Marmortafeln sollen wieder einen Ehrenplatz bekommen

Neunkircher Unternehmer will sich – angeregt durch die spannende Stadionführung von Dr. Jens Kelm – für die Gefallenen-Tafeln engagieren

Unser Bild: Noch schlummern sie im Archivraum der Borussia im Keller der Sporthalle – die Gedenktafeln für Borussias Kriegsgefallene (li.). Hans-Jürgen „Josh“ Sieren (re.) will mithelfen, ihnen – wie früher – wieder den gebührenden Platz im Stadion zu geben. (Fotos: -jf-/ Thomas Burgardt – vielen Dank für die Bereitstellung des Bildes!)

Hans-Jürgen Sieren war baff. „Ich dachte eigentlich, ich kenne das Ellenfeld. Doch musste ich feststellen, dass es da doch noch viel zu entdecken gibt“, äußert sich der Neunkircher Fliesenleger-Meister sehr beeindruckt, nachdem er gemeinsam mit Freunden aus Wiebelskirchen und Borussias Stadionfachmann und Archivar Professor Dr. Jens Kelm den Rundgang durch die traditionsreiche Sportstätte beendet hat. Eine durchaus realistische Vorstellung hat „Josh“, wie er in seinem Umfeld auch genannt wird, dabei ganz besonders gepackt: „Vielleicht hat ja mein Uropa in der alten Tribüne in Ellenfeld schon die Fliesen gelegt. Schließlich führt unsere Familie das Geschäft in Neunkirchen ja schon seit 1900 in mehreren Generationen.“ Eine Vorstellung, an der er durchaus Gefallen finden könnte!

Hans-Jürgen Sieren hat selbst in der Jugend im Trikot der Borussia gekickt und dabei die große Tradition des Vereins verinnerlicht. „Allerdings habe ich schon in dieser Zeit gespürt, dass es in der Jugendabteilung gekriselt hat, und bin deshalb nach der B-Jugend zu verschiedenen anderen Vereinen in und um Neunkirchen gewechselt“, erinnert er sich. Sportliche Aktivitäten standen hoch im Kurs, auch Leichtathletik hat er damals intensiv betrieben. Dass es jetzt mit den Junioren im Ellenfeld wieder aufwärts geht, ist ihm nicht verborgen geblieben, schließlich trägt sein Neffe mit Stolz das Trikot der Borussia. „Die Kontinuität ist wichtig, da muss man immer dranbleiben“, hofft Hans-Jürgen Sieren, dass es langfristig wieder aufwärts geht und vielleicht in absehbarer Zeit wieder einem Eigengewächs den Sprung in die erste Mannschaft gelingt.

Das von Hermann Hahn 1925 gestiftete erste Ehrenmal im Nordostbereich des Ellenfeld-Stadions (oben) wurde 1952 durch ein neues, vom Neunkircher Bildhauer Alois Weidig gestaltetes Monument in der nordwestlichen Stadionecke ersetzt (unten), musste aber 1964 dem Stadionneubau für die Bundesliga weichen. Beide Ehrenmale präsentierten auf Marmortafeln die Namen der in beiden Weltkriegen gefallenen Borussen. (Fotos: 100 Jahre Ellenfeld-Stadion)

Er selbst hat – begeistert durch das Erlebnis der Stadionführung – beschlossen, die Borussia zu unterstützen. Und zwar in einem ganz speziellen, von Dr. Jens Kelm schon länger angedachten Projekt: „Die beiden in einer Ecke des Archivraums schlummernden Gedenksteine zu Ehren der Gefallenen der Borussia in den beiden Weltkriegen haben es mir angetan, sie sollten wieder einen Ehrenplatz im Stadion bekommen und dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Dabei möchte ich gerne mithelfen“, teilte er einem hocherfreuten Dr. Jens Kelm mit. „Josh“ Sieren möchte die finanzielle Unterstützung auch als Geste des Respekts vor der ehrenamtlichen Arbeit, die von Dr. Kelm und überhaupt im Verein geleistet wird, verstanden wissen: „Das kann man nicht hoch genug einschätzen, denn es ist nicht selbstverständlich und sollte auch irgendwann Ergebnisse zeitigen. Die Kombination von Stadionführung und großer Historie der Borussia hat mir die Entscheidung zu helfen leicht gemacht. Ich werde auch in meinem persönlichen Umkreis im Sinne der Mund-zu-Mund-Propaganda um weitere Unterstützung der Borussia werben“, so sein Bekenntnis. Gerade mit Blick auf das Ehrenamt weiß „Josh“ Sieren, wovon er spricht, ist der Fliesenlegermeister doch seit nahezu 50 Jahren im Karneval aktiv, ja gilt sogar als Urgestein der Neunkircher Fastnacht und Stimmungsgarant: „Auch bei uns geht ohne Ehrenamtler gar nichts.“

Von der Ellenfeld-Führung waren „Josh“ Sieren und seine Kameraden auf jeden Fall „total geflasht. Wir haben viel an Hintergrund zum Stadion gelernt und manches gesehen, was wir noch nicht gesehen hatten. Das Ellenfeld muss unbedingt erhalten bleiben“, ist die einhellige Meinung, auch wenn „Josh“ Sieren weiß, „dass die Erhaltung des Stadions als historisches Objekt und die parallel dazu laufende Aufrechterhaltung des Spielbetriebs bei Senioren und Junioren für den Verein eine schwierige Situation, ja geradezu einen Spagat darstellt.“ Gerade deshalb möchte er mit anpacken. In einem ersten kleinen Schritt. Doch auch „eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“, hat der große Weise Laotse gesagt. Und der frühere Bundeskanzler Willy Brand wusste schon: „Es ist wichtiger, etwas im Kleinen zu tun als im Großen darüber zu reden.“

Borussia dankt Hans-Jürgen „Josh“ Sieren schon jetzt für die zugesagte Unterstützung herzlich! (jf-)

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*