„Mein Leben mit der Borussia“

Unser Bild: Schon anlässlich des „Tags des offenen Denkmal“ im September hatte Ehrenpräsident Dr. Hans Bauer „aus dem Nähkästchen“ der Borussen-Geschichte geplaudert, jetzt hat er viele seiner Erlebnisse in einem Buch zusammengefasst. (Fotos: -jf-)

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen. Ja, Dr. Hans Bauer ist nicht nur mit der Borussia Reisen in ferne Länder, wie 1984 nach Marrakesch und Marokko und 1988 nach Singapur, Malaysia und Bali, gereist und dabei viele Eindrücke gesammelt, sondern hat auch das Innenleben des Vereins „bereist“, war der 87jährige doch 16 Jahre lang in verschiedenen Ämtern aktiv: 1971 erster Vorsitzender unter dem Präsidenten Kurt Gluding (für Hans Bauer „die bedeutendes Persönlichkeit in der Geschichte der Borussia“), von 1973 bis 1988 (mit einem Jahr Unterbrechung durch Berthold Muthweiler) Vereinschef der Borussia, 2005 leitender Organisator der 100-Jahr-Feier, bis 2007 Mitglied des Verwaltungs- und Aufsichtsrats – um nur einige Aktivitäten zu nennen. Seine Eindrücke und Erfahrungen hat der Jurist jetzt in einem Buch zusammengefasst. Es trägt den Titel des zuletzt noch von Dieter Woll anlässlich der Mitgliederversammlung angestimmten Vereinsliedes: „Hoch lebe Eisen hoch lebe Stahl …!“

Der Untertitel „Mein Leben mit Borussia“ deutet an: Der Schwerpunkt des Buches liegt auf den persönlichen Erlebnissen des Ehrenpräsidenten, der 1997 für seine Verdienste um sein sportliches Engagement das Bundesverdienstkreuz erhielt. Die Schilderungen beginnen mit seinem ersten Besuch im Ellenfeld-Stadion Ende der 1940er-Jahre, als der 11jährige Bub der Borussia bei einem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (mit den späteren Weltmeistern Fritz und Ottmar Walter, Werner Liebrich, Horst Eckel und Werner Kohlmeyer) vergeblich die Daumen drückte: Die Roten Teufel siegten mit 3:1, was aber der neu gewonnenen Fußball-Liebe keinen Abbruch tat. Denn seit dieser Zeit gehört der Ellenfeld-Besuch zur wochenendlichen Routine des jungen Hans Bauer, der die erfolgreichen Zeiten der Borussia Ende der 50er- und in den 60er-Jahren miterlebt und einige Anekdoten zum Besten gibt. So riss zum Beispiel die 2:5-Niederlage seiner Borussen im DFB-Pokalendspiel 1959 gegen Schwarz-Weiß Essen ein dickes Loch in die Kasse des damaligen Studenten, hatte er doch als Mitglied in einer Bonner Studentenverbindung gegen jeden der 14 Verbindungsbrüder aus Essen auf einen Sieg seiner Borussia gesetzt – Wetteinsatz: je ein Kasten Bier!

Der interessierte Leser erfährt darüber hinaus, dass nicht „Dixie“ Kobel 1978 im 2.Liga-Spiel gegen die Stuttgarter Kickers das erste „Phantom-Tor“ im Profifußball erzielte, sondern dass dies bereits ein paar Jahre zuvor im Heimspiel der Borussia gegen die Spvgg Bayreuth geschehen war: „Ich stand mit dem Spielausschussmitglied Dieter Hornberger hinter dem Spieser Tor, das von Willi Ertz gehütet wurde. Bayreuth schoss ein vermeintliches Tor. Der Schuss ging ins Tor und war so heftig, dass das Tornetz zerfetzte und der Ball hinter dem Tor zwischen Netz und Bande zum Liegen kam“, berichtet Hans Bauer, nach dessen Erzählung Borussen-Keeper Willi Ertz geistesgegenwärtig reagierte: „Er lief um das Tor herum, holte den Ball und machte seinen Abstoß. Währenddessen waren die Bayreuther Spieler zur Mittellinie gelaufen, konnten also die Aktion von Willi Ertz nicht sehen. Erst als der Ball abgeschlagen war, bemerkten sie den Irrtum des Schiedsrichters, der von einem Schuss neben das Tor ausgegangen war. Die wütenden Proteste nutzten nichts, der Schiedsrichter gab kein Tor. Wir gewannen 1:0.“

Was die meisten auch nicht mehr wissen: Der Gewinn der Aufstiegsrunde 1978 (gegen Rheinlandmeister TuS Neuendorf und Südwest-Titelträger Mainz 05) hatte nicht den sofortigen Aufstieg in die 2. Liga zur Folge. Es war noch ein weiteres Qualifikationsspiel auf neutralem Platz in Heilbronn gegen den Hessenmeister Hanau 93 notwendig! Das aber war aufgrund der klassenhöheren Relegationsspiele, in denen sich der Südzweite 1. FC Nürnberg gegen Nordzweiten Rot-Weiß Essen durchsetzte, plötzlich nicht mehr notwendig. Doch „der Verband bestand auf der Austragung. Borussia schaltete schnell: Statt Mannschaftsfahrt Einladung an alle Funktionäre und Frauen einschließlich Spielerfrauen“, erzählt Hans Bauer, der gemeinsam mit den Vorstandskollegen einen feuchtfröhlichen Ausflug erlebte, da der feststehende Aufstieg bereits am Vorabend ordentlich gefeiert worden war. Das Spiel indes endete vor wenigen Zuschauern schiedlich-friedlich unentschieden. Was sich wie ein roter Faden durch die Nach-Bundesligazeit zieht: Borussia war finanziell nie auf Rosen gebettet, hatte immer wieder mit pekuniären Nöten zu kämpfen. Noch 2007 konnte Dr. Hans Bauer, in schwieriger Zeit (bis März 2008) noch einmal zum Notvorstand berufen, eine drohende Insolvenz abwenden.

Illustriert wird Hans Bauers Buch von zahlreichen Tabellen, originalen Zeitungsausschnitten und vielen Fotos aus dem reichen Archiv des Saarbrücker Fotografen Ferdi Hartung, der die Borussia in diesen Jahren begleitete. Zum Schluss wirft der Autor noch einen Blick auf seine letzte fußballerische Aktivität im sogenannten „Montagsclub“, der sich, wie der Name sagt, stets montags (um 19.00 Uhr) zum Kicken traf.

Fazit: „Hoch lebe Eisen, hoch lebe Stahl…“ ist für alle Borussen-Fans ein lesenswertes, fast 200 Seiten umfassendes Buch, das flüssig geschrieben ist und einen interessanten, mit viel Hintergrundinformationen gefütterten Streifzug durch die Borussen-Geschichte von den 50er- bis in die 200er Jahre bietet. Zu erwerben ist das im DIN-A-4-Format gehaltene Buch in der Buchhandlung König in der Neunkircher Bahnhofstraße. Der Kaufpreis von 20,- Euro  ist gut angelegtes Geld! (-jf-)