf der rechten Außenbahn rauf und runter – für viel Betrieb sorgte.

Dabei hätte vor allem in Halbzeit eins durchaus noch der eine oder andere Treffer mehr fallen können für die Borussen, die ihren Gegner früh anliefen und in der Defensive nichts zuließen. So scheiterte Tim Klein nach Steckpass an SVH-Keeper Sven Deppert (10.), der wenig später bei einem beherzten Hinterhaltsschuss des aufgerückten Tim Braun Mühe hatte, das Leder zu kontrollieren (15.). Bei Nico Christmanns Direktabnahme auf Flanke von Niklas Allenfort tauchte der Keeper der Gastgeber gerade noch rechtzeitig ins bedrohte Eck (19.), und Sebastian Cullmanns Flachschuss nach Auflage von Tim Braun verfehlte die linke untere Torecke nur um Haaresbreite. „Geduldig bleiben“, munterte Dylan Sodji unüberhörbar seine Teamkameraden angesichts des Abschluss-Pechs jetzt auf, und die belohnten sich noch vor dem Halbzeitpfiff im Zwei-Minuten-Takt mit drei Einschlägen dann endlich für ihre unermüdlichen Bemühungen, gelungenen Ballstafetten und Spielverlagerungen.

Auch er ein Aktivposten an ehemaliger Wirkungsstätte: Christoph Stemmler sorgte auf der rechten Außenbahn für viel Betrieb. (Foto: -jf-)

Auch wenn die Borussen nach der Pause nicht nach- und den Ball weiter laufen ließen, so war das Spiel jetzt doch nicht mehr so flüssig. Klare Torchancen: Eher Mangelware. So dauerte es bis zur 76. Minute, ehe Michael Müller mit seinem zweiten Treffer zum 4:0 den Deckel endgültig drauf machte. Kurz vor Schluss verpasste Danny Kleinbauer Tor Nummer 5, als er in einer Eins-zu-eins-Situation am eingewechselten Luca Leyes im Hermersberger Tor scheiterte. Den Gastgebern konnte man das Bemühen um ein Ehrentor bis zum Schluss wahrlich nicht absprechen – ein Bemühen, das die Borussen in zwei, drei Situationen im Vollsprint nach hinten geeilt, mit energischem Eingreifen zu vereiteln wussten, noch ehe für Maximilian Strack eine echte Gefahr entstand. Ballbehauptung, Ballsicherheit, Selbstvertrauen, stabile Defensive – diese Ziele konnten die Borussen in den 90 Minuten insgesamt gut umsetzen. Und das trotz verpatzter Generalprobe in der vorangegangenen Trainingseinheit.

„Eine missglückte Generalprobe ist ein gutes Omen für eine gelungene Premiere.“ Ob Aberglaube oder Theaterweisheit – wie so oft gilt auch hier die Redewendung vom „Körnchen Wahrheit“. Denn tatsächlich hat wahrscheinlich jeder an einer Premiere Beteiligte genau das erlebt: „Die Generalprobe verläuft gefällig, dann sinken Spannung und Konzentration, und schon macht sich bei der Premiere Energieverlust bemerkbar und produziert Flüchtigkeitsfehler. Weshalb sich nach einer gelungenen Premiere zuweilen ein andere Aberglaube bestätigt: Die zweite Vorstellung wird grauenvoll“, ist aus der Bühnen-Branche zu vernehmen. Unter diesem Aspekt darf man auf das Testspiel der Borussia am kommenden Dienstagabend (19.00 Uhr) gegen die U23 des FK Pirmasens gespannt sein! (-jf-)

Statistik: SV Hermersberg – Borussia 0:4 (0:3)

Borussia: Maximilian Strack – Tim Braun (ab 46. Kamil Czeremurzynski), Marco Dahler, Nico Purket, Christoph Stemmler, Niklas Allenfort (ab 70. Simon Schreibeisen), Nico Christmann (ab 46. Florian Stopp), Sebastian Cullmann (ab 46. Daniel Schlicker), Michael Müller, Dylan Sodji, Tim Klein (ab 70. Danny Kleinbauer).

Tore: 0:1 (37.) Michael Müller, 0:2 (39.) Tim Kleinm 0:3 (41.) Nico Christmann, 0:4 (76.) Michael Müller. – Schiedsrichter: Pascal Dintinger (SC Winterbach). – Zuschauer: 100.

Anbei ein paar Bild-Impressionen vom Spiel der Borussia beim SV Hermersberg. (Fotos: -jf-)

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