„Den Druck wegnehmen und von Spiel zu Spiel schauen!“

Borussias „Torwart-Comebacker“ Dominik Jost im Interview / Gute Erinnerungen an den kommenden Gegner SV Bliesmengen-Bolchen (Samstag, 15.00 Uhr, Ferraro-Sportarena)

Unser Bild: Er fliegt wieder – Dominik Jost kehrte in Eppelborn nach Hüft-OP und fast einjähriger Pause wieder ins Borussen-Tor zurück. Mit ihm und Maximilian Strack (im Hintergrund) stehen Trainer Thorsten Lahm auch nach der Verletzung von Philippe Persch zwei zuverlässige Keeper zur Verfügung. (Foto: -jf-)

Dominik Jost ist ein guter, verlässlicher Torwart. Doch nicht nur das. Dass er auch fußballerische Qualitäten auf dem Feld hat, zeigte er am vergangenen Samstag in Eppelborn zum wiederholten Male. Ein ziemlich hoher Rückpass von Kapitän Marco Dahler hätte durchaus Gefahr für das eigene Tor erzeugen können. Doch nicht so bei Dominik Jost: Der 25jährige nahm den Ball geschickt mit der Brust herunter und adressierte ihn gleich weiter an einen Mitspieler, um im Aufbauspiel keine Zeit zu verlieren – eine gekonnte Aktion. Erstmals wieder seit fast einem Jahr Pause, bedingt durch eine Hüft-Operation, stand Dominik Jost wieder zwischen den Pfosten und vertrat den verletzten Philippe Persch sehr gut. Nun hofft er, auch am kommenden Samstag, wenn der SV Bliesmengen-Bolchen seine Visitenkarte in der Ferraro-Sportarena abgibt, wieder das Tor der Borussia hüten zu dürfen. Bliesmengen-Bolchen und Dominik Jost? Da war doch was! Darüber, über sein Comeback in Eppelborn und wie er die momentane Situation der Borussia einschätzt, spricht der frühere Saarlandmeister im Downhillfahren (2015) im folgenden Interview.

Dominik, Glückwunsch zum Einstand im Borussen-Tor im Spiel in Eppelborn. Was war das für ein Gefühl, nach fast einem Jahr Pause wieder im Team zu stehen?

DJ: Ich war und bin einfach nur happy, in den 90 Minuten auf dem Platz wieder Teil der Mannschaft zu sein und keine Schmerzen in der Hüfte mehr zu verspüren.  Am Anfang war ich schon etwas nervös, aber das ist ganz normal nach solch einer langen Pause. Recht schnell konnte ich mit der Unterstützung der Kameraden wieder Sicherheit gewinnen, auch wenn es natürlich beim Gegentor, sagen wir es mal so: zu einer unglücklichen Verkettung von Ärgernissen kam.

Wie hast Du die Szene denn erlebt?

DJ: Da war viel Pech dabei. Das begann ja schon damit, dass Marco Dahler den Ball nicht richtig trifft und ihn nach hinten verlängert. Dann schießt Tim Braun beim Rettungsversuch Eppelborn Stürmer Valdrin Dacaj an die Schulter. In dem Moment habe ich mich entschieden rauszulaufen, um den Abpraller aufzunehmen, doch Dacaj, der sehr geschickt den Körper reingestellt hat, ist um Bruchteile von Sekunden vor mir am Ball und köpft den Ball an den Pfosten. Von dort springt er dem Torschützen Marcel Ecker vor die Füße und es steht 0:1. Ein ausgesprochen blödes Tor, bei dem ich Eppelborns Angreifer auch noch unglücklich und unbeabsichtigt an der Nase getroffen habe. Es hätte also auch sein können, dass der Schiedsrichter Elfmeter gibt, wenn kein Tor fällt.    

Zupacken (oben) und breit machen (unten): Dominik Jost wurde in Eppelborn nach dem unglücklichen Gegentor („Eine Verkettung von Ärgernissen“) immer sicherer und zu einem Rückhalt der Mannschaft (Fotos: -jf-)

Wann hast Du denn erfahren, dass Du spielen durftest?

DJ: Nach der Verletzung von Philippe Persch hatte ich mich zumindest in der Theorie schon damit beschäftigt, dass ich vielleicht zum Einsatz komme. Der Trainer hat mich am Spieltag selbst, am Sonntagmorgen, angerufen und es mir mitgeteilt – eine sicher nicht einfache, eher spontane Entscheidung, bei der wohl Nuancen den Ausschlag gegeben haben. Aber auch eine Entscheidung, die jetzt für den Rest der Runde nicht in Stein gemeißelt ist. Für unseren Trainer ist es eine gute Sache, zwei Torleute zu haben, die ihr Bestes geben und auf die er sich verlassen kann.

Eigentlich hättet Ihr in Eppelborn Euch auch einen Punkt verdient gehabt, oder?

DJ: Der Treffer hat schon sehr früh ein Spiel entschieden, das eigentlich ein typisches Remis-Spiel war. Ein Spiel, in dem wir vor allem in der zweiten Halbzeit mehr Spielanteile hatten und durchaus den Ausgleich hätten erzielen können. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem aggressiven Pressing des Gegners haben wir die Sache im Mannschaftsverbund immer besser in den Griff bekommen. Es ist uns immer besser gelungen, das, was wir auch im Training üben und was der Trainer von uns verlangt, umzusetzen: Nämlich das Spiel hintenraus mit Kombinationen aufzubauen und möglichst lange Bälle zu vermeiden.

