Auf dem Boden der Realität gelandet

Missglückter Rückrundenauftakt: Borussia unterliegt 1:2 in Köllerbach / Tim Cullmanns Anschlußtreffer zu wenig / Zweimaliges Aluminium-Pech verhindert einen Punktgewinn

Die einen begraben ihr Gesicht in den Händen, die anderen blicken einfach nur ins Leere. Allen ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Wie es sich anfühlt, verloren zu haben, haben die Borussen lange nicht mehr gespürt. Vor fast sieben Monaten, im August, gab es beim 1:3 in Auersmacher die letzte Liga-Niederlage, im Oktober nochmal im Pokal in Wiesbach. Dazwischen liegen elf ungeschlagene Spiele, zählt man die viel versprechende Vorbereitung hinzu, gar 16! Eine stolze Serie, die jetzt in Köllerbach gerissen ist. „Heute sind wir auf dem Boden der Realität gelandet“, konstatierte Björn Klos im Mannschaftskreis nach den 90 Minuten. „Wir konnten in keiner Phase das, was wir uns im Training erarbeitet haben, auf den Platz bringen, haben über weite Strecken gar nicht richtig Fußball gespielt. Ich habe kaum eine vernünftige Ballstafette gesehen. Auch an Cleverness hat es uns gefehlt“, so die ernüchternde Bilanz des Trainers, der genau so enttäuscht war wie seine Jungs.

Schon in der Anfangsphase moniert Björn Klos zu wenig Tempo im Spiel und zu große Abstände im Abwehrverhalten, die Köllerbachs Führungstreffer nach gut zehn Minuten begünstigen: Yacine Baizidi steht auf der linken Flanke völlig blank, muss das Leder lediglich quer in den Strafraum legen, wo der Kapitän der Sportfreunde, Jerry Laloe, ebenfalls unbedrängt einschieben kann. Zuvor allerdings hätte auf der anderen Seite Simon Schreibeisen gleich zweimal für die Borussen auf 1:0 stellen können, scheitert nach 6 Minuten an Keeper Sascha Segarra-Gil, verzieht nach 10 Minuten knapp links am langen Toreck vorbei. Pech hat Borussias agiler Stürmer kurz nach dem Rückstand, als sein geschickter Lupfer über den aus dem Tor geeilten Torwart der Gastgeber vom Innenpfosten nichts ins Tor, sondern wieder herausklatscht – das  hätte der schnelle Ausgleich sein können! Borussia übernimmt zwar jetzt langsam das Kommando, kann aber gute Chancen nicht verwerten. Gefahr für Köllerbach, das in den Zweikämpfen sehr bissig agiert, droht vor allem von der linken Seite über Fabian Scheffer, der ein großes Laufpensum absolviert und überall zu finden ist. Zwei seiner Flanken finden den Kopf von Kevin Saks und Simon Schreibeisen, beide Male streicht das Leder knapp über die Latte (42./44.). Zudem scheitert Simon Schreibeisen im Fünf-Meter-Raum am Sascha Segarra-Gil, der Borussias Nummer 22 im allerletzten Moment stoppen kann. Auf der anderen Seite haben die Borussen ein wenig Glück, als zunächst Jan Issa eine Hereingabe verpasst und der Nachschuss von Yacine Baizidi knapp oben rechts am Toreck vorbeifliegt. Als Schiedsrichterin Maria Steinmann-Scholz die Pfeife zum Pausenpfiff ansetzt, wäre ein 1:1 durchaus möglich gewesen.

Couragierter Einsatz: Fabian Scheffer, der hier das Leder gegen Köllerbachs Kapitän Jerry Laloe abschirmt, belohnte sich leider nicht mit einem Tor. (Foto: -jf-)

Stattdessen erhöht Jan Issa nach Wiederanpfiff bei einem schnellen Konter aus halblinker Position über den aus dem Tor stürzenden Philippe Persch auf 2:0 (59.). Borussia antwortet mit Wut im Bauch: Tim Cullmanns Schuss mit links wird von einem Köllerbacher Abwehrbein von der Torlinie gekratzt (61.), ehe dann doch der Anschlusstreffer gelingt: Fabian Scheffer profitiert Sascha Segarra-Gils Fauxpax, bedient Tim Cullmann, der das Leder aus elf Metern ins Netz hämmert (65.). Die Borussen wolle jetzt natürlich mehr, der Versuch, Druck aufzubauen, verpufft aber immer wieder, weil viele Bälle im Aufbau schnell verloren gehen oder einfach Langholz nach vorne gespielt wird. Die Gastgeber verlegen sich zunehmend aufs Kontern, dabei verpasst der stets agile Jan Issa nach 74 Minuten eine Vorentscheidung, als er am entschlossen zupackenden Philippe Persch scheitert. Nach 82 Minuten gleiche Situation im Köllerbacher Strafraum: Das Geschoss des freistehenden Fabian Scheffer pariert Sascha Segarra-Gil – schade, Borussias Mittelfeldspieler hätte für sein engagiertes Auftreten einen Torerfolg sicher verdient gehabt. Mit je einer Chance für jedes Team gehen die 90 Minuten dann zu Ende. Zunächst haben die Borussen wieder Alu-Pech, als Vincenzo Accursio nur den Pfosten anvisiert, dann pariert Philippe Persch gegen den eingewechselten Kevin Potrino.

So behalten die Köllerbacher nicht unverdient die drei Punkte im Stadion an der Burg. Für die Borussen fällt die erste Standortbestimmung nach erfolgreicher Testspielserie nicht wie gewünscht aus. „Wir dürfen uns nicht viele Patzer erlauben, sonst könnte der Kontakt nach oben ganz schnell abreißen“, hatte Björn Klos im Vorfeld der Partie bei den Sportfreunden gewarnt. Nun ist er leider real, der erste Patzer. Ausgerechnet jetzt kommt am kommenden Samstag mit Auersmacher der souveräne Spitzenreiter ins Ellenfeld. Keine Frage, da müssen die Borussen sicher ganz anders auftreten, wenn sie eine Siegchance haben wollen! (-jf-)

Statistik: SF Köllerbach – Borussia 2:1 (1:0)

Borussia: Philippe Persch – Niklas Allenfort, Tim Cullmann (ab 75. Akim Soulemana), Kamil Czeremurzynski, Marco Dahler, Christoph Stemmler, Fabian Scheffer, Daniel Schlicker, Simon Schreibeisen (ab 75. Kevin Saks), Dylan Sodji, Kevin Saks (46. Vincenzo Accursio). – Co-Trainer: Özal Acar. – Trainer: Björn Klos.

Tore: 1:0 (11.) Jerry Laloe, 2:0 (59.) Jan Issa, 2:1 (65.) Tim Cullmann. – Schiedsrichterin: Maria Steinmann-Scholz. – Zuschauer: 305. – Gelbe Karten Borussia: Kamil Czeremurzynski, Dylan Sodji, Christoph Stemmler, Daniel Schlicker, Björn Klos.

Anbei ein paar Impressionen vom Spiel der Borussia bei den Sportfreunden Köllerbach. (Fotos: -jf-)

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