Borussia in Zukunft ohne Tim Cullmann, Marco Dahler und Norman Schmitt
Wie erwartet haben drei weitere Spieler aus der Saarlandliga-Mannschaft die Borussia in diesen Tagen verlassen. Neben Stürmer Norman Schmitt werden auch die beiden dienstältesten Borussen, Tim Cullmann und Marco Dahler, nicht mehr im Ellenfeld auflaufen. Während Norman Schmitt wieder zum SV Kirkel zurückkehrt, bleiben Marco Dahler und Tim Cullmann wenigstens dem Vereinsnamen treu und wechseln mit sofortiger Wirkung zu den Preußen (lat. Name: Borussia) nach Merchweiler. Dort treffen sie im Sommer auf ihren früheren Borussen-Trainer Björn Klos.
Mit Tim Cullmann und Marco Dahler gehen nicht nur ein Borussen-Urgestein und der „Capitano“, sondern auch zwei Identifikationsfiguren von Bord. Tim Cullmann (Foto oben/-jf-) durchlief alle Jugendmannschaften der Borussia und trug bis auf ein eineinhalbjähriges Intermezzo bei den Junioren des 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg nie ein anderes Trikot als das schwarz-weiße mit dem goldenen „B“ auf der Brust. Der Abschied vom Ellenfeld stimmt den 34jährigen entsprechend traurig. „Nach so vielen Jahren im Verein habe ich mir einen anderen Abschied gewünscht – vielleicht irgendwann sowas wie ein letztes Heimspiel und dann leise `Servus´ sagen. Da bin ich irgendwo immer noch Fußballromantiker“, so der Ur-Borusse. In 344 Spielen flitzte er die rechte und linke Außenbahn rauf und runter, schoss dabei 24 Treffer und gab 35 Torvorlagen (Zahlen: fussball.de). Zu einem Wechsel sah keine Alternative: „Ich bin nicht mehr der Jüngste und möchte noch ein bisschen auf Saarlandliga-Niveau spielen. Das Problem ist, dass man uns keine Perspektive über den Sommer hinaus aufzeigen konnte – nicht, weil der Verein nicht wollte, sondern es aufgrund der ungewissen Situation, in der bislang ja noch kein Insolvenzverwalter bestimmt ist, auch nicht kann“, will „Culle“, wie er im Ellenfeld gerufen wird, dem amtierenden Vorstand keinen Vorwurf machen. Kleine Einschränkung: „Die Kommunikation hätte besser sein können.“ Für den Fall, dass aufgrund fehlender Masse erst gar kein Insolvenzverfahren eröffnet wird, und der Spielbetrieb beispielsweise dann ab März eingestellt werden müsste, hätte Tim Cullmann keine Möglichkeit mehr gehabt den Verein zu wechseln, sondern wäre zum „Nichtstun“ gezwungen gewesen. „Und dann noch im Sommer irgendwo unterzukommen, wäre auch nicht so einfach gewesen, da die Planungen der Vereine über das Saisonende hinaus ja jetzt schon laufen“, erklärt der Routinier seine schwierige Lage und verwehrt sich mit Vehemenz gegen Bemerkungen in den sozialen Netzwerken, nach denen „die Ratten das sinkende Schiff verlassen“.

