… so bezeichnet man bekanntlich einen erfolgreichen Neuanfang nach einer großen Niederlage oder aus einer aussichtslosen Situation. Ein Begriff aus der griechischen Mythologie, nach der ein einzigartiger Vogel, als Phönix bezeichnet, verbrennt, zu Staub verfällt und daraus wiedergeboren wird. Ein Symbol für Stärke, Auferstehung und Unsterblichkeit. Doch was hat das mit Borussia Neunkirchen zu tun? Ich will versuchen, hierauf eine Antwort zu geben.
Eine große Niederlage hat die Borussia zwar nicht im sportlichen Sinne auf dem Platz bezogen, wie allgemein bekannt ist, so dass ich auf die Gründe hierfür nicht weiter einzugehen brauche. Die dramatische Folge war allerdings der vollständige Verlust der Saarlandliga-Mannschaft. Eine schier aussichtslose Situation also, sollte man meinen. Wie das Insolvenzverfahren ausgehen und ob die Mannschaft auch künftig in der Saarlandliga weiterspielen kann, das wissen wohl nur die Götter, zumindest nach derzeitigem Stand. War´s das also, das Ende eines Traditionsvereins, der in der Vergangenheit grandiose Erfolge feiern konnte, der viele Meisterschaften, Aufstiege und sogar drei Spielzeiten in der 1. Bundesliga absolvierten durfte?
Sportliche Erfolge blieben bei Borussia Neunkirchen in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends bekanntlich zunehmend aus. Eine lange Talfahrt, die für den ehemaligen Bundesligisten letztlich in der Saarlandliga endete. Nach den unrühmlichen Ereignissen außerhalb des Platzes droht unter Umständen sogar die Gefahr, die Existenzberechtigung völlig zu verlieren, was der liebe Fußballgott verhüten möge.
Doch in höchster Not kam ein Phönix im schwarz-weißen Borussendress ins Spiel. Ein Trainer namens Kevin Lüder, der bei orkanartigem Sturm auf die Kommandobrücke stieg, um das Ruder noch herumzureißen, bevor das Schiff wie einst die Titanic an einem Eisberg zerschellt und mit Mann und Maus untergeht. Und diesem Steuermann gelingt es tatsächlich, eine neue Mannschaft zu formen, die sich, genau so, wie er selbst, unentgeltlich in den Dienst der Sache stellt.
Ganz gleich, wie diese Geschichte sportlich ausgehen wird, das ist schon jetzt ein einzigartiger Erfolg, der mich nach sehr vielen Jahren tatsächlich wieder an den guten alten Borussengeist erinnert, der in der Vergangenheit den Erfolg der Borussia ausgemacht hat. Man kann vor diesem beispiellosen Teamgeist nur den Hut ziehen, was ich mit diesen Zeilen gerne zum Ausdruck bringen möchte. Und dieses Team hätte es meines Erachtens sehr verdient, wenn sich ein renommierter Sponsor finden würde, der das genau aus diesem Grund auch unterstützt. Borussia Neunkirchen, ein bundesweit bekannterTraditionsverein, hat letztlich gerade mit dieser Aktion bewiesen, dass er diesen Namen völlig zu Recht verdient hat.
In diesem Sinne möchte ich als ehemaliger Kolumnist wenigstens noch einmal dieses großartige Borussenlied anstimmen:
„Go Borussia, zusammen steh´n und Siege seh´n
Go, Borussia, wir lassen tausend Fahnen weh´n!“
Zum Autor: Raimund Eich, Diplomingenieur der Elektrotechnik, Buchautor und Digital Creator, ist seit Kindertagen Fan der Borussia und hat viele Spiele live im Ellenfeld erlebt. Darüber hinaus waren seine Kolumnen jahrelang fester Bestandteil des Stadionmagazins „Blick ins Ellenfeld“. Gerne erinnert er sich an die guten Zeiten der Borussia: „Wenn Borussia Neunkirchen im Ellenfeld spielte, war die Stadt wie verwandelt. Schwarz-Weiß waren nicht nur Farben, sie waren ein Gefühl des Stolzes, dass so eine kleine Stadt mit den größten Vereinen um Meisterschaften und Aufstiege bis in die Bundesliga kämpfte. Wir standen dicht gedrängt im überfüllten Ellenfeld. Das Raunen bei spektakulären Spielszenen, das Ausstöhnen, wenn ein Schuss daneben ging, der ohrenbetäubend Jubel bei einem Borussen-Treffer waren kilometerweit zu hören. Und wenn die Borussia gewann, dann war die Welt in Neunkirchen in Ordnung und der Gerstensaft floss in Strömen“, hat er einmal in seinen Erinnerungen notiert. Seine Familie war ebenfalls für die Borussia engagiert: Raimund Eichs Frau Rosi im legendären Fan-Ball vor dem Stadion beim Verkauf von Fanartikeln, sein Sohn Roland als Mitglied des erweiterten Vorstands. Auch wenn die Besuche im Ellenfeld mittlerweile seltener geworden sind, so ist Raimund Eich doch nach wie vor der Borussia eng verbunden und verfolgt das Geschehen im Ellenfeld mit großem Interesse und viel Anteilnahme. Vielen Dank, lieber Raimund, für diese wieder zutreffenden Gedanken, die zeigen, dass die Borussia trotz aller Schwierigkeiten weiter lebt! (-jf-)