3:2 gegen SG Mettlach-Merzig – turbulente Schlussphase im Ellenfeld

Borussia dreht ein verloren geglaubtes Spiel in der Nachspielzeit / Daniel Schlicker (2) und Tim Klein die Torschützen / Trainer Björn Klos: „Sind für die tolle Moral belohnt worden!“

Unser Bild: Kommen immer besser zur Geltung – Borussias Youngsters Joey Perryman (li.) und Roman Torres gaben dem Spiel der Borussia auch gegen Mettlach viele Impulse. (Fotos: -jf-)

Es gibt Ellenfeld-Erlebnisse, die scheinen nicht mehr zu toppen. Das Spiel der Borussia vor Wochen gegen den SV Bliesmengen-Bolchen gehörte sicher dazu, als der eingewechselte Dominik Jost, von Hause aus eigentlich Torwart, mit zwei Treffern in den Schlussminuten für den 4:2-Sieg sorgte. Mehr geht eigentlich nicht. Doch gestern im Spitzenspiel gegen die SG Mettlach-Merzig setzen die Borussen noch eins drauf! Als Schiedsrichter Maximilian Lauer vom SV Altheim die Nachspielzeit anzeigt, führen die Gäste mit 2:1. Mit Cleverness und Effizienz haben sie in den 90 Minuten zuvor diesen Vorsprung herausgeschossen, aus einer stabilen Defensive heraus geschickt auf die Fehler des Gegners gewartet und diese dann auch eiskalt ausgenutzt. Doch was dann passiert, lässt auf beiden Seiten die Emotionen hochkochen.

Borussia wirft mit dem Mut der Verzweiflung alles nach vorne. Ein schöner Freistoßtrick leitet die nicht mehr für möglich gehaltene Wende ein: Niklas Allenfort täuscht die Ausführung an, überlässt aber Roman Torres und läuft auf der linken Außenbahn in Stellung, wo er den Ball erhält. Seine butterweiche Flanke (schon die 9. Torvorlage in dieser Spielzeit!) setzt Daniel Schlicker trotz harter Bedrängnis per Kopf ins lange Eck: 2:2! Vehement reklamiert Mettlach ein Foulspiel des Borussen, er soll den Ellenbogen zu Hilfe genommen haben. „Ich habe das in diesem Spielerpulk nicht sehen können, stand zudem viel zu weit weg“, so Björn Klos nach dem Spiel auf Nachfrage, „auf jeden Fall hat Daniel Schlicker eine Platzwunde neben dem rechten Auge, die beiden Spieler sind wohl im Kampf um den Ball mit den Köpfen kollidiert.“ Der Treffer zählt, auch die Videoaufnahmen von Borussen-Kameramann Heinz Petri lassen keinen regelwidrigen Einsatz von Borussias Nummer 5 erkennen. Die lautstarken Proteste führen nicht nur zu weiteren Minuten Nachspielzeit, sondern auch zur roten Karte für Mettlachs Coach Holger Klein, der sich nun „hinter Gittern“ das sich für sein Team anbahnende Unheil anschauen muss. Schon kurz zuvor ist Mettlach durch die gelb-rote Karte für Jona Schmitt (wiederholtes Foulspiel) personell dezimiert worden.

Gerade ist das 2:2 gefallen – während Torschütze Daniel Schlicker im Fünf-Meter-Raum noch am Kopf verletzt am Boden liegt, drehen Marco Dahler und Joshua Penth (re.) jubelnd ab. (Foto: -jf-)

Die Borussen wollen jetzt mehr, mobilisieren die letzten Kräfte, gehen aufs Ganze. Björn Klos beordert Marco Dahler in die Offensive. „Bleib vorne, wir wollen das Ding gewinnen“, lautet die Order an den Kapitän. Und der hat gut zugehört, bedient beim letzten Angriff in Spielmachermanier den eingewechselten Tim Klein mustergültig in den Lauf. Der Stürmer behält kühlen Kopf und netzt aus halbrechter Position an Mettlachs Keeper Damir Becker vorbei ins lange Eck ein. Der Rest ist kollektiver Freudentaumel in Gelb, tiefe Niedergeschlagenheit in Blau. Verständlich. Ein Spiel so zu verlieren, tut weh. Ein Spiel so zu gewinnen, kann neue Kräfte freisetzen! „Das hoffe ich dich sehr“, sagt denn auch ein sichtlich mitgenommener Björn Klos, der vom langen Sprint von der Bank bis hin zum Torschützen noch Minuten nach dem Spiel außer Atem ist.

