Mit erhobenem Haupt vom Platz

Tapfere Borussen unterliegen mit 0:7, müssen sich aber für die gebotene Leistung nicht schämen

Es war viel von einer „Wundertüte“ die Rede. Die „Saarbrücker Zeitung“ hatte in ihrer Spielvorschau gar von einem „Himmelfahrtskommando“ gesprochen. Wie verkauft sich die völlig neuformierte Mannschaft ohne jegliche Saarlandliga-Erfahrung zum Auftakt der Restrunde auf dem Rastpfuhl? Am Ende stand eine deutliche Niederlage, keine „Himmelfahrt“, aber auch kein „Höllentrip“, kein „Wunder“, dafür sieben Gegentore in der „Tüte“. Dennoch: Jeder einzelne aus der jungen Truppe von Kevin Lüder, der am gestrigen Samstag aufgrund von Schwierigkeiten mit der Freigabe von Neuzugängen auf einige als Stammspieler vorgesehene und bereits erprobte Kräfte verzichten musste, hat gekämpft und das Beste aus sich herausgeholt. Borussia hätte nicht so hoch verlieren müssen. Das wussten auch die zahlreichen Anhänger zu honorieren, die ihre Mannschaft nach dem Abpfiff mit viel Beifall verabschiedeten.

„Es waren ein paar unnötige Gegentore dabei. Wir haben schon bewiesen, dass wir es besser können. Die Jungs waren doch sehr nervös, haben viel Respekt vor dem Gegner gezeigt und Angst gehabt, Fehler zu machen. Das Fehlen wichtiger Akteure mit Erfahrung haben sicherlich auch zur Verunsicherung beigetragen“, fasste der Trainer in einem ersten Statement noch auf dem Platz nach den 90 Minuten seine Eindrücke zusammen. „Das 0:2 nach 35 Minuten war eine kleine Vorentscheidung, nachdem wir davor eine gute Phase hatten und zunehmend besser ins Spiel fanden. Der Sieg für Rastpfuhl war zweifellos verdient, dennoch schade, dass das Resultat dann in den Schlussminuten noch so deutlich wurde. Der Einsatz der blutjungen Rumpfelf, von denen drei, vier Spieler durch das Ramadan-bedingte Fasten doch am Ende enorm geschwächt waren, war trotz allem vorbildhaft“, so die Einschätzung des sportlichen Leiters Boris Schellenberg.

Amah Dimitri Anenou (oben, gegen den Ex-Borussen Sayfedine El Khadem, li., und Lukas Steckelberg) und Jean Charles Managa Monthe (unten) versuchten, das Offensivspiel der Borussen anzukurbeln. (Fotos: -jf-)

In der Anfangsphase stand Borussias Torwart Tjorven Gehre im Mittelpunkt, der mit reaktionsschnellen Paraden den Rückstand verhinderte, aber nach 7 Minuten gegen Rudy M´Passis Schuss, der rechts oben im Winkel einschlug, machtlos war. Die Borussen konzentrierten sich zunächst auf die Defensive und taten sich mit dem Setzen offensive Akzente schwer. Die erste Gelegenheit bot sich Mostafa Ouzaid, der Rastpfuhls Torwart Erdin Bajrami prüfte (17.). In der Folge waren die Gastgeber dominant, es dauerte aber bis zur 35. Minute, ehe Borussias Abwehrspieler Vo Ba Duc nach einem Eckball von Alessandro de Agazio das Leder unglücklich ins eigene Tor abfälschte. Rastpfuhl wurde jetzt sicherer, und Max Recktenwald stellte mit einem trockenen Schuss, an dem Tjorven Gehre noch dran war, das dritte Tor her. Kevin Lüder und Boris Schellenberg verzichteten in der Pause auf den Gang in die Kabine und suchten auf dem Platz, ihre Schützlinge aufzubauen und neu zu justieren. „Vielleicht muss ich die erste Halbzeit auch auf meine Kappe nehmen, da wir personalbedingt eine andere Taktik gewählt hatten, die wir schon länger nicht mehr gespielt hatten“, ging Kevin Lüder selbstkritisch mit sich ins Gericht.

