Infos vor dem Spiel der Borussia beim unangefochtenen Saarlandliga-Spitzenreiter und „Meister in Spe“, SV Elversberg II, am Franzschacht in Friedrichtsthal / Anstoß: Morgen, Sonntag, 15.00 Uhr
„Wir wollten mal etwas Schönes zusammen machen“, so Kevin Lüder danach. Ja, das haben sie wirklich, die Borussen-Jungs mir ihrem Trainer Kevin Lüder, als sie am Donnerstagabend gemeinsam in der Neunkircher Gebläsehalle die Vorstellung von „Joga bonito“ besuchten. Die Show aus Ball-Akrobatik und Hip-Hop schlug auch die Mannschaft der Borussia in ihren Bann. Und nach dem Spiel stellte sich das Ensemble mit den Borussen zu einem gemeinsamen Foto (oben). Angesichts der derzeit schwierigen Situation wirkte „Joga bonito“ in der Tat wie „die Freude über einen gelungenen Elfmeter“, wie die „Saarbrücker Zeitung“ in ihrem Bericht gar nicht so unpassend konstatiert.
Atemberaubende Ballkunst zu mitreißender Musik – was der Choreograph Moncef Cebiri vom französischen Centre Choréographique National in Rillieux-la-Pape bei Lyon auf die Bühne brachte, war wirklich sehenswert. In Joga Bonita – in Brasilien ein fester Begriff für virtuosen, eleganten und tänzerischen Fußball, wie ihn Superstars wie Pele, Ronaldino oder heutzutage Vinicius Junor verkörpern – verschmelzen zwei Leidenschaften: Die für den Fußball und die für den Tanz. In der Show mit afro-brasilianischen Wurzeln geht um Emotionen, Freiheit und Schönheit, um „Alegria“,m die typische brasilianische Lebensfreude, aber auch um Zusammenhalt. Gerade in Sachen Teambuilding konnten die Borussen mit ihrem im Winter völlig neu zusammengestellten Kader sich einiges abschauen von der Gruppe „Le Block“, die eine Talentschmiede für junge Tanz-Künstler darstellt. Aber auch technisch waren viele Kabinettstückchen zu bestaunen: Powermoves, Salti, Headspins, der Ball rollt auf den Schultern oder sitzt auf ihnen wie ein Papagei, Körperlichkeit, Geschwindigkeit und Geschmeidigkeit, filigrane Ball- und Fußarbeit. Nicht zuletzt begeisterte die Musik: Ein Mix aus Samba, Reggae, Pop, aber auch der Karnevalsmusik Axé – Axé heißt soviel wie „positive Energie“. Und von der können die Borussen Anregungspotential für die schwierige Partie am morgigen Sonntag bei Tabellenführer SV Elversberg wahrlich eine ganz große Portion gebrauchen. Anregungspotential gab es am Donnerstagabend also genug!

Beifall von Kevin Lüder und den Borussen (oben) für gelungene Ball- und Tanzeinlagen (unten). (Fotos: Susi Welter)


