Unser Bild: Sie gehören auf dem Platz zu den neuen Gesichtern, die alles geben, um das Borussen-Schiff wieder flott zu machen: Yaman Alakoud, Ali Aladdi und Yamen Al Janadi bekommen trotz der deutlichen Niederlage in Rastpfuhl viel Aufmunterung. (Foto: -jf-)
Eigentlich wollte er die Kommentare in den sozialen Medien gar nicht lesen. Er hat es dann doch getan – und war überrascht! Viele positive und aufmunternde Nachrichten konnte Kevin Lüder da finden. Borussias Trainer war sehr froh über die Rückmeldungen, vor allem für seine junge Mannschaft, die aus U19- und U23-Spielern bestehend, beim FC Rastpfuhl auf der Sportanlage Knappenroth ihr Borussen-Herz auf dem Platz gelassen hatte, auch wenn es am Ende nicht für eine Überraschung gereicht hat. Die Saarlandliga ist doch ein anderes Kaliber als die Gegner der Vorbereitung – das war eine wichtige Erkenntnis am vergangenen Samstag.
„Kopf hoch, Jungs, ihr habt alles gegeben“, notiert so denn auch Karin Schmeer auf Borussias facebook-Seite. Dem kann Jonathan N. Miller nur zustimmen: „Die Jungs waren zwar sehr enttäuscht nach dem Spiel. Trotzdem haben sie gekämpft bis zum Ende.“ HeJo ruft die Mannschaft auf, „weiter dranzubleiben. Das Leben ist kein Ponyhof, ihr wisst das. An Niederlagen wächst man.“ Ähnlich äußert sich Alexander Klein: „Wer nie auf die Fr…e geflogen ist, der weiß nicht, wie hart es ist, aufzustehen und seine Ziele weiter zu verfolgen.“ Ralf Conrad ist „stolz auf euch, dass ihr das so durchzieht.“ Ralf Berndt empfiehlt: „Mund abputzen, weiter machen! Soll erst einer nachmachen, was ihr leistet. Es kommen auch wieder bessere Zeiten.“ Auch aus Essen und Worms kommt Zuspruch: „Kopf hoch und nicht aufgeben“, lautet der Appell von Schwarz-Weiß Essen, Borussias Gegner im DFB-Pokalfinale 1959. Und Helmut Weick, leidenschaftlicher Anhänger von Wormatia Worms und früher selbst oft bei den Südwest-Derbys im Ellenfeld zu Gast, schreibt den Borussen ins Stammbuch: „Augen zu und durch, Borussia! Grüße aus Worms!“

Markus Presser (Foto oben li.), sehr engagierter und im Umfeld tatkräftig mit anpackender Borussen-Fan, zieht „den Hut vor dieser Mannschaft und dem Team, das dahinter steht“ und stellt klar: „Wenn es noch nicht jeder verstanden hat: Es geht hier in erster Linie nicht um Erfolg, sondern um den Verein! Und der Mannschaft und dem Trainerteam zolle ich meinen tiefsten Respekt!“ Uli Glup (Foto oben re.), Vorsitzender des Ältestenrates der Borussia ist „stolz auf unsere Jungs und die sportliche Leitung! Ihr lebt und die treuen Fans werden es euch danken!“ Thomas Posse spricht aus Erfahrung, wenn er kommentiert: „Echte Borussen-Fans sind halt keine Erfolgsfans. Man leidet und feiert mit dem Verein. Go Borussia!“ Yves Turner äußert sich „tief beeindruckt, dass sich Sportler finden, die sich hier für die Borussia engagieren“, und das ganz unentgeltlich! Der User gibt ehrlich zu, „schon ein bisschen enttäuscht zu sein, dass niemand vom alten Kader zumindest bis Ende der Saison weitergemacht hat. Hier spielen jetzt echte Vorbilder!“ Für Markus Klein sind „diese Ergebnisse zu erwarten. Das Wichtigste ist jetzt, dass man es tatsächlich schafft, die Borussia in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Vielleicht kann man ja für die Verbandsliga Nord-Ost nächste Saison einen ordentlichen Kader aufbieten.“ Und so hofft auch Sascha Edelmann: „Borussia Neunkirchen – der Mythos stirbt nie!“

