Lehrstunde gegen Bliesmengen

Borussia unterliegt erstmals zweistellig / Jean-Charles Mananga Monte und Mostafa Ouzaid sorgen mit ihren beiden (Ehren)Treffern für kleine Lichtblicke / Trainer Kevin Lüder: „Sind zu brav, müssen lernen, auch mal dreckiger zu agieren!“

Unser Bild: Mit vereinten Kräften versucht Borussias Defensive Luca Mura (Nr. 9) am Torschuss zu hindern. Bliesmengens Winterneuzugang aus Saarbrücken traf in Halbzeit eins gleich zweimal. (Foto: -jf-)

Am Ende kam es dann wie schon vorher befürchtet: Erstmals verlor die neuformierte Truppe der Borussia zweistellig. Ein von Beginn an kampfstarker, spiel- und lauffreudiger SV Bliesmengen-Bolchen, der Wichtigkeit dieser Partie im Abstiegskampf voll bewusst, zog den jungen Borussen bereits in der Anfangsphase den Zahn. „Nach zwanzig Minuten war die Partie gelaufen. In Halbzeit eins haben wir das Spiel komplett verschenkt, da waren wir gar nicht richtig auf dem Platz“, bilanzierte ein reichlich frustrierter und desillusionierter Coach Kevin Lüder nach dem Spiel. Nach der Pause wurde es zwar besser, dennoch konnten weitere vier Gegentreffer nicht verhindert werden, obwohl mit Tjorven Joel Gehre ein reaktionsschnell agierender Keeper zwischen Borussias Torpfosten stand.

Bild mit Symbolcharakter: Vor allem Bliesmengens durchsetzungsstarken und wuchtigen Jannik Bergmann (Nr. 16) bekam Borussias Defensive bei Standards kaum in den Griff – der Torjäger nutzte die Lufthoheit und traf ebenfalls vor der Pause zweimal, jeweils nach Eckball per Kopf! (Foto: -jf-)

Die körperlich sehr robusten und sehr konsequent agierenden Gäste ließen von der ersten Minute an keinen Zweifel am späteren Sieger aufkommen. Sie gewannen viele Zweikämpfe und waren äußerst bissig. Kaum hatten die Borussen einen Ball erobert, war er schon wieder weg. Zudem offenbarten sich im Borussen-Team Schwächen bei Standards, die die Elf aus dem Mandelbachtal gnadenlos ausnutzte: „Ein paar Gegentore haben wir nach Eckbällen kassiert, die wir einfach im Fünf-Meter-Raum nicht wegverteidigt haben. Da haben wir uns ungeschickt angestellt“, befand Kevin Lüder. Da konnte Boris Schellenberg nur zustimmen: „Einige unserer Spieler kamen mit dem Gegner überhaupt nicht zurecht. Die Gegentore waren viel zu einfach“, urteilte der sportliche Leiter, der allerdings auch positiv hervorheben wollte, „dass die Mannschaft trotz allem immer weiter ihr Bestes versucht hat und auch zu einigen Torchancen kam.“ Daraus resultierten schließlich die beiden Treffer: Das erste ging auf das Konto von Jean-Charles Mananga Monthe, der seinem Kontrahenten den Ball abluchste und Torhüter Marc Curcio zum zwischenzeitlichen 1:4 überwand. Tor Nummer zwei markierte Mostafa Ouzaid nach einem Konter kurz vor Schluss.

