Wo steht die Borussia?

Nach 2:0 gegen die SG Ommersheim und den SC Blieskastel bleiben die Borussen in der Vorbereitung unbesiegt / Entwicklung deutlich spürbar / Schwieriger Spagat zwischen jugendlicher Wildheit und taktischer Disziplin

Unser Bild: Routine gegen Jungspunde – Jena-Charles Mananga Mothe (li.) und Amah Dimitri Anenou (re.) versuchen, Blieskastels Ex-Profi Sven Sökler (Mitte) das Leder abzujagen. (Foto: -jf-)

Finale Tests bestanden! Die neu formierte Borussia hat auch die beiden letzten Testspiele (über jeweils 45 Minuten) beim Mini-Turnier am gestrigen Sonntag in der Ferraro-Sportarena im Ellenfeld siegreich gestalten können. Mit zwei 2:0-Siegen über den Bezirksligisten SG Ommersheim und den Landesligisten SC Blieskastel-Lautzkirchen beendeten die Schützlinge von Trainer Kevin Lüder die Reihe der Vorbereitungsspiele unbesiegt. „Auch wenn wir natürlich derzeit noch nicht so richtig wissen und einschätzen können, wo wir stehen, so ist doch in den Wochen seit Trainingsstart eine deutliche Entwicklung zu sehen, und das ist grundsätzlich positiv“, bilanziert der sportliche Leiter Boris Schellenberg.

Gegen Ommersheim verbrachte Borussen-Torhüter Philipp Müller einen eher ruhigen Sonntagnachmittag. Die Gäste waren offensiv wenig durchschlagskräftig. Bei der Borussia lief der Ball recht gut durch die Reihen – mit einem Manko: „Bis zum Strafraum spielt ihr guten Fußball, aber in der Box funktioniert es nicht“, rief Kevin Lüder seinen Jungs vom Spielfeldrand aus zu. Ein Distanzschuss von Besard Sulejmanaj, der nur um Haaresbreite links unten am Ommersheimer Tor vorbeirauschte, war das Signal zum Durchbruch. Der erfolgte zwei Minuten später, als sich Mahmut Ouzaid auf der rechten Seite mit zwei, drei Pirouetten seines Gegenspielers entledigte und das Leder aus etwa 12 Metern wuchtig und entschlossen in die Maschen jagte (24.). Der 17jährige, der erst am späten Vormittag von seinem aufregenden Auftritt an der Torwand im ZDF-Sportstudio aus Mainz zurückgekehrt war, wirkte sichtlich beflügelt und voller Selbstvertrauen: Trickreich und geschmeidig schlängelte er sich durch die gegnerische Abwehrreihe und war von seinen Kontrahenten kaum zu stoppen. Er war es auch, der schon kurz nach dem Führungstreffer mit dem 2:0 die Entscheidung besorgte: Nach einem Foul an Besard Soulejmanaj schickte Mahmut Ouzaid beim fälligen Strafstoß Ommersheims Keeper in die falsche Ecke.

Spielerisch stark und kaum zu stoppen: Mahmut Ouzaid wirkte nach seinem Sportstudio-Auftritt sichtlich gestärkt und netzt mit diesem Schuss zum 1:0 gegen Ommersheim ein. (Foto: -jf-)

In der zweiten Partie dominierte der SC Blieskastel-Lautzkirchen die Vereinigten aus Ommersheim, Erfweiler und Ehlingen klar mit 6:0. Gleich doppelt trafen der Ex-Borusse Daniel Schlicker und Luca Rau, die weiteren Tore steuerten Ex-Profi Sven Sökler und Sebastian Greff bei. Somit trafen im finalen Spiel die beiden Siegerteams aus Neunkirchen und Blieskastel aufeinander – für die Borussen ein ganz anderes Spiel als das zuvor gegen Ommersheim. Zwar brachte Amah Dimitri Anenou seine Mannschaft früh in Führung, als er eine Lücke im Blieskasteler Defensivbereich erspähte und mit einem gekonnten Bogenschuss den Ball ganz oben rechts im Tor versenkte (3.), doch anschließend nahmen die Gäste aus dem Bliestal die Zügel in die Hand und versuchten alles, um zum Ausgleich zu kommen. Außer einigen nicht ungefährlichen Schüssen aus der zweiten Reihe, bei denen den Akteuren des Sportclubs allerdings die nötige Portion Präzision fehlte, drohte dem aufmerksamen Philipp Müller im Borussen-Tor wenig Gefahr. Nachdem ein Eckball von Mahmut Ouzaid auf der Latte des Blieskasteler Tores gelandet war, zog Besard Sulejmanaj mit seinem Treffer zum 2:0 den Gästen dann den Stecker: Borussias Stürmer stand bei einer Hereingabe von Mostafa Ouzaid von der linken Seite genau richtig und musste im Fünf-Meter-Raum nur noch den Fuß hinhalten (29.). Trotz aller Blieskasteler Bemühungen hielt die Borussen-Defensive auch im zweiten Spiel hinten die Null.