Mettlachs frühe Führung durch Tim Roob, der sich Torhüter Philippe Persch und Christoph Stemmler „ausguckt“ und routiniert verwandelt. (Foto: -jf-)

„Ja, ich habe bis zur letzten Minute noch an den Sieg geglaubt“ bekennt Borussias Trainer, der seine Schützlinge schon früh im Rückstand sah. Kaum zehn Minuten sind gespielt, als die Gäste ihre Konterqualitäten erstmals gekonnt ausspielen und auf der rechten Flanke der Borussen eine Schwachstelle ausgemacht haben: Durch die offene Schnittstelle wird Marc Schulte angespielt und bedient Tim Roob in der Mitte, der sich in klassischer Torjägermanier Torhüter Philippe Persch und Christoph Stemmler „ausguckt“ und überlegt in die rechte untere Torecke vollstreckt. Die Borussen zeigen sich aber nicht geschockt. Zunächst prüft Nyger Hunter mit wuchtigem Schuss Mettlachs Torhüter, der das Leder mit den Fingerspitzen über die Latte lenkt (15.). Zehn Minuten später der Ausgleich nach einem Zweikampf zwischen Joey Perryman und Jona Schmitt, bei dem der Unparteiische ein Foulspiel erkennt und auf den Punkt zeigt. Nicht unumstritten: „Ob das wirklich ein Strafstoß war?“, meldet auch Björn Klos nach Spielschluss Zweifel an. Wie dem auch sei: Daniel Schlicker lässt sich die Chance nicht nehmen und verwandelt mit einem Quäntchen Glück (Keeper Yannick Schulte hat die Ecke geahnt, kann aber den fest geschossenen Ball nicht mehr abwehren) zum 1:1 (24.). Danach haben beide Teams vor der Pause noch die Möglichkeit, in Führung zu gehen: Zunächst scheitert der geschickt frei gespielte Roman Torres – auch diesmal wieder einer der auffälligsten Akteure auf dem Platz! – an Mettlachs Torhüter, der das Leder erst im Nachfassen unter Kontrolle bringt (30.). Wenig später klärt Marco Dahler in letzter Sekunde gegen Mettlachs Youngster Jakob Collmann, der allein durch gewesen wäre (32.). Kurz vor der Pause taucht der zuvor für den verletzten Yannick Schuler eingewechselte Damit Becker nach einem Kopfball von Vincenzo Accursio in die bedrohte rechte untere Ecke, den abgewehrten Ball jagt Joey Perryman in den regenverhangenen Himmel über dem Ellenfeld (44.).

Der Ball ist drin – Ausgleich mit ein bisschen Glück durch Daniel Schlickers verwandelten Foulelfmeter (oben), der Torschütze hat es, begleitet von Nyger Hunter (li.), Joey Perryman und Vincenzo Accursio eilig (unten) und will jetzt mehr! (Fotos: -jf-)

Nach dem Seitenwechsel geht Mettlach erneut in Führung, profitiert dabei von einem Fauxpas von Borussias Torhüter Philippe Persch, der – ein paar Meter vor seinem Strafraum stehend – mit dem linken Fuß das Leder flach zu Daniel Schlicker schlagen will, dabei aber Mettlachs Kapitän André Paulus genau in die Füße schpielt. Der Routinier lässt sich nicht zweimal bitten und trifft zum 1:2. Das zeigt Wirkung, denn das Offensivspiel der Borussia gerät jetzt in Stocken. Torgelegenheiten werden trotz aller Bemühungen rar. Roman Torres verfehlt aus halblinker Position das Ziel nur knapp (69.), und als der eingewechselte Alexander Jochum im Mettlacher Strafraum im Zweikampf mit Keeper Becker zu Fall kommt, entscheidet Schiedsrichter Lauer auf „Schwalbe“ – die gelbe Karte für den Borussen ist die logische Konsequenz. „Clever bleiben!“ fordert Holger Klein die Männer in Blau auf, während sich die Borussen unter dem 400 Fans auf den Rängen fragen: Kann die Borussia doch noch einmal zurückkommen?