Das sieht auch Marco Dahler (Foto oben/-jf-) so. Seine Gefühle sind ebenfalls von Wehmut geprägt. Wie Kollege und Freund Tim Cullmann hätte er nur allzu gerne seine Karriere im Ellenfeld beendet. „Hier habe ich mich immer sehr wohlgefühlt und hatte eigentlich geplant, noch drei, vier Jahre aktiv zu kicken und dann mich als Trainer oder Spielertrainer in die Landes- oder Verbandsliga weiter zu engagieren.“ 2015 war der heute 30jährige nach Jahren in der U19 des FK Pirmasens und der U19 und zweiten Mannschaft des 1. FC Saarbrücken 2016 gekommen und stand in 263 Spielen für Borussia seinen Mann. Marco Dahler galt und gilt als sicherer Elfmeterschütze, unter seinen 48 Treffern befindet sich manch verwandelter Strafstoß. Wie Tim Cullmann bedauert der Innenverteidiger den „stillen Abschied: Man kann sich gar nicht von den vielen tollen Menschen, de man hier kennengelernt hat, verabschieden. Irgendwo bin ich ja nicht nur Spieler, sondern auch Fan des Vereins.“ Die fehlende Perspektive über Frühjahr und Sommer hinaus war auch für Marco Dahler eine zu schwere Hypothek: „Das hat nichts mit Charakterschwäche zu tun“, wehrt er sich ebenfalls gegen Vorwürfe in den sozialen Medien. Schwer tut er sich mit dem `Servus´-Sagen, das spürt man. Ein kleiner Trost: „Dass ich weiter zusammen mit meinem Freund und Trauzeugen Tim Cullmann in Merchweiler spielen kann.“ Die Verbindung zu den Preußen entstand anlässlich seiner Hochzeit vor Weihnachten, wie Tim Cullmann erzählt: „Wir haben mit Marcos Schwager Björn Klos, der ja ab Sommer wieder in Merchweiler anheuert, eher scherzhaft darüber gesprochen, doch nach den Feiertagen ist das schnell konkret geworden. Preußen hat sich sehr bemüht. Es gab auch andere Anfragen, aber Merchweiler ist zudem eine Location, die ich mit Beruf und Familie logistisch gut unter einen Hut bringen kann“, nennt Tim Cullmann ausschlaggebende Punkte für seine Wahl zugunsten der „Adler“.
Der Borussia bleibt derzeit nichts weiter als sowohl Marco Dahler als auch Tim Cullmann ganz herzlich zu danken für ihr jahre-, ja sogar jahrzehntelanges Engagement im Ellenfeld. Macht´s gut, Ihr beiden, viel Glück und Erfolg bei den anderen Preußen in Merchweiler, wo Ihr mit Sicherheit noch etwas bewegen könnt!

Norman Schmitt (Foto oben/-sw-) war im vergangenen Sommer mit viel Vorschusslorbeeren zur Borussia gekommen. Der Enkel von Borussias Ehrenmitglied Theo Britz hat durch eine mehr als beeindruckende Torquote (in 64 Spielen 119 Tore!) beim SV Kirkel auf sich aufmerksam gemacht und dadurch einen maßgeblichen Anteil Aufstieg in die Landesliga beigetragen. Nun wollte der 29-Jährige auch beim Traditionsverein Borussia in der Saarlandliga diese Kaltschnäuzigkeit vorm gegnerischen Tor unter Beweis stellen – doch es kam anders. Denn drei Tage vor Vorbereitungsbeginn im Ellenfeld riss sich der Angreifer in einer unglücklichen Situation das vordere Kreuzband. Natürlich brach bei Norman Schmitt nach Erhalt der Diagnose für kurze Zeit erst einmal eine Welt zusammen – denn der 29-Jährige ist ein absoluter Vollblutfußballer, bei dem diese Sportart als Aktiver oder auch Zuschauer live im Stadion oder vorm Fernsehen eine riesige Rolle einnimmt. Und dass der Torjäger völlig fußballverrückt ist, bewies auch der Tag seiner ambulanten Operation: Noch am gleichen Tag unterstützte er seine neue Mannschaft bei der 1:2 (0:1)-Auftaktniederlage im heimischen Ellenfeldstadion gegen den Aufsteiger 1. FC Saarbrücken II. Seitdem hat er seine Mitspieler in jedem Spiel von der Seitenlinie aus unterstützt. Ob Norman Schmitt in der Frühjahrsrunde nach der schweren Verletzung im Trikot seines neuen und alten Vereins gleich wieder seine Torjägerqualitäten auf den Platz bringen kann, bleibt abzuwarten. Die Borussia bedauert, dass er im Ellenfeld nicht zeigen konnte, wozu er fähig ist, bedankt sich aber trotzdem für seine Unterstützung der Mannschaft und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute, viel Glück und Erfolg! (-jf-)