„Brutales Ergebnis“

Die Borussen kommen in Köllerbach regelrecht unter die Räder / „Alle Neune“ für Köllerbachs Torjäger Jan Issa / Kevin Lüder vermisst Mentalität und Disziplin seiner Schützlinge

Unser Bild: Gegen den Ausnahmespieler und neunfachen Torschützen Jan Issa war Borussias Abwehr in Köllerbach sichtlich überfordert. (Archivfoto: Fußball-News Saarland / Jan Sebastian Bach)

Vom „Kampf gegen Windmühlen“ hat Boris Schellenberg des Öfteren im Laufe der letzten Wochen gesprochen. Diese Redewendung, die einen von vorne herein aussichtslosen Kampf gegen nicht zu überwindende Probleme metaphorisch verdeutlicht, stammt aus dem weltberühmten Roman „Don Quijote“ des spanischen Schriftstellers Miguel de Cervantes Saavedra. In dem tragisch-komischen Buch führt der Titelheld einen sinnlosen Kampf gegen Windmühlen, die er – ohne zwischen Dichtung und Wirklichkeit zu unterscheiden – für mächtige, vielarmige Riesen hält: Er stürzt sich mit seiner Lanze todesmutig in den Kampf gegen sie und wird prompt von den rotierenden Flügeln in die Luft geschleudert. Im Gegensatz zum Roman aber waren die Sportfreunde Köllerbach am vergangenen Sonntag keine imaginären Gegner, sondern ein topmotiviertes Team, dem man von der ersten Minute an anmerkte, dass es die Negativspirale der vorangegangenen Spiele unbedingt durchbrechen und seinem Publikum im letzten Heimspiel der Saison einen versöhnlichen Ausklang anbieten wollte. So stand am Ende mit 0:16 aus Borussen-Sicht ein Ergebnis fest, das in der harten Wirklichkeit „brutal klingt und es leider auch war“, wie die zuhause gebliebenen Anhänger der Borussia im Liveticker von Axel Bastian auf fupa.net zur Kenntnis nehmen mussten.

Entsprechend groß war die Enttäuschung von Kevin Lüder: „In der ersten Halbzeit waren wir gar nicht auf dem Platz, sind nur nebenher gelaufen und haben dem Gegner quasi Geleitschutz gegeben“, musste der Borussen-Trainer konsterniert feststellen. So kassierten die indisponierten Borussen Gegentor um Gegentor. Kevin Gabka, Marcel Noll und Jan Issa hatten schon nach 15 Minuten dreimal getroffen, ab Minute 28 schwappte ein regelrechter Tor-Tsunami über die überforderten Borussen, wobei Torhüter Tjorven Joel Gehre mit reaktionsschnellen Paraden noch größeres Unheil verhinderte. Hinzu kam eine rote Karte, „die man“, so Kevin Lüder. „geben kann, aber nicht unbedingt muss: Unser Spieler Ahmad Nour Al Ibrahim steht auf der Torlinie, der Schuss kommt ganz scharf und als Reflex zieht der den Arm hoch und verhindert de Einschuss“, beschreibt Borussias Trainer die Szene. „Mit ein bisschen good will und Fingerspitzengefühl kann man es auch bei Gelb belassen“, meint Boris Schellenberg. In Unterzahl war es umso schwerer, den Köllerbacher Sturmlauf aufzuhalten: Der unwiderstehliche Jan Issa (3), Marcel Noll, Georgios Anastasopoulos mit seinem ersten Saisontreffer sowie Ognyan Mitkov und Barima Osein Tutu Bawuah schraubten das Resultat noch in den ersten 45 Minuten auf zweistellig. Der Pausenpfiff von Marco Niebergall vom FSV Jägersburg muss den Borussen wie eine Erlösung vorgekommen sein. „Die Gastgeber kombinieren teilweise nach Belieben durch das Mittelfeld, es brannte gefühlt im Minutentakt“, heißt es im fupa.net-Liveticker.

Verzweifelter „Kampf gegen Windmühlen“: Borussias Defensive versucht Köllerbachs Barima Osei Tutu Bawuah aufzuhalten. (Archivfoto aus dem Saarlandpokal-Spiel: Fußball-News Saarland / Jan Sebastian Bach)

Nach dem Seitenwechsel versuchten die Borussen, die jetzt ein bisschen stabiler agierten, phasenweise etwas für Entlastung zu sorgen, trauten sich auch mal nach vorne und hätten beinahe sogar noch den Ehrentreffer erzielt, doch der Unparteiische wähnte den eingewechselten Boris Schellenberg im Abseits. Die Gastgeber begnügten sich in Halbzeit zwei mit „nur“ sechs Treffern. Allein fünf davon gingen auf das Konto von Top-Torjäger Jan Issa – vor der Leistung des insgesamt neunfachen (!) Torschützen wollte Kevin Lüder nur den Hut ziehen: „Einfach überragend! Ich habe ja selbst mit ihm zusammen in der Jugend in Burbach gespielt, er war schon immer ein Ausnahmespieler und zeigt auch jetzt noch in seinem Alter den Jungen die Grenzen auf. Es macht einfach Spaß ihm zuzuschauen“, erkennt der Borussen-Trainer neidlos an. An seiner Mannschaft vermisste er diesmal „Mentalität und Disziplin, es war sicherlich das schlechteste Spiel seit Beginn der Frühjahrsrunde im März.“ Boris Schellenberg sprach von „einem heftigen Spiel“ und „einer Lehrstunde für unsere Mannschaft, die naturgemäß wenig Spaß gemacht hat.“ Fupa.net-Liveticker Axel Bastian hält den Borussen zumindest zugute, dass „sie sich irgendwie in die Zweikämpfe werfen und versuchen, Haltung zu bewahren. Man merkt aber einfach bei jeder Aktion den Leistungsunterschied zwischen beiden Teams.“ Ein Kampf gegen Windmühlen eben, in dem die jungen Borussen, auch wenn sie sicherlich alles gegeben haben, wie Don Quijote eher als „Ritter der traurigen Gestalt“ wirkten.

Trotzdem richtet der kommissarische sportliche Leiter den Blick nach vorne: „In dieser Woche werden die personellen Gespräche intensiviert und die Planungen für die kommende Saison forciert. Am Sonntag wünschen wir uns dann im letzten Spiel gegen Saar 05 einen schönen Abschluss im Ellenfeld-Stadion vor hoffentlich noch einmal einer guten Zuschauerkulisse“, so Boris Schellenberg. Unabhängig von allen Resultaten haben es die Borussen tatsächlich geschafft durchzuhalten – das hatten ihr viele nicht zugetraut! (-jf-)

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