Kevin Lüder hofft auf „alle Mann an Bord“

Informationen vor dem Gastspiel der Borussia am morgigen Sonntag (Anstoß: 15.15 Uhr) bei der SG Marpingen-Urexweiler

Der Gegner und Gastgeber SG Marpingen-Urexweiler ist mit einem einzigen Ziel in die Saison gegangen: Klassenerhalt. Dies zu realisieren ist für den Wiederaufsteiger, der im Sommer nur ein Jahr nach dem Abstieg postwendend in die Saarlandliga zurückgekehrt ist, nach wie vor gut möglich, ist der Abstand auf die rettenden Plätze doch sehr überschaubar. Dabei baut die Mannschaft von Trainer Adetunji Adeyemi vor allem auf die Heimstärke: 15 der 20 Zähler wurden auf eigenem Platz gewonnen. Auf fremdem Terrain gelang dagegen nur ein einziger Sieg: Ende Oktober mit 2:1 beim SV Saar 05 auf dem Kieselhumes. Aus den ersten vier Spielen nach der Winterpause holte die SG lediglich drei Zähler, doch die mit einem richtigen Paukenschlag: 4:0 wurde der TuS Herrensohr aus dem Stadion gefegt. Besonders bitter die 0:2-Heimniederlage gegen de FV Schwalbach: Nachdem Schiedsrichter David Uhl in der siebenminütigen Nachspielzeit gleich drei Schwalbacher Akteure mit Zeitstrafe vom Platz geschickt hatte, kam Marpingen trotz dreifacher Überzahl zu keinem Torabschluss mehr. Das zeigt, wo der Schuh drückt: Schwachpunkt der Mannschaft ist die Offensive: Mit 32 Treffern ist sie (gemeinsam mit dem Angriff von Saar 05) die schwächste der Liga. Das Problem ist nicht die Anzahl der herausgespielten Chancen, sondern die Verwertung: „Wir machen oft das Tor nicht und lassen Chancen liegen. Nach dem 2:1 mussten wir unbedingt das 3:1, 4:1, 5:1 oder gar 6:1 nachlegen!“ Diese Klage von Coach Adeyemi nach dem 2:2 gegen den SV Bliesmengen-Bolchen ist symptomatisch. Allein 50 Prozent aller Tore (16) gehen auf das Konto von Björn Recktenwald, dem keiner seiner Teamkollegen auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Dass der 33jährige Torjäger ab Sommer Marpingen verlässt und sich dem Emporkömmling FC Victoria St. Wendel anschließt, bereitet angesichts der kaum zu schließenden Lücke den Vereinsverantwortlichen schon jetzt Kopfzerbrechen. Sie hoffen wenigstens auf den Verbleib von Julian Klos, der mit sechs Assists bester Vorlagengeber ist.

Dieses Team soll für Wiederaufsteiger SG Marpingen-Urexweiler diesmal die Klasse halten (oben/Foto: fupa.net). Das ist das erklärte Ziel von Adetunji Adeyemi, früher selbst Torjäger im Trikot der Borussia (li.) und auch heute noch des Öfteren im Ellenfeld anzutreffen (Mitte/Fotos: Thomas Burgardt – vielen Dank!). Seit Jahresbeginn kann Marpingens Trainer auch auf die Dienste von Yannis Flausse (re./Foto: -jf-) bauen, den Sohn seines früheren Neunkircher Stürmerkollegen Ralph Flausse.

Personell hat sich in der Winterpause nicht viel getan. Vom VfR Baumholder kam Torhüter Marco Klein zurück, aus dem Ellenfeld kommend schlüpfte Yannis Flausse ins Marpinger Trikot. „Es gab mehrere Vereine, die interessiert waren. Mit der SG hatte ich gute Gespräche. Ausschlaggebender Punkt war Trainer Adetunji Adeyemi“, erklärt der junge Stürmer, dessen Vater Ralph Flausse in der Ober- und Regionalliga gemeinsam mit „Tunji“ bei der Borussia spielte. Tom Müller dagegen verließ Marpingen Richtung Palatia Limbach. Apropos „Tunji“: Marpingens Trainer war und ist im Ellenfeld nach wie vor sehr beliebt. Das spürt man, wenn er hin und wieder bis heute noch Spiele der Borussia besucht. Auch als Interimstrainer war „Tunji“ im Ellenfeld tätig. Seine Bilanz aus 11 Spielen in der Saison 2011/12 kann sich durchaus sehen lassen: 6 Siege, 1 Unentschieden, 4 Niederlagen. Nach Trainertätigkeiten in Hüttigweiler, Hangard und Reiskirchen heuerte der 55jährige im vergangenen Sommer bei den Vereinigten in Marpingen an. Schon vor der Winterpause hat Adetunji Adeyemi seinen Vertrag über den Sommer hinaus unabhängig von der Ligazugehörigkeit verlängert: „Wir konnten bislang trotz aller Probleme unter Beweis stellen, dass wir in der Saarlandliga wettbewerbsfähig sind. Beide Seiten wissen, was sie aneinander haben. Von daher gibt es keinen Grund, den Vertrag nicht zu verlängern“, erklärt „Tunji“.