Der Ball passt genau: Unterwegs ins Tor zur Borussen-Führung gegen Blieskastel ist das von Amah Dimitri Anenau (li.) abgefeuerte Geschoss (oben), der sich anschließend bei Vorbereiter Jean-Charles Mananga Monte die Glückwünsche abholt (unten). (Fotos: -jf-)

„Es waren heute die erwartet interessanten Begegnungen gegen zwei komplett verschiedene Gegner, die wir auch bewusst so ausgewählt hatten, denn da mussten wir taktisch unterschiedlich agieren“, zeigte sich Boris Schellenberg am Ende des Tages recht zufrieden und sprach von „zwei verdienten Siegen“. Beim Blick zurück auf die gesamte Vorbereitung seit Mitte Januar müsse man „die äußerst schwierigen Voraussetzungen berücksichtigen, unter denen wir gestartet sind. Dafür ist das Ganze sehr gut gelaufen. Die Jungs haben im Training klasse mitgezogen, auch die Trainingsbeteiligung war außerordentlich gut. Es sind ja viele junge Spieler dabei, die aus dem U19-Bereich in den Herrenfußball vorstoßen. Sie sind allesamt wissbegierig und lernwillig“, so der sportliche Leiter, der betont, „dass wir auch ganz bewusst viele Testspiele angesetzt haben, damit die Jungs ins Spielen kommen. Das ist wichtig für den Lernprozess: Denn gerade in den Spielen, in denen es ja auch härter zugeht, kannst du enorm viel lernen, was du im Training nicht lernen kannst.“ Man müsse allerdings abwarten, wie sich die Mannschaft jetzt in der Saarlandliga präsentiere, denn die sei doch nochmal eine andere Hausnummer. Dass es in den Testspielen immer wieder Phasen gegeben habe, in denen man das Spiel eher als „wild“ bezeichnen musste, sah Boris Schellenberg unter zwei unterschiedlichen Aspekten: „Natürlich sprechen wir einerseits vor Spielbeginn immer ganz klar eine taktische Grundordnung an, die aber oft im Laufe der 90 Minuten verloren geht. Da sind wir dann froh, dass wir zwei, drei erfahrene Leute im Team haben, die die Jungs wieder einfangen und erden. Die Wildheit ist halt das Kennzeichen der Jugend, die man auch mal laufen lassen muss und der man nicht immer Zügel anlegen kann. Diese Unberechenbarkeit kann andererseits auch für den Gegner unangenehm werden. Es ist ein schmaler Grat: Ohne taktische Grundordnung und eine gewisse taktische Disziplin geht es aber nicht.“

In einem 1990 von Udo Jürgens und „Fußballkaiser“ Franz Beckenbauer, damals Trainer der Nationalelf und Weltmeister in Italien, im Wechselgesang performten Lied im Rap-Stil heißt es: „Bevor es losgeht, an den Teamchef ein paar Fragen: Spielt die Mannschaft heut´ verhalten oder wird sie alles wagen? Heut´ beim Training war ja klar zu sehen, dass die Männer motiviert sind und ihr Handwerk gut versteh´n. Ist die Stimmung im Lager optimal? Ja, schau´ mer mal, schau, schau, schau!“ Das gilt jetzt auch für die Borussen vor dem Restrundenauftakt am kommenden Samstag (17.00 Uhr) beim FC Rastpfuhl. Wo steht Borussia? Eine Frage, die sich nach der langen Winterpause aber sicher nicht nur im Ellenfeld stellt! (-jf-)

Unsere Bilder zeigen Eindrücke von den beiden letzten Vorbereitungsspielen gegen Ommersheim (Borussia in schwarzen Trikots) und Blieskastel (Borussia in roten Leibchen). (Fotos: -jf-)