Bei diesem Aufbauspiel kommt auch dem Torwart als Anspielstation eine wichtige Rolle zu. Umso besser ist es, wenn er auch gewisse fußballerische Qualitäten hat.

DJ: Ja, das ist gerade im modernen Fußball, in dem dem Torwart quasi die Rolle eines 12. Feldspielers zukommt, von Bedeutung. Natürlich birgt das auch ein gewisses Risiko, aber wenn sich jeder immer wieder als Abspielstation anbietet, klappt das. Wir sind ja auch mit zunehmender Dauer des Spiels immer sicherer geworden.

Zwei Niederlagen zum Start in die Frühjahrsrunde – das habt Ihr, das haben wir uns alle sicher ganz anders vorgestellt. Wie beurteilst Du die Situation?

DJ: Eine nicht einfache Frage, denn manchmal ist es richtig verflixt und nicht alles immer rational zu erklären. Wir hatten ja, sieht man von der 1:4-Niederlage in Merchweiler ab, eine ordentliche Vorbereitung gespielt, so dass ich dachte, dass wir gut drauf sind. Aber das Auftaktspiel in Hasborn passte zum Training einen Tag vor dem Spiel: Schon da waren wir nicht so giftig und bissig, wie man das eigentlich von einem Abschlusstraining erwartet. Man spielt ja oft so, wie man vorher auch trainiert hat. Zeitweise haben wir aber auch gegen Hasborn gar nicht so schlecht gespielt, hätten beim Stande von 1:3 durch Nico Christmann auch den Anschlusstreffer erzielen können. Wer weiß, wie das Spiel dann ausgegangen wäre. Letztlich haben Kleinigkeiten den Ausschlag gegeben, hinzu kommt fehlende Cleverness und Erfahrung. Dennoch müssen wir dieses 1:5 nicht schönreden, das darf einfach nicht passieren. In Eppelborn konnten wir uns dann deutlich steigern. Das war ein Schritt in die richtige Richtung.

Ist das Thema Aufstieg jetzt durch?

DJ: Natürlich haben wir sportlich  in den beiden ersten Spielen nach der Winterpause nicht das Niveau auf den Platz bringen können, das wir von der individuellen Klasse her eigentlich haben und das für einen Kampf um die Aufstiegsplätze auch notwendig ist. Deshalb sollten wir zunächst einmal den Aufstiegsgedanken beiseite schieben, den Druck wegnehmen, von Spiel zu Spiel schauen, zeigen, dass wir eine Mannschaft sind und uns dabei voll auf unsere eigene Leistung konzentrieren. Konkret: Jede Trainingswoche alles geben, wacher im Kopf sein, unnötige Fouls vor dem eigenen 15-Meter-Raum ebenso vermeiden wie Fehlpässe und natürlich offensiv mehr Durchschlagskraft entwickeln. Dann müssen wir schauen, was am Ende dabei herauskommt. Was mich nach wie vor optimistisch stimmt, ist der gute Teamgeist. Denn wir sind eine richtig eingeschworene Gemeinschaft, die sich auch außerhalb von Training und Spiel gut versteht. Die Stimmung untereinander ist wirklich top.

„Sweet memories“: Kaum auf dem Platz und schon zwei Tore – „Doppelpacker“ Dominik Jost kam, sah und schoss die Borussia im Herbst 2021 innerhalb von zwei Minuten zum 4:2-Sieg über den SV Bliesmengen-Bolchen. Zunächst per Kopf zum 3:2 (oben), dann nach Alleingang zum 4:2 (unten). (Fotos: -jf-)

Jetzt kommt der SV Bliesmengen-Bolchen nach Neunkirchen – ein Gegner, mit dem Du ganz besondere Erinnerungen verbindest. Stichwort 12. September 2021, ein warmer Spätsommertag im Ellenfeld. Dominik Jost wird in der 85. Minute eingewechselt und erzielt binnen 120 Sekunden zwei Tore zum 4:2-Sieg für die Borussia!

DJ (schmunzelt): Ja, ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Das Highlight meiner bisherigen Fußball-Karriere, auch wenn ich zuvor bei der Spvgg Einöd-Ingweiler schon manches Tor erzielt habe. Die beiden Tore sind mir noch präsent, aber nur verschwommen. Gefühlsmäßig herrschte da in mir pure Emotion und Exstase. In den Tagen danach musste ich mich manchmal noch kneifen und fragen: Ist das wirklich passiert?

Solltest Du am Samstag wieder im Tor stehen, hat der SV Bliesmengen-Bolchen also eine Sorge weniger! Wie sieht es aus mit der Vertragsverlängerung?

DJ: Ich habe einen Vertrag vorliegen, Gespräche werden zeitnah geführt werden. Von meiner Seite aus würde ich gerne bleiben, weil ich mich im Ellenfeld und im Team sehr, sehr wohl fühle. Dabei hoffe ich natürlich auf mehr Einsatzzeiten. Aber zunächst einmal bin ich glücklich, dass ich nach der langen Pause wieder dabei sein darf, und dass ich nach der OP meine Hüfte, die ja eigentlich nicht so gut geeignet ist, um Fußball zu spielen, im Griff habe.

Alle Borussen wünschen Dir, dass das so bleibt! Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück und Erfolg am Samstag gegen den SV Bliesmengen-Bolchen! (-jf-)

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