Die Ausgangssituation: Gastgeber Marpingen steckt mitten im Abstiegskampf und braucht die Punkte dringend. Dazu will man natürlich auch gegen die Borussia die Heimstärke aufrufen. Eine weitere Stärke der SG soll zum Sieg verhelfen: Das Pressing! Das aggressive frühe Anlaufen machte noch am letzten Wochenende dem SC Halberg-Brebach enorme Schwierigkeiten, auch wenn die Punkte dank dreier Treffer in der Schlussphase letztlich in Brebach blieben. Nach den letzten Ergebnissen ist davon auszugehen, dass Marpingen gegen sich auch diesmal in der Rolle des Außenseiters befindende Borussen auf einen hohen Sieg aus ist – nicht zuletzt, um das eigene Torverhältnis zu verbessern. Deshalb rechnet Kevin Lüder damit, „dass der Gegner in der Anfangsphase viel Druck machen wird. Das müssen wir durch eine kompakte und dicht stehende Defensive überstehen und wie in Halbzeit eins gegen Herrensohr versuchen, mit einem akzeptablen Ergebnis in die Pause zu gehen.“ Der Borussen-Coach hofft darauf, am Sonntag – anders als in den letzten Spielen – möglichst alle Mann an Bord zu haben: „Mit voller Kapelle können wir dann vielleicht auch mal offensiv den einen oder anderen Akzent setzen. Auf jeden Fall gilt es, den Lernprozess, auch wenn er manchmal schmerzlich ist, voranzubringen.“

Will auf jeden Fall eine zweistellige Niederlage vermeiden: Borussen-Coach Kevin Lüder (oben), der dabei auch auf die starken Leistungen von Torhüter Tjorven Joel Gehre (unten) baut. (Fotos: -jf-)

Bisherige Bilanz: Dreimal trafen Marpingen und Borussia bislang in der Saarlandliga aufeinander. Alle drei Partien endeten mit einem Sieg der Borussen. Im Hinspiel hatte Björn Recktenwald die SG im Ellenfeld zunächst mit 1:0 in Führung gebracht, aber Jan Luca Rebmann und Marco Dahler drehten das Resultat noch vor der Pause auf 2:1, ehe Kristof Scherpf, Florian Stopp und Dylan Sodji nach dem Seitenwechsel auf 5:1 erhöhten. Zweimal begegneten sich beide Mannschaften auch in einem Testspiel: Im Januar 2024 hieß das Endergebnis dabei 2:2, im Juli letzten Jahres gewann Borussia in der Saisonvorbereitung 3:2 in Marpingen.

Schiedsrichterin des Spiels im Stadion Zum Flugplatz in Marpingen ist Alessia Jochum (Foto oben / -jf-). Die 28jährige Lehrerin für Sport und Religion pfeift für den 1. FC Riegelsberg und gehört zu den Top-Referees im saarländischen Fußballverband. Als ehemalige Spielerin hat Alessia Jochum einige Vorteile, gerade was die Beurteilung von Zweikämpfen, das Spielverständnis oder die körperliche Fitness angeht. An der arbeitet sie weiter – bis zu fünf Trainingseinheiten stehen pro Woche auf dem Programm. Im Februar 2022 schaffte sie mit dem Ablegen aller erforderlichen Leistungsprüfungen beim DFB für den persönlichen Aufstieg in die 2. Frauen-Bundesliga, bei den Herren ist sie bis zur Oberliga einsatzberechtigt. Letztmalig ein Spiel mit Borussen-Beteiligung leitete Alessia Jochum am 9 Mai des vergangenen Jahres beim 3:0-Auswärtssieg bei Hertha Wiesbach. Alessia Jochum wird an den Seitenlinien unterstützt von Bassem Abbas und Patrik Jochum. Wir wünschen dem Unparteiischen-Team eine gelungene Spielleitung! (-jf-)