Erfolgreiche Borussen im kicker-Ranking

Aus der traditionsreichen Geschichte der Borussia: Die kicker-Rangliste bildet im Sommer 1965 eine herausragende Saison des Bundesliga-Aufsteigers ab!

Die Rangliste des deutschen Fußballs – in der aktuellen Ausgabe des „kicker-Sportmagazins“ erscheint sie zum 129. Mal. 13 veröffentlichte der „kicker“ vor der Gründung der Bundesliga, 116 zu Bundesligazeiten. Die erste Rangliste gab es vor mehr als 65 Jahren am 2. Januar 1956. Seitdem stecken die kicker-Redakteure im Halbjahresrhythmus die Köpfe zusammen, argumentieren und anaylsieren, diskutieren und stimmen ab. „Versuch einer objektiven Bewertung unserer Besten, frei von lokalpatriotischen Verpflichtungen“ steht über der ersten Rangliste. Die Rangliste gehört seitdem wie die Torjägerkanone nicht nur zum „kicker“, sondern zur lebendigen Geschichte und zweimal im Jahr zur aktuellen Standortbestimmung des deutschen Fußballs.

„Über Epochen hat sich das Spiel weiterentwickelt. Systeme und Positionen haben sich verändert, aber das ist unumstößlich: Das Urteil der kicker-Redaktion galt und gilt als fundiert und glaubwürdig“ heißt es in der neuesten Ausgabe, wobei trotz aller geballten daten- und faktengestützten Fachkompetenz durchaus einräumt wird, „dass ihm ein gewisses Maß an Subjektivität innewohnt oder die eine oder andere Einstufung von Spielern, Trainern, Managern oder Beratern angezweifelt wird.“ Das ist durchaus gewollt: Schließlich soll die Rangliste auch zur Diskussion anregen. „Weltklasse“, „Internationale Klasse“, „Im weiteren Kreis“ und „Im Blickfeld“ – so hießen die Stufen des Rankings. Wichtig: Voraussetzung für eine Einstufung ist, dass ein Spieler mindestens neun benotete Pflichtspieleinsätze vorweisen kann. Nur die auf den Platz gebrachte Leistung zählt, nicht das Potential!

Was längst in Vergessenheit geraten ist, doch anlässlich der aktuellen Rangliste durchaus wieder ins Bewusstsein gehoben werden darf, ist die Tatsache, dass auch die Borussia dabei vertreten war. Als Beispiel mag die Rangliste vom Sommer 1965 dienen. In ihr wurde der Fokus auf die Leistungen der Bundesligaprofis in der Rückrunde der Saison 1964/65 von Januar bis Juni gelegt. Zur Erinnerung: Die Borussia war nach einer spektakulären Aufstiegsrunde mit Siegen über St. Pauli, Tasmania Berlin und Bayern München erstmals in der Elite-Liga des deutschen Fußballs vertreten und ganz überraschend vor allem dank ihrer Heimstärke am Ende auf dem 10. Tabellenplatz gelandet. Dabei hatte man Clubs wie den VfB Stuttgart, Hertha BSC, Schalke 04 und den 1. FC Kaiserslautern hinter sich gelassen und war somit auch im Südwesten die Nummer eins.


Mit (von links) Erich Leist, Hennes Schreier, Achim Melcher, Paul Pidancet, Günter Schröder und „Sonnyboy“ Elmar May fanden gleich sechs Borussen im Sommer 1965 Berücksichtigung in der „kicker-Rangliste des deutschen Fußballs“ – der Lohn für eine starke Rückrunde des Bundesliga-Aufsteigers aus der Hüttenstadt.

Dass sich dieser Erfolg auch in dem kicker-Zeugnis niederschlug und sich die Borussen auf manchen Positionen auf einem Level mit dem deutschen Meister Werder Bremen, mit Bayern München und Borussia Mönchengladbach bewegten, muss nicht verwundern. In der Rubrik „Verteidiger“, in der die „Weltklasse“ nicht besetzt war, wurden Günter Schröder und Hans Schreier „Im weiteren Kreis“ verortet – dort, wo sich auch Nationalverteidiger Horst Dieter Höttges aus Bremen wiederfand. Dazu tauchte mit Gerd Peehs von Saar 05 sogar ein Regionalligaspieler auf, der im selben Sommer ins Ellenfeld wechseln sollte. „Im Blickfeld“ befand sich mit dem Marpinger Erich Leist ein weiterer Borusse – gemeinsam mit Franz Beckenbauer vom FC Bayern! Bei den „Außenläufern“ wurde Achim Melcher „im Blickfeld“ eingestuft, die „internationale Klasse“ war hier mit Wolfgang Weber (1. FC Köln) und Willi Schulz (Schalke 04) besetzt. Bei den „Halbstürmern“ vertrat Paul Pidancet „im Blickfeld“ die Farben der Borussia – Seite an Seite mit den Gladbachern Günter Netzer und Jupp Heynckes und dem Bayern Rainer Ohlhauser. Auf der Position des rechten Außenstürmers hatte Borussen-Stürmer Elmar May „im Blickfeld“ starke Konkurrenz mit Herbert Laumen (Gladbach) und Rudi Nafziger von Bayern München. Auf der anderen Seite tat sich „im weiteren Kreis“ auf „Linksaußen“ der Leverkusener Werner Görts hervor, der ebenfalls das Borussen-Trikot überstreifte, ehe er zu Werder Bremen weiterzog.

Auffällig: Die Positionen haben sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Bei der Premiere gibt es davon acht : Torwart, Verteidiger, Stopper, Außenläufer, Halbstürmer, Linksaußen, Mittelstürmer, Rechtsaußen. Zehn Jahre später gibt es die erste umfassende Reform: Innenverteidiger, Außenverteidiger und Mittelfeld treten auf den Plan. Der Libero erscheint im Sommer 1971 und verschwindet im Winter 2001/02. Die „Rubrik „Ausländer“ wird im Winter 1971 eingeführt. Man sieht: Die kicker-Rangliste war und ist nicht nur ein viel beachtetes Zeugnis für die Profis, sondern spiegelt auch die Entwicklung des Fußballs! (-jf-)

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