Denn das Gastspiel auf dem Rasenplatz am Franzschacht in Friedrichsthal am morgigen Sonntag (Anstoß: 15.00 Uhr) ist gleichzeitig das bislang schwerste, vielleicht aber auch leichteste Spiel. Das schwerste deshalb, weil der Gegner die mit Abstand beste Mannschaft der Liga und einem nahezu uneinholbaren Vorsprung, der mittlerweile auf 12 Punkte angewachsen ist, schon nach 22 Spielen Meisterschaft und Aufstieg dicht vor Augen hat. Der „FC Bayern der Saarlandliga“ kann auf zahlreiche Superlative verweisen: Mit 60 Treffern beste Offensive, mit nur 21 Gegentoren beste Abwehr, beste Heimmannschaft (25 Punkte), bestes Auswärtsteam (29 Punkte), die meisten Siege (17), die wenigsten Niederlagen (nur zwei: 1:3 in Quierschied und 3:7 gegen den SC Reisbach), mit Routinier Kevin Koffi (12 Einschläge) einen herausragenden Torjäger und Unterschiedsspieler, seit Anfang November unbesiegt. Das war auch das erklärte Ziel der Zweitvertretung von der Kaiserlinde, die seit 2015 zwischen Ober- und Saarlandliga pendelt: Die U21 soll mittelfristig näher an die Zweitligamannschaft – möglichst bis in die Regionalliga – herangeführt werden „Wir haben schon einige Talente nicht bekommen, weil der Unterschied zwischen erster und zweiter Mannschaft zu groß ist. Es gibt Liga-Konkurrenten, deren zweite Mannschaft in der Regionalliga spielt. Wenn junge Akteure in der 2. Liga nicht zum Einsatz kommen, können sie immerhin in der 4. Liga spielen und dort Erfahrungen und Spielpraxis sammeln. Das geht bei uns nicht“, erklärt der sportliche Leiter Nils-Ole Book. Dennoch wird auch im Saarlandliga-Team an der Kaiserlinde „im Rahmen der Möglichkeiten so professionell wie möglich gearbeitet“, ergänzt Trainer Martin Gries, der zu Rundenbeginn vom FK Pirmasens nach Elversberg gekommen war.
In der Vorbereitung im Winter gab es Licht und Schatten: Siege (z. B. 4:2 in Idar-Oberstein) wechselten ab mit Niederlagen gegen klassenhöhere Gegner (0:1 gegen FK Pirmasens, 3:4 bei Hertha Wiesbach, 1:3 beim FV Diefflen), was die kleine „Elv“ aber nicht daran hinderte, in der Saarlandliga (mit einem 3:0 gegen Marpingen und einem 0:0 bei den starken Brebachern) erfolgreich aus den Startlöchern zu kommen. Und weil die Elversberger derzeit das Maß aller Dinge in der Saarlandliga sind und die Borussen sich nach dem insolvenzbedingten Abgang nahezu aller Akteure erst in der Findungsphase befinden, ist die Partie vielleicht auch eine der leichtesten Aufgaben: Denn vor dem Spiel zwischen zwei ungleichen Gegnern geht die Rolle des turmhohen Favoriten ganz klar an den Nachbarn. Dem krassen Außenseiter Borussia bleibt nur, sich nach Kräften zu wehren, dem überlegenen Gegner das Toreschießen, so gut es geht, zu erschweren und vielleicht auch dem in dieser Saison oft arbeitslosen SVE-Keeper Frank Lehmann hin und wieder eine Gelegenheit zu geben, sein Können unter Beweis zu stellen.

Vor allem die positiven Vibes des Show-Ensembles und die energiegeladene Axé-Musik können die Borussen morgen Nachmittag am Franzschacht in Friedrichsthal gebrauchen. (Fotos: Susi Welter)

Bereits das Hinspiel ging Ende August 2025 klar an die SVE. Alessandro Lazano und Daniel Pantschenko hatten die Borussia, die sich so viel vorgenommen hatte, schon nach 14 Minuten mit 2:0 in eine Schockstarre versetzt. Jan Eichmanns Anschlusstor unmittelbar vor der Pause bedeutete einen kleinen Hoffnungsschimmer, der jedoch durch das 1:3 von Salif Cissé nach 60 Minuten gnadenlos ausgepustet wurde. Der eingewechselte Kevin Koffi erhöhte das Resultat in der Schlussphase auf 1:5 – ein Ergebnis, das nach ehrlicher Einschätzung des Potentials beider Mannschaften diesmal für die Borussen durchaus akzeptabel wäre.
Schiedsrichter des Spiels in Friedrichsthal ist (nach Angaben von fussball.de) Yannick Huber, der seit 2009 an der Pfeife tätig ist und Oberliga-Erfahrung einbringen kann. Yannick Huber tritt in der Schiedsrichtergruppe Saarlouis für den FV Schwalbach an. Letztmalig ein Borussen-Spiel geleitet hat er im August 2024 bei der 0:1-Niederlage am Haldy bei Preußen Merchweiler. Yannick Huber unterstützen an den Seitenlinien seine Assistenten Jan Landmann und Aghyad Al Wadi. Wir wünschen dem Schiedsrichterteam eine gelungene Spielleitung. (-jf-)