Borussia trauert um Horst Meurer †

Unser Bild: Als Spieler mit zwei Toren gegen Nationalkeeper Hans Tilkowski (li.) im DM-Endrundenspiel 1960 gegen Westfalia Herne (oben), 20 Jahre später als Trainer mit Südwestmeisterschaft und Aufstieg in die 2. Liga – Horst Meurer hat Borussias erfolgreiche Zeiten mitgeprägt! (Fotos: Privatarchiv Horst Meurer)

„Begrenzt ist das Leben, doch unendlich die Erinnerung.“ Das gilt auch für Horst Meurer, der am vergangenen Sonntag im gesegneten Alter von 88 Jahren zuhause in Neunkirchen um Kreis seiner Familie nach kurzer schwerer Krankheit diese Welt verlassen hat. Dem früheren Borussen-Spieler und -trainer wird für immer ein fester Platz sowohl in der Erinnerung als auch in der Historie der Borussia gehören. Neun Jahre lang trug Horst Meurer das weiße Trikot mit dem traditionellen schwarzen Brustring, erzielte in 134 Spielen 33 Tore und prägte die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte entscheidend mit. Zu den Highlights seiner Karriere gehören die Teilnahme am DFB-Pokalfinale 1959 sowie an den Endrundenspielen um die Deutsche Meisterschaft 1960 und der Gewinn mehrfacher Vizemeisterschaften im Südwesten. Nach der aktiven Karriere engagierte er sich im Ellenfeld immer wieder als Trainer – sei es bei den Amateuren oder bei der ersten Mannschaft, die er in der Saison 1979/80 zum letzten Male in die 2. Liga und damit in den Profifußball zurückführte. Zudem gehörte er bis ins Alter der AH- und Traditionsmannschaft der Borussia an, mit der er im Kreise seiner langjährigen Fußballfreunde ebenso wie zur Aktivenzeit manche Erfolge feiern durfte.

„Der Fußball war sein Leben, die Borussia die absolute Nummer eins“, bringt Sohn Marco Meurer das sportliche Leben seines Vaters auf den Punkt. Der gelernte Magaziner war schon immer am Heusnersweiher, wie der Mantes-la-Ville-Platz früher hieß, zuhause. Nach seiner Berufung „mühte sich Meurer auf dem für die Hüttenstädter immer etwas problematischen Linksaußenposten. Erst als Trainer Bernd Oles ihn in den Innensturm berief, wurde er zu einer überdurchschnittlich wertvollen Kraft. Sturmspitze zu sein liegt ihm allerdings nicht, dafür pendelt er unermüdlich hinter der Sturmreihe hin und her, versucht mit weiten Pässen die gegnerische Deckung aufzureißen. Einen Bumms im Stiefel hat er auch und exakt kommen seine Eckbälle. Was ihn besonders auszeichnet, ist sein nie erlahmender Kampfgeist, eine kaum noch zu steigernde Kondition und seine kameradschaftlichen Aufmunterungen, wenn es bei einem seiner Mitspieler mal nicht so klappt, wie es im Interesse der Mannschaft notwendig wäre“ – so werden die Qualitäten des absoluten Teamplayers 1959 in einem Zeitungsartikel beschrieben.

Erinnerungen an Horst Meurer: 1954/55 in der Oberliga-Reserve (7. von links / oben), 1959 im DFB-Pokalfinale gegen Schwarz-Weiß Essen (dunkles Trikot, 2. von links / unten). (Fotos: Privatarchiv)

Das Ellenfeld-Stadion war Horst Meurers zweites Zuhause. „Da war eigentlich immer was los, das war schon ein berühmtes Stadion, damit verbinde ich ganz viele schöne Erinnerungen, da geht mir das Herz auf“, hat er einmal in einem SR-Beitrag über die Geschichte des historische Stadions bekannt. Nie vergessen hat er seine beiden Tore in den Endrundenspielen um die Deutsche Meisterschaft gegen Westfalia Herne gegen den späteren Nationaltorhüter Hans Tilkowski. Borussia verlor in Herne 1:2, drehte im Rückspiel den Spieß um und gewann 2:1. „Gegen den Tilkowski zwei Stück versenkt – das hat auch nicht jeder geschafft“, erzählte er nicht ohne Stolz. Den erstmaligen Gewinn der Südwestmeisterschaft 1962 erlebte er nach dem Ende der Karriere zwar nur vom Spielfeldrand aus mit, war aber dennoch mittendrin. Denn dass er zur Meisterschaftsfeier eingeladen wurde, war selbstverständlich, „die Borussia war stets eine große Familie, die immer gut zusammengehalten hat“, weiß er zu berichten. Bis zuletzt fühlte er sich dieser Borussen-Familie zugehörig, besuchte, sofern es die Gesundheit zuließ, die Heimspiele seiner Borussia, zumal seine Frau Dorothee bis vor wenigen Jahren das Vereinsheim der Borussia unter ihren Fittichen hatte.