Nach dem Seitenwechsel und einer Umstellung agierten die Borussen wieder deutlich stabiler. Rastpfuhl hatte zwar weiter mehr Spielanteile und beschäftigte Tjorven Gehre zwischen den Pfosten mehr, als ihm lieb sein konnte, doch die Borussen-Defensive ließ kein Gegentor mehr zu. Bis eine Viertelstunde vor Schluss: Da landete nach einem Eckball ein flacher Ball von Sebastian Lück dann doch zum 4:0 hinter dem tapferen Torwart der Borussia ein. Jetzt hatte der FCR offensichtlich „Blut geleckt“ und knockte den waidwunden Gegner endgültig aus: Luc Rösler und Max Recktenwald machten binnen zwei Minuten das halbe Dutzend voll, ehe Alakoud für die Borussia bei einem schnellen Gegenzug die Chance auf den Ehrentreffer hatte, doch Erdin Bajrami im Rastpfuhler Kasten war auf dem Posten (88.) Nach zwei Super-Reflexen gegen Luc Rösler (89.) und Sinan Tomzik (90.) hatte  der tüchtige und bis dahin tadellose Tjorven Gehre in der Nachspielzeit sein Gregor-Kobel-Erlebnis: Ganz ähnlich wie Dortmunds Torhüter beim Champions-League-Aus in Bergamo versemmelte der nachher untröstliche Borussias Torwart einen Rückpass, verlor das Leder – statt es ins Aus zu schlagen – an Sinan Tomzik, der damit doch noch recht mühelos zu seinem 6. Saisontor kam.

Starker Tjorven Joel Gehre: Borussias Torwart war trotz der Gegentore und seines Grgeor-Kobel-Erlebnisses ein aufmerksamer Rückhalt seiner Mannschaft. (Foto: -jf-)

So stand unter dem Strich die von einigen doch erwartete klare Niederlage, durch die sich Kevin Lüder und sein Team aber nicht umwerfen lasse wollen: „Der Anfang ist jetzt gemacht, die Buwe wissen jetzt genau, was auf sie zukommt, und ich hoffe, dass wir deshalb die Nervosität in den kommenden Partien abfallen wird. Schämen müssen wir uns für diese Leistung auf keinen Fall, lediglich ein bisschen ärgern vielleicht, weil das Ergebnis am Ende etwas zu hoch ausgefallen ist“, so das Schlusswort von Kevin Lüder. Der Bewertung von fupa.net-Top-Ticker Axel Bastian stimmten jedenfalls durch ihren Applaus auch die Borussen-Fans auf dem Rastpfuhl zu: „Die Gästemannschaft hat alles gegeben und kann erhobenen Hauptes den Platz verlassen.“

Viel Zeit nachzudenken bleibt nicht: Denn auf die Borussen wartet jetzt gleich am kommenden Mittwoch in der Ferraro-Sportarena im Saarlandpokal (Anstoß: 19.00 Uhr) mit den Sportfreunden Köllerbach ein ungleich schwererer Gegner, ehe am kommenden Sonntag (Abstoß: 15.00 Uhr) der SV Bliesmengen-Bolchen nach Neunkirchen kommt. (-jf-)

Statistik: FC Rastpfuhl – Borussia 7:0 (3:0)

Borussia: Tjorven Joel Gehre – Yamen Al Janadi, Ali Aladdi (ab 72. Muayed Al Hamad Al Hassan), Tomas Schlegel, Moritz Schneider (ab 46. Hamit Sharifi), Ba Duc Vo (ab 89. Michael Kessler), Yaman Alakoud (ab 89. Boris Schellenberg), Amah Dimitri Anenou, Jean Charles Mananga Monthe, Mostafa Ouzaid, Hamza Alobaidaad. – Trainer: Kevin Lüder.

Tore: 1:0 (7.) Rudy M´Passi, 2:0 (35.) Ba Duc Vo (Eigentor), 3:0 (40.) Max Recktenwald, 4:0 (75.) Sebastian Lück, 5:0 (79.) Luc Rösler, 6:0 (81.) Max Recktenwald, 7:0 (90.+3) Sinan Tomzik. – Schiedsrichter: Nicolas Scherer (SG Saubach). – Zuschauer: 200. – Gelbe Karte Borussia: Ali Aladdi (51.).

Untenstehend einige Impressionen vom Spiel der Borussia beim FC Rastpfuhl. (Fotos: -jf-)