Borussias Kriegsgefallene sind zurück im Ellenfeld

Restaurierte Gedenktafeln wieder im Stadion montiert / Ellenfeldverein, engagierte Firmen und treue Borussen sorgen für Kostenneutralität des Projektes

Unser Bild: Es ist vollbracht! Die ausführenden Akteure bei der Montage der Tafeln am Osterdienstag im Ellenfeld: Links die Mitarbeiter der Schreinerei Kaspar mit Susann Kaspar und Simao Himmel, Borussen-Fan Udo Neurohr (kniend) sowie rechts Steinmetz-Meisterin Astrid Hilt mit Auszubildender Ella. (Foto: Ellenfeldverein).

„Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“ Was der Philosoph Immanuel Kant auf den Punkt bringt, ließ anno dazumal auch bei den Vereinsmitgliedern der Borussia den Wunsch aufkommen, die Kriegsgefallenen in ehrenhaftem Gedenken zu behalten und zu zeigen, „dass wir keinen der Getreuen je vergessen werden“, wie es im Jubiläumsbuch des Vereins 1955 zu lesen ist. So wurden im August 1925 und im Oktober 1952 zwei Ehrenmale eingeweiht, die allerdings 1964 der Erweiterung des Ellenfeld-Stadions im Rahmen des Bundesliga-Aufstiegs weichen mussten. Nach jahrelanger Lagerung im Stadionkeller wurden die Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen wieder an der Innenwand des Hauptportals befestigt und waren von 1999 bis 2007 der Öffentlichkeit zugänglich, bevor sie wegen Malerarbeiten abgehängt wurden und einer Werbeband weichen mussten. Seit Osterdienstag haben die restaurierten Tafeln jetzt wieder ihren festen Platz im Ellenfeld-Stadion. Und mit ihnen die Namen der im Krieg gefallenen Borussen.

Für die Restauration der aus französischem Muschelkalk hergestellten Platten, die zuvor in einer Ecke des Archivraums der Borussia vor sich hin schlummerten, zeichnen die Firma „Astrid Hilt und Ralf Jenewein GbR der formenpark“ sowie die Schreinerei Kaspar verantwortlich. „Wir haben in unserer Werkstatt die leichten Beschädigungen behoben und die sehr schöne Jugendstil-Schrift, die zum Teil nicht mehr gut zu lesen war, in Handarbeit wieder neu ausgehauen und mit Farbe ausgelegt“, berichtet Astrid Hilt. Die Steinmetz-Meisterin und ihr Mann, Bildhauer Ralf Jenewein, haben die Arbeit auch als Familienprojekt begriffen, denn „auf der Tafel 1914-1918 ist der Name des Opas meines Mannes zu lesen“, erzählt Astrid Hilt. Ludwig Jenewein war Fußballer der Borussia und hat im ersten Weltkrieg sein Leben gelassen, „und da wir nicht wissen, wo er beerdigt ist, ist der Name auf der Gedenktafel im Ellenfeld für uns eine bleibende Erinnerung an ihn.“ Der enge Bezug zur Borussia habe, so Astrid Hilt, die Arbeit zu einem „schönen, wertvollen und emotionalen Projekt“ gemacht, an dem auch die Tochter, die im Familienbetrieb eine Lehre macht, mitgewirkt hat. Deshalb war es für Astrid Hilt und Ralf Jenewein auch keine Frage, sich durch eine Spende an der Finanzierung der Arbeit zu beteiligen. Die Schreinerei Kaspar hat die wiederhergestellten Tafeln anschließend in ihrer Werkstatt in Ottweiler auf Trägerplatten montiert und somit für einen Rahmen gesorgt. Kostenlos, denn „die Borussia ist in Neunkirchen ein Traditionsverein. Auch unsere Kinder haben im Ellenfeld gespielt, da hilft man doch gerne“, erklärt Susann Kaspar. Beim Aufhängen der Gedenktafeln mit viel Muskelkraft mitgeholfen hat Borussen-Fan Udo Neurohr und damit nicht zum ersten Mal unter Beweis gestellt, dass auf ihn stets Verlass ist, wenn Borussia Unterstützung braucht.

Zur Erinnerung: Das 1925 von Hermann Hahn gestiftete Ehrenmal (oben), das 1952 von Alois Weidig um die Gedenktafeln der Gefallenen des zweiten Weltkrieges erweitert und neu gestaltet wurde (unten). (Fotos: 100 Jahre Ellenfeld-Stadion).

Da sich auch der Ellenfeldverein an den Kosten der Restauration beteiligt hat, ist das Projekt für die Borussia und die Stadt Neunkirchen kostenneutral verlaufen. „Die notwendigen Gelder wurden durch die Stadionführungen eingespielt, bei denen die Teilnehmer keinen Beitrag zahlen müssen, aber eine Spende abgeben können“, erklärt Borussias Stadionbeauftragter Professor Dr. Jens Kelm. Zu denen, die dieser Bitte gerne nachgekommen sind, gehört Hans-Jürgen „Josh“ Sieren (wir berichteten). Der Fliesenlegermeister aus Neunkirchen war durch eine Ellenfeld-Führung inspiriert, sich für das Projekt „Ehrenmale“ zu engagieren, und will die finanzielle Unterstützung auch als Geste des Respekts vor der ehrenamtlichen Arbeit, die von Dr. Kelm und überhaupt im Verein geleistet wird, verstanden wissen: „Das kann man nicht hoch genug einschätzen, denn es ist nicht selbstverständlich und sollte auch irgendwann Ergebnisse zeitigen. Die Kombination von Stadionführung und großer Historie der Borussia hat mir die Entscheidung zu helfen leicht gemacht“, so „Josh“ Sieren.

Die Borussia bedankt sich bei allen Beteiligten für das Engagement: Bei Astrid Hilt und Ralf Jenewein mit ihrer Firma „Formenpark“, bei der Schreinerei Christian und Susann Kaspar aus Ottweiler, bei Borussen-Fan Udo Neurohr, bei Hans-Jürgen „Josh“ Sieren, beim Initiator des Projekts, Dr. Jens Kelm und dem Ellenfeldverein, und – last but not least – bei all denen, die durch ihre Spende anlässlich einer Stadionführung zur Finanzierung beigetragen haben. Auf diese Weise ist es gelungen, die Gefallenen der Borussia dem Vergessen zu entreißen und ihnen wieder ihren Platz im altehrwürdigen Ellenfeld zurückzugeben – dort, wo sie selbst das schwarz-weiße Trikot mit Stolz getragen und den Verein zu vielen Erfolgen geführt haben. „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“ (-jf-)

1 Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*