„Wir müssen viel enger am Gegner stehen, müssen ihm mehr weh tun. Die Jungs sind teilweise viel zu nett und freundlich, müssen noch lernen, in mancher Lage einfach dreckiger zu werden und den Gegner nicht einfach so spielen zu lassen“, benannte Kevin Lüder offen klare Defizite. Zu ihnen gehörte auch der Versuch, kritische Situationen im eigenen Strafraum spielerisch lösen zu wollen statt einfach konsequent das Leder aus der Gefahrenzone herauszuschlagen. „Das geht in der Saarlandliga ins Auge. Die Vorbereitung ist vielleicht zu gut gelaufen. Da haben sich die Jungs wohl zu viel erhofft und sind jetzt hart auf dem Boden der Realität gelandet. Denn zwischen den Testgegnern und der Saarlandliga liegt doch ein Riesensprung“, muss Borussias Trainer ehrlich feststellen, der von seinen Schützlingen aber jetzt zumindest verlangt, „dass sie das Pressing, das wir in der Vorbereitung so gut geübt haben, konsequent praktizieren und damit wieder mehr ihre Stärken auf den Platz bringen. Davon war gestern vor allem vor der Pause so gut wie nichts zu sehen.“ Für Boris Schellenberg war die gestrige Partie „leider das schlechteste der drei bisherigen Spiele. Wir haben viel Lehrgeld bezahlt.“ Dass die Mannschaft dennoch alles gegeben hatte, honorierten die Fans allerdings nach dem Spielende mit wohlwollendem und Respekt zollendem Beifall.

Konnte einem ein wenig leidtun: Tjorven Joel Gehre steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben – trotz  – trotz starker Leistung musste Borussias Torwart gleich elf Mal hinter sich greifen. (Foto: -jf-)

Vor den Borussen steht jetzt eine schwierige Woche. Kevin Lüder spricht gar von einer „Todeswoche“ angesichts des Nachholspiels am Mittwoch bei der zweiten Garnitur des 1. FC Saarbrücken im FC-Sportfeld und des Gastspiels beim souveränen Tabellenführer SV Elversberg II. „Die Jungs sollen die beiden Spiele gegen so erfahrene Mannschaften als Bonus und Lerngelegenheit nehmen. Es bleibt uns eh nichts anderes übrig, als aus den Gegebenheiten, wie sie nun einmal sind, das Beste zu machen.“ Ein wenig auf andere Gedanken kommen sollen die jungen Borussen am Donnerstagabend – dann sind sie, übrigens gemeinsam mit der ersten Mannschaft des Drittligisten 1. FC Saarbrücken zu einem Theaterstück über den wohl legendärsten Fußballer Brasiliens, Pelé, eingeladen. Gespielt und getanzt wird in der Neunkircher Gebläsehalle das Stück „Joga bonito“ (portugiesisch für: „Das schöne Spiel“). Bei „Joga bonito“ handelt es sich eine brasilianische Fußballphilosophie, die durch Pelé berühmt wurde und Ästhetik, Kreativität sowie Flair über reine Ergebnisse stellt. Diese Philosophie steht für künstlerischen Fußball mit technischen Fähigkeiten und Stil, oft assoziiert mit Straßenfußball, tänzerischen Bewegungen und weiteren Stars wie Ronaldino oder Neymar. Auch hier bietet sich vielleicht für die junge Mannschaft aus dem Ellenfeld eine Gelegenheit zum Lernen, bevor sie am Sonntag zum Tanz mit dem Spitzenreiter SV Elversberg fährt. (-jf-)

Statistik: Borussia – SV Bliesmengen-Bolchen 2:11 (1:7)

Borussia: Tjorven Joel Gehre – Yamen Al Yanadi, Ali Aladdi, Mamoun Almasri, Tomas Schlegel, Moritz Schneider, Ba Duc Vo, Jean-Charles Mananga Monthe, Mostafa Ouzaid, Ba Viet Vo, Hamza Alobaidaat. – Trainer: Kevin Lüder.

Tore: 0:1 (3.) Jannik Bergmann, 0:2 (10.) Luca Mura, 0:3 (16.) Luca Mura, 0:4 (22.) Jannik Bergmann, 1:4 (28.) Jean-Charles Mananga Monthe, 1:5 (32.) Lukas Becker, 1:6 (37.) Paolo Valentini, 1:7 (45.+2) Jonas Stark, 1:8 (60.) Jonas Stark, 1:9 (70.) Adil Taghzoute, 1:10 (74.). Marlon Buljan 1:11 (83.) Oliver Schramm, 2:11 (89.) Mostafa Ouzaid. – Schiedsrichter: Tim Großmann (SC Büschfeld). – Zuschauer: 200.

Unsere Bilder zeigen weitere Impressionen vom Spiel gestern gegen den SV Bliesmengen-Bolchen. (Fotos: -jf-)