Die Lage bleibt schwierig

Interview mit dem sportlichen Leiter der Borussia, Boris Schellenberg, zur aktuellen Situation

Unser Bild: Felsen in der Brandung – der sportliche Leiter Boris Schellenberg (vorne) und Trainer Kevin Lüder haben seit Monaten nahezu rund um die Uhr gearbeitet, um das Schiff Borussia über Wasser zu halten. (Foto: -jf)

Sie haben strapaziöse Wochen hinter sich. Nachdem sich im Zusammenhang mit dem Insolvenzantrag fast 30 Spieler aus dem Ellenfeld verabschiedet hatten, haben sie aus den verbleibenden Akteuren der U23, jungen Talenten aus der U19 und aus der AH-Truppe eine komplett neue Mannschaft auf die Beine gestellt. Das Ziel: Die Saarlandliga-Runde zu Ende zu spielen und im Sommer in der Verbandsliga einen Neuanfang zu starten. Bislang gab es leider keine positiven Resultate. Kein Zweifel: Trainer Kevin Lüder und der sportliche Leiter Boris Schellenberg haben es derzeit nicht leicht. Das Problem: Einige Neuzugänge, die der jungen Mannschaft Halt und Führung geben könnten, sind nicht spielberechtigt. Über dem ganzen Projekt hängt zudem immer noch – wie ein Damokles-Schwert – die Insolvenz, die in den Händen des Insolvenzverwalters, dem Fachanwalt Thomas Becker aus Dillingen, liegt. Boris Schellenberg (BS) nimmt im Interview Stellung und bringt alle Borussen auf den aktuellen Stand der Dinge.

Boris, wie bewertest Du die momentane sportliche Situation?

BS: Die Runde verläuft wie erwartet sehr schwer. Nach einem guten Ende der Vorbereitung hatten wir uns etwas mehr erhofft. Man muss aber auch sagen, dass der Kader, bestehend aus U23-, U19- und AH-Spielern sehr dünn und im Hinblick auf die Anforderungen in der Saarlandliga unerfahren ist. Hinzu kommt, dass wir jetzt auch erste muskuläre Verletzungen zu beklagen haben – das Resultat der Belastung, die unsere Jungs so nicht gewohnt sind. Die beiden letzten englischen Wochen mit dem Pokalspiel gegen Köllerbach und der Nachholpartie bei der zweiten Garnitur des 1. FC Saarbrücken haben extrem viel Körner gekostet, zumal der FCS und unser Gegner am Wochenende, die zweite Mannschaft aus Elversberg, eine enorm hohe Qualität haben und uns wahnsinnig viel abgefordert haben.

Manche befürchten, dass die Stimmung im Kader durch die hohen Niederlagen leiden wird. Wie sieht es da derzeit aus?

BS: Im Großen und Ganzen hat bisher noch keiner die Lust verloren. Klar, es gibt immer nach Niederlagen mal den einen oder anderen, der den Kopf ein bisschen hängen lässt. Aber bei den meisten ist das aufgrund der jugendlichen Unbekümmertheit nicht der Fall. Zumindest noch nicht! Aber da sind wir gefordert, die Motivation hochzuhalten und alles zu versuchen, die Ergebnisse ein bisschen positiver zu gestalten, auch wenn das sehr schwer ist.

Motivator Boris Schellenberg: Der sportliche Leiter hat einen guten Draht zur Mannschaft und versteht es, die Jungs wieder aufzurichten. (Foto: -jf-)

Das würde sicherlich leichter fallen, wenn die Neuzugänge spielberechtigt wären. Wie ist da der Stand der Dinge?

BS: Wir haben in der Winterpause ganz, ganz viele Spieler kontaktiert, darunter auch einige Ex-Borussen, die sich dann die ungewisse Aufgabe aber dann doch nicht antun wollten. Es ist uns gelungen, mit den Kizmaz-Brüdern, Thomas Reuter und Torwart Philipp Müller vier erfahrene Akteure zu verpflichten, die im Übrigen von sich aus auf uns zugekommen sind, um der Borussia zu helfen. Drei der vier haben sogar ihre Ablöse selbst bezahlt, das zeigt ihr echtes Interesse an dem Projekt Borussia. Und dafür gebührt ihnen großer Respekt! Auch mit den abgebenden Vereinen gab es gute und einvernehmliche Gespräche, mit ihnen sind wir „d´accord“. Das Problem: Die Wechselunterlagen sind nicht fristgerecht und punktgenau beim Verband eingegangen. Dafür war sicher auch die völlig ungewisse Situation im Dezember, in dem praktisch alles brach lag, verantwortlich. Dem Verein waren infolge des eingereichten Insolvenzantrages die Hände total gebunden, alles ging drunter und drüber, die Borussia war quasi handlungsunfähig. Zudem sind Kevin Lüder und ich in den Funktionen, die wir bis dahin ausgeübt hatten, im Umgang mit dem Verband Novizen, die Expertise hat gefehlt. Wir haben dann unter Hinweis auf die besonderen Umstände zwar Einspruch gegen die Ablehnung der Spielberechtigung sowie ein Gnadengesuch eingereicht, aber leider ohne Erfolg. Der Verband, so hat man uns mitgeteilt, wolle in der Saarlandliga keine Ausnahmen machen oder Präzedenzfälle schaffen. Das ist juristisch sicher einwandfrei, da kann man keinem böse sein. Dennoch bleibt für mich persönlich, das sage ich ganz ehrlich, ein fader Beigeschmack, dass man nicht bereit ist, einem Verein, der ums Überleben kämpft, auch nur minimal entgegenzukommen.

Da kann schon Frust aufkommen: Boris Schellenberg hat seit Dezember an Transfers für Verstärkungen gearbeitet – letztlich war alles „für die Katz´!“ „Da bleibt für mich ein fader Beigeschmack“, so Borussias sportlicher Leiter. (Foto: -jf-)

Das bedeutet für die vier Neuzugänge?

BS: Dass sie erst ab 1. Juli für uns spielberechtigt sind! Das ist sehr bedauerlich, denn durch ihr Fehlen fehlt der jungen Mannschaft, in der sich ganz sicher einige sehr talentierte Jungs befinden, auf dem Platz die Führung, Spieler, die vorangehen und den Weg weisen. Aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen, und sind nach wie vor auf der Suche nach Spielern, die ablösefrei und spielberechtigt sind, um uns sofort zu helfen. Da ist der Markt derzeit aber begrenzt, es fühlt sich an wie ein Kampf gegen Windmühlen personeller Art!

Wie stellt sich die aktuelle Situation im Insolvenzverfahren dar?

BS: Es gab vor kurzem Gespräche mit dem Insolvenzverwalter. Neues hat sich dabei aber nicht ergeben. Thomas Becker, Fachanwalt für Insolvenzrecht, ist derzeit dabei, die Insolvenzmasse zu ermitteln, um in die Gespräche mit den Gläubigern zu gehen.

Letzte Frage, die viele Mitglieder und Fans, aber auch die Stadionenthusiasten und Groundhopper (teilweise aus ganz Deutschland) bewegt: Wird es in dieser Saison noch Spiele im historischen Ellenfeld-Stadion geben?

BS: Ja, am 12. April soll das Heimspiel gegen den FV Schwalbach im Stadion stattfinden. Das ist fest eingeplant – als Schmankerl für unsere Fans und die Hopper! 

Boris Schellenberg, vielen Dank für das Gespräch! (-jf-)