Borussia kann – und wie! Mit unglaublicher Moral drehen die Jungs in Gelb die Partie, reißen mit einer wahren Energieleistung ein schon verloren geglaubtes Spiel aus dem Feuer. Damit halten zwei Serien:  Die Borussen bleiben auch im elften Spiel in Folge ungeschlagen, während die Gäste weiter auf ihren ersten Saarlandliga-Sieg im Ellenfeld warten müssen. Dabei waren sie diesmal ganz nahe dran und haben keineswegs enttäuscht, im Gegenteil: Die Mannschaft von Holger Klein konnte durchaus demonstrieren, warum sie derzeit auf dem zweiten Platz rangiert. Immer noch fünf Zähler vor der Borussia, die ihre „letzte Chance“, so Björn Klos, „genutzt hat, vielleicht doch nochmal an Platz zwei ranzukommen. Wenn wir das Ding heute nicht gewonnen hätten, wäre der Zug abgefahren gewesen.“ So kann der Zug durchaus noch einmal Fahrt aufnehmen. Denn jetzt warten zwei weitere Heimspiele auf die Borussen: Nächsten Samstag gegen den FV Bischmisheim, eine Woche später zum Abschluss der Herbstrunde gegen den FV Siersburg. Dann heißt es: Volle Fahrt voraus! (-jf-)

Statistik: Borussia – SV Mettlach 3:2 (1:1)

Borussia: Philippe Persch – Chrisoph Stemmler, Marco Dahler, Kamil Czeremurzynski (ab 59. Tim Braun), Niklas Allenfort, Daniel Schlicker, Dylan Sodji (ab 77. Joshua Penth), Nyger Hunter (ab 77. Tim Klein), Joey Perryman (ab 69. Frissell Hunter), Roman Torres, Vincenzo Accursio (ab 69. Alexander Jochum). – Unser Trainer: Björn Klos. – Unser Co-Trainer: Özal Acar.

Tore: 0:1 (8.) Tim Roob, 1:1 (24.) Daniel Schlicker (Foulelfmeter), 1:2 (64.) André Paulus, 2:2 (90.+4) Daniel Schlicker, 3:2 (90.+9) Tim Klein. – Schiedsrichter: Maximilian Lauer (SV Altheim). – Zuschauer: 400. – Gelbe Karten Borussia: Dylan Sodji (37.), Alexander Jochum (83.).

Unsere Bilder zeigen Eindrücke vom Spiel der Borussia gegen den SV Mettlach. (Fotos: -jf-)

2 Kommentare

  1. ⚽ Ein toller verdienter Sieg unserer Mannschaft.Was mir persönlich überhaupt nicht gefallen hat,war wie sogenannte Borussen-Fans nach einem Patzer von unserem Torhüter,ihn aufs übelste beschimpften.Auch eine Viertelstunde nach dem Patzer waren noch Beschimpfungen,die ich hier nicht wiedergeben möchte zu hören.Glaubt Ihr denn wirklich, Philippe währe sich nicht bewusst gewesen,daß eine Niederlage auf seine Kappe gegangen währe.Wenn er fehlerfrei währe,würde er sicherlich nicht bei Borussia spielen.Also,sollten sich diese Leute,ihr verhalten Mal überdenken und die Finger vom Alkohol lassen,wenn sie es nicht vertragen,oder besser noch,bleibt einfach Zuhause,solche Fans brauch kein Verein.⚽

  2. … ein absolut verdienter Sieg (auch vielzitiert ein wenig „FCB-Dusel“). Aber was soll’s 3 Punkte völlig verdient „eingefahren“.
    Das war gestern so richtig „alter Borussenpower“. So wollen wir Fans unsere, junge Truppe im Ellenfeld immer kämpfen sehen!!!
    Naja, dieser „Schönheitsfehler“ von Persch konnte Dank dieser tollen Moral „ausgebügelt“ werden.
    Persch „Kopf hoch“ und weiter so …

    An alle Verantwortliche:
    Mit solch tollen Fussballspielen in dieser Arena und mit diesen 200 Borussen-Fans ist das die beste Werbung für den Verein.
    Nur so können zurzeit daheim gebliebene, ehemalige Neunkircher Borussen-Fans zurüchgewonnen werden natürlich mit durchaus steigenden Potential noch oben ….

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