Mit Freunden am Ball in Borussias AH (oben 2. v. li.) und immer gut beschirmt mit Günter Kuntz: Für Horst Meurer war die Borussia eine zweite Familie. (Fotos: Privtarchiv)

Den lebensfrohen und humorvollen Menschen, der immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hatte, ließ das runde Leder auch nach der Spielerlaufbahn nicht los. Die Liste der Mannschaften, die er als Trainer betreute, ist groß und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit: In Rohrbach, Gersheim, St. Ingbert, Brücken in der Pfalz, Beeden, Bexbach, St. Wendel, Winterbach, Waldmohr, Wiebelskirchen, Ottweiler, FV Neunkirchen, Olympia Calcio – bis ins hohe Alter von 80 Jahren war für den Fußballfachmann aktives Coaching angesagt – Beweis für seine Fitness und den Stellenwert, den der Fußball für ihn hatte. Kein Wunder, wenn Wolfgang Ebel in einem facebook-Kommentar Horst Meurer wertschätzt als einen „großartigen Menschen, der dem halben Saarland jahrelang das Fußballspielen beigebracht hat.“ Zurecht spricht der SC Olympia Calcio in einem Nachruf auf seiner facebook-Seite von Horst Meurer als „einem engagierten Trainer, von dem kann viel lernen konnte (…), einer wahren Ikone im gesamten Fußballsport des Saarlandes.“

Eine Herzensangelegenheit war es für Horst Meurer, im Ellenfeld tätig zu sein – bei den Amateuren übernahm er ebenso auf der Trainerbank Verantwortung wie bei der ersten Mannschaft, mit der er im Sommer 1980 pünktlich zum 75jährigen Vereinsjubiläum nicht nur die Meisterschaft, sondern sogar den Aufstieg in die damalige 2. Liga Süd feierte – und das trotz manch kritischer Stimme und widriger Umstände im Umfeld: „Da ist die Forderung des Vorstandes, aufzusteigen; da ist das Verlangen, auch den Meister zu machen; da ist die Notwendigkeit, die Nachwuchsleute einzubauen; da ist das Pech, viele Verletzungen aufzufangen. Auf den Rängen wird all das kaum bedacht. Auf den Rängen ist alles klar: Meisterschaft, Aufstieg, sofortige Superleistung des Nachwuchses, problemloses Spiel der alten Hasen. (…) Horst Meurer hätte graue Haare bekommen, wenn er noch welche gehabt hätte“, wird die Situation in der 75-Jahre-Festschrift „Hoch lebe Eisen“ beschrieben. Doch Horst Meurer stellt sich mit den ihm eigenen Qualitäten den Schwierigkeiten, die nahezu der Quadratur des Kreises gleichkommen. Mit Erfolg: Letztmalig findet sich die Borussia in der 2. Liga wieder. „Für ihn gab es keine halben Sachen, er war sehr diszipliniert und hat dies auch immer von seinen Spielern eingefordert“, weiß Sohn Marco, der selbst unter des Vaters Leitung in verschiedenen Vereinen gespielt und bis zuletzt in der Borussen-AH mitgekickt hat.

Die Meurer-Mannschaft – Südwestmeister 1980 und Aufsteiger in die 2. Liga mit ihrem erfolgreichen Trainer (oben rechts). (Foto: Mythos Ellenfeld – 100 Jahre Borussia Neunkirchen)

Keine Frage: Horst Meurer hat bei der Borussia und im Ellenfeld nahhaltige Spuren hinterlassen. Dafür ist ihm die Borussen-Familie unendlich dankbar. Borussia verneigt sich vor der Lebensleistung eines großartigen Menschen und Sportlers. Das Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Hinterbliebenen, die um Horst Meurer trauern. Möge es ihnen ein Trost sein, dass er dort, wo er jetzt auf andere Weise weiterlebt, ganz sicher für all das Gute, was er im Leben gewirkt hat, reichlich belohnt wird. Seine Borussia wird er auf jeden Fall mit ganzem Herzen von oben weiterverfolgen und unterstützen. Horst Meurer wird im Ellenfeld unvergessen bleiben. Denn „wenn die Sonne des Lebens untergeht, leuchten die Sterne der Erinnerung.“ Ruhe in Frieden, Horst Meurer! (-jf-)

Ein Borussen-Leben in Bildern und Zeitungsschnipseln (Fotos: Privatarchiv)

Mit Disziplin und Fleiß im Training: Horst Meurer (li.) beim Seilspringen im Ellenfeld.

Horst Meurer im Einsatz gegen den großen Rivalen 1. FC Saarbrücken: Oben an der Seite Karl Ringels (li.), unten bei einem Tor gegen die Blau-Schwarzen – an Hesse, Thiel (Nr. 4) und Rohe (auf der Torlinie) saust das Leder vorbei ins Netz.

Alle gegen einen: Horst Meurer umzingelt von Spielern der Frankfurter Eintracht.

Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1960: Horst Meurer stark am Ball beim 2:2 gegen den Karlsruher SC. Rechts Borussen-Stürmer Follmann.

Einschussbereit: Horst Meurer (li.) in Lauerstellung.

2 Kommentare

  1. Ich kann mich nur meinem Vorschreiber anschließen,
    er war ein ganz wichtiger Spieler! Ich erinnere mich
    noch gut an einzelne Spiele, besonders an das 6:0!
    für uns im Ludwigspark!
    R.i.p. Horst Meurer
    W. Bohr, Ffm.

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