„Die Saison ist ein Marathon, kein Sprint!“

Schon in der B- und A-Jugend hat er unter den Trainer Ralph Flausse und Adetunji Adeyemi die Fußallschuhe für die Borussia geschnürt. Das Ellenfeld war eine gute Basis und der Ausgangspunkt für eine wechselvolle und erfolgreiche Karriere: 3. Liga, Regional- und Oberliga mit Elversberg I und II, FK Pirmasens, Völklingen, Saar 05 und dann der FSV Jägersburg – so lauteten die Stationen. Dass es dabei nicht immer rund lief, sieht der 30jährige nicht negativ: „Ich musste auch gegen Widerstände ankämpfen, doch das macht einen erst richtig stark!“ Zu den Tälern der Laufbahn gehören die Verletzungen, gleich dreimal erlitt Alexander Schmieden einen Kreuzbandriss, nach dem dritten legte er dann schweren Herzens seine Träume vom Profifußball ad acta und konzentrierte sich auf den Beruf: Nach dem Abitur 2012 am Leibnitz-Gymnasium in St. Ingbert hatte er Sportökonomie studiert und ist in einem Gesundheitsstudio tätig. Derzeit absolviert er zusätzlich die Ausbildung zum Heilpraktiker und Osteopath, das Ziel ist die Selbstständigkeit. „Das lässt sich mit dem ambitionierten Amateurfußball durchaus verbinden“, so Alexander Schmieden, der bei Freundin Julia, ehemaligen Fußballerin und selbst Fan, in festen und glücklichen Händen ist. Highlights seiner Laufbahn: Zwei besondere Tore: Zum einen das erste „Amateurtor des Jahres“, damals im Trikot von Röchling Völklingen, zum anderen ein Treffer für den FK Pirmasens im DFB-Pokal gegen den 1. FC Heidenheim – leider ohne größere sportliche Bedeutung. Als ausgesprochener Teamplayer hätte er aber gerne auf die beiden Tore verzichtet, „wenn wir dafür gewonnen hätten. Denn der Erfolg der Mannschaft steht für mich ganz klar vor den persönlichen Interessen.“ Diese Einstellung wird auch im folgenden Interview deutlich, in dem Borussias Neuzugang (AS) sich anlässlich des heutigen Gastspiels bei seinem Ex-Verein FSV Jägersburg ganz viel zu verschiedenen Aspekten zu sagen hat.

Alexander, vor mehr als 20 Jahren gab der deutsche Meister Bayern München in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde seine Visitenkarte im Ellenfeld ab. Erinnerst Du Dich?

AS (lacht): Ja, klar! Damals war ich zehn Jahre alt. Mein erster Stadionbesuch mit meinem Papa. Eine Riesenkulisse in einem tollen Stadion – vielleicht das schönste im ganzen Saarland. Da ahnte ich noch nicht, dass ich später mal selbst als Jugendlicher hier spielen sollte!

Jetzt trägst Du wieder das Borussen-Trikot. Wie kam der Wechsel zustande:

AS: Eher zufällig. Wir haben mit Tim Braun zusammen Silvester gefeiert, da hat er ganz einfach mal seine Fühler ausgestreckt und mein Interesse geweckt. Denn da ich derzeit nicht die gewünschten Einsatzzeiten bekomme und die Borussia seit meiner Jugendzeit im Ellenfeld immer noch einen Platz in meinem Herzen hat, war die Sache für mich schon von Anfang an mehr als nur eine Überlegung wert. Der Wechsel hat für mich so ein bisschen was von Heimkommen an sich.

Wieder im Borussen-Trikot: Mittelfeldspieler Alexander Schmieden konnte in den Testspielen beweisen, dass er eine Verstärkung für Borussia ist. (Fotos: -jf-)

Jetzt geht es gleich zum Saisonstart morgen in Jägersburg gegen Deinen Ex-Club – ein besonderes Spiel?

AS: Ja und nein. Einerseits habe ich sechs Jahre lang beim FSV gespielt, habe hier viele positive Bekanntschaften gemacht und bin so manchen Leuten sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich hier sammeln durfte. Andererseits zählt für mich jetzt die Borussia. Wir wollen gut in die Saison starten, möglichst mit drei Punkten, das ist unser Ziel.

Danach wird man schon gleich wissen, wo man steht. Sagt jedenfalls FSV-Trainer Christian Frank. Welchen Stellenwert misst Du der Partie, mal abgesehen vom Persönlichen, bei?

AS: Ich würde das nicht ganz so hoch hängen und mehr in den Rahmen der gesamten Spielzeit einordnen. Klar, das erste Spiel ist schon eine Standortbestimmung, aber nur eine Momentaufnahme. Die Saison umfasst 34 Spiele. Wenn du die zwei Spiele gegen Jägersburg verlierst, hast du immer noch 32 weitere Spiele, die du gewinnen kannst. Umgekehrt: Gewinnst du morgen in Jägersburg, stehen noch 33 Spiele an, die du verlieren kannst. Bildlich gesprochen: Die Saison ist kein Sprint, sondern ein Marathon, bei dem es auf Fleiß, Geduld, Ausdauer und Beharrlichkeit ankommt. Durch Rückschläge, die für jedes Team kommen werden, auch für uns, darf man sich nicht aus der Ruhe und vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen. Beispiel FV Eppelborn: Wo stand der Club im Herbst letzten Jahres? Und ist doch am Ende in die Oberliga aufgestiegen! Deshalb sollten wir uns vor dem Spiel morgen Abend keinen unnötigen Druck machen, auch wenn wir wissen, dass ein guter Auftakt natürlich wichtig ist und zusätzliche Kräfte freisetzen kann.

Apropos Oberliga – ist das auch Euer erklärtes Ziel?

AS: Wir wollen gerne zusammen hoch. Aber wie gesagt: Die Devise muss lauten, von Spiel zu Spiel zu schauen. Nur eine Floskel, aber mit viel Wahrheit dahinter. Unser Ziel ist es nicht, nach dem ersten Spieltag Tabellenführer zu sein, sondern im Mai 2025 am Ende des Marathonlaufs mit vorne einzulaufen. Das ist die Hauptintention, alles andere dazwischen sind kleine Ziele.

Teamplayer Alexander Schmieden: Im Training (oben) wie im Spiel (unten) alles geben für die Kameraden. (Fotos: -jf-)

Was wird wichtig sein, um dieses große Ziel zu erreichen?
AS: Ein entscheidender Faktor ist der Teamspirit. Wir brauchen jeden einzelnen auf dem Platz von der Nummer 1 bis zur Nummer 22, dazu auch den gesamten Staff. Was man mit Teamgeist und Kameradschaft erreichen kann, haben in der jüngeren Vergangenheit Griechenland bei der EM 2004 und Island bei der EM 2016 gezeigt. Ganz zu schweigen von den deutschen 54er-Weltmeistern. Auf einem Borussen-T-Shirt ist hinten am Kragen Fritz Walters Marschroute aufgedruckt: „Der Schlüssel zum Erfolg ist Kameradschaft und die Bereitschaft, alles für den anderen zu geben.“ Vermeintlich auch so eine Floskel, hinter der aber unheimlich viel Wahrheit steckt. Denn Teamgeist und Mentalität kann in einem Mannschaftssportart auch Qualität besiegen! Daran sollten wir in jedem Spiel denken und in diese Kameradschaft auch die Fans mit einbeziehen, die unser 12. Mann sein können. Vor allem, wenn es mal eng wird!

Wie siehst Du Borussia nach der Vorbereitung aufgestellt?

AS: Positiv! Wir haben die Testspiele erfolgreich bestritten. Zwar gab es beim 2:3 gegen Baumholder einen kleinen Dämpfer, aber da hatten wir aufgrund der strapaziösen Vorbereitung schwere Beine. Wir haben hart gearbeitet, der Trainer hat uns ordentlich rangenommen, all haben sehr gut mitgezogen. Dafür wollen wir uns jetzt in der Runde belohnen. Auch noch wichtig: Wir haben derzeit außer Simon Schreibeisen keine verletzungsbedingten Ausfälle!

Wie schätzst Du Deinen Ex-Club FSV Jägersburg und die Saarlandliga ein?
AS: Der FSV gehört sicher zu den großen Favoriten. Sie haben eine sehr gute Truppe zusammen. Die Liga insgesamt ist in meinen Augen brutal stark. Neben Jägersburg gehören Wiesbach, aber auch Hasborn, Quierschied und wir zu den Anwärtern auf die zwei ersten Plätze. Die Aufsteiger Rastpfuhl und Brebach sollte man auch nicht unterschätzen: Sie haben viel individuelle Qualität im Kader, leben zusätzlich von der Euphorie, haben sie doch im Aufstiegsjahr nur Siege gekannt! Vielleicht stößt aber im Lauf der Runde auch noch ein Überraschungsteam nach vorne: Saar 05 oder Köllerbach. Die Sportfreunde haben mit Torjäger Jan Issa schließlich einen Mann in ihren Reihen, der den Unterschied ausmachen kann.

Vor fünf Jahren beim 7:1 in der Ferraro-Sportarena zweifacher Torschütze für Jägersburg und Kontrahent von Marco Dahler: Alexander Schmieden (li.), der heute gemeinsam mit Borussias Kapitän im Alois-Omlor-Sportpark um die ersten Saarlandliga-Punkte 2024/25 kämpft. (Archivfoto: Susi Welter)

Es gibt ja auch Stimmen, die die Saarlandliga aus Sicht der Borussia für lukrativer halten als die Oberliga. Wie siehst Du das?

AS: Das sollte man differenziert betrachten. Natürlich ist die Saarlandliga mit ihren kurzen Wegen und zahlreichen Lokalderbys lukrativ. Wir als Sportler wollen aber den maximalen Erfolg. Auf diesem Weg wollen wir die Option schaffen, in die Oberliga zurückzukehren. Ob das dann wirtschaftlich machbar ist, müssen andere im Verein entscheiden. Natürlich ist die Oberliga ohne großen Sponsor nur schwer zu stemmen. Hier ziehe ich den Hut vor kleineren Vereinen wie Mechtersheim oder Karbach, die sich schon jahrelang in der Oberliga halten. Das ist für jeden Verein eine Mammutaufgabe, ich habe ja Sportökonomie studiert und habe von daher einen anderen Blick darauf. Hinzu kommt ja auch, dass die meisten Oberliga-Vereine unter Amateurbedingungen spielen. Die meisten Spieler gehen ja einer Berufstätigkeit nach, da ist es schwer genug, die vielen Wochentagsspiele, die es ja mittlerweile auch in der Saarlandliga und im Saarlandpokal gibt, mit dem Beruf unter einen Hut zu bringen!

Alexander, vielen Dank für das interessante Gespräch und Deine Einschätzungen vor Rundenbeginn. Dir und dem ganzen Team wünschen wir für heute Abend ganz viel Erfolg und auch das notwendige Quäntchen Glück und drücken die Daumen! (-jf-)

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