„Kriegsrat“ in Rastpfuhl mit Amah Dimitri Anenou, Trainer Kevin Lüder und dem sportlichen Leiter Boris Schellenberg (oben). Derweil hatte die Partie einen stillen Beobachter am Himmel über Rastpfuhl – möge er die Sterne gut stellen für Borussia (unten). (Fotos: -jf-)

Karl Elvis Keller befürchtet jedoch, dass man nach der Niederlage beim Tabellenletzten „erahnen kann, was gegen die Spitzenteams passiert.“ Und Rüdiger Giebel spricht von einem „sportlichen Fiasko, besonders wenn man davon ausgehen muss, dass es bis Saisonende so weitergeht.“ Er gibt zu bedenken, dass „die Außenwirkung alles andere als Werbung für den Verein ist.“ Chris Hüther hält dagegen: „Werbung für den Verein? Die gibt es in dieser Situation sowieso nicht mehr, nur noch bedingungsloses Zur-Seite-stehen.“ Chris Hüther übt auch Kritik an der Mannschaft, „die – völlig legitim – dem Verein komplett den Rücken gekehrt hat: Mit den 28 Punkten auch nicht gerade sonderlich viel geleistet. Gemessen an den Möglichkeiten wären mindesten 35, 40 Punkte zu erwarten gewesen. Chapeau vor den Jungen, die sich jetzt für den Verein reinknien!“ Achim Kirsch ist pessimistischer und malt geradezu den Teufel an die Wand: „Es wird es noch ein paar Spiele so weitergehen, dass man hoch verliert. Dann wird Borussia das Schicksal der anderen Vereine wie Saar 05, ASC Dudweiler, Röchling Völklingen, FC Ensdorf und und und … erleiden.“

Noch ist es allerdings nicht so weit. Zunächst einmal blickt Boris Schellenberg (Foto oben/-jf-) mit einer Mischung aus Skepsis, Spannung und Hoffnung auf die kommende Woche, in der es gelingen soll, noch ein paar Verpflichtungen erfahrener Spieler, die ebenfalls unentgeltlich das Borussen-Trikot tragen wollen, unter Dach und Fach zu bringen. „Sie können uns dabei helfen, die Mannschaft zu stabilisieren“, glaubt der sportliche Leiter, der am Samstag in Rastpfuhl in den Schlussminuten selbst eingewechselt wurde: „Nach 70 Minuten war der Akku bei vielen einfach leer, so dass das Resultat in der Schlussviertelstunde dann doch noch deutlich wurde. Bis dahin hatten wir gut dagegengehalten“, sagt der 48jährige, der zumindest für diese Saison einen Rekord in der Saarlandliga aufgestellt hat: Ältester eingesetzter Spieler! Bislang gehörte dieser Rekord Martin Forkel von Rot-Weiß Hasborn: Der Ex-Profi erzielte beim 3:0-Heimsieg gegen die Borussia in der Vorrunde als 46jähriger sogar ein Tor! David Seibert und Nico Zimmermann waren auch jenseits der 40: Seibert, linker Verteidiger vom SV Saar 05 Saarbrücken, war am 22. November 2025 (beim 0:4 gegen die DJK Ballweiler-Wecklingen) im Alter von 41 Jahren, drei Monaten und 21 Tagen zum Einsatz gekommen, Zimmermann, offensiver Mittelfeldspieler des SC Halberg-Brebach, hatte am 31. Oktober vergangenen Jahres (beim 2:0 gegen Saar 05) eine Partie im Alter von 40 Jahren, einem Monat und 29 Tagen bestritten.

Derweil wurde im neuen Borussen-Team auch das Amt des Kapitäns ausgewählt: Erster Kapitän ist Torhüter Philipp Müller (Foto oben li./-sw-), gefolgt von seinem Stellvertreter Tjorven Joel Gehre (Mitte/-jf-) der sowohl als Keeper als auch in der Innenverteidigung eingesetzt werden kann. Dritter „Chef im Ring“ ist Jean-Charles Mananga-Monthe (re./-jf-). (-jf-)