Özal Acar und Borussia – das passt!

Unser Bild: Auch das Aufwärmen vor dem Spiel gehört zu seinen Aufgaben – Özal Acar (Mitte) bringt die Borussen vor der Partie gegen den VfB Theley gehörig auf Trapp. (Foto: -jf-)

Als Jugendlicher hat er gegen die Borussia gespielt, jetzt steht er an der Seite von Björn Klos in der Verantwortung des Co-Trainers. Dass er selbst nicht mehr auf dem grünen Rasen aktiv ist, liegt an einer schweren Knieverletzung, die gleich zu Beginn seines ersten Seniorenjahres einen allzu frühzeitigen Strich durch alle Karrierepläne machte. Der Fußball ließ ihn trotzdem nicht los – als Übungsleiter und Coach will er den jungen Spielern etwas von seiner Leidenschaft weitergeben. Özal Acar heißt der neue Mann an der Seitenlinie im Ellenfeld.

Björn Klos ist froh, nach dem Weggang von Mario Rino nach Wiesbach im vergangenen Sommer nun wieder eine tatkräftige Unterstützung in der täglichen Trainingsarbeit zu haben. Dabei hatte Özal Acar, der beim Saarländischen Fußballverband (SFV) an seiner B-Lizenz arbeitet, zunächst nur an eine Hospitation im Ellenfeld gedacht. „Der Unterricht in der Sportschule des SFV Saarbrücken ist sehr lehrreich. Man lernt unglaublich viel in Sachen Taktik, Spiel- und Trainingsorganisation. Doch ich halte es für enorm wichtig, neben der Theorie auch die Praxis kennenzulernen. Denn der Trainingsalltag ist wieder etwas ganz Anderes. Man hat es mit 20 verschiedenen Charakteren zu tun“, sagt der 28jährige über seine Motivation zum Einstieg bei der Borussia. Schon nach einem halbstündigen Gespräch mit Björn Klos wusste Özal Acar, „dass wir auf einer Wellenlänge liegen.“ Und da dieses Gefühl auf beiden Seiten vorherrschte, wurde man sich schnell über die Zusammenarbeit einig.

Vier Augen sehen mehr als zwei: Özal Acar unterstützt Chefcoach Björn Klos während des Spiels (oben), beim Training und bei der Analyse (unten). (Fotos: -jf-)

„Ich bin sehr froh, im Ellenfeld praktische Erfahrungen sammeln zu können. Björn bindet mich voll in die Trainingsarbeit ein“, zieht Özal Acar eine allererste Bilanz. Auch die Analyse der Spielvideos, die Kameramann Heinz Petry den beiden schon direkt nach Spielschluss per SD-Karte aushändigt, gehört zu den Aufgaben des Co-Trainers. So haben sich beide das Salmrohr-Spiel nochmal angesehen, ihre Erkenntnisse dann nachher abgeglichen und mit der Mannschaft wichtige Szenen analysiert. Darüber hinaus versteht sich Özal Acar auch als Bindeglied zwischen Mannschaft und Cheftrainer. Zugute kommt ihm dabei seine Empathiefähigkeit: „Ich kann mich gut in die Jungs hineinversetzen und weiß, was das für einen jungen Spieler bedeutet, nicht im Kader zu stehen. Dann versuche ich, wieder neu zu motivieren“, so Özal Acar, der auch in seinem Beruf solche Aufgaben schon übernommen hat: „Bei meinem Arbeitgeber Ford in Saarlouis wurde ich von 200 Azubis als Jugend- und Auszubildender-Vertreter gewählt. Da ging es zum Beispiel auch um die Frage: Wie gehe ich mit Mitarbeitern um?“, berichtet der gelernte Industriemeister, dem eines völlig klar ist: „Als Trainer bist du viel mehr als nur Fußballfachmann, du fungierst gleichzeitig als Psychologe und Pädagoge und begleitest die jungen Leute nicht nur als Sportler, sondern auch als Mensch in ihre Zukunft!“

Empathiefähigkeit – eine der Stärken von Özal Acar, oben im Gespräch mit Tim Cullmann, unten mit Daniel Schlicker. (Fotos: -jf-)

Hat er ein Trainer-Vorbild? „Vorbild direkt nicht, aber vom ehemaligen Leverkusener Roger Schmidt, der jetzt Coach des PSV Eindhoven ist, fühle ich mich inspiriert“, sagt Özal Acar, der auch gleich erklärt, warum: „Am Anfang meiner Trainerausbildung habe ich manches Buch gelesen, zum Beispiel von Thomas Tuchel, Jose Mourinho oder den legendären Schalker Jugendtrainer Norbert Elgert, von dem ja alle seine ehemaligen Schützlinge geradezu in höchsten Tönen schwärmen. Auf einer Internetseite bin ich auf Roger Schmidt und sein `Buch eines Trainers´ gestoßen, das ich mir auch gleich gekauft habe. Das hat mir so imponiert, dass ich Kontakt zu ihm aufgenommen habe. Und er hat mir auch nach der Corona-Zeit eine Hospitation in Aussicht gestellt.“

Geboren wurde Özal Acar in Saarbrücken. Im zarten Alter von sechs Jahren fing er beim SV Preußen Merchweiler mit dem Kicken an. „Da war es für uns immer etwas Besonderes, gegen die Borussia zu spielen“, erinnert er sich. Alle Jugendteams der Preußen hat er durchlaufen, war oft Kapitän. Im ersten aktiven Jahr wechselte er nach Wustweiler und hatte Riesenpech: In einem der ersten Spiele brach er sich die Kniescheibe. Nach langer Pause und viel Reha dann der Neustart. Doch auch hier war das Pech Özal Acars Begleiter: Im gleichen Knie riss die Patella-Sehne. „Es soll mit Fußball nicht sein“ – so deutete er das Geschehen und setzte seine Prioritäten auf die berufliche Ausbildung.  Doch dem runden Leder blieb er verbunden, nicht zuletzt durch die fußballverrückte Familie („Meine Cousins spielen alle“) und der Freundschaft zu dem Ex-Borussen Francesco Rino und seinem Vater Mario.

Und jetzt ist auch Özal Acar ein Borusse. Im Ellenfeld fühlt er sich herzlich aufgenommen und schätzt auch das Umfeld der Borussia: „Die Leute, die sich hier ehrenamtlich engagieren, haben das Herz am rechten Fleck“, ist sein Eindruck. Die Zusammenarbeit mit Björn Klos macht viel Freude. „Björn macht fachlich eine Super-Arbeit. Die Übungen sind strategisch aufeinander aufgebaut, so wie wir es auch in er Sportschule im Trainerlehrgang arbeiten. Dabei setzt Björn mit seinem eigenen Stil stets auch spezielle Akzente“, lobt Özal Acar seinen Chef. Angetan ist er sowohl vom Teamgeist („In der Kabine stimmt es!“) als auch vom Potential, das in der Mannschaft schlummert. Das gilt es jetzt zu wecken. Und so hofft Özal Acar auf eine erfolgreiche Saison. Am Trainerteam soll es jedenfalls nicht scheitern, denn: „Was Björn und ich gemeinsam haben: Wir sind beide ziemlich fußballverrückt. Wir sind oft schon eineinhalb Stunden vor dem Training im Ellenfeld und besprechen uns auch anschließend ausführlich. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Chance hier bekommen habe.“ Özal Acar sprüht nur so vor Tatendrang. Und wer ihn im Training beobachtet, merkt: Das sind keine leeren Floskeln. Özal Acar und Borussia – das passt! (-jf)

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