Bliesmengen-Bolchen immer für eine Überraschung gut

Im Interview: Bliesmengens Stadionsprecher Günther Klingler vor dem Gastspiel seines Vereins in der Ferraro-Sportarena am morgigen Samstag (15.00 Uhr)

Er ist ein echter „Menger Bub“, lebt bis heute mit seiner Familie im Elternhaus. In der Jugend, für die erste Mannschaft und in der AH schnürte er im Trikot des SV Bliesmengen-Bolchen die Fußballschuhe, war als Schiedsrichter aktiv, und ist schon früh in die Vereinsarbeit eingestiegen: Als 18jähriger übernahm er die Aufgabe des Schriftführers, war von 1975 bis 1979 erster Vorsitzender und begleitet seinen Verein bis heute mit seiner sonoren Stimme als Stadionsprecher: Günther Klingler (GK) ist ein, wenn nicht das Gesicht des SV Bliesmengen-Bolchen. Der 76jährige zweifache Familienvater und Großvater ist als Marine-Soldat auf dem Schulschiff „Deutschland“ viel in der Welt herumgekommen, hat aber seiner Heimatgemeinde und seinem Club stets die Treue gehalten. Gemeinsam mit den aktiven Fans im eigens gecharterten Fan-Bus begleitet er die Mannschaft auch am morgigen Samstag ins Ellenfeld, zu dem er eine langjährige Beziehung hat. Das verrät Günther Klingler im Interview und spricht dabei auch über wichtige Akteure und Ziele der Elf aus dem Mandelbachtal.

Günther, „Menge-Bolche“, wie Dein Heimatort und der Verein auch gerne genannt werden, hat bislang eine tolle Saison gespielt. Habt Ihr das so erwartet?

GK: Unser Ziel war zunächst der Klassenerhalt. Wir sind dann überraschend stark in die Spielzeit gestartet. Jetzt wollen wir am Ende einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Das scheint realistisch, aber wir müssen trotzdem aufpassen, denn nach unten, wo im schlimmsten Fall fünf Teams aus der Saarlandliga absteigen müssen, sind es auch nur 8 Punkte, die sind schnell weg! Denn in den nächsten Spielen warten schwer Gegner auf uns. Da ist es sicher von Vorteil, dass wir in den verbleibenden Spielen noch achtmal Heimrecht haben. In dieser Saison liegen die Mannschaften ganz dicht beieinander, da gibt es keine leichten Gegner, jeder kann jeden schlagen. Das mussten wir am letzten Wochenende gegen Brebach erfahren …

… als Ihr mit 1:2 verloren habt, was sicherlich nicht zu erwarten war.

GK: Ja, zumindest wenn man sich die Tabelle anschaut. Gegen das sogenannte „Kellerkind“ aus Brebach haben wir uns viele Ballverluste erlaubt, es hat einfach nichts funktioniert, während beim Gegner deutlich die Handschrift des neuen und erfahrenen Trainers Günter Erhard zu erkennen war. Wir haben letztendlich verdient verloren.

Ähnliches musste ja auch die Borussia zum Auftakt der restlichen Runde gegen Hasborn erfahren. Wie schätzst Du die Ausgangssituation vor Eurem Gastspiel im Ellenfeld ein?

GK: „Menge-Bolche“ hat nach unserem 1:0-Erfolg, als wir als Aufsteiger in Neunkirchen gewinnen konnten, in den nächsten drei Spielen von der Borussia gleich 14 Gegentore „eingeschenkt“ bekommen. Da gilt es natürlich, jetzt etwas gutzumachen, nicht zuletzt auch für unsere zahlreichen Fans. Auf der anderen Seite haben die Borussen zum Auftakt der Frühjahrsrunde zweimal verloren und werden alles daran setzen, diese Scharte wettzumachen. Ich erwarte ein offenes Spiel mit einer leichten Favoritenrolle für die Borussia, aber der SV Bliesmengen-Bolchen ist sicher auch für eine Überraschung gut. Dass wir nicht im großen Ellenfeld-Stadion, sondern auf dem für uns gewohnten Kunstrasen spielen, könnte dabei von Vorteil sein.

Treuer „Menger Bub“: Als Torwart gehörte Günther Klingler (kniend, Mitte) in den 60er-Jahren zur A-Jugend-Meistermannschaft. Als Vorsitzender überreichte er Bayerns Torwart-Legende Sepp Maier im September 1977 einen Erinnerungswimpel seines Clubs. (Fotos: facebook-Seite Günther Klingler)

Mit dem Aufstieg in die Saarlandliga 2020 begann ja für Euren Verein eine sehr erfolgreiche Zeit. Was ist dafür ausschlaggebend?

GK: Die Kameradschaft ist das A und O! Die meisten Spieler kommen aus Bliesmengen-Bolchen, kennen sich schon aus der Jugend, sind etwa im gleichen Alter, fußballerisch gut ausgebildet und im Verein und im Ort verwurzelt. Dazu sind es begeisterungsfähige Jungs, die alles lernwillig aufnehmen.

Welche Rolle spielt Trainer Patrick Vitt?

GK: Patrick Vitt ist ja vor ein paar Jahren als Spieler zu uns gekommen und war eine Stütze der Mannschaft. Er ist auch als Trainer eine Führungspersönlichkeit, der die Mannschaft mit seinem Stil geprägt hat. Der Erfolg hat im Recht gegeben. Ich bedauere es, dass er im Sommer aufhört.

Stell uns doch bitte kurz mal Eure Mannschaft mit ihren Leistungsträgern vor!

GK: Da muss ich leider mit ein paar verletzten und angeschlagenen Akteuren anfangen. Unser Stammtorwart Marco Curcio hat beim Spiel in Herrensohr eine Gesichtsfraktur erlitten und ist noch nicht einsatzfähig. Auch Nils Hoffknecht wird unserer Defensive nach seinem Kreuzbandriss noch fehlen. Philipp Leidinger, Tim Collet und Stürmer Matthias Munz sind angeschlagen. Im Mittelfeld hat sich der junge Philipp König, der aus Ormesheim kam, gut entwickelt. Jordan Steiner, der ja schon beim 1. FC Saarbrücken in der Regionalliga gespielt hat, hat viele gute Ideen, fungiert als Ballverteiler und Stratege. Unsere Top-Torjäger Luca Bauer und Oliver Schramm wollen natürlich gerne auch im Ellenfeld wieder treffen. Leider wird uns Luca Bauer im Sommer Richtung Auersmacher verlassen. Ihn zu ersetzen, wird sehr schwierig. Wir lassen ihn nur ungern ziehen, aber man kann es talentierten Spielern wie ihm weder verdenken noch verwehren, sich höherklassig auszuprobieren und den nächsten Schritt zu machen.

So kennen ihn die Fußballfreunde im Saarland: Günther Klingler als Stadionsprecher im Burgweg-Stadion in Bliesmengen. (Foto: facebook-Seite Günther Klingler)

Nicht zu vergessen Eure begeisterungsfähigen Fans, die die Mannschaft auch durch Schwächephasen hindurchtragen!!

GK: Wir haben mit der L´orda rossa einen sehr aktiven Fanclub, der immer dabei ist. Die Jungs um Robin Scheid sind sehr rührig, organisieren Fan-Artikel und führen auch soziale Aktionen durch. Sie sind eine feste Größe nicht nur im Vereins-, sondern auch im Dorfleben. Sie werden, angeführt von unserem Trompeter, auch im Ellenfeld wieder „zur Attacke blasen“.

Stichwort Ellenfeld – Du hast zur Borussia eine besondere Beziehung.

GK: Ja, ich verfolge die Borussia schon ganz lange seit meinen Jugendjahren. Damals spielte die Borussia ja noch in der alten Oberliga Südwest mit spannenden Duellen gegen Saarbrücken, Pirmasens, Kaiserslautern, Bad Kreuznach, Saar 05, den Sportfreunden aus Saarbrücken und wie sie alle heißen! Für mich war die Borussia im Saarland immer die Nummer 1. Ich war ja in meiner aktiven Zeit Torwart, mein großes Vorbild war immer Borussen-Keeper Horst Kirsch. Auch Torjäger Rudi Dörrenbächer hat mir sehr imponiert und mich geprägt. Mit Kollegen habe ich zur Bundesligazeit manches Spiel im Ellenfeld besucht und gebe gerne zu, dass ich heute noch stiller Fan der Borussia bin. Allerdings nicht morgen gegen den SV Bliesmengen-Bolchen, ich glaube, das wird jeder verstehen! Der Bessere soll letztlich gewinnen. Bei aller sportlichen Rivalität auf dem Rasen: Nach 90 Minuten sollte man wieder Freund sein, gemeinsam ein Bier trinken und über das Spiel fachsimpeln.

Dann wünschen wir Dir, der Mannschaft und den Fans aus Bliesmengen-Bolchen eine gute Anreise aus dem Mandelbachtal und heißen Euch im Ellenfeld herzlich willkommen. Vielen Dank für das Gespräch, Günther Klingler! (-jf-)

Weitere Informationen über den SV Bliesmengen-Bolchen gibt es in unserem Stadionmagazin „Blick ins Ellenfeld“, das an den Kassen der Ferraro-Sportarena ausliegt.

Update zur Personalsituation bei der Borussia: Torhüter Philippe Persch fällt sicher aus, am kommenden Dienstag (14.3.) wird er im Klinikum Merzig an der Schulter operiert. Tim Klein erlitt beim Spiel in Eppelborn durch einen Schlag in die Achillessehne (wir berichteten) eine starke Prellung mit Einblutungen im Gelenk und in der Wade – Einsatz eher unwahrscheinlich! Die MRT-Untersuchung bei Dylan Sodji hat eine starke Überdehnung des Innenbandes im Knie ergeben. „Gott sei Dank ist nichts gerissen“, ist der Mittelfeldspieler erleichtert. Teamarzt Dr. Sebastian Richter hat ihm zu einem vorsichtigen und langsamen Einstieg geraten, aber wer Motivation und Mentalität des 27jährigen kennt, weiß, dass ihm das nach den beiden Spielen gegen Hasborn und Eppelborn „ein bisschen schwer fällt. Mal sehen, vielleicht reicht es für einen Platz auf der Bank“, so Dylan Sodji. Einsatz auch hier eher fraglich! Christoph Stemmler ist am Mittwoch wieder ins Training eingestiegen. „Sollte heute beim Abschlusstraining nichts Außergewöhnliches passieren, bin ich wieder einsatzfähig“, gibt der Außenbahnspieler derzeit grünes Licht.

Schiedsrichter des Spiels gegen Bliesmengen-Bolchen ist (nach Angaben von fussball.de) Thomas Haab. Er ist seit 2005 Schiedsrichter und pfeift für den STV Urweiler. Im Sommer 2019 hat Thomas Haab den Aufstieg in die Riege der saarländischen Top-Schiedsrichter geschafft. Zuletzt leitete er im Anfang November beim Sieg gegen den FV Schwalbach ein Spiel der Borussia. An den Seitenlinien wird Thomas Haab von Florian Welter und Felix Mathieu unterstützt. Borussia wünscht dem Schiedsrichterteam eine gelungene Spielleitung! (